Episode 7: Was sind OER?

Episode 7: Was sind OER?


Der Erklärpodcast zum Digitalen Wandel widmet sich zentralen Begriffen der Digitalisierung: Von A wie Algorithmen bis S wie Social Scoring reicht das Themenspektrum. Der Podcast ist Teil des Dialogprojekts “Leben & Lernen X.0” am Museum für Kommunikation Frankfurt, in dem im Dialog mit der Bürgerschaft Fragen zur Zukunft der Bildung, Arbeit und Demokratie verhandelt werden.

“Was sind OER?” fragt Tine Nowak als Gastgeberin des Leben X.0-Podcasts. Als Co-Moderator ist dieses Mal Stefan Jahrling dabei, er arbeitet als Medienpädagoge am Museum für Kommunikation Berlin. Nach einem Blick in die Wikipedia entfalten drei Expert*innen den Begriff der Open Educational Resources (OER) aus unterschiedlichen Blickrichtungen: Anja Lorenz (TH Lübeck) führt grundlegend in den Begriff ein, Lawrence Lessig (Harvard Law School & Harvard University) blickt zurück, als Creative Commons gegründet wurden und Christian Friedrich (Wikimedia Deutschland) spricht über den Nutzen von OER gerade für Lernen in einer digital geprägten Welt.

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00:00:39 Einstieg mit Stefan Jahrling
Stefan Jahrling ist Medienpädagoge am Museum für Kommunikation Berlin. Er befasst sich da mit klassischer Museumspädagogik, allerdings mit einem medienpädagogischen Fokus: dem Einsatz von Medien in der Vermittlung, Medienkompetenzförderung, sowie Themen wie Cybermobbing oder Fake News. Museen versteht er als Orte der Bildung.

00:03:44 Podcast-Konzept
Der Podcast erläutert in jeder Episode ein Schlagwort der Digitalisierung. Die Begriffe wurden durch ein Publikumsvoting ermittelt. Immer eine* andere* Museumskollegin oder ein -kollege aus der Museumsstiftung ist als Co-Moderation dabei, zudem wird der Begriff in der Wikipedia nachgeschlagen und es gibt Erläuterungen von drei verschiedenen Expert*innen.

00:05:01 Begriffsklärung OER
Stefan Jahrling beschreibt OER als freie Bildungsmaterialien, die zur Nutzung frei gestellt wurden. Er selbst verwendet auch OER, diese sind gerade im Bereich Medien und Medienpädagogik sinnvoll, weil das Thema ständig im Wandel ist.

00:06:37 Wikipedia: Open Educational Resources
In allen Episoden wird als Ausgangspunkt des Podcasts der erste Absatz des Wikipedia-Artikels zum Thema – OpenEducational Resources – vorgelesen. In diesem Fall ist es jedoch nur ein Auszug, da der ganze Absatz etwas länger ist. In dem Absatz werden OER als freie Lern- und Lehrmaterialien mit einer offenen Lizenz beschrieben, als Anwendungsfelder werden zunächst die Fern- und Hochschulbildung benannt. Etwas überraschend erscheint der prominente Verweis auf Reputationsarbeit als Motiv der Autor*innen, da von Stefan Jahrling und Tine Nowak die Community stärker von Aktivismus und dem Sharing-Gedanken geprägt erlebt wird. Die Wikipedia ist ein weitverbreitetes Beispiel für die Verwendung von Creative Commons Lizenzen, und kann durch dieses Lizenzmodell selbst als offene Bildungsresource genutzt werden.

00:11:08 Anja Lorenz
Anja Lorenz ist Online-Redakteurin und MOOC-Makerin am Institut für Lerndienstleistungen der Technischen Hochschule Lübeck. Dort finden sich u.a. auch Onlinekurse zu OER statt (z.B. #COER16). Zudem ist sie die eine Hälfte des BildAltEntf-Podcasts. Sie erläutert, dass OER-Bildungsmaterialien verschieden sind: das können Arbeitsblätter, Videos oder ganze Kurse sein. Das O steht für Open also offen, das heißt zumeist kostenlos und frei zugänglich. Der englische Begriff der Open Educational Resources hat sich auch in Deutschland durchgesetzt, er ist durch den internationalen Diskurs geprägt worden. Eingeführt wurde der Begriff OER 2002 in einem Abschlussbericht der UNESCO, in dem stand, dass Bildungsmaterialien im Idealfall offen und frei und für alle nutzbar sein sollten. Diese OER können in allen Bildungsbereichen eingesetzt werden, sowohl in der informellen Bildung als auch in den Schulen oder Hochschulen. Anja Lorenz würde zum Start von OER drei Dinge vorschlagen: 1) den MOOC zum OER-Fachexpert*innen #OERexp, der im März 2020 neu startet. 2) Die Webseite der OER Infostelle: https://open-educational-resources.de. 3) Und zuletzt eines der OER Camps, die nächsten finden im Februar und März 2020 in Berlin und Bonn statt. Als weitere Quellen und Orte von OER ergänzt Stefan Jahrling z.B. das Medienpädagogok-Praxis Blog und die Medienpädagogik-Praxis Camps.

00:31:12 Lawrence Lessig
Lawrence Lessig gehört zum Gründungs-Team der Creative Commons-Lizenzen. Er Professor für Rechtswissenschaften (Harvard Law School und Harvard University). Er berichtet von den Anfängen der Creative Commons (CC). In den frühen Jahren, so um Jahr 2002/03 erlebte er das Web als von “Urheberrechts-Kriegen” geprägt, mit polarisierenden Positionen von Urheberrechts-Extremist*innen und Urheberrechts-Anarchist*innen. Die Creative Commons-Lizenzen brachten eine Alternative ins Spiel. Die Innovation in der Arbeit an den Lizenzen selbst beschreibt Lessig als vergleichweise langweilig, wenn man die Möglichkeiten in der Anwendung betrachtet. Die Wissenschafts- und Bildungs-Communities testeten die neuen Lizenzen in aufregenderen Bereichen aus. Der Einsatz von CC-Materialien veränderte das Lehr-/Lern-Setting. Lehrmaterialien selbst zu erstellen und verändern zu können hat die Art zu Lehren geprägt. Die CC-Lizenzen waren nicht die ersten freien Lizenzen: die Free Software Foundation und Open-Source-Bewegung war hier schon vorab aktiv. Doch diese Lizenzen eignen sich besser für Software und weniger gut für kulturelle Erzeugnisse. Die Herausforderung bestand darin, so Lessig, ein Umfeld zu fördern, dass die Menschen dazu ermutigte, Dinge zu tun, die niemand zuvor geplant hatte. Diese Innvationsfreiheit sei ein Grundpfeiler des freien Internets, die er durch geschlossene Plattformen wie z.B. Facebook bedroht sieht. Das freie Internet sei wichtig für die Freiheit der Bildung.
Disclaimer: Das Gespräch mit Lessig fand am 12.9. in der Wikimedia statt. Wir empfehlen den zur Netzpolitik-Tagung aufgenommenen Netzpolitik-Podcast zu hören, in dem sich Lessig u.a. zu einem am 14.9. in der New York Times veröffentlichten Interview äußert. Die im Podcast thematisierten Äußerungen Lessigs zum MIT und den von dort angenommenen Epstein-Spenden werden bis heute kritisch diskutiert. Beim Podcastgespräch war dieser Diskurs uns selbst nicht präsent gewesen, sie blieb somit nicht wissentlich unerwähnt.

00:55:57 Christian Friedrich
Christian Friedrich ist Referent für Bildung und Wissenschaft bei der Wikimedia in Deutschland, außerdem ist er freiberuflich im Bereich Bildung & „Open Educational Resources“ tätig. Er ist zudem Podcast-Gastgeber und Teil des „Feierabendbier Open Education“-Podcasts. Er beschreibt OER als eines der Kernthemen für Wikimedia Deutschland und OER als freie Bildungsmaterialien sind somit Teil seiner Arbeit. Dabei ist für ihn der Aspekt der Öffnung von Bildung immens wichtig. Martin Weller (Open University) spricht von der Wikipedia als eine der ersten Open Education Resources. Das Problem, dass dem allem eigentlich zugrunde liegt ist jedoch das Urheberrecht, das nicht mehr zeitgemäß ist, gerade wenn es um Bildungsmaterialien geht. OER seien nicht Selbstzweck, sondern derzeit notwendige Krücken. Nicht überall ist das Urheberrecht der Hauptmotor für offene Bildungsmaerialien. In einer globalen Perspektiven kommen Faktoren wie Ungleichheit hinzu, für die OER einer der Lösungswege sein kann. Er fragt sich mit Blick auf das deutsche Bildungssystem, warum so wenig Bildungsmaterialien öffentlich finanziert werden. Es gäbe ein Ungleichgewicht in Hinblick auf kommerzielle Anbieter, was gar nicht bedeutet solle, dass Bildung umsonst sein müsse oder nichts kosten dürfe, nur die Kosten müssten anders verteilt werden. Und man müsse generell öffentlich über eine Haltung zu digitaler Bildung und Lernen digital nachdenken.

01:17:14 Resümee
Stefan Jahrling resümmiert, dass Bildungsarbeit und Bildungspolitik hier stärker gefordert sein sollten: in Bildung müsse stärker investiert werden. Creative Commons und freie Bildungsmaterialien sieht er als Riesenchance, um Bildung voranzubringen. Auch wenn OER für ihn persönlich kein neues Thema sind, hat ihn im Verlauf der Episode der Gedanke beschäftigt, dass es bei seiner eigenen Arbeit im Museum großes Potential gibt, in Richtung offener Bildungsmaterialen zu arbeiten. Wichtig scheint ihm auch – gerade aus den Reihen der Museen – dass man politisch forden müsse, dass Bildungsarbeit kostet und verweist dabei auf ein Zitat von Derek Bok (Havard University):  “If you think education is expensive, try ignorance”.

01:20:40 Abschied
Wir verweisen bei der Gelegenheit gleich noch auf die nächste Episode zu: Was ist Arbeit 4.0?

01:21:25 Extra track: Lawrence Lessig and OER (in english)
The interview with Lawrence Lessig took place on 12th of September at Wikimedia Germany: Lawrence Lessig is part of the founding team of Creative Commons Licenses. He is Professor of Law (Harvard Law School and Harvard University). He reports on the beginnings of the Creative Commons movement. In the early years, around 2002/03, he experienced the Web as being marked by “copyright wars”, with polarizing positions of copyright extremists and copyright anarchists. The Creative Commons licenses brought an alternative into play. Lessig describes the innovation in the work on the licenses themselves as comparatively boring when one considers the possibilities in application. The scientific and educational communities tested the new licenses in more exciting ways. The use of CC materials changed the teaching and earning setting. Being able to create and modify educational materials yourself has shaped the way teaching is done. The CC licenses were not the first free licenses: the Free Software Foundation and Open Source movement had been active in this area before. But these licenses are more suitable for software and less suitable for cultural products. The challenge, according to Lessig, was to foster an environment that encouraged people to do things that no one had ever planned for. This freedom of innovation is a cornerstone of the free Internet, which he sees threatened by closed platforms and ‘walled gardens’ such as Facebook. The free internet is important for the freedom of education.
Disclaimer: We recommend in this context listening to the Net Politics Podcast (NPP 184) recorded at the Netzpolitik Conference in Berlin, in which Lessig comments on his Medium article and an interview published in the New York Times on 14th of September. Lessig’s comments on MIT and the Epstein donations accepted by MIT are still being critically discussed.

Gibt es zu der Episode noch offene Fragen oder Ergänzungen? Dann schreibt uns per Mail oder Twitter (@mfk_frankfurt mit Hashtag #LebenX0). Wenn die Episode oder der Podcast Euch gefallen hat, dann könnt Ihr uns mit einer Bewertung oder Rezension bei iTunes eine Freude machen.

Ein Podcast des Museums für Kommunikation Frankfurt (Museumsstiftung Post und Telekommunikation).

Gäste: Anja Lorenz, Lawrence Lessig und Christian Friedrich
Co-Moderator: Stefan Jahrling
Redaktion/Produktion: Tine Nowak
Sprecher Lessig: Marc Rodriguez
Lizenz: CC-BY SA 4.0
Intro-Musik: “F” by Initials DC (mit freundlicher Genehmigung).
Remix mit Tonfragmenten aus der Sammlung der MSPT durch Uvo Pauls.

Autorin: Tine Nowak

Episode 6: Was ist Machine Learning

Episode 6: Was ist Machine Learning

Der Erklärpodcast zum Digitalen Wandel widmet sich zentralen Begriffen der Digitalisierung: Von A wie Algorithmen bis S wie Social Scoring reicht das Themenspektrum. Der Podcast ist Teil des Dialogprojekts “Leben & Lernen X.0” am Museum für Kommunikation Frankfurt, in dem im Dialog mit der Bürgerschaft Fragen zur Zukunft der Bildung, Arbeit und Demokratie verhandelt werden.

Mit der sechsten Episode ist die Halbzeit der Staffel erreicht. Gastgeberin des Leben X.0-Podcasts Tine Nowak fragt: Was ist Maschinelles Lernen? Als Co-Moderatorin ist dieses Mal Anne-Marie Bernhard dabei, sie arbeitet im Archiv und in der Bibliothek des Museums für Kommunikation Frankfurt. Nach einem Blick in die Wikipedia entfalten drei Expert*innen den Begriff des Machine Learnings aus unterschiedlichen Blickrichtungen: Gudrun Thäter (Mathematikerin, KIT), Dirk Primbs (Developer Relations, Google) und Ralf Stockmann (Innovationsmanagement, Staatsbibliothek zu Berlin) führen in Maschinelles Lernen und Mustererkennung ein und skizzieren spezifische Anwendungungsgebiete.

00:00:39 Einstieg mit Anne-Marie Bernhard
In jeder Episode ist eine andere Museums-Kollegin oder ein -Kollege als Co-Moderation dabei. In dieser Episode ist es Anne-Marie Bernhard. Sie arbeitet im Bereich Archiv und Bibliothek und kümmert sich vor allem um die Neukonzeption des Archivs sowie Fragen der Langzeitarchivierung, Zugänglichkeit und Erschließung von Archivalien.

00:03:49 Podcast-Konzept
Der Leben x.0-Podcast erläutert in jeder Episode ein Buzzword der Digitalisierung, die Begriffe wurden durch Publikumsvoting ermittelt. Immer eine* andere* Museumskollegin oder ein -kollege aus der Museumsstiftung ist als Co-Moderation dabei, zudem wird der Begriff in der Wikipedia nachgeschlagen und es gibt Erläuterungen von drei verschiedenen Expert*innen.

00:05:53 Maschinelles Lernen
Machine Learning

00:07:16 Wikipedia: Maschinelles Lernen
Die Wikipedia als Nachschlagwerk für Viele ist der Startpunkt bei der Frage nach dem Maschinellen Lernen. Wie wird das Phänomen dort geschildert? Tine Nowak liest den ersten Absatz des: Wikipedia-Artikels zu Maschinellen Lernen vor.

00:11:07 Expert*innen der Episode
Gudrun Thäter (Modellansatz-Podcast), Dirk Primbs (Anerzählt) und Ralf Stockmann (Ultraschall)

00:12:29 Gudrun Thäter
PD Dr. Gudrun Thäter ist Mathematikerin am KIT, sie arbeitet am Institut für Angewandte und Numerische Mathematik. In der Episode bietet sie eine Definition des Machine Learnings an, die sich am Begriff des Lernens orientiert. Mustererkennung ist eine der Aufgaben des Maschinellen Lernens. Das Lernen basiert auf einem künstlichen Neuronalen Netz. Sie nennt Anwendungungsbsp. aus der Medizin und von unterschiedlichen Mobilitäts-Modellen. Die Text- und Spracherkennung ist ein wichtiges Zukunftsfeld, die Bilderkennung in Videobildern macht hingegen nicht wünschenswerte Überwachungsszenarien denkbar (aktuell schon Gesichterkennung am Bahnhof Berlin-Südkreuz).

00:36:40 Dirk Primbs
Dirk Primbs arbeitet in Frankfurt im Bereich der Developer Relations für Google, das ist eine Kontaktstelle zur Entwicklercommunity. Ausgehend von der Mustererkennung, berichtet er, dass es für Programmierer*innen immer einfacher wird, Machine Learning Anwendungen einzusetzen. Datenschutz ist ein Thema für die Nutzer*innen, viele Dienste laufen mittlerweile auf unseren Smartphones (Z.B. Fotoverarbeitung der Smartphone-Kamera) ohne, dass Daten in der Cloud an die Server der großen Technologieunternehmen gesendet werden.

00:59:50 Ralf Stockmann
Ralf Stockmann ist Referatsleiter für Informations- und Datenmanagement an der Staatsbibliothek zu Berlin.  Zielsetzung des Referates ist die Generierung und praktische Umsetzung von Innovationen im Bereich der digitalen Informationsdienstleistungen. Zu KI und Maschinellem Lernen gibt es von ihm einen lohnenswerten Vortragsmitschnitt: Der Zauberlehrling ist nicht als Anleitung gedacht. Im einem Projekt zu automatisierten Kuratierungstechnologien für das digitalisierte kulturelle Erbe arbeitet er mit Informatikern gemeinsam an der Konzeption, Implementierung und Evaluierung von Softwarekomponenten zur semantischen Analyse, Inhaltsanreicherung und Profilierung der digitalisierten Bestände der Staatsbibliothek.

01:22:47 Resümee
Resümee

01:28:26 Ausblick
Nächste Episode: Was ist OER?

Gibt es zu der Episode noch offene Fragen oder Ergänzungen? Dann schreibt uns per Mail oder Twitter (@mfk_frankfurt mit Hashtag #LebenX0). Wenn die Episode oder der Podcast Euch gefallen hat, dann könnt Ihr uns mit einer Bewertung oder Rezension bei iTunes eine Freude machen.

Ein Podcast des Museums für Kommunikation Frankfurt (Museumsstiftung Post und Telekommunikation).

Gäste: Gudrun Thäter, Dirk Primbs und Ralf Stockmann
Co-Moderatorin: Anne-Marie Bernhard
Redaktion/Produktion: Tine Nowak
Lizenz: CC-BY SA 4.0
Intro-Musik: “F” by Initials DC (mit freundlicher Genehmigung).
Remix mit Tonfragmenten aus der Sammlung der MSPT durch Uvo Pauls.

Autorin: Tine Nowak

Episode 5: Was ist Big Data?

Episode 5: Was ist Big Data?

Der Erklärpodcast zum Digitalen Wandel widmet sich zentralen Begriffen der Digitalisierung: Von A wie Algorithmen bis S wie Social Scoring reicht das Themenspektrum. Der Podcast ist Teil des Dialogprojekts “Leben & Lernen X.0” am Museum für Kommunikation Frankfurt, in dem im Dialog mit der Bürgerschaft Fragen zur Zukunft der Bildung, Arbeit und Demokratie verhandelt werden.

In der fünften Episode des Erklärpodcasts zum Digitalen Wandel fragt Gastgeberin Tine Nowak des Leben X.0-Podcasts: Was ist Big Data? Die Direktorin des Museums für Kommunikation Nürnberg Marion Grether ist in dieser Episode als Co-Moderatorin dabei. Mit einem Blick in die Wikipedia und mit drei unterschiedlichen Perspektiven auf den Begriff von Valentin Dander, Julia Krüger und Stephan Bartholmei, diskutieren Tine Nowak und Marion Grether gemeinsam über Big Data.

00:00:17 Begrüßung

00:02:48 Marion Grether & Museum für Kommunikation Nürnberg
Die Bühne für diese Episode ist dieses Mal nicht das Museum für Kommunikation Frankfurt, sondern sein Schwestermuseum, das Museum für Kommunikation Nürnberg. Als Co-Moderatorin ist Marion Grether dabei, die Direktorin des Nürnberger Museums. Das Nürnberger Kommunikationsmuseum wurde 1899 gegründet und teilt sich das Haus mit dem Deutsche Bahn (DB) Museum. 2010 eröffnete die neue Dauerausstellung des Museums, vier Jahre später kamen die „Netzwelten“ zum Thema Digitalisierung und Digitalität dazu. Passend zum Thema des Podcasts fanden bereits im Rahmen der Vortragsreihe „Datendienstag“ verschiedene Vorträge zu aktuellen Themen der Digitalisierung statt.

00:06:55 Leben X.0-Podcast
Der Podcast erläutert in jeder Episode ein Buzzword der Digitalisierung, die Begriffe wurden durch Publikumsvoting ermittelt. Immer eine* andere* Museumskollegin oder ein -kollege aus der Museumsstiftung ist als Co-Moderation dabei, zudem wird der Begriff in der Wikipedia nachgeschlagen und es gibt Erläuterungen von drei verschiedenen Expert*innen.

00:06:55 Vorverständnis zu Big Data
Für Marion Grether bedeutet „Big Data“ die Möglichkeit, viele Daten in kurzer Zeit zu analysieren und aus diesen neue Erkenntnisse zu ziehen. Es kommt die Frage auf, wie groß der vorhandene Datensatz überhaupt sein muss, um sich „Big Data“ nennen zu dürfen.

00:09:29 Wikipedia: Big Data
Die Wikipedia als Nachschlagwerk ist der erste Anlaufpunkt bei der Frage nach „Big Data“. Wie wird das Phänomen dort geschildert? Tine Nowak liest den ersten Absatz des Wikipedia-Artikels zu „Big Data“ (oder auch „Massendaten“) vor und gemeinsam vergleichen Tine Nowak und Marion Grether die Definition der Wikipedia mit ihren vorherigen Vorstellungen zu „Big Data“.

00:13:49 Valentin Dander
Valentin Dander ist Bildungswissenschaftler, hat eine Professur für Medienbildung und pädagogische Medienarbeit an der Fachhochschule Clara Hofbauer Potsdam. Er hat u.a beim Grimme Forschungskoleg zu Medienbildung und Big Data geforscht. Für Valentin Dander bedeutet „Big Data“ unvorstellbar große, vielfältige Datenmengen, welche wegen ihrer Größe und Diversität (neue) Muster und Zusammenhänge erkennbar machen können. Eine klare Definition zu erstellen scheint ihm schwierig, da die Technologien und unser Verständnis dieser einem ständigen und schnellen Wandel unterworfen sind. Wirklich aufmerksam auf das Thema machten ihm zufolge 2013 vor allem die „Snowden Leaks“, welche eindrucksvoll zeigten, wie weit die Möglichkeiten der digitalen Überwachung und des Daten-Sammeln schon reichen und einige Debatten über Privatsphäre im digitalen Raum anstießen. Als Medienpädagoge beschäftigt sich Valentin Dander vor allem mit dem Thema „Big Data“, um Menschen für solche Themen zu sensibilisieren und zu einer gewissen Medienkompetenz zu führen.

00:39:24 Julia Krüger
Julia Krüger (Diplom Politikwissenschaft) beschäftigt sich mit Digitaler Netzpolitik. Sie arbeitet seit Juni 2018 als wissenschaftliche Mitarbeiterin von Saskia Esken (MdB SPD). Sie ist Fellow am Center for Internet & Human Rights (Viadrina, Frankfurt/ Oder) und als Autorin bei netzpolitik.org. Unter „Big Data“ versteht Julia Krüger einen Oberbegriff, der verschiedene Analyseformen von sehr großen Datenmengen in unterschiedlichen Strukturen meint. Sie sieht vor allem das Problem der Intransparenz der Plattformen: Was können diese schon und was nicht? Was geschieht mit den gesammelten Daten? Das grundsätzliche Recht auf Privatsphäre und informelle Selbstbestimmung ist für sie ein wichtiges demokratisches Thema, ebenso der Missbrauch der Daten für die Kommerzialisierung, zum Beispiel in Form von personalisierter Werbung.

00:58:01 Stephan Bartholmei
Stephan Bartholmei, Physiker, ist Leiter der Produktentwicklung und Innovation, Deutsche Digitale Bibibliothek. Er ist Mitgründer des Kulturhackathons „Coding da Vinci“ und seit 2015 Mitglied im Council/ Rat der Europeana. Für Stephan Bartholmei ist der Begriff „Big Data“ eher diffus. Wie auch Marion Gerther stellt er die Frage, ab welcher Datengröße oder Datenmenge überhaupt von „Big Data“ gesprochen werden kann. Er sieht viel Potential in „Big Data“, vor allem auch für Kulturinstitutionen. So könnten Objekte anhand größerer Muster und Vergleichswerte besser datiert und bestimmt werden. Bis es allerdings soweit ist, müssen noch viel mehr Daten digitalisiert, gesammelt und strukturiert werden.

01:19:12 Resümee
Zum Ende der Podcast-Folge blicken Tine Nowak und Marion Gerther auf den Artikel der Wikipedia zurück. Der Artikel bringt große Datenmengen, Data-Technologien und den dadurch entstehenden gesellschaftlichen Umbruch mit „Big Data“ in Verbindung. Was Tine Nowak und Marion Gerther allerdings im ersten Abschnitt des Artikels vermissen, sind Themen wie die Auswirkungen von „Big Data“, im Hinblick auf Privatsphäre und Kommerzialisierung und auch die Frage nach der Wertigkeit unterschiedlicher Daten.
Zuletzt wird ein Ausblick auf die nächste Episode zum Thema „Machine Learning“ gegeben

Gibt es zu der Episode noch offene Fragen oder Ergänzungen? Dann schreibt uns per Mail oder Twitter (@mfk_frankfurt mit Hashtag #LebenX0). Wenn die Episode oder der Podcast Euch gefallen hat, dann könnt Ihr uns mit einer Bewertung oder Rezension bei iTunes eine Freude machen.

Ein Podcast des Museums für Kommunikation Frankfurt (Museumsstiftung Post und Telekommunikation).

Gäste: Valentin Dander, Julia Krüger, Stephan Bartholmei
Co-Moderatorin: Marion Grether
Redaktion/Produktion: Tine Nowak
Lizenz: CC-BY SA 4.0
Intro-Musik: “F” by Initials DC (mit freundlicher Genehmigung). Remix mit Tonfragmenten aus der Sammlung der MSPT durch Uvo Pauls.

Autorinn: Tine Nowak/ Anna Glombitza

Episode 4: Was ist Künstliche Intelligenz?

Episode 4: Was ist Künstliche Intelligenz?

Der Erklärpodcast zum Digitalen Wandel widmet sich zentralen Begriffen der Digitalisierung: Von A wie Algorithmen bis S wie Social Scoring reicht das Themenspektrum. Der Podcast ist Teil des Dialogprojekts “Leben & Lernen X.0” am Museum für Kommunikation Frankfurt, in dem im Dialog mit der Bürgerschaft Fragen zur Zukunft der Bildung, Arbeit und Demokratie verhandelt werden.

In der vierten Episode des Erklärpodcasts zum Digitalen Wandel fragt Gastgeberin Tine Nowak Leben X.0-Podcasts: Was ist Künstliche Intelligenz? Die Direktorin des Museums für Kommunikation Berlin Anja Schaluschke ist in dieser Episode als Co-Moderatorin dabei. Mit einem Blick in die Wikipedia und mit drei unterschiedlichen Perspektiven auf den Begriff von Thomas Damberger, Chris Boos und Jörn Müller-Quade, diskutieren Tine Nowak und Anja Schaluschke gemeinsam über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Künstlicher Intelligenz.

00:00:17 – Begrüßung
Diese Episode wurde im Museum für Kommunikation Berlin aufgezeichnet. Co-Moderatiorin ist Anja Schaluschke, sie ist die Direktorin des Berliner Museums, das wie die Museen für Kommunikation in Frankfurt und Nürnberg zur Museumsstiftung Post und Telekommunikation gehört.

00:00:53 – Museum für Kommunikation Berlin
Das Berliner Museum wurde als Reichspostmuseum von Heinrich von Stephan gegründet. Im Lichthof des historischen Gebäudes begrüßen Roboter die Besucher*innen. Sie interagieren mit den Besucher*innen, aber deren Möglichkeiten sind limitiert. In den USA gibt es Museumsroboter wie Pepper, die künstliche Intellegenz nutzen.

00:05:56 – Leben X.0-Podcast
Der Podcast erläutert in jeder Episode ein Buzzword der Digitalisierung, die Begriffe wurden durch Publikumsvoting ermittelt.  Immer eine* andere* Museumskollegin oder ein -kollege aus der Museumsstiftung ist als Co-Moderation dabei, zudem wird der Begriff in der Wikipedia nachgeschlagen und es gibt Erläuterungen von drei verschiedenen Expert*innen.

00:07:06 – Definitionsversuch
Anja Schaluschke fragt sich, wie allein Intelligenz zu definieren sei, dementsprechend schwer wird es dann Künstliche Intelligenz zu beschreiben. Tine Nowak hebt hervor, dass die Zukunftsvisionen zu KI, die man aus Science Fiction kennt, momentan noch weit weg erscheinen, obwohl es ein Gegenwartsphänomen ist.

00:10:37 – Wikipedia: Künstliche Intelligenz
Wie in jeder Folge wird als Ausgangspunkt des Podcasts der erste Absatz des Wikipedia-Artikels zum Thema vorgelesen. Der Artikel über Künstliche Intelligenz gibt eine knappe Definition, die die automatische Durchführung von intelligentem Verhalten und das maschinelle Lernen miteinschließt. Es wird außerdem betont, dass der Begriff unklar ist, da es an einer eindeutigen Definition von Intelligenz mangelt. Es wird zu den Gesprächspartnern übergeleitet, die sich vor allem mit den Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf unsere Gesellschaft befassen.

00:15:45 – Thomas Damberger
Dr. Thomas Damberger ist Vertretungsprofessor an der Leuphana Universität in Lüneburg. Er ist Bildungswissenschaftler und Erziehungswissenschaftler im Bereich der Medienpädagogik und befasst sich mit Künstlicher Intelligenz, indem er sich die Aspekte anschaut, die uns als Gesellschaft betreffen. Es ist seiner Meinung nach wichtig, die Phänomene zu verstehen, damit man sich auf zukünftige Problemstellungen vorbereiten kann. Außerdem ist es von Bedeutung, zu verstehen, inwieweit algorithmische Systeme unser Weltbild beeinflussen. Zuerst erwähnt wurde der Begriff der Künstlichen Intelligenz 1956 von John McCarthy. Mit anderen Wissenschaftler*innen traf er sich auf einer Konferenz zu diesem Thema. Er beschrieb das Anliegen so, dass eine Maschine das tun soll, wozu ein Mensch Intelligenz benötigen würde. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie Denken funktioniert. Im Prinzip beschäftigte sich auch schon Alan Turing 1950 mit KI, auch wenn er nicht diesen Begriff verwendete. Er entwickelte den Turing-Test, durch den herausgefunden werden soll, ob eine Maschine in ihrem Denken dem Mensch gleichkommt. Im Laufe der Zeit kam es zu mehreren Meilensteinen der KI-Entwicklung, wie einem Computer, der das Dame-Spiel beherrschte, der Simulation ELIZA, dem Schachsieg von Deep Blue 1997 und Watson, einem Computerprogramm, das 2011 mehrmals eine Quizshow gewann, da es zur Semantik-Analyse fähig war. Ein weiterer Höhepunkt der KI-Forschung fand 2016 statt, als Google das Programm AlphaGo entwickelte, dass das komplizierte Spiel Go erlernte. Um das zu erlernen, was Menschen intuitiv taten, hatte das Programm Millionen Male gegen sich selbst gespielt. Als eine Schwierigkeit bei der Definition von KI sieht Thomas Damberger, dass man Intelligenz auch beim Menschen nicht einfach messen kann. Die Kriterien von Intelligenztests haben sich laufend geändert und mittlerweile gibt es mehrere verschiedene Definitionen von Intelligenz. Eine schwache KI ist ist auf einen Bereich von Intelligenz beschränkt während eine starke KI eine universelle Intelligenz besitzen soll. Ob es möglich ist, diese zu erschaffen, wird noch stark debattiert.

00:39:12 – Chris Boos
Chris Boos ist CEO der Firma arago GmbH und Mitglied des Digitalrats der Bundesregierung. Er sieht bei dem Begriff der Künstlichen Intelligenz das Problem, das dieser den Menschen Angst einjagt, die sie nicht zu haben bräuchten. Für ihn wäre der Begriff „künstlicher“ oder „maschineller Problemlöser“ eine bessere Beschreibung. Chris Boos zufolge gab es in der Entwicklung von KI Höhen und Tiefpunkte, aber mittlerweile ist Maschinelles Lernen ein wichtiges Thema geworden. Da viel in diesem Bereich geforscht und angewandt wird, wird es nach dem jetzigen Hype wahrscheinlich keine so spürbare Krise in diesem Gebiet geben. Seine Firma Arago bietet eine Plattform, um verschiedenste Abläufe zu automatisieren und Probleme zu lösen. Auch im Museum könnte eine KI hilfreich sein, um Daten zu sammeln, aber auch, um Objekte wiederzuerkennen und Entscheidungen über sie zu treffen. Chris Boos sagt zwar, dass ein Großteil der Arbeit, die Menschen heute erledigen, in Zukunft von Maschinen übernommen werden wird, beschreibt dabei aber kein Schreckensszenario der Arbeitslosigkeit. Es gibt noch viele andere Baustellen, bei denen die Arbeit von Menschen benötigt wird und nur Menschen sind in der Lage, kreativ neue Lösungen zu finden. Eine Bedrohung von KI ist seiner Meinung nach auch noch lange nicht in Sicht, da das Gehirn viel zu komplex ist, um es nachzubauen und Maschinen kein Bewusstsein und keine Ziele haben. Es ist wichtig, sich nicht vor technologischen Entwicklungen zu scheuen, sondern weiter zu forschen, um in Zukunft wirtschaftlich nicht zurückzufallen.

00:59:28 – Jörn Müller-Quade
Prof. Dr. Jörn Müller-Quade ist bereits bekannt aus der Podcast-Folge zu Algorithmen. Er ist Informatiker und Kryptograph am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und leitet außerdem die Arbeitsgruppe IT-Sicherheit und Privacy der Plattform Lernende Systeme, einem Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Er befasst sich mit der Frage, wie KI in Zukunft die IT-Sicherheit verändern wird. In diesem Bereich sieht er zwar Möglichkeiten, aber auch Bedrohungen, die KI Angriffe auf Systeme darstellen können. Im Projekt des Bundesministeriums befasst Jörn Müller-Quade sich mit den Auswirkungen lernender Systeme auf die Gesellschaft, insbesondere auf den Arbeitsmarkt. Die rechtliche Situation und ethische Fragen werden behandelt. „Künstlich“ bedeutet für ihn, dass Algorithmen anstatt von biologischen Systemen Probleme lösen und „Intelligenz“ heißt für ihn, dass Aufgaben erledigt werden, die nicht schon einprogrammiert waren, und dass Autonomie vorhanden ist. Momentan ist der Fokus sehr stark auf lernende Systeme gerichtet, wobei das Gebiet der KI größer ist. Ein Beispiel dafür ist das Prinzip der Logik, welches schon bei Leibniz, vor der Erfindung des Computers, vorkam und ein anderes Prinzip ist das der genetischen KI. Durch die momentane Verwendung des Prinzips der neuronalen Netze ergibt sich die Black Box-Problematik, bei der nicht zu durchschauen ist, ob ein Algorithmus schwerwiegende Fehler macht. Im Moment ist es noch schwer einzuschätzen, in welchem Ausmaß sich KI entwickeln wird.

01:13:12 – Resümee und Ausblick
Durch den Podcast wird deutlich, dass man sich gegenwärtig stark mit dem Maschinellen Lernen beschäftigt, welches jedoch nur ein Teilgebiet der KI darstellt. Andere Bereiche wie die genetische KI können auch technisches Potenzial aufweisen. Science Fiction beschäftigt sich hauptsächlich mit neuronalen Systemen, die das menschliche Denken nachahmen, bis hin zu Formen des künstlichen Bewusstseins. Da die Definition der Wikipedia sehr offen formuliert ist, trifft sie auch nach dem Verlauf des Podcasts noch zu. Die Gesprächspartner vertiefen die verschiedenen Bereiche Automatisierung, Intelligenz, Denken und maschinelles Lernen und greifen außerdem das Definitionsproblem der KI auf. Es wird zudem aufgezeigt, wie viel in diesem Bereich geforscht wird und was für Fragen sich für die Zukunft stellen. Die nächste Podcast-Folge mit der Frage „Was ist Big Data?“ erscheint am 21.10.2019.

Gibt es zu der Episode noch offene Fragen oder Ergänzungen? Dann schreibt uns per Mail oder Twitter (@mfk_frankfurt mit Hashtag #LebenX0). Wenn die Episode oder der Podcast Euch gefallen hat, dann könnt Ihr uns mit einer Bewertung oder Rezension bei iTunes eine Freude machen.

Ein Podcast des Museums für Kommunikation Frankfurt (Museumsstiftung Post und Telekommunikation).

Gäste: Thomas Damberger, Chris Boos, Jörn Müller-Quade
Co-Moderatorin: Anja Schaluschke
Redaktion/Produktion: Tine Nowak
Lizenz: CC-BY SA 4.0
Intro-Musik: “F” by Initials DC (mit freundlicher Genehmigung). Remix mit Tonfragmenten aus der Sammlung der MSPT durch Uvo Pauls.

 

Autorinnen: Tine Nowak / Irma Perizonius

Episode 3: Was sind Algorithmen?

Episode 3: Was sind Algorithmen?

Der Erklärpodcast zum Digitalen Wandel widmet sich zentralen Begriffen der Digitalisierung: Von A wie Algorithmen bis S wie Social Scoring reicht das Themenspektrum. Der Podcast ist Teil des Dialogprojekts “Leben & Lernen X.0” am Museum für Kommunikation Frankfurt, in dem im Dialog mit der Bürgerschaft Fragen zur Zukunft der Bildung, Abeit und Demokratie verhandelt werden.

Die aktuelle Episode des Erklärpodcasts zum Digitalen Wandel fragt: Was sind Algorithmen? Der Gastgeberin Tine Nowak vom Leben X.0-Podcasts am Museum für Kommunikation Frankfurt steht diesmal als Co-Moderatorin Anjuli Spieker zur Seite – sie ist als Wissenschaftliche Volontärin Teil des Leben & Lernen X.0-Teams. Mit einem Blick in die Wikipedia und mit drei unterschiedlichen Perspektiven auf den Begriff von Jörn Müller-Quade, Nele Heise und Jeanne Charlotte Vogt versuchen Tine Nowak und Anjuli Spieker Algorithmen sowohl per Definition als auch in ihren Auswirkungen auf unsere gegenwärtige Gesellschaft zu verstehen.

Die folgenden Kapitel lassen sich im Player direkt ansteuern, wenn man im Player (oben) über “Alle Episode” das Icon ganz links anklickt, damit öffnet sich das Kapitelverzeichnis.

00:00:17 – Begrüßung

00:01:44 – Co-Moderatorin Anjuli Spieker & Leben & Lernen X.0
In jeder Episode ist eine andere Museumskollegin oder ein -kollege als Co-Moderation dabei. Anjuli Spieker ist Wissenschaftliche Volontärin am Projekt Leben und Lernen X.0. Ein Schwerpunkt des Projekts Leben und Lernen X.0 ist der Debatten-Dienstag, den sie kurz vorstellt. Das Format der Fishbowl-Diskussion stellt ein lebendiges Forum dar, bei dem sich Expert*innen und Bürger*innen miteinander austauschen können. Der nächste Debatten-Dienstag findet am 3. September zum Thema „Zukunft der Mobilität. KI fährt mit“ statt. Wer es nicht schafft, ins Museum zu kommen, kann sich auch den Live-Stream unter www.lebenX0.de anschauen. Letztes Jahr wurden die Themen des Podcasts per Online-Umfrage ebenfalls auf der Projektwebseite ermittelt. Tine Nowak fragt sich, was die User*innen dazu bewogen hat. Braucht es eher eine griffige Definition oder sind es die Auswirkungen auf die Gesellschaft, die insbesondere thematisiert werden müssen?

00:09:29 – Wikipedia: Algorithmus
Wie in jeder Episode liest Tine Nowak den ersten Absatz des Wikipedia-Artikels zum Thema des Podcasts vor. Diesem zufolge sind Algorithmen klar terminierte Handlungsvorschriften, die zur Problemlösung dienen. Anschließend wird zu den drei Gesprächspartner*innen übergeleitet.

00:11:37 – Jörn Müller-Quade
Jörn Müller-Quade ist Professor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und außerdem Kryptograph. Ihm zufolge sind Algorithmen präzise Vorschriften, denen gefolgt wird, um ein Ziel zu erreichen. Es gab sie schon vor den Computern – in Form von Kalkülen, bzw. Rechenvorschriften. Die Turing-Maschine (1936) wurde erfunden, um eine Antworten darauf zu finden, was mit Kalkülen möglich ist. Charles Babbage gilt als einer der konzeptionellen Erfinder des Computers, da er sich einen analytical engine (1837) ausgedacht hat. Er arbeitete mit Ada Lovelace zusammen, die über eine Programmierung einer solchen – bis dahin theoretischen – Maschine nachdachte (1843) und somit oft als erste Programmiererin bezeichnet wird. Heutzutage ist der Computer zu einem Universalgerät geworden. Es stellt sich die Frage, inwieweit Algorithmen unser Leben bestimmen oder unsere politische Meinung beeinflussen können. Auf viele Menschen wirken Algorithmen bedrohlich, da sie die Fähigkeit zum Lernen (Machine Learning) besitzen und ihre Funktionsweise u.U. nicht komplett nachvollziehbar für uns sind. Ein weiteres wichtiges Gebiet ist laut Müller-Quade der Datenschutz.

00:29:58 – Nele Heise
Nele Heise ist Kommunikationswissenschaftlerin und freie Medienforscherin. Sie beschäftigt sich u.a. mit den Folgen der Digitalisierung und erläutert die ethische Komponente von Algorithmen. Durch die Digitalisierung werden Algorithmen stark diskutiert. Der Zugriff auf Informationen ändert sich, wobei algorithmische Systeme eine große Rolle spielen. Wie soll man mit der Informationsflut umgehen und wer filtert die Inhalte? Inwiefern sollten algorithmische Systeme über Menschen entscheiden und können sie Ungleichheiten in der Gesellschaft verstärken? Grundlegende moralische Werte sollten reflektiert und mit der Gestaltung des technischen Systems in Einklang gebracht werden. Das Institute of Electrical and Electronics Engineers erstellte beispielsweise ein 200-seitiges Paper über ethisches Design. Nele Heise erachtet es als wichtig, transparente Programme zu nutzen, die man selbst kontrollieren kann. Der Algorithmus an sich wertet nicht, die Ergebnisse hängen von von dessen Programmierung und den zu verabeitenden Daten abhängen ab, somit müssen diese Faktoren bedacht werden.

00:44:19 – Jeanne Charlotte Vogt
Jeanne Charlotte Vogt ist Festivalleitern und Kuratorin beim NODE Forum for Digital Arts e.V. Sie organisiert den Hackaton „Jugend hackt“ mit. Dort arbeiten Jugendliche für drei Tage mit Medienpädagog*innen und ITler*innen an Programmier-Projekten. Es geht darum, die Technologie und Algorithmen zu hinterfragen, Probleme zu definieren und selbst neue Alternativen zu programmieren. Für Jugendliche, die noch wenige Erfahrung im Programmieren haben, gibt es das Jugendmedienkunstfestival „Digitale Welten“, bei welchem Algorithmen großer Plattformen hinterfragt werden und man Einblicke ins Programmieren gewinnen kann. Es geht bei den Coding-Projekten nicht darum, Programmierer*innen für die Wirtschaft auszubilden, sondern, sich der eigenen Verantwortung bewusst zu werden und komplexe gesellschaftliche Fragestellungen zu beantworten.

01:04:47 – Resümee
Wer sich für die Geschichte der Algorithmen interessiert, kann z.B. bei der Wikipedia weiter einsteigen. In der Episode standen letztlich die Konsequenzen von Algorithmen und die Prozesse der Reflexion im Vordergrund. Die nächste Episode mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ erscheint am 23. September.

Gibt es zu der Episode noch offene Fragen oder Ergänzungen? Dann schreibt uns per Mail oder Twitter (@mfk_frankfurt mit Hashtag #LebenX0). Wenn die Episode oder der Podcast Euch gefallen hat, dann könnt Ihr uns mit einer Bewertung oder Rezension bei iTunes eine Freude machen.

Ein Podcast des Museums für Kommunikation Frankfurt (Museumsstiftung Post und Telekommunikation).

Gäste: Jörn Müller-Quade, Nele Heise und Jeanne Charlotte Vogt
Co-Moderatorin: Anjuli Spieker
Redaktion/Produktion: Tine Nowak
Lizenz: CC-BY SA 4.0
Intro-Musik: “F” by Initials DC (mit freundlicher Genehmigung). Remix mit Tonfragmenten aus der Sammlung der MSPT durch Uvo Pauls.

 

Autorinnen: Tine Nowak / Irma Perizonius

Episode 2: Was ist Medienkompetenz?

Episode 2: Was ist Medienkompetenz?

Der Erklärpodcast zum Digitalen Wandel widmet sich zentralen Begriffen der Digitalisierung: Von A wie Algorithmen bis S wie Social Scoring reicht das Themenspektrum. Der Podcast ist Teil des Dialogprojekts “Leben & Lernen X.0” am Museum für Kommunikation Frankfurt, in dem im Dialog mit der Bürgerschaft Fragen zur Zukunft der Bildung, Abeit und Demokratie verhandelt werden.

Die zweite Episode des Leben X.0-Podcasts am Museum für Kommunikation Frankfurt fragt: Was ist Medienkompetenz? Neben Podcast-Gastgeberin Tine Nowak ist diesmal als Co-Moderatorin Medienpädagogin Nina Voborsky mit an Bord des Erklärpodcasts zum Digitalen Wandel. Mit einem Blick in die Wikipedia und mit drei unterschiedlichen Perspektiven auf den Begriff von Kai Hugger, Beate Kremser und Christian Friedrich versuchen Tine Nowak und Nina Voborsky sich dem Begriff der Medienkompetenz mit seinen verschiedenen Dimensionen im Gespräch zu nähern.

Die folgenden Kapitel lassen sich im Player direkt ansteuern, wenn man im Player (oben) über “Alle Episode” das Icon ganz links anklickt, damit öffnet sich das Kapitelverzeichnis.

00:00:17 – Begrüßung

00:00:57 – Co-Moderatorin Nina Voborsky & Medienpädagogik im Museum
In jeder Episode ist eine andere Museumskollegin oder ein -kollege als Co-Moderation dabei. In dieser Episode ist es Nina Voborsky, die als Medienpädagogin im Museum für Kommunikation in Frankfurt tätig ist. Der Begriff Medienkompetenz ist für sie relevant, da sich beim Kuratieren der Kommunikations- und Mediengeschichte immer die Frage stellt, wie man die Inhalte am besten an die Besucherinnen und Besucher vermittelt. Themen wie Fake News und Hate Speech sind aktuelle Herausforderungen, für die Medienkompetenz wichtig ist. Durch Programme des Museums für alle verschiedenen Altersgruppen soll Medienkompetenz gefördert werden.

00:06:40 – Wikipedia: Medienkompetenz
Die Wikipedia ist ein viel genutztes Nachschlagewerk, weshalb Tine Nowak als Ausgangspunkt des Podcasts den ersten Absatz des Wikipedia-Artikels über Medienkompetenz vorliest. Inwiefern ist die Definition zutreffend? Es wird zu den drei Gesprächspartner*innen übergeleitet, die in Folge ihre Sichtweise auf den Begriff „Medienkompetenz“ darstellen, ihn erweitern und Antworten auf die gestellte Frage liefern.

00:12:01 – Kai Hugger
Kai Hugger ist Professor für Medienpädagogik an der Universität zu Köln. An der Universität Bielefeld hat er mit Dieter Baacke zusammengearbeitet, der den Begriff der Medienkompetenz maßgeblich geprägt hat. Kai Hugger zufolge ist Medienkompetenz die Lösung für ein Dilemma: Der Umgang mit Medien ermöglicht ein großes Maß an Freiheit, es braucht aber auch gerade bei Kindern und Jugendlichen Grenzen. Medienkompetenz soll den selbstständigen Umgang mit Medien ermöglichen. Kai Hugger erzählt außerdem, wie der Begriff Medienkompetenz entstand. In den 1970er Jahren gab es eine Kompetenzdebatte in den Wissenschaften. Aus Habermas’ Begriff der „kommunikativen Kompetenz“ und Chomskys „Sprachkompetenz“ entwickelte Baacke mit Blick auf die pädagogischen Aspekte Mitte der 90er Jahre das Konzept der Medienkompetenz. Die Wahl dieses Zeitpunkts hängt stark mit der zunehmenden Nutzung des Internets zusammen. Medienkompetenz lässt sich in vier Dimensionen einteilen: Medienkunde, Mediennutzung, Medienkritikfähigkeit und Mediengestaltung. Kai Hugger führt als Schwäche des Begriffs auf, dass dieser von vielen Personen mit unterschiedlichen Hintergründen verwendet wird und instrumentalisiert werden kann.

00:38:18 – Beate Kremser
Beate Kremser ist Medien- und Sozialpädagogin und hat beim Infocafé Neu Isenburg, einem medienpädagogisch orientieren Kinder- und Jugendtreff, gearbeitet. Mittlerweile ist sie bei der Stadt Frankfurt beim Jugend- und Sozialamt im Bereich des präventiven Jugendschutz tätig. Außerdem wirkt sie beim Projekt der Digitalen Helden mit, in dem es um die Peer-to-peer-Förderung von Medienkompetenz an Schulen geht. Sie erzählt über ihre Arbeit im Infocafé. Dort geht es darum, Medienkompetenz auf alltägliche, praktische Art zu vermitteln. Anstatt Kontrolle steht Kommunikation hier im Vordergrund, man tauscht sich mit den Jugendlichen aus und gibt ihnen die Möglichkeit, die medialen Inhalte kritisch zu hinterfragen. Dabei erachtet Beate Kremser es als wichtig, nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Eltern und Lehrkräfte mit Medienkompetenz zu befähigen. Besonders von Bedeutung ist für sie, das richtige Maß im Umgang mit digitalen Medien zu finden. Beispielsweise die Social Media tragen in einem erheblichen Maß zu Identitätsbildung ihrer Nutzer*innen bei. Beate Kremser findet, dass die Eltern und Lehrkräfte als Vorbilder fungieren und somit den Kindern und Jugendlichen einen angemessenen Umgang mit Medien vorleben sollten.

00:56:46 – Christian Friedrich
Christian Friedrich ist Referent für Bildung und Wissenschaft bei der Wikimedia in Deutschland, außerdem ist er freiberuflich im Bereich Bildung & „Open Educational Resources“ tätig. Er ist zudem Podcast-Gastgeber und Teil des „Feierabendbier Open Education“-Podcasts. Christian Friedrich erklärt. was Digital Literacies sind, indem er sie den Digital Skills gegenüberstellt. Bei den Digital Literacies steht mehr der Kontext und die beteiligten Personen im Vordergrund. Außerdem ist das Ziel des eigenen Handelns von zentraler Bedeutung. Mehr über Digital Literacies erklärt Christian Friedrich auch in seinem Wikimedia-Artikel. Die Wikimedia arbeitet darauf hin, sich mit unterschiedlichen Organisationen zusammenzutun, durch welche die Öffnung von Bildung und gesellschaftlicher Partizipation gefördert werden soll. Die Gesellschaft ist ohne Frage digital geprägt und die Meinungsbildung, die online stattfindet hat einen großen Einfluss auf das reale Leben. Für die Politiker bleibt dabei die Frage offen, inwiefern Rahmenbedingungen und Regulierungen für den digitalen Raum geschaffen werden sollen und ob alle Menschen an diesem Meinungsbildungsprozess teilhaben sollten. Christian Friedrich ist der Meinung, dass jeder in der Lage ist, an diesem Prozess mitzuwirken und möchte selbst zu dieser Entwicklung beitragen.

01:21:40 – Resümee
Mit einem Rückblick auf den Wikipedia-Artikel schlussfolgern Nina Voborsky und Tine Nowak, dass für sie die Definition von Medienkompetenz erweitert werden müsste, da die Gesellschaft sich verändert hat. Es ist wichtig, immer weiter zu verhandeln was für eine Medienkompetenz für die jeweiligen technischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bedeutsam ist. Schließlich gibt es noch einen Ausblick auf die nächste Folge. In dieser wird die Frage, was Algorithmen sind, beantwortet.

Gibt es zu der Episode noch offene Fragen oder Ergänzungen? Dann schreibt uns per Mail oder Twitter (@mfk_frankfurt mit Hashtag #LebenX0). Wenn die Episode oder der Podcast Euch gefallen hat, dann könnt Ihr uns mit einer Bewertung oder Rezension bei iTunes eine Freude machen.

Ein Podcast des Museums für Kommunikation Frankfurt (Museumsstiftung Post und Telekommunikation).

Gäste: Kai Hugger, Beate Kremser und Christian Friedrich
Co-Moderatorin: Nina Voborsky
Redaktion/Produktion: Tine Nowak
Lizenz: CC-BY SA 4.0
Intro-Musik: “F” by Initials DC (mit freundlicher Genehmigung). Remix mit Tonfragmenten aus der Sammlung der MSPT durch Uvo Pauls.

 

Autorinnen: Tine Nowak / Irma Perizonius