Debatten-Dienstag – „Wir müssen reden!“

Debatten-Dienstag – „Wir müssen reden!“

Notizbuch. Foto: MSPT | Stefanie Kösling

Aus dem Bürgerforum im Herbst 2017 entstand die Idee, eine Veranstaltungsreihe zu konzipieren, bei der Frankfurter Bürger*innen sich gezielt über Themen informieren können, die ihnen im Zusammenhang mit der fortschreitenden Digitalisierung besonders wichtig sind. Gleichzeitig war es dem kuratorischen Team ein großes Anliegen, dass sich die Teilnehmer*innen jederzeit selbst aktiv in den Diskurs einbringen können. Ergebnis der gemeinsamen Überlegungen ist die die Veranstaltungsreihe „Digitale Diskussionskultur – Wir müssen reden!“, kurz: Debatten-Dienstag.

 

Die Idee

AlleKübra Gümüşay mit Mikrofon. Notizbuch. Foto: MSPT | Stefanie Kösling zwei Monate kommen seit August 2018, jeweils an einem Dienstagabend, drei Expert*innen aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft im Museum für Kommunikation zusammen und diskutieren über Fragen, die unsere digitaler werdende Gesellschaft  prägen. Es geht um Hate Speech und den richtigen Umgang mit ihr; um digitale Demokratie; um alternative Kommunikationskanäle; um Datenschutz, Kontrolle und digitale Freundschaften.

 

Das Format

Das Auditorium der Fishbowl. Foto: MSPT | Stefanie KöslingModeriert werden die Gäste dabei von Indre Zetzsche und seit 2010 von Tine Nowak. Aber – und das macht  das Format so besonders – sie diskutieren nicht nur miteinander, sondern auch mit den Besucher*innen. Ermöglicht wird dieser Austausch durch das Format der „Fishbowl-Diskussion“. Ein Stuhl in der Runde ist frei für die Teilhabe des Publikums. Die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen, wird viel und gern genutzt – gleichzeitig bleibt auch immer genug Raum, vom Wissen der eingeladenen Expert*innen zu profitieren.

 

Die Digital-Version

Frau am Smartphone. Foto: MSPT | Stefanie KöslingUnd das nicht nur im Museum selbst: Die Veranstaltungen werden auf LebenX0.de und Facebook live gestreamt und können später bei Youtube nachgeschaut werden! Wer per Stream dabei ist, kann sich in die Debatte einklinken, indem unter den Hashtags #lebenX0 oder #debattendienstag bei Twitter ein Kommentar abgegeben wird. Mitarbeiter*innen des Museums begleiten die Diskussion online und bringen konstruktives Feedback oder Fragen gern in die Runde ein.

 

Die Gäste

Zu GaJörn Müller-Quade diskutiert. Foto: MSPT | Stefanie Köslingst waren bislang z.B. Kübra Gümüşay, Netzaktivistin und Journalistin; Louis Klamroth, Moderator der mit dem deutschen Fernsehpreis ausgezeichneten Politshow „Klamroth’s Konter“; der Youtuber Mirko Drotschmann, besser bekannt als „Mr. Wissen2go“; die Bürgerrechtlerin Katharina Nocun sowie Prof. Dr. Ursula Münch, Leiterin der Akademie für politische Bildung in Tutzing.

Gemeinsam mit anderen, wunderbaren Gästen gestalteten sie informative und unterhaltsame Abende…

…für und mit einem sehr gemischten und stets diskussionsfreudigen Publikum.

Das Auditorium hört zu. Foto: MSPT | Stefanie Kösling

Wie es scheint, schließen sich viele engagierte Menschen unserer Ansicht an: Wir müssen reden!“

Autorin: Anjuli Spieker

Leben & Lernen X.0 – Die Projektgenese

Leben & Lernen X.0 – Die Projektgenese

 

Ein Projektrückblick: Das Projekt „Leben & Lernen X.0“ gibt es bereits seit über zwei Jahren. Seine Wurzeln liegen in der Eröffnung der neuen Dauerausstellung „Mediengeschichte(n) neu erzählt“ am Museum für Kommunikation Frankfurt. Neben historischen Objekten, die eine bewegte Vergangenheit lebendig werden lassen, gehen wir dort auch auf künftige Entwicklungsmöglichkeiten menschlicher Kommunikation ein. Gerade in diesem Bereich sollen nicht nur Expert*innen zu Wort kommen – sondern auch Frankfurts Bürger*innen, die Interesse an den Transformationsprozessen im Zusammenhang mit der Digitalisierung haben und die Zukunftsgesellschaft mitgestalten möchten.

Im September 2017 wurde im Museum für Kommunikation Frankfurt eine neue Dauerausstellung eröffnet: Mediengeschichte(n) neu erzählt. Veränderte Besuchererwartungen, Medienwandel und Medienkonvergenz sowie veränderte Rezeptionsformen wurden in die Planung einer Struktur einbezogen, die nicht mehr chronologisch den Verlauf der Kommunikations- und Mediengeschichte nachzeichnet, sondern den Besucher*innen ermöglicht, durch die Kommunikationsgeschichte zu „surfen“ – mit derselben Leichtigkeit und Spontanität, mit der man sich auch im Internet bewegt.

Anders formuliert: Mediengeschichte(n) neu erzählt greift ein dynamisches Nutzer- und Rezeptionsverhalten auf, bei dem Informationsbeschaffung nicht mehr linear gedacht wird, sondern sich von neuen Anreizen und Querverbindungen inspirieren lässt. So entsteht ein hochindividualisierter Rundgang, der – je nach Alter, Interessen und Zeitmanagement – einen völlig eigenen Charakter gewinnt und die Kommunikationsgeschichte in neuem Licht erscheinen lässt.

Grundriss der neuen Dauerausstellung

Die Ausstellungsfläche gliedert sich in fünf Bereiche. Vier davon widmen sich den großen Phänomenen, die zwischenmenschlichen Austausch prägen: Vernetzung, Teilhabe, Beschleunigung und Kontrolle. Jedem dieser komplexen Phänomene sind illustrierend Themeninseln zugeordnet, die anhand von Objekten aus der umfangreichen Sammlung des Museums spannende und skurrile, manchmal aber auch sehr berührende Geschichten erzählen. Der fünfte Bereich der Dauerausstellung – die Galerie der 21. Köpfe für das 21. Jahrhundert – wirft einen Blick in die Zukunft.

21 Köpfe für das 21. Jahrhundert

Galerie der 21 KöpfeHier vermitteln 21 Expert*innen in drei- bis fünfminütigen Interviews ihre Einschätzungen, wie sich Kommunikation durch Digitalisierungsprozesse künftig verändern wird. Vertreten sind unter anderem Harald Welzer (Soziologe und Zukunftsforscher) Barbara Hans (Chefredakteurin von Spiegel online), Stefan Aufenanger (Professor für Medienpädagogik), Yvonne Hofmeister (IT-Unternehmerin) und Markus Beckedahl, Netzaktivist und Gründer von netzpolitik.org. Aus der Sammlung der Zukunftsperspektiven von Menschen, die sich nicht nur sicher und oft viele Stunden täglich im Netz bewegen, sondern aus beruflichen Gründen auch über diese Prozesse reflektieren, entwickelte sich für die Kurator*innen des Museums eine weitergehende Frage: „Wie stellt sich eine Zukunft in der digitalisierten Welt eigentlich für unsere Besucher*innen dar?“

    • Wie empfinden Frankfurter Bürger*innen die Vorstellung, dass das Miteinander künftig immer stärker von der Präsenz digitaler Helfer geprägt sein könnte?
    • Wie kompetent schätze sie sich selbst im Umgang mit neuen Medien ein? Und welche Angebote wünschen sie sich unterstützend vom Museum für Kommunikation?

„Kick off“: Das Frankfurter Bürgerforum

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen und aus den gewonnenen Einblicke möglichst besuchernahe Projektinhalte zu generieren, fand im Oktober 2017 das Frankfurter Bürgerforum zum Thema Digitalisierung statt. Dazu lud das Museum offen ein – jeder und jede Interessierte konnte einen Nachmittag lang mit anderen Teilnehmer*innen und einem großen Mitarbeitenden-Team ins Gespräch kommen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Oliver Kuklinski der gleich zu Beginn die ca. 50 Teilnehmenden zur aktiven Teilnahme animierte, indem er um eine Aufstellung entsprechend der selbst-wahrgenommenen Kompetenz bat.

Innerhalb der entstehenden „Kompetenzgruppen“ diskutierten Männer und Frauen unterschiedlichster Alters- und Berufsgruppen später an fünf Tischen, welche Themenbereiche ihnen im Hinblick auf Digitalisierungsprozesse am wichtigsten erscheinen. Aus den Ergebnissen generierten die Mitarbeiter*innen wiederum fünf Kernkomplexe und bereitete deren strukturierte Bearbeitung für das anschließende WorldCafé vor. In jeweils 15 minütigen Slots diskutierten die Teilnehmer*innen anschließend an drei frei wählbaren Tischen mit den jeweiligen Gastgeber*innen über folgende Fragen:

    • Welche Erwartungen haben Sie in Bezug auf die Vorstellung eines zunehmend „gläsernen“ Menschen?
    • Wie wird sich unser Alltagsleben durch Digitalisierungsprozesse verändern?
    • Gibt es auch gesamt-gesellschaftlich nachhaltige Transformationsprozesse?
    • Wie kann digitale Teilhabe bis ins fortgeschrittene Alter gelingen?
    • Was bedeuten die Veränderungen für unser Demokratieverständnis?  

Der gesamte Nachmittag wurde begleitet von Poetryslammer Thorsten Zeller, der seine Beobachtungen am Ende in ein wunderbar poetisches Resümee mit dem Titel „Da waren Menschen“ verwandelte.

Arbeitsgruppe

Vom ThinkTank zum Konzept: Die Projektgenese

Die Ergebnisse des produktiven Thinktanks mit der Fankfurter Bürgerschaft sammelte das Veranstaltungsteam anschließend sorgfältig, um daraus ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm für das neue Projekt Leben & Lernen X.0 zu entwickeln. Initiatorin des Projekts war 2017 Katja Weber, weitergeführt wurden die Ideen ab Anfang 2018 von Sandra Hesse und im Oktober 2018 übernahm Tine Nowak die Projektleitung. Ich selbst arbeite seit Oktober 2017 bei Leben & Lernen X.0 mit! Mit diesem Projekt widmet sich das Museum für Kommunikation den Interessen und Bedürfnissen der Besucher*innen in puncto Digitalisierung und sucht in Form von besonderen Veranstaltungen, Workshops, partizipativen Kunstprojekten und medialen Angeboten kontinuierlich den Dialog mit ihnen.

Was folgt?

Bürgerforum 2017: Zusammenkunft im Lichthof des MuseumsAlle Ergebnisse, die die Kurator*innen im Laufe von zwei Jahren gemeinsam mit Besucher*innen und Digitalisierungs-Expert*innen verschiedenster Fachbereiche erarbeiten, fließen im Frühjahr 2020 in eine partizipative Ausstellung ein, die zum Erkunden, Reflektieren und Verweilen einladen soll. Eine der Bausteine zur Generierung von alltagsrelevanten Inhalten ist der Debatten-Dienstag, den ich hier im Blog als nächstes vorstellen werde.

 

Autorin: Anjuli Spieker