Kuriose Neuigkeiten

Kuriose Neuigkeiten

Ende April haben wir bereits auf die Vorbereitungen zur Ausstellung „Kuriose Kommunikation – Ungewöhnliche Objekte und Geschichten aus der Sammlung“ aufmerksam gemacht. Damals berichteten wir vom Besuch des Depots in Berlin, wo wir in Abstimmung mit unseren Kolleg*innen vor Ort die Objektauswahl getroffen haben. Mittlerweile sind einige Wochen vergangen und die Planungen nehmen immer konkretere Formen an. Einige der Exponate sind bereits bei uns eingetroffen und warten hier auf ihre Einbringung in die Vitrinen und Rahmen.

 

Vielfalt der Objekte
In der Ausstellung zeigen wir die ganze Bandbreite kurioser Objekte aus der Sammlung in sechs verschiedenen Themenbereichen. Neben Alltagsgegenständen, wie etwa einem Fernseher, finden sich ganz besondere Unikate, wie das “Wash and Phone”. Dabei handelt es sich um eine künstlerische Kreation, bei der Teile einer Badewannenmischbatterie zu einem funktionsfähigen Telefon zusammengesetzt sind.
Einige der präsentierten Stücke sind denkbar klein und doch bisweilen von hohem Wert oder Seltenheit. Dazu zählt unter anderem eine Auswahl von Briefmarken, die sich durch eine besondere Wahl der Materialien auszeichnet. Statt aus Papier bestehen diese Postwertzeichen aus Holz, Leder oder Gummi! Das größte Objekt der Ausstellung wird „Roberto“ sein. Bei ihm handelt es sich um einen überlebensgroßen Blechmann, der in den 1950er Jahren als Werberoboter durch die Innenstädte stapfte.

 

To Do´s und Vorbereitungen
Bereits diese wenigen Beispiele verdeutlichen die Vielseitigkeit der Exponate, die ab dem 30. September im Museum zu sehen sein werden.

Bis dahin gibt es aber auch noch jede Menge zu tun: Die Ausstellungsstücke werden von den Restauratorinnen derzeit begutachtet und für die Präsentation vorbereitet. Parallel planen wir mit einem Grafiker die Anordnung der Vitrinen und Rahmen und die Gestaltung des Raumes. Auch wenn viele der Objekte bereits durch ihre Gestaltung auffallen, sind es doch besonders die Geschichten dahinter, die wir Euch erzählen möchten. Dafür erstellen wir Texte und Informationstafeln und üben uns dabei in der Kunst, kurz und knapp und zugleich verständlich zu schreiben. Um auf die Ausstellung aufmerksam zu machen, bereiten wir zugleich Informationen für die Presse vor. Zur Begleitung der Objektschau soll es neben Führungen auch interessante Veranstaltungen rund um das Thema Sammeln geben. Seid gespannt!

 

Text: Matthias Lieb, 01. Juli 2021

 

Vom Telegramm zu Telegram – Kurznachrichtendienste im Wandel der Zeit

Vom Telegramm zu Telegram – Kurznachrichtendienste im Wandel der Zeit

Fernmeldeamt Telegrammannahme

Gibt man heutzutage den Suchbegriff „Telegramm“ in die Google-Suchleiste ein, erscheinen sofort Treffer über den Messenger-Dienst „Telegram“ – der bekannten App mit dem weißen Papierflieger-Symbol auf blauen Untergrund. Doch Moment mal – gab es nicht in „grauen Vorzeiten“ einen anderen Kurznachrichtendienst? – Genau!

Das Telegramm gerät in Vergessenheit. Die Technik entwickelt sich sehr schnell weiter, die Digitalisierung schreitet voran und es gibt einfachere und schnellere Wege, Nachrichten zu versenden. Längst wurde auch die SMS durch die Online-Kurznachrichtendienste Telegram, WhatsApp, Signal oder Threema abgelöst. Pionier all dieser Dienste war das Telegramm- der erste Kurznachrichtendienst der Geschichte.

Die Evolution der schnellen Nachrichtenübermittlung

 

Am 24. Mai feiert das Telegramm Geburtstag. Vor 177 Jahren, im Jahr 1844, versendet Samuel Morse in den USA die erste Kurznachricht von Washington nach Baltimore über den von ihm entwickelten Morseapparat. Seine Nachricht, ein Bibelzitat, lautete „What hath God wrought?“ – also „Was hat Gott bewirkt?“. So einiges! War doch nun der erste Kurznachrichtendienst erfunden.

Samuel Morse revolutionierte die Kommunikation. Nicht nur erfand er den Morseapparat und damit das Telegramm, er entwickelte mit dem Morse-Alphabet einen Code, der lange Zeit zur Übermittlung von kurzen Nachrichten genutzt wurde. Sein Apparat sendete durch das Drücken der Taste Impulse, die auf Papier übertragen wurden.

Zunächst hießen die übermittelten Nachrichten noch nicht „Telegramm“. Der Begriff wurde erst im Jahr 1852 von dem Amerikaner E.P. Smith erfunden. Die Deutsche Reichspost nutzte noch bis 1878 den Begriff „Depesche“.

Der Weg der kurzen Nachricht

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde das Telegramm überwiegend zur Übermittlung von dringenden Nachrichten genutzt. Telefone waren zunächst kaum verbreitet und die Lieferzeit eines Standard-Briefes dauerte mehrere Tage.

In den 1920er Jahren wurde zur Übermittlung der Telegramme der Morseapparat durch den Fernschreiber ersetzt und die kurzen Nachrichten auch als Fernschreiben bezeichnet. Der Vorteil bestand darin, dass die Nachricht nach dem Empfang, im Unterschied zum Morseapparat, sofort als Text gelesen werden konnten.

Aufgegeben wurden Telegramme im Postamt, Telegrafenamt oder via Telefon. Die zu übermittelnde Nachricht wurde diktiert und mit dem Telegrafen übermittelt. Verwendet wurde eine abgekürzte Sprache, Telegrammstil genannt, denn der Preis eines Telegrammes richtete sich nach der Anzahl der Zeichen. Für regelmäßige Telegramm-Empfänger lohnte es sich eine verkürzte Adresse zu beantragen – „Drahtwort“ genannt. Denn auch die Adresse zählte in die Zeichenanzahl der Nachricht.

Der spätere Fernschreiber codierte und übermittelte die Nachricht über elektrische Impulse an die am Empfänger nächst gelegene Telegrafenstation, wo diese auf einen Papierstreifen gedruckt wurde. Die Zustellung des Telegramms erfolgte per Bote innerhalb von zwei Stunden bzw. nachts innerhalb von vier Stunden nach Aufgabe nach Nachricht.

Telegramm- und Eilzustellerin der Deutschen Bundepost in Dienstkleidung mit Zustelltasche bei der Haustürzustellung eines Einschrteibbriefes
Telegram(me) im 21. Jahrhundert

 

Während im Jahr 1978 in Deutschland noch 13 Millionen Telegramme versendet wurden, war dieses Kommunikationsmittel gegen Ende des 20. Jahrhunderts größtenteils von Fax und E-Mail abgelöst. Verschwunden ist das Telegramm dennoch nicht. Auch heute können bei der Post Telegramme aufgeben werden. Ob der alternativen Möglichkeiten zur schnellen Übermittlung von Nachrichten, ist das Telegramm aber eher für besondere Ereignisse angedacht. Dafür ist auch eine große Auswahl an Schmuckblättern für verschiedene Anlässe erhältlich. Wie früher sind die Zeichen auch heute begrenzt, denn der Preis richtet sich noch immer nach ihrer Anzahl. Die Aufgabe eines Telegramms ist innerhalb Deutschlands möglich über das Telefon oder Internet. Die Zustellung erfolgt, anders als früher, meist erst am nächsten Werktag.

Nun übernehmen die Online-Nachrichtendienste Telegram und Co. die Übermittlung der meisten Kurznachrichten. Allein im Jahr 2017 wurden 70 Milliarden Nachrichten über den Onlinedienst Telegram versendet. Der Namensvetter und die anderen Messenger-Dienste sind im 21. Jahrhundert nicht mehr wegzudenken. Sie forcieren die Kommunikation in Form von Kurznachrichten und Funktionen wie der Videotelefonie. Auf diese Weise wurde die Übermittlung von schriftlichen Nachrichten im 21. Jahrhundert so schnell und einfach wie nie zuvor. Das Telegramm war ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Kommunikation bis hin zur der Entwicklung unserer heutigen Kurznachrichtendienste.

 

Zahlreiche Bilder des Morseapparates, des Fernschreibers und historischer Telegramme findet Ihr in der Digitalen Objektdatenbank der Museumsstiftung Post und Telekommunikation. Viel Spaß beim Stöbern!

Autorin: Xenia Gärtner, 24.05.2021

 

 

 

Entzugserscheinung – Bibliotheken im Lockdown

Entzugserscheinung – Bibliotheken im Lockdown

Ein Jahr ist es her, dass wir an dieser Stelle den Welttag des Buches feierten, virtuell und mitten im ersten Lockdown. Damals ein Versuch digital mit unserem Nutzerkreis in Kontakt zu bleiben und noch in der optimistischen Überzeugung, dass diese Situation ein Jahr später nur mehr eine Erinnerung sein würde. Doch viele Bibliotheken befinden sich auch heute noch oder wieder im Lockdown und blicken zurück auf ein Jahr zeitweiliger Schließzeiten für die Nutzung, problematischer Literaturversorgung für Studium und Forschung, technischer Herausforderungen im Homeoffice und coronabedingter Personalengpässe. Das Publikum vermisst das Verweilen in seinen Lieblingsbibliotheken, soziale Begegnungen und das Entdecken der Medienwelten vor Ort. Deshalb am heutigen Welttag des Buches: ein sehnsüchtiger Blick auf Bibliotheken und ihre Bedeutung.

Zwischen Infektionsschutz und Literaturversorgung

 

Der internationale UNESCO-Welttag des Buches und des Urheberrechts ist seit 1995 ein Aktionstag zum Thema Buch und Förderung des Lesens.
Eine wichtige Rolle dabei spielen Bibliotheken, auch – vielleicht sogar umso mehr – seit Beginn des Lockdowns im Frühjahr letzten Jahres.
Was wäre also der heutige Welttag des Buches ohne auch mal einen Blick auf Aktionen von Bibliotheken zu werfen, die kreativ versuchen, mit der schwierigen Situation umzugehen?

Eine der Schwierigkeiten für Kultur- und Bildungsinstitutionen besteht seit der Pandemie darin, die für ihre Öffnungs- und Schließkonzepte relevanten Infos, den sich rasch verändernden und regional variierenden Verordnungen zu entnehmen und angemessen für Personal und Nutzerkreis umzusetzen. Auf kurzfristige Regelungen zu pandemiebedingten Schließungen, reagieren Bibliotheken mit flexiblen Anpassungen von Rückgabeterminen. Das ist logistisch viel aufwendiger als es klingen mag, hilft aber der Aufforderung nachzukommen, unnötige Wege im Lockdown zu vermeiden.
Um ihr Publikum schnell informieren zu können, nutzen viele Bibliotheken seit der Pandemie verstärkt Social Media Kanäle, unter dem Schlagwort #closedbutopen ein verbreitetes Mittel, um in Kontakt zu bleiben.

 

Zwischen Öffnungen und Schließungen bedarf es passender Hygienekonzepte, die in allen Institutionen im Rahmen ihrer Möglichkeiten umgesetzt werden. Dazu gehören räumliche Schutzmaßnahmen wie Trennscheiben und Abstandsregelungen, aber auch Begrenzungen der Nutzerzahl auf die Raumgröße. Bereits zu Beginn der Pandemie gab es regen Austausch unter den Bibliotheken zur Einrichtung von „Bücherquarantänen“, also Überlegungen zur erforderlichen Dauer zwischen Rückgabe und Wiederausleihe von Büchern, die nicht gereinigt werden können. Arbeitsschritte mussten an Hygienevorschriften angepasst werden, auch hinsichtlich der Zahl von Personal, das gleichzeitig in einem Raum arbeiten darf.

Bibliotheken arbeiten hier im engen Rahmen zwischen dem Schutz von Menschen und dem Aufrechterhalten der Literaturversorgung. So wie andere Kultur- und Bildungseinrichtungen, versuchen Bibliotheken dieser Anforderung gerecht zu werden durch Einführung von Zeitslots, die fest gebucht werden können und die maximale Anzahl anwesender Personen pro Raum koordinieren. In einigen Bibliotheken wurden dafür relativ schnell Onlinebuchungssysteme aktiviert, die den Ablauf erleichtern, in anderen Bibliotheken können Termine per Mail oder telefonisch gebucht werden.

 

Bibliothek von Zuhause

 

Die während einer Pandemie notwendigen Schließungen treffen Bibliotheken genau dort, wo ihre größte Stärke liegt: als Begegnungsort. Diese wichtige soziale Rolle nehmen vor allem Öffentliche Bibliotheken wahr. Auch wenn kein digitales Angebot diese Funktion ersetzen kann, bleiben Bibliotheken mit regelmäßigen Social-Media-Aktionen sichtbar und reagieren mit flexiblen Änderungen ihrer Nutzungsbedingungen. Unter dem Schlagwort #BibliothekVonZuhause bieten einige Bibliotheken Neuanmeldungen, die sonst nur vor Ort möglich sind, seit Beginn der Pandemie auch online an, um ihren Leser*innen eine Nutzung der elektronischen Medien zu ermöglichen. Dazu gehören Ebooks, Hörbücher aber auch Filmdienste. Ein willkommenes Angebot zur Unterhaltung aber auch zum Lernen von zuhause, zumindest im ersten Lockdown 2020. Wie oft und wie lange Bibliotheken freie Onlinedienste anbieten können, hängt im Wesentlichen von der Lizenzpolitik der Verlage ab und von den verfügbaren finanziellen Mitteln der jeweiligen Bibliothek.

Mit einer Art „click & collect“ ermöglichen vor allem Stadtbibliotheken die Auswahl gewünschter Medien im Onlinekatalog und stellen diese für ihre Nutzerinnen zusammen. Mit Termin können diese dann bequem am Eingang der jeweiligen Bibliothek abgeholt werden. In diesen Bereich fallen auch Angebote zu Medienpaketen, die vom Bibliothekspersonal zusammengestellt werden und ein bisschen an das Entdecken spannender Literatur erinnern sollen.

Erlebnis und Teilhabe

 

Die Bibliothek als ein Ort des Verweilens, der Begegnung, der demokratischen Versorgung mit Literatur, des (Kennen)lernens, sehr oft auch eine Zuflucht vor Einsamkeit, kann gerade in diesen Aspekten durch keine Online-Angebote ersetzt werden. Virtuelle Angebote sind begrenzt, sowohl in Verfügbarkeit als auch an Reichweite. Sind sie doch nur nutzbar für Leser*innen, die über entsprechende Endgeräte verfügen, ein Moment des gesellschaftlichen Ausschlusses, den Bibliotheken in „normalen“ Zeiten durch freien Zugang zu ihren Beständen zumindest mildern können.

Ein wichtiger Grund also, um am Welttag des Buches an die nicht zu überschätzende Bedeutung von Bibliotheken für die Teilhabe in der Gesellschaft zu erinnern. Ein Hoch auf Bücher, das Lesen und die Kultur des geschriebenen Wortes und auf unsere Sehnsucht nach ihren Orten.

Autorin: Sandy Lang, 23.04.2021

 

Links zu aktuellen Öffnungszeiten und Angeboten der Frankfurter Bibliotheken

Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg, Frankfurt

Frankfurter Museumsbibliotheken

Stadtbücherei Frankfurt

Informationen zu Bibliotheken & Corona des BIB

#MuseumForFuture – Die Zukunft gehört dem Museum?  Gedanken dazu aus dem Museum für Kommunikation Nürnberg

#MuseumForFuture – Die Zukunft gehört dem Museum? Gedanken dazu aus dem Museum für Kommunikation Nürnberg

Wenn Jörn Brunotte zur Blogparade aufruft, ist es eine Freude mitzumachen. Zudem ist das Thema dieses Mal besonders spannend, denn es geht um die „Zukunft des Museums“ oder #museumforfuture.

Intro: #museumforfuture

Es geht darum, wie wir als Museum „nach der Krise“ weitermachen wollen und noch viel mehr darum, wo wir stehen und – anders als in den politischen Debatten seit März 2020 – wie relevant wir sein wollen. Ein weites Feld also, aber ein spannendes Thema und natürlich kommen wir als Museum für Kommunikation Nürnberg dem Aufruf mit Freude nach und beteiligen uns mit einem Beitrag an die Diskussion. Die Idee hinter unserem Post ist, dass unterschiedlichen Bereiche des Hauses zu Wort kommen, um das weit gefächerte Thema „Zukunft des Museums“ aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Wie geht es weiter im Bereich „Bildung und Vermittlung“, wie werden morgen Ausstellungen und wie das Rahmenprogramm aussehen? Wie sieht unser Volontär sein zweites Jahr Volontariat und wie wirkt sich dies alles zusammen auf die Vision des gesamten Hauses aus? Der Blogbeitrag ist eine kollaborative Zusammenarbeit – eine Art, in der in kleinen Häusern wie dem unsrigen oft gearbeitet wird und vielleicht auch eine, um in der Zukunft transparenter und offener zusammen zu arbeiten?!

Das Museum für Kommunikation Nürnberg gehört mit seinen beiden Schwestermuseen Museum für Kommunikation Frankfurt und Museum für Kommunikation Berlin sowie den Sammlungen und dem Archiv für Philatelie zur Museumsstiftung Post und Telekommunikation. In „normalen“ Jahren ist unser Haus mit seinem spannenden Vermittlungs-, Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm besonders stolz auf seine interaktive und partizipative Ausrichtung. Diese wird unter der Woche vor allem von Schulklassen und an den Wochenenden sowie Ferien vor allem von Familien sehr gut angenommen und schlägt sich in über 120.000 Besucher*innen (in 2019) nieder.

Seit Beginn der Pandemie im letzten März hat sich das Museum für Kommunikation Nürnberg, gemeinsam mit den beiden anderen Standorten, natürlich auf digitale Museumsarbeit umgestellt. Die drei Häuser haben ihren bereits breit aufgestellten virtuellen Bereich – der von virtuellen Ausstellungsrundgängen (Expotizern) über Online-Sammlung(en) bis hin zu rein digitalen Ausstellungen reichte – nochmals deutlich erweitert (siehe hierzu z. B. den „Digitalbereich“ des Museums für Kommunikation Nürnberg). Hinzugekommen sind neben Veranstaltungsstreamings und Online-Vermittlungsangeboten für Kinder (wie der z. B. Programmierkurs oder Schrott-Robos-Bauen) in Nürnberg u. a. ein Let´s Play und Podcast-Projekt mit Namen VoloMuPo, Volontär*innen-Podcast.

Zu den verschiedenen Projekten erfährt man im Folgenden noch mehr und es sind noch weitere Angebote geplant.

Museumsleitung (Dr. Annabelle Hornung): „In (die) Zukunft führen“

Ich habe im Juni 2020 als Leiterin des Museums für Kommunikation Nürnberg begonnen und bin somit kurz nach der Wiedereröffnung im Mai eingestiegen. Wer in der Pandemie ebenfalls den Job gewechselt hat, weiß wovon ich spreche, wenn ich sage, dass es eine schwierige Situation war. Man kommt neu – in meinem Fall wieder zurück – ins Museum, das noch immer mit den Folgen des ersten Lockdowns zu kämpfen hat. Ab dem ersten Tag war es, noch mehr als normalerweise als Führungskraft, wichtig, die Motivation hoch zu halten, transparent über alle Entwicklungen zu sprechen und für Ängste und Bedenken ein stets offenes Ohr zu haben. Die weiteren Sommermonate brachten Erleichterungen, die Zahlen der Infektionen waren auf Tiefststand und es war sogar möglich, sich draußen (mit Abstand) zu begegnen. So konnten wir im August mit Besucher*innen zum Beispiel, den Aktionstag anlässlich des 40. Geburtstags unseres Nürnberger Fernsehturms, besser bekannt als „Nürnberger Ei“, feiern oder im September in reduzierterer Form, die Stad(ver-)Führungen mit kleinem analogen Angebot begehen. Momente, die heute, im Januar 2021, meilenweit weg erscheinen. Erneut sind wir wie alle anderen Museen seit Anfang November wieder geschlossen. Der zweite Lockdown, eine schon seit über drei Monaten andauernde Zwangspause. Allerdings konnten wir vor der erneuten Schließung Ende Oktober noch unsere neue Wechselausstellung „#neuland – Ich, wir und die Digitalisierung“ eröffnen. Die Präsentation, eine Übernahme aus dem Museum für Kommunikation in Frankfurt und ein Gemeinschaftsprojekt mit der Nemetschek Stiftung, befasst sich mit dem digitalen Wandel und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft, aber auch auf das Individuum. Passend zu diesem Thema, aber auch angesichts der seit Oktober stetig steigenden Infektionszahlen haben wir das Rahmenprogramm bereits vor der Eröffnung zu großen Teilen remote und hybrid geplant, so dass eine – wie dann leider auch eingetreten – Übertragung des Rahmenprogramm ins rein Digitale kein größeres Hindernis dargestellt hat. Leider konnten die Besucher*innen die Ausstellung gerade einmal fünf Tage besuchen und es steht in den Sternen, wann das wieder möglich ist.

So möchte ich im Moment als Direktorin erst einmal nur in die unmittelbare Zukunft, also in die nächsten zwei, drei Monate, blicken: Eingedenk meines ersten Dreiviertel-Jahres zurück im Museum, geprägt durch die Krise, müssen wir uns als Institution in erster Linie jeden Tag neu mit der Frage nach unserer Relevanz beschäftigen. Hier müssen wir Lösungen und kreative Ideen anbieten, um uns zugleich als wichtigen Ort des gesellschaftlichen Diskurses und der Bildung aufzustellen. Dieses nahe und zugleich Fern-Ziel möchte ich mit meinen Kolleg*innen erreichen und dazu müssen wir gemeinsam lernen und uns weiterbilden. Nur so können wir den neuen Herausforderungen der Museumsarbeit und ihrer Zukunft (1) gewachsen sein.

(1) Lektüre zur Zukunft des Museums: Andrés Szántós Gesprächssammlung „The Future of the Museum” oder Joachim Baur + schnittpunkt (Hg.): „Das Museum der Zukunft“.

Presse und Öffentlichkeitsarbeit (Dr. Vera Losse): „Öffentlichkeitsarbeit während und nach Corona“ 

Das Museum für Kommunikation Nürnberg (MKN) gehört mit den beiden Schwestermuseen zur Museumsstiftung Post und Telekommunikation, wir haben eine gemeinsame Webseite und arbeiten in der Kommunikation vieler Themen besonders im digitalen Bereich eng zusammen. Vor Ort kümmern sich die Pressereferent*innen um standortspezifische Angebote und stehen als Ansprechpartner*innen zur Verfügung.

Die Kommunikation des MKN war im ersten Lockdown zunächst davon geprägt, vorhandene Kontakte in die Medien hinein zu pflegen und Wege zu entwickeln und das #closedbutopen Museum mit seinen digitalen Angeboten in die Öffentlichkeit zu bringen. Dabei entstanden auch neue Formate: Elke Schneider, unsere Kollegin aus dem Bereich Bildung und Vermittlung, nutzte den Instagram-Kanal des Hauses für Angebote, wie etwa eine Museumsführung. Im zweiten Lockdown  haben wir konsequent alle Angebote, etwa für die Advents- und Weihnachtszeit, von vorn herein ins Digitale verlegt (2) , was die Planung der Medienarbeit erleichterte. Eine weitere neue Erfahrung: Viele Journalist*innen waren und sind nach im Homeoffice. Begegnungen im Museum sind daher kaum möglich, so fanden die ersten Interviews mit der neuen Direktorin Annabelle Hornung per Telefonkonferenz oder Zoom statt.  Auf die Einladung zur Pressekonferenz zu unserer Sonderausstellung #neuland am 27.10.2020 kamen sehr unterschiedliche Reaktionen, einige Journalist*innen wollten die Schau unbedingt vor Ort sehen, andere komplett aus dem Homeoffice recherchieren. Hier hat sich der digitale Expotizer sehr bewährt, der um eine Kurzführung durch die Ausstellung erweitert wurde, ein Format mit viel Zukunft. Insgesamt war und ist das Interesse am Thema Kommunikation gerade in Pandemiezeiten seitens der Medien hoch. So erfuhr etwa ein dpa-Interview zum Thema: „Kommunikation mit Maske“ mit der Stimmtrainerin und Schauspielerin Luna Mittig, die unsere Museumspädagog*innen in der Kommunikation mit dem „Schnutenpulli“ schulte, ein sehr großes überregionales Echo. Eingebunden wurden Mittigs Äußerungen in einen Text, der das Thema aus verschiedenen Perspektiven, etwa einer Lehrerin oder eines Mimikforschers beleuchtete.

Wie wird es weitergehen? Ich persönlich glaube, dass die Erfahrung von Entgrenzung durch Digitalität eine immer größere Rolle in der Öffentlichkeitsarbeit spielen wird. Zwar wird es hoffentlich bald wieder Angebote und Veranstaltungen im Museumsraum geben, im Moment fällt die mittelfristige Themensetzung im Analogen schwer. Aber schon heute werden  das Haus und die Museumsstiftung Post und Telekommunikation über die Webseite und die digitalen Kanäle insgesamt als kompetente Informations- und Veranstaltungsplattform zum Thema Kommunikation wahrgenommen. Dies geschieht durch ganz unterschiedliche analoge, digitale und hybride Formate, Gesprächsangebote sowie die Recherchemöglichkeiten in unseren Datenbanken. Hieraus ergeben sich ganz neue Möglichkeiten, geographisch und zeitlich uneingeschränkt, gemeinsam mit Journalist*innen, Blogger*innen, Plattformbetreiber*innen Themen zu entwickeln. Medienarbeit wird dadurch auch partizipativer werden und wir werden Ansprechpartner*innen in einem noch ganz anderen Ausmaß als heute nicht mehr nur für klassische Journalist*innen sein.

Beschäftigen wird uns auch weiterhin der rasante Wandel in den klassischen Medien, der schon vor schon vor Corona in vollem Gange war, sei es beim Verlag Nürnberger Presse, der jetzt eine konsequente digital first-Strategie fährt oder beim BR, der die Trimedialität weiter vorantreibt.(3) Wir werden in den kommenden Monaten das Infektionsgeschehen und seine Konsequenzen, unsere Arbeitserfahrungen aus der Pandemiezeit und den Medienwandel beobachten und reflektieren, es bleibt spannend.

(2) Ein Beispiel hierfür war unsere Weihnachstwebsite, auf der Angebote, wie unsere Postkutschenfahrten auf dem Christkindlesmarkt für das Web aufbereitet wurden.

(3) Zum Thema Medienwandel gibt es umfangreiche Literatur, siehe den Artikel von Prof. Klaus Meyer (Katholische Universität Eichstätt, Studiengang Journalistik), der besagt, dass die letzte Zeitung 2033 erscheinen wird; oder die Entwicklung im Bereich TV, siehe hier.

Bildung und Vermittlung (Elke Schneider): „Lust, Frust, Flexibilität – und: das digitale Publikum ist ein anderes“

Bevor ich in die Zukunft schaue, ein Blick zurück in ein völlig anderes Jahr, in dem ein erster Lockdown verhinderte, dass wir die Geschichten unseres Museums vor Ort Menschen erzählten, Museumsthemen in der Sonntags-Werkstatt praktisch erfahrbar machten, in dem Homeschooling angesagt war, Ferien-Aktionen ausfielen, die vulnerable Gruppe der älteren Menschen ebenso nicht mehr zu Smartphone-Kursen ins Museum kommen konnte wie die Besucher*innen unserer Veranstaltungsreihe Daten-Dienstag. Und an Postkutschenfahrten mit neun Passagieren auf engstem Raum war gar nicht zu denken. Flexiblität war gefragt: lange Instagram-Posts ersetzen Expressführungen, mittlerweile ist eine Audiospur daraus geworden und wird demnächst als Medienguide nutzbar sein. Ebenso startete im Sommer eine Instagram-Reihe mit praktischen Ideen als #MitmachMittwoch, FerienWerkstatt und schließlich #SonntagsWerkstatt. Daneben galt es, Online-Tools wie Zoom, Jitsi, MS Teams, Wonder.me, Trello, Padlet, Mural und Miro nicht nur kennenzulernen, sondern auch den Datenschutz zu prüfen und Bedenken auszuräumen. Sind wir nach einem Jahr Experten, wie es unlängst ein Museumsdirektor feststellte? Nein, aber wir sind neugierig, mutig und probieren.

Nach dem Lockdown folgte eine Wiederöffnung nach zwei Monaten mit einem völlig veränderten Museum: Wo eigentlich zahlreiche interaktive Stationen Anlässe zur Kommunikation stiften, sind nun Absperrungen – bewusst improvisiert, weil diese Stationen doch unser Museum eigentlich auszeichnen, aber dennoch auch nach gut fünf Monaten Publikumsbetrieb immer noch ansehnlich. Öffentliche Führungen starteten im Frühsommer langsam und in sehr kleinen Gruppen wieder mit Maske. Spannend, was der Geistesblitz, Schulungen zum „Sprechen mit Maske“ anzubieten ausgelöst hat. Bis ins ARD-Morgenprogramm schaffte es das Thema.

Allerdings konnte unser Team aus freien Mitarbeiter*innen Schüler*innen nicht zeigen, wie wir dies machen: Bayerischen Schulklassen waren schon im vergangenen Schuljahr nach den zwei Lockdown-Monaten Ausflüge und damit Museumsbesuche verboten – dies hält an und aktuell haben wir im vierten Monat Distanzunterricht. Die Diskussion darum geht aktuell wieder durch die Medien. So ist es bis heute schwierig für uns Lehrer*innen zu erreichen, die mit vielerlei Problemen ringen. Nur ab und an kommt ein*e Referendar*in, um für eine Lehrprobe historische Telefone auszuleihen. Aktuell prüfen Umfragen der Museums-Kolleg*innen der Museen für Kommunikation in Bern und Frankfurt, welche Bedarfe bei Lehrer*innen bestehen. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse.

Eine große Freude war das erste Ferienprogramm, das am Ende des entspannten Sommers wieder stattfinden konnte: „Entwickle Dein eigenes Computerspiel!“ für eine reduzierte Zahl von 10 Kindern in unserem Festsaal mit fast 200 qm. Statt der Arbeit in kleinen Teams arbeiten die Kinder einzeln. Wie aber kann ein Gespräch in der Gruppe stattfinden, wenn 1,5 m Abstand gelten? Die Lösung ist eine Zoom-Konferenz im Raum. Mit Headset und Laptop waren die Kinder so nahe beieinander wie erlaubt, konnten sich aber gut verstehen, dabei analog und digital sehen und spielten nebenbei das Homeoffice der Eltern nach.

Ebenso war es ein Highlight, als an einem Termin Ende September unsere Museums-Postkutsche wieder mit einem Hygienekonzept wieder fahren konnte. Die zwei Fahrgasträume waren reserviert für zwei Familien, die Fahrzeit war statt eines halben Tages über 25 Minuten vom Museum durch die südliche Nürnberger Altstadt und wieder zurück. Und vor der Fahrt gab es einen Rundgang durch das Museum zu Posthorn, Uniformen, „Trittbrettfahrer“ und „Schmiergeld“ inklusive des Autogramms von Neil Armstrong auf einem Postkutschen-Ticket. Die sechs Runden waren ausgebucht und strahlende Gesichter bei den teilnehmenden Familien, aber auch bei den freien Mitarbeiter*innen, der Postillionin und dem Conducteur machten uns glücklich.

Ein großer Frust dagegen war es, als wir einer Mutter im November zum zweiten Mal die Geburtstagsfeiern ihrer zwei Kinder absagen mussten. Sie hatte die zwei Feiern eigentlich bereits im März geplant. Planbarkeit, Verbindlichkeit, Verlässlichkeit werden in diesen Zeiten leider unmöglich. Und es ergibt sich die Sorge, ob die Mutter es ein drittes Mal probieren wird, einen Geburtstag bei uns zu feiern und wie sich das Publikum verändern wird. Wie lange bleiben Abstand, Masken und Vorsicht?

Völlig neue Möglichkeiten ergeben sich durch die Umstellung unserer Veranstaltungsreihe „Daten-Dienstag“, bei der einmal im Monat ein*e Expertin einen Aspekt der Datensicherheit bzw. des Datenschutzes in den Blick nimmt. Seit Juli bieten wir dies online via Zoom an. Dabei offenbart sich ein völlig verändertes Publikum: kommen zu den Vor-Ort-Terminen neben unserem Museumspublikum und mitunter ganzen Berufsschulklassen auch Datenschutzbeauftragte und Jurist*innen, übernehmen letztere online die Mehrheit. Wir erreichen damit auch nicht mehr nur das Publikum aus Nürnberg und Umgebung, sondern in unser E-Mail-Postfach gehen Anmeldungen aus der ganzen Bundesrepublik und sogar der Schweiz ein. Eine völlig neue Qualität! Schon zeichnen sich darunter neue Stammgäste ab und bereits jetzt treibt dieses Fachpublikum die Frage um, ob wir den “Digitalen Daten-Dienstag” beibehalten, auch wenn Corona vorbei ist.

Fazit: Wir alle – Museumspublikum und Museumsmitarbeiter*innen sind angestrengt in der neuen Normalität unter der Maßgabe, flexibel mit den Vorgaben umzugehen, um uns dennoch zu erreichen. Es fehlen Nähe, direkte Begegnung und Austausch, Partizipation, Raumerfahrung und vor allem sinnliche Eindrücke. Ich sehe reichlich Ausbaubedarf der Online-Möglichkeiten, aber kaum die Chance, in die Situation davor ohne diese zurückzugehen. Digitale Angebote werden bleiben, weil sie uns alle verwöhnt haben – mich zum Beispiel mit zahlreichen Online-Fortbildungen und einem völlig neuen monatlichen Jour Fixe per Videokonferenz mit meinem vier Kolleg*innen aus der „Bildung & Vermittlung“ an den anderen Standorten der Museumstiftung Berlin und Frankfurt. So halte ich fest: Online-Angebote können die Arbeit vor Ort nicht ersetzen, bereichern aber das Angebot auf neue Weise. Sie sind faszinierend und sollten ihren Möglichkeiten entsprechend entwickelt werden. Was sich dort in der Zukunft ergeben wird, darauf bin ich gespannt.

Wissenschaftliches Volontariat (Christian Bihn): „Museen, auf die Straße!“

In der Zukunft werden wir via Flugtaxi oder Unterdruck-Transport-Röhre à la “Futurama” zu den Museen dieser Welt reisen. Dort angekommen, betritt man die nunmehr gänzlich digitalisierten Sammlungen mittels der Datenbrille und kann bequem per Handbewegung zwischen den einzelnen Sammlungsgebieten hin und her wechseln. Und noch während ich das hier schreibe, führe ich eine Hand an meine Stirn und schüttle nur den Kopf angesichts dieser spekulativen und vor allem utopischen Vorstellungen, die ich hier abtippe. Die Zukunft ist in der Regel unspektakulär, unaufgeregt und – verständlicherweise – sehr weit entfernt. Der Historiker in mir blickt dann gerne auf den Bilderzyklus „En l’an 2000“ (4), der Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden ist und die technischen Wunder des Jahres 2000 zeigen wollte. Schüler*innen lernen mittels Maschine, die Bücherinhalte direkt in die Köpfe transferiert – natürlich noch per Kurbelantrieb. Feuerwehrleute, die mit mechanischen Flügeln brennende Gebäude löschen. Oder die komfortable Videotelefonie mit dem Handspiegel. Im Grunde viele biedere Damen und Herren in einer Welt aus Lochblech, viel Draht und Glühbirnen. Mein im Jahr 2000 verhungertes Tamagotchi verkneift sich im Jenseits eine Träne, da es offenbar schon im Jahr 1900 ein potenzielles Dasein in Vergessenheit geführt hat.

Schieben wir also die spektakuläre Zukunft zur Seite und werfen wir einen Blick auf die nächsten Jahre. Das Zeitalter nach Corona. Mich hat es im Januar 2020 vom Untermain an die Pegnitz gezogen. Der Plan: Zwei Jahre Volontariat. Der Plan wird nach nur zwei Monaten umgeworfen. Lockdown 1, Homeoffice und die Frage, wie soll das eigentlich funktionieren: Museum in der Pandemie? Man macht sich Gedanken, beginnt zu experimentieren und plant die ersten Veranstaltungen und Angebote, die die Zeit der pandemiebedingten geschlossenen Museumspforten überwinden sollen. Die Frage nach dem Danach, dem Jahr 1 nach Corona, bleibt aber noch unbeachtet, drängt sich aber allmählich auf. Abseits der Museumsarbeit macht sich die Pandemie auch bemerkbar. Der Kulturverein in der Heimat, in dem ich trotz der Entfernung weiterhin tätig bin, muss seine Kulturkonferenz absagen. Mein Redemanuskript, das ich hierfür vorbereitet habe, wandert in die Schublade. Der Appell, der darin zum Anklang kommt, erscheint in Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht unpassend: Künstler*innen auf die Straße! Ein Appell, der sich gegen die Entfremdung zwischen Kunstschaffenden und Publikum richtet, Teilhabe fordert, indem die direkte Partizipation befördert wird.

Ein Appell, der sich auch auf den Bereich Museum anwenden lässt. Besucher*innen nicht nur als Gäste und Konsumenten des Hauses verstehen, sondern als aktive Partizipierende. Letztendlich macht die Schaffung von Denk- und Diskussionsräume nur dann Sinn, wenn sich die Institution Museum dabei nicht als letzte Instanz versteht, die sich dennoch vorbehält, festzulegen, was am Ende die Wahrheit ist und was nicht. Es muss ein langfristiges Ziel sein, Besucherinnen eine Möglichkeit zu schaffen, sich direkt an musealen Prozessen zu beteiligen und das sollte  über einen bloßen Fragebogen hinausgehen. Und der Weg dahin, ist im Grunde genauso unspektakulär wie die Zukunft selbst. Ein erster Schritt kann bereits sein, einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren: Wer arbeitet im Museum und was machen diese Leute überhaupt den ganzen Tag? Das mag banal klingen, ist aber durchaus nötig, wenn ich daran denke, dass mich immer noch Leute fragen, warum ich montags zur Arbeit ins Museum gehe, wenn es doch montags geschlossen ist.

Corona hat Museen vor die Herausforderung gestellt sich umzuorientieren, neue Methoden anzuwenden und alte Schemata fallen zu lassen. Dies gilt es auch nach der Pandemie beizubehalten. Neues ausprobieren, abseits der Norm. Popkulturelle Ansätze, Partizipation, die über das Knöpfe-drücken hinausgeht. Bietet doch mal eine Führung durch die Verwaltungsräume an. Lasst Besucher*innen einen Ausstellungsraum einrichten. Wartet nicht darauf, dass die Leute zu Euch ins Haus kommen und geht hinaus, geht auf die Straße. Der Rest wird folgen.

(4) Siehe: hier.

Fazit: #thefutureismuseum

Zukunft ist ein großes Wort. Sicher hat keiner eine Glaskugel, um genau zu wissen, wie die Zukunft der vielen, unterschiedlichen kleinen und großen Museen, der gesamten heterogenen Museumslandschaft oder im speziellen unseres Museums aussehen wird. Was wir aber aus der Krise gelernt haben, ist, dass man die Zukunft mitgestalten sollte bzw. als Bildungsinstitution das Morgen mitgestalten muss. Ansonsten braucht man gar keine Diskussion über die Relevanz des Museums führen.

Den Besucher*innen sollten wir nach der Krise, noch mehr als zuvor, einen Denk-Ort bieten, an dem sie in die Vergangenheit eintauchen, aber auch über die Zukunft nachdenken können. Zudem sollten wir ein Kommunikations-Ort sein, der Möglichkeiten des Austausches, der Vernetzung und des Diskurses für verschiedenste Gruppen bieten kann. Vielleicht sollten wir auch ein kreativer und freudiger Ort sein, den man (mit) gestalten kann und an dem Engagement und Spaß gelebt wird. Schließlich und vielleicht am wichtigsten sollten wir auch immer ein Museum sein und in unserem konkreten Fall ein Programm bieten, das anhand von Exponaten unserer Sammlungen bzw. aus dem Mediengeschichte aufzeigt, wie die Zukunft der Kommunikation aussehen kann. Anhand unserer kuratorischen und vermittelnden Arbeit – ob im analogen oder digitalen – können wir Geschichte(n) erzählen, aber auch Visionen bieten. Beispielsweise, wie wir in 2030 kommunizieren und was das für unsere Gesellschaft bedeutet. Solche spannende Fragen für die Zukunft des Museums für Kommunikation versuchen wir an allen Standorten mit unseren Dauer- und Wechselausstellungen zu beantworten. Wer Lust auf einen virtuellen Ausflug „zurück in die Zukunft hat“ und wie Technikvisionen der Vergangenheit aussehen können, schaut mal bei der aktuellen Ausstellung „Back to Future in unserem Frankfurter Schwestermuseum vorbei.

Gerne werden wir neben allen Visionen versuchen, den Besucher*innen heute und „in Zukunft“ vor allem auch Freude am Museum zu vermitteln, indem wir – analog und digital – das bestmögliche Programm bieten. Den Rest können und wollen wir nicht bestimmen, sondern, um es mit Johann Wolfgang Goethe zu sagen: „Man muss auch der Zukunft etwas überlassen…“. Bis dahin machen wir einfach unsere (Museums-)Arbeit.

 

 

 

Zum Abschied: Impressionen der Fahrt mit der Museumspostkutsche durch die Nürnberger Altsstadt.

Autor*innen: A. Hornung mit C. Bihn, V. Losse & E. Schneider, 11.02.2021

 

Vom „Buch der Narren“ zum Volltext – Die Digitalisierung historischer Berliner Telefonbücher

Vom „Buch der Narren“ zum Volltext – Die Digitalisierung historischer Berliner Telefonbücher

Am 14. Juli 1881 erschien mit dem „Verzeichniss der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten“ der „Fernsprech-Vermittelungs-Anlage“ in Berlin das erste Berliner Telefonbuch. Dass es zunächst nur 185 Teilnehmer enthielt und umgangssprachlich „Buch der Narren“ genannt wurde, zeigt die anfängliche Skepsis, die der Kommunikationsinnovation „Fernsprecher“ entgegen gebracht wurde. Das sollte sich jedoch schnell ändern, denn nach vier Jahren  verzeichnete das Berliner Telefonbuch  bereits 4000 Anschlüsse.

Als Nachfolgeinstitution des Reichspostmuseums verfügt das Museum für Kommunikation Berlin über einen Bestand historischer Berliner Telefonbücher, die nun in digitalisierter Form für die Jahre 1881 bis 1902 online recherchierbar sind. Über das Digitalisierungsprojekt sprachen wir mit der verantwortlichen Bibliothekarin Claudia Loest.

 

Digitalisierung als Bestandsschutz

 

Die Idee zur Digitalisierung der Berliner Telefonbücher gab es bereits seit über zehn Jahren. Aus der Einsicht, dass die Museumsstiftung für Post und Telekommunikation mit den historischen Telefonbüchern über ein Konvolut verfügt, das in dieser Form selten und für die Stadt Berlin wichtig ist, entstand der Wunsch, diesen Bestand stärker zu schützen. Das bedeutete zunächst, Zugang und Nutzung stark zu reglementieren, denn hergestellt als Massenware in hoher Auflage, handelt es sich bei den historischen Telefonbüchern um ein fragiles Material von schlechter Qualität.

Aus dem Anliegen, sowohl dem Bestandsschutz, als auch der Zugänglichkeit Rechnung zu tragen, speiste sich die Hoffnung auf einen Zeitpunkt, wo technische Möglichkeiten und entsprechende Fördermittel zur Verfügung stehen würden, um die Idee der digitalisierten Telefonbücher zu verwirklichen.

Gemeinsam stark in Kooperation

 

Essentiell für Projekte dieser Art sind Kooperationspartner. Die Umsetzung der Idee rückte näher, als man bei einem Treffen beim Forschungs- und Kompetenzzentrum für Digitalisierung Berlin (digiS) von einem Digitalisierungsprojekt der Zentralen Landesbibliothek Berlin (ZLB) erfuhr, und schon mal vorfühlen konnte, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte. Mit digiS und ZLB standen der Stiftung nun Kooperationspartner zur Seite, die auf Digitalisierungsprojekte spezialisiert sind, und den Prozess von der Ausschreibung bis zum Launch der Datenbank begleiten konnten.

Von dieser Expertise profitieren insbesondere kleinere Institutionen, die noch keinen Workflow dieser Art entwickeln konnten, sagt Claudia Loest. Ein wichtiger Aspekt für die Umsetzung lag auch in der Unterstützung durch das bibliothekarische Fachpublikum und deren Begeisterung für die Idee.

Die traditionell enge Kooperation von bibliothekarischen Einrichtungen, verband sich hier mit dem Wunsch, gemeinsam ein Stück des Berliner Kulturerbes zu erhalten.

 

 
Antiqua und Digits

Zu Beginn des Prozesses mussten zunächst hochwertige Scans der Telefonbücher angefertigt werden. Zu den wichtigsten Schritten im Digitalisierungsprozess gehört,  Dokumente mit Hilfe von Texterkennungssoftware durchsuchbar zu machen. Dem Prozess  kam hier zugute, dass die Telefonbücher ausschließlich in Antiqua gedruckt sind, sowie das Know-How über DFG-Richtlinien für den Umgang mit Digitalisaten, das vor allem die Kooperationspartner beisteuern konnten

 

Entstanden sind ca. 17.000 Seiten, die im Volltext durchsucht und, wie Claudia Loest besonders hervorhebt, in verschiedenen Bild-Formaten ausgegeben werden können. Hinsichtlich der Durchsuchbarkeit, war in der Erstellung passender Metadaten das Kollegium der Bibliothek gefragt. Routiniert in deren Erstellung durch die tägliche Arbeit mit Online-Katalogen, brachte die Arbeit an den Digitalisaten aber auch für die Bibliothekskolleg*innen einen Lernprozess mit sich, erfordert doch, so Claudia Loest, ein Digitalisierungsprojekt weitergehende Überlegungen zur Schaffung nützlicher Sucheinstiege. Besonders wichtig war ihr in diesem Zusammenhang, dass auch Nachträge in den Telefonbüchern abgebildet werden können, sowie die Möglichkeit zur alphabetischen Suche in einem Register unter Berücksichtigung historischer Schreibweisen.

Die entstandene Telefonbuch-Datenbank ermöglicht nun neben einem kurzen Einblick in die Geschichte der Telefonbücher, eine alphabetische und nummerische Übersicht, die in die Volltexte der einzelnen Telefonbuchseiten führt.

Stärkere Nutzung einer historischen Quelle

 

Die Frage, ob sich der Nutzerkreis durch Digitalisierungsprojekte in Bibliotheken erweiterte, kann Claudia Loest eindeutig mit Ja beantworten. Bereits mit der Sichtbarmachung von Bibliotheksbeständen der Museen im Onlinekatalog und überregionalen Verbundkatalogen, erhöhen sich die Anfragen kontinuierlich. Die Nachfrage nach historischen Telefonbüchern kommt dabei aus einem breiten Nutzerkreis von Privatpersonen, Forschenden sowie Filmproduktionen. Als historische Quelle geben die Telefonbücher Antworten auf vielfältige Fragen. Etwa zur Stadtentwicklung Berlins, zu verschwundenen Standorten und Einrichtungen und zur Recherche unter verschiedenen sozialhistorischen Aspekten. Technikhistorisch lässt sich an der Anzahl der Einträge und Auflagen der Telefonbücher ablesen, wie rasant sich der Fernsprecher von einer neuen Technologie zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand entwickelte. Hier sieht Claudia Loest eine Analogie zur heutigen Zeit der Digitalisierung.

Die Digitalisierten Telefonbücher ergänzen das Angebot  unserer Online-Sammlungen und sind zu durchsuchen auf den Seiten der  Museumsstiftung Post und Telekommunikation. Mehr Infos zum Projekt findet Ihr in der Pressemitteilung des Museums für Kommunikation Berlin und in der neuen Ausgabe von „Das Archiv“ der DGPT.

 

Autorin: Sandy Lang, 10.12.2020

 

Hinter den Kulissen: Sammlungsarbeit im Depot

Hinter den Kulissen: Sammlungsarbeit im Depot

Leere Regale sind in unseren Depots ein sehr seltener Anblick. Trotzdem sind zurzeit einige Regale vollkommen leer. Was auf den ersten Blick an die leergekauften Supermarktregale des Corona-Lockdowns denken lässt, ist tatsächlich eine Begleiterscheinung der systematischen Überarbeitung des Sammlungsbereichs „Computer und Internet“, mit der wir auf die rasante Entwicklung der digitalen Kommunikation reagieren.

Neue Kommunikationsformen

 

Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich der Computer von einer sperrigen Anlage zu einem kompakten Tischgerät entwickelt, das längst nicht mehr nur im Büro, sondern auch zu Hause vielfach genutzt wird. Während sich um das Jahr 2000 noch viele gefragt haben, was sie eigentlich mit einem Computer anfangen sollen, zählen Laptops und PCs heute zur Grundausstattung. Ebenso Smartphones und Tablets – und auch Smart Watches und andere Smart Objects werden immer beliebter. Das Internet hat diese Entwicklung maßgeblich beeinflusst, indem es neue Informations- und Kommunikationsangebote bietet.

Die Sammlung

 

Mit rund 1.300 Objekten dokumentiert das Museum für Kommunikation im Sammelgebiet „Computer und Internet“ die Entwicklung der Computertechnik und die damit verbundenen digitalen Kommunikationsformen. Großrechner, Bürocomputer, Arbeitsplatzrechner, Laptops, PCs und zahlreiche Peripheriegeräte (z.B. Drucker, Plotter, Scanner) sowie Smartphones, Smartphone-Zubehör und zahlreiche Smart Objects zeigen die technische Vielfalt und den funktionalen Facettenreichtum der digitalen Technologien auf. Hinzu kommen Objekte, mit denen die Nutzung und der Aufbau früher Datennetze (z.B. BTX), Internetverbindungen und Netzwerkarchitekturen nachvollziehbar sind.

 

 
Depotsituation

Die wachsende Bedeutung digitaler Technologien während der letzten Jahrzehnte hat auch zu einem deutlichen Anstieg der Objekte des Sammlungsgebietes geführt. Grundsätzlich ist das sehr gut, doch ergeben sich daraus auch Herausforderungen für die Sammlung.

 

Das betrifft zum einen den Platz in den Regalen der Depots, der immer knapper wird. Zum anderen wirkt sich dies auch auf die Inventarisierung der Neuzugänge aus, die bislang nur in kleinen Schritten vorankam. So reihten sich gut und weniger gut erschlossene Objekte neben noch gar nicht erschlossenen Objekten und es kam zunehmend zu unklaren Grenzen zwischen den einzelnen Objektgruppen. Auch die Datensätze in der Museums-Datenbank hatten keinen einheitlichen Aufbau.

Seit Juni 2019 wird der Sammlungsbereich deshalb neu geordnet und die vorhandenen Datensätze geprüft und überarbeitet. Objekte, die noch nicht in der Datenbank verzeichnet sind, werden dabei systematisch erfasst und ordnungsgemäß in die Sammlung aufgenommen.

Objekt-Wellness

 

Neben eingehenden Recherchen zur Objekt- und Nutzungsgeschichte der Exponate werden dabei sämtliche Objekte einem „Beauty-Programm“ unterzogen. Das Standardprogramm umfasst: wiegen, messen, fotografieren und etikettieren. Das Komfortprogramm beinhaltet außerdem eine Reinigung, die auf Nachfrage auch Sonderleistungen, wie beispielsweise die eine oder andere Restaurierungsmaßnahme enthalten kann. Im Anschluss werden die Objekte geordnet und an ihren neuen Standort gebracht. Stück für Stück füllen sich so die Regale wieder mit sauber aufgereihten und einheitlich erfassten Objekten. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Das Vorgehen ist sehr zeitintensiv und wird uns noch einige Monate lang beschäftigen.

 

Die vollständig inventarisierten und bearbeiteten Objekte sind in unserem Online-Katalog einsehbar. Besondere Objekte stellen wir zudem am #Depotdienstag vor. Außerdem wird es in der nächsten Zeit Blog-Beiträge geben, in denen wir einzelne Objekte oder Objektgruppen genauer vorstellen.

 

Text: Joel Fischer, 24.11.2020