Hinter den Kulissen: Sammlungsarbeit im Depot

Hinter den Kulissen: Sammlungsarbeit im Depot

Leere Regale sind in unseren Depots ein sehr seltener Anblick. Trotzdem sind zurzeit einige Regale vollkommen leer. Was auf den ersten Blick an die leergekauften Supermarktregale des Corona-Lockdowns denken lässt, ist tatsächlich eine Begleiterscheinung der systematischen Überarbeitung des Sammlungsbereichs „Computer und Internet“, mit der wir auf die rasante Entwicklung der digitalen Kommunikation reagieren.

Neue Kommunikationsformen

 

Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich der Computer von einer sperrigen Anlage zu einem kompakten Tischgerät entwickelt, das längst nicht mehr nur im Büro, sondern auch zu Hause vielfach genutzt wird. Während sich um das Jahr 2000 noch viele gefragt haben, was sie eigentlich mit einem Computer anfangen sollen, zählen Laptops und PCs heute zur Grundausstattung. Ebenso Smartphones und Tablets – und auch Smart Watches und andere Smart Objects werden immer beliebter. Das Internet hat diese Entwicklung maßgeblich beeinflusst, indem es neue Informations- und Kommunikationsangebote bietet.

Die Sammlung

 

Mit rund 1.300 Objekten dokumentiert das Museum für Kommunikation im Sammelgebiet „Computer und Internet“ die Entwicklung der Computertechnik und die damit verbundenen digitalen Kommunikationsformen. Großrechner, Bürocomputer, Arbeitsplatzrechner, Laptops, PCs und zahlreiche Peripheriegeräte (z.B. Drucker, Plotter, Scanner) sowie Smartphones, Smartphone-Zubehör und zahlreiche Smart Objects zeigen die technische Vielfalt und den funktionalen Facettenreichtum der digitalen Technologien auf. Hinzu kommen Objekte, mit denen die Nutzung und der Aufbau früher Datennetze (z.B. BTX), Internetverbindungen und Netzwerkarchitekturen nachvollziehbar sind.

 

 
Depotsituation

Die wachsende Bedeutung digitaler Technologien während der letzten Jahrzehnte hat auch zu einem deutlichen Anstieg der Objekte des Sammlungsgebietes geführt. Grundsätzlich ist das sehr gut, doch ergeben sich daraus auch Herausforderungen für die Sammlung.

 

Das betrifft zum einen den Platz in den Regalen der Depots, der immer knapper wird. Zum anderen wirkt sich dies auch auf die Inventarisierung der Neuzugänge aus, die bislang nur in kleinen Schritten vorankam. So reihten sich gut und weniger gut erschlossene Objekte neben noch gar nicht erschlossenen Objekten und es kam zunehmend zu unklaren Grenzen zwischen den einzelnen Objektgruppen. Auch die Datensätze in der Museums-Datenbank hatten keinen einheitlichen Aufbau.

Seit Juni 2019 wird der Sammlungsbereich deshalb neu geordnet und die vorhandenen Datensätze geprüft und überarbeitet. Objekte, die noch nicht in der Datenbank verzeichnet sind, werden dabei systematisch erfasst und ordnungsgemäß in die Sammlung aufgenommen.

Objekt-Wellness

 

Neben eingehenden Recherchen zur Objekt- und Nutzungsgeschichte der Exponate werden dabei sämtliche Objekte einem „Beauty-Programm“ unterzogen. Das Standardprogramm umfasst: wiegen, messen, fotografieren und etikettieren. Das Komfortprogramm beinhaltet außerdem eine Reinigung, die auf Nachfrage auch Sonderleistungen, wie beispielsweise die eine oder andere Restaurierungsmaßnahme enthalten kann. Im Anschluss werden die Objekte geordnet und an ihren neuen Standort gebracht. Stück für Stück füllen sich so die Regale wieder mit sauber aufgereihten und einheitlich erfassten Objekten. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Das Vorgehen ist sehr zeitintensiv und wird uns noch einige Monate lang beschäftigen.

 

Die vollständig inventarisierten und bearbeiteten Objekte sind in unserem Online-Katalog einsehbar. Besondere Objekte stellen wir zudem am #Depotdienstag vor. Außerdem wird es in der nächsten Zeit Blog-Beiträge geben, in denen wir einzelne Objekte oder Objektgruppen genauer vorstellen.

 

Text: Joel Fischer, 24.11.2020

Live dabei – Premierenfieber

Live dabei – Premierenfieber

Back to Future: Live dabei.

Ab jetzt zählen wir nur noch wenige Stunden: heute Abend werden wir unsere neue Ausstellung „Back to Future – Technikvisionen zwischen Realität und Fiktion eröffnen, natürlich virtuell und ihr könnt online live dabei sein. Mit unserer Blog-Reihe „Live dabei“ geben wir Euch dazu einen kleinen Blick hinter die Kulissen. Wir erzählen Euch davon, wer hier so alles mitwirkt, was die Lieblingsobjekte dieser Menschen sind und wie deren Zukunftsvisionen einmal aussahen. Nachdem ihr im ersten Beitrag nun schon zwei Kollegen kennengelernt habt, die einfach immer hier im Haus und für alle da sind, geht es heute um zwei weitere Kolleginnen. Seit ein paar Wochen sind sie ständig im Museum unterwegs und irgendwie an allen Orten gleichzeitig. Warum das so ist und warum sie unserer digitalen Ausstellungseröffnung auf ganz besondere Weise entgegenfiebern, davon berichte ich heute.

Back to Future: Live dabei.

Zwischendrin war es wieder ruhiger hier im Haus, aber das ist auch schon wieder Geschichte. Das Werkeln, Bohren, Schrauben und Rufen ist erstmal dem gewichen, was uns in den nächsten Monaten akustisch begleiten wird: den Geräuschen aus den verschiedenen Videoinstallationen und Medienstationen in der Ausstellung selbst und das klingt wirklich spannend. Aber diese Woche steht alles auf Premierenfieber und Presseterminen: „Kamera?“ „An.“ „Bild?“ „Läuft.“ „Ton?“ „Läuft auch.“ Nein, diese Woche hätte ich keine Chance gehabt, auch nur 5 Minuten mit einer der beiden Kuratorinnen zu sprechen. Letzte Woche ging das noch, also beamen wir uns jetzt mal zurück in die Zukunft und hören mal, was eigentlich hinter dieser Ausstellung steckt und wer natürlich.

Zukunft selbst gestalten

Erinnert ihr euch noch an die Zukunftsvisionen meiner zwei Kollegen aus dem ersten Blog-Beitrag, Raumschiffe, Planeten, Weltraumreisen usw.? Das hat bei mir größte Fragen aufgeworfen, denn mir wollten so gar keine eigenen technischen Visionen einfallen, die ich selbst jemals gehabt hätte. Genau so geht es meiner Kollegin Katja Weber mit dem großen Unterschied, dass sie sich die letzten Jahre intensivst mit dem Thema Technikvisionen beschäftigt hat. Sie ist nämlich die Ideengeberin und Hauptkuratorin von „Back to Future“. Wieso um Himmels Willen entscheidet sie sich dann für eine solch technik-lastige Ausstellung? Die Frage klären wir gleich, aber zunächst einmal klären wir eine andere: was genau macht eigentlich eine Kuratorin und was genau hat das mit ihrem Lieblingsobjekt zu tun, dem Zettelkasten vom Soziologen Niklas Luhmann?

Museum für Kommunikation Frankfurt: Postkutsche. Foto: Wietschorke/ MSPT

Katja Weber ist selbst Soziologin und freie Kuratorin in Berlin und man muss sich ihren Arbeitsplatz vorstellen irgendwo zwischen Büchern und Monitoren und in Gruppen diskutierend. Es geht darum, eine Idee in ein räumliches Konzept zu übersetzen, sagt sie mir, und natürlich relevante Themen rauszuarbeiten. Und so sind für die Technikvisionen die vier Themenräume „Optimierung des Menschen“, „Überwindung von Raum und Zeit“, „Suche nach einer anderen Welt“ und ihr „eigener“ Themenraum „Grenzenlose Kommunikation“ entstanden.

Das alles ist ihr wieder einmal ganz wunderbar gelungen, wie ich finde. Wieder einmal deshalb, weil sie für die Dauerausstellung im Untergeschoss des Museums schon an der Entwicklung der „21 Köpfe“ mitgewirkt hat. Dies ist eine Video-Installation, in der Expert*innen über die Kommunikation der Zukunft sprechen und war auch der Auftakt für das tolle Projekt Leben und Lernen X.0. Es geht um die Entwicklungen der Zukunft und gleichzeitig um die Frage, wie unser Museum zukunftsrelevant sein kann, wie es durch Bildung und Medienpädagogik entscheidende Impulse für die vielleicht wichtigsten Fragen überhaupt setzen kann: wie entsteht Zukunft und wie wollen wir in Zukunft leben? Anfangs machte ihr die Zukunft eher Angst. Aber dieses Ohnmachtsgefühl war unnötig, sagt sie mir. „Wir können unsere Zukunft selbst gestalten.“

Eine Menge Ideen braucht es da und jede Menge Informations- und Ideenmanagement. Ich kann sofort nachvollziehen, warum sie von diesem Zettelkasten so fasziniert ist. Es gibt aber noch einen weiteren Hintergrund dazu: Katja Weber ist dem Zettelkasten nebst Erfinder im Rahmen einer Weiterbildung schon begegnet – Thema: systemische Organisationsentwicklung. Jetzt ist alles klar. Anfangs war das gar nicht so, da machte ihr die Zukunft eher Angst. Aber dieses Ohnmachtsgefühl war so unnötig, sagt sie mir. „Wir können unsere Zukunft selbst gestalten.“

​Es geht um Menschen

Zettelkasten hin oder her, bei so vielen Fäden in der Hand und das Ganze von Berlin aus kann man jede Menge unterstützender Hände, Köpfe und Herzen gut gebrauchen. Und so hat Katja Weber eine weitere Kuratorin hier vor Ort zur Seite. Caroline Dörr heißt sie und auch uns beide verbindet die gleiche erstmal nicht vorhandene technische Zukunftsvision in der Kindheit.

Caroline Dörr ist als Wissenschaftliche Volontärin von Anfang mit in die Vorbereitung eingebunden und sieht sich zum einen als Ausstellungsassistentin an der Schnittstelle zwischen externen Kurator*innenteam und Museum mit vielen organisatorischen und vor allem kommunikativen Aufgaben. Außerdem hat sie aber auch einen der vier Themenräume mit kuratiert: die Überwindung von Raum und Zeit. Hierfür hat sie sich ein Konzept überlegt und eine Erzählform, in dem Fall eine chronologische mit Ausblick in die Zukunft und die passenden Stellvertreter-Objekte ausgesucht. Und genau hier finden wir auch ihr ganz persönliches Lieblingsobjekt und man staunt.

Museum für Kommunikation Frankfurt: Postkutsche

„Das sieht so unspektakulär aus“, sagt sie mir, „aber die Geschichte dahinter ist so schön.“ Und sie erzählt davon, dass man selbstfahrenden Autos quasi das Sehen beibringen wollte. Mir kommen die letzten aktuellen Debatten um Fahrsicherheit in den Sinn und jetzt bin ich doppelt erstaunt: das Fahrzeugauge ist von 1987. Wie sagte sie so schön? „Stellvertreter-Objekte“ sind das zu der Frage, die auch schon Katja Weber angesprochen hat: wie kommt das Neue in die Welt?

Back to Future: Zitat von Wilbur Wright.

Durch solche Grafiken zum Beispiel, die den gesellschaftlichen Nährboden dafür schaffen, dass etwas Neues in die Welt kommen sollte. Und so hat Caroline Dörr für sich eine sehr schöne Antwort gefunden und ich erinnere mich an einen meiner Schlüsselmomente mit Aha-Effekt in einer unserer letzten Ausstellungen. Technik wird entwickelt aufgrund eines Bedürfnisses. Die Grenzen zwischen Mensch und Technik sind fließend. Technik entsteht von Menschen, aber vor allem für Menschen. „In der Ausstellung geht es nicht einfach um Technik. Es geht um Menschen und wir wollen empowern“, sagt sie.

Die beiden Kuratorinnen sind sich offenbar sehr einig.

Carolin Dörr und ich sind uns auch einig, denn nach längerem Überlegen kommen wir ja doch noch auf unsere Technikvisionen von früher: Da gab es zwei Filme mit Innovationspotential für uns. Das eine war bei “Mein Onkel” das vollautomatische Haus von Jacques Tati, Staubsauer, die von alleine loslegen, wo sich Kühlschränke automatisch öffnen, Roboterhände alle Zutaten bereitstellen und den Rest machen Herd und Backofen natürlich auch von alleine. Und das Zweite war Dudu, der Käfer, der je nach Not- und Lebenslage wahlweise fahren, schwimmen oder fliegen konnte.

Und was kommt nach der Eröffnung?

Hier im Blog geht es auch bald weiter mit den nächsten Zukunftsvisionen, Kindheitsträumen und einem kleinen Blick hinter die Kulissen.

 

Anne Wietschorke, 18. November 2020

Live dabei – Zukunftsvisionen, Kindheitsträume  und ein kleiner Blick hinter die Kulissen

Live dabei – Zukunftsvisionen, Kindheitsträume und ein kleiner Blick hinter die Kulissen

Back to Future: Live dabei.
Seit Anfang November ist unser Museum für Besucher*innen geschlossen, doch intern passiert viel: unsere neue spannende Ausstellung steht in den Startlöchern. „Back to Future – Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität“  heißt sie und erzählt davon, was sich Generationen vor uns für unsere Zukunft ausgemalt haben… und was daraus geworden ist. Wir im Museum, wir freuen uns schon alle darauf. Wir haben sie nämlich schon gesehen, also im Aufbau, in der Planung, in Listen und Konzepten. Wer wir sind? Wir sind sowas wie die Museumsfamilie – wir wohnen hier, also manchmal. Was wir alle hier im Museum so machen, was unsere Lieblingsobjekte sind und was wir selbst mit Zukunftsvisionen verbinden, davon erzählen wir hier im Blog in der Serie „Live dabei“, die heute mit diesem Beitrag startet. Und ihr seid dabei, fast live, aber auf jeden Fall in Farbe.
Besucherservice in der Museums-Pause
„Wie geht´s dir, bist du gut im Lockdown angekommen? Hast du noch im Museum zu tun oder ist das komplett zu?“ Ich muss grinsen, als ich diese Nachricht lese, denn so wirklich systemrelevant scheint unsere Aufgabe im Besucherservice ja nicht zu sein… so ganz ohne Besucher*innen. Aber wir sind noch für andere da, die auch jetzt im Lockdown bei uns vorbeikommen, weil sie alle höchst systemrelevant dafür sorgen, dass wir demnächst eine neue wunderbare, Ausstellung eröffnen dürfen.  Mit Abstand versteht sich virtuell, digital, live, aber dazu später mehr.
Museum für Kommunikation Frankfurt: Postkutsche. Foto: Wietschorke/ MSPT
Denn jetzt ist ja noch alles im Aufbau, eine mittlere Großbaustelle würde ich sagen, denke an unseren letzten privaten Umzug und bewundere das Aufbau-Team inklusive Architektin, Mediengestaltern, Technikern, Schreiner*innen und vielen anderen mehr für ihre Arbeit und die gute Laune, die sie dabei auch noch verströmen.

Letzteres wiederum ist mir auch ohne Aufbau hier im Haus mehr als vertraut, denn an meinem persönlichen Lieblingsplatz mitten im Foyer bin ich umgeben von gut gelaunten Kolleg*innen, die nur darauf warten, mir für diese Blogreihe die eine oder andere persönliche Frage zu beantworten. Ich betrachte das Blogschreiben derzeit als Besucherservice im weitesten Sinne.

Raumschiff Orion, Raumschiff Wohnzimmer und der Wilde Westen
Für den heutigen Beitrag habe ich mich mit zwei meiner Kollegen unterhalten, auf die einfach immer Verlass ist. Der eine ist mein direkter Kollege Konny am Empfang und der andere unser Hausmeister Niko. Was sie machen, bringt Niko auf den Punkt: „Ich muss das hier am Laufen halten und wir sind hier alle ein Team“ und genau das ist auch der Grund, warum ich diese vielen Mitwirkenden hinter den Kulissen anspreche. Ich kann das nämlich nur bestätigen. Niko sorgt für den reibungslosen Ablauf vor Ort, dafür, dass die Objekte an Ort und Stelle kommen, dass überhaupt morgens schon sehr früh geöffnet werden kann und er hat sicherlich hundert kleine Aufgaben vergessen, die er noch so nebenbei miterledigt.
Museum für Kommunikation Frankfurt: Postkutsche

Dafür erzählt er mir von seinem Lieblingsobjekt in unserer Dauerausstellung, der Kutsche und seinen Kindheitsträumen von Texas, Cowboys und Pferden, die er damit verbindet. Auf den Zusammenhang wäre ich ja im Traum nicht gekommen, handelt es sich doch bei unserer um eine quietschgelbe Postkutsche aus dem Europa des 19. Jahrhunderts. Dafür liegen die Zukunftsvisionen aus seiner Kindheit doch quasi auf der Hand: Raumschiffe, Planeten und Himmelskörper, vor allem der Pluto hat es ihm angetan, denn da gab es mal einen Zeichentrick-Hund namens Pluto. Ich erinnere mich dunkel…

Auch Konnys Zukunftsvisionen von früher sind medien-geprägt. Jules Verne hat er gelesen, Weltraumreisen fallen ihm ein und natürlich das schöne alte „Raumschiff Orion“ hat ihn begeistert. Immer wieder sind es Reisen, neue Verkehrsmittel und neue ferne Welten, wie die alte Postkutsche aus der Dauerausstellung, das E-Mobil-Fahrzeug aus einer der letzten Sonderausstellungen und natürlich der „große Schritt für die Menschheit“, der aktuell in unserem „Raumschiff Wohnzimmer“ zur Mondlandung dargestellt wird. Und dann steht man mitten im Aufbau-Wunder von „Back to Future“ und kann lesen, dass solche Reisen auf größere Distanz niemals möglich sein werden.

Back to Future: Zitat von Wilbur Wright.
Schnittstelle im Museum
Das sind alles Zusammenhänge, über die auch Konny am Empfang gerne plaudert. Denn er sieht es als seine Aufgabe, unsere Museumsgäste nett aufzunehmen, kleine Einleitungen zu geben, hilfreich zur Seite zu stehen, sich aber auch im persönlichen Dialog über die kleinen und großen Ausstellungsthemen auszutauschen. Übrigens: das Lieblingsobjekt von Konny ist ein Geheimtipp, so versteckt ist es hier im Haus. Von da aus ist es nur noch ein Katzensprung zu „Back to Future“. Wer sich im Haus auskennt, kann ja gerne schon mal raten. Und für alle anderen: Am besten, ihr kommt vorbei und lasst es euch zeigen – nach der Museumspause, mit Maske und Abstand, versteht sich.

Jetzt allerdings sind ja eben keine Gäste da. Und so haben wir die ehrenvolle Aufgabe, den vielen wichtigen Menschen und Objekten hier Tür und Tor zu öffnen, für den richtigen Strom im richtigen Stockwerk zu sorgen und was eben sonst noch so gebraucht wird und womit vorher niemand gerechnet hatte. Und als hätten sich meine beiden Kollegen auch in diesem Punkt abgesprochen, sagt Konny: „Das ist ein Riesen-Topf mit beteiligten Leuten und da ist man Schnittstelle.“

Back to Future: Grenzenlose Kommunikation
Das kann ich genau so unterschreiben. Übrigens: meine Lieblingsobjekte und Zukunftsvisionen aus der Kindheit sind doch ganz andere. Aber dazu dann doch mehr anderer Stelle. Dafür antworte ich noch kurz auf meine Sprachnachricht am Abend nach meinem Museumstag im Lockdown: „Danke, mir geht`s prima. Und ja, es ist beides: das Museum ist komplett zu und wir haben gut zu tun.“
Anne Wietschorke, 14. November 2020
Eine eigene Radiosendung im Museum?!

Eine eigene Radiosendung im Museum?!

Kinder des Medien-Studios-Bornheim entdecken das Kommunikationsmuseum

Wie führe ich ein Interview? Was braucht man alles für eine gute Radiosendung? Und woher kommt das Radio eigentlich? Diese und noch viel mehr Fragen stellten sich interessierte Kinder im Rahmen eines Radio-Workshops des Medien-Studios-Bornheim vom 20. bis 24. Juli 2020. Die Fragen wie man ein Interview führt und was eine gute Radiosendung ausmacht, kann das Kommunikationsmuseum vielleicht nicht sofort beantworten. Woher das Radio kommt und wann es zu einem Massenkommunikationsmittel geworden ist, diese Fragen jedoch schon. Und so machten sich die Workshop Teilnehmer*innen im Alter zwischen 10 und 13 Jahren mit ihren Betreuer*innen auf den Weg in unser Museum.

Museum zum Anfassen

Fabian Lenczewski, Museumpädagoge  des Museums für Kommunikation in Frankfurt empfing die Kinder des Ferienprogrammes und erklärte ihnen zu Beginn den Aufbau des Museums. Anschließend zeigte er ihnen anhand verschiedener „Wissensinseln“, die in der Dauerausstellung des Museums zu finden sind, einiges rund um das Thema Radio. Beginnend bei der Weimarer Republik, erläuterte er die Geschichte des Radios. Auch zeigte er verschiedene Modelle des Radios und wie sich diese im Laufe der Zeit entwickelt haben. Interessiert betrachteten die Kinder eine Kuba Komet, eine Mischung aus Fernsehen und Radio, welche sich in den 50-er Jahren an großer Beliebtheit erfreute. Nach den Erläuterungen von Herrn Lenczewski ging es für die Gruppe mit ihren Betreuer*innen zu zwei Phänomen-Stationen der Dauerausstellung, wo Sie sich dank eines motivierten, selbst ausgewählten Moderators, Fragen unter Zeitdruck zu dem Thema „Entschleunigung“ stellten. Beim Flaschendrehen wurde sich zudem darüber unterhalten, wie vernetzt“  sie in den sozialen Medien sind.

 

Nach einer schönen Mittagspause am Mainufer, mit Fischdöner und Fußball, ging es zurück ins Museum. Anschließend durfte die Gruppe „auf eigene Faust“ das Museum erkunden. So besuchten die Kinder nicht nur die Dauerausstellung, sondern schauten sich auch die Ausstellung „Raumschiff Wohnzimmer- Die Mondlandung als Medienereignis“ an. Hier hatten sie die Möglichkeit auf den Tag genau 51 Jahre nach der ersten Mondlandung, Radiobeiträge und Kommentare zu diesem Ereignisses anzuhören und lernten unter anderem, was es mit dem „Space Race“ zwischen den USA und Russland auf sich hatte.

Vieles war für die Kommunikationsentdecker*innen neu und aufregend. So erinnert sich eine Teilnehmerin beim abschließenden Gespräch: „Ich habe viel darüber gelernt, wie die Leute früher kommuniziert haben und wie schwierig das früher war, miteinander zur reden“ Ein anderer Teilnehmer erzählte: „die Drehscheibe war super“, da er ein Telefon mit Wählscheibe vorher noch nie gesehen hatte.

 

 
Eine eigene Radiosendung bei Radio X

Doch der Museumsbesuch sollte nicht nur einen Lerneffekt mit sich bringen, sondern darüber hinaus auch praktisch genutzt werden können: Hatten die Teilnehmer*innen einen Tag vorher gelernt, wie man ein Interview führt, welche Fragen gestellt werden können und wie ein Aufnahmegerät funktioniert, so konnten sie das Gelernte direkt ausprobieren und interviewten sich gegenseitig sowie andere Museumsbesucher*innen über verschiedene Eindrücke beim Betrachten der Ausstellungen. Am darauffolgenden Tag sollten diese Aufnahmen genutzt werden, um zu lernen, wie man Audioschnitte macht, um beispielsweise Versprecher rausschneiden zu können. Am vierten Tag des Programms stand zudem ein Besuch bei dem einzigen Bürgerradio Frankfurts, dem Radio X , an. Hier lief am 31. Juli 2020 von 15 bis 16 Uhr die von den Kindern produzierte Radiosendung, in der unter anderem Mitschnitte aus dem Museum zu hören waren.

Der Radio-Workshop ist ein Teil des Ferienprogrammes des Medien-Studios-Bornheim. Dieser hat nun zum zweiten Mal in Kooperation mit dem Museum für Kommunikation in Frankfurt, sowie der Industriekultur Junior Rhein Main und Radio X, stattgefunden.

Autorin: Friederike Stork, 13.11.2020

 
 
Alles am richtigen Platz – die Zusammenführung des historischen Archivs in der Sammlung

Alles am richtigen Platz – die Zusammenführung des historischen Archivs in der Sammlung

Die Archive der Museumsstiftung Post und Telekommunikation bewahren eine der umfangreichsten Quellen- und Materialsammlungen zur Geschichte der Kommunikation in Deutschland auf und stehen internen und externen Nutzer*innen für Forschungen, Ausstellungen und Publikationen zur Verfügung. Dieses Jahr haben wir für das Frankfurter Museum für Kommunikation unsere Archivalienbestände an den Sammlungsstandort Heusenstamm verlagert. In diesem Blogbeitrag werfen wir einen Blick hinter die Kulissen.

Historisches Archiv

Entstanden ist das Archiv in seinen Grundzügen bereits kurz nach der Gründung des Reichspostmuseums in Berlin im Jahr 1872. Heute sind alle Archivbestände – auch aus ehemaligen Museumsstandorten in Hamburg oder Stuttgart – bei der Museumsstiftung zusammengeführt und werden an den Standorten Berlin und Frankfurt verwahrt. Im Rahmen der musealen Aufgaben Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln sind Archivalien besonders relevant – sei es für Ausstellungen oder Publikationen oder für das Erforschen und Verstehen von Zusammenhängen, in denen wir Objekte verorten.

 
Archivalien Umzug

Nach mehreren Monaten Planen und Ordnen und vielen inhaltlichen Überlegungen wurden zusammen mit einem Dienstleister etwa 400 laufende Regalmeter Archivalien, die bisher in Magazinen und Räumlichkeiten der Museumsbibliothek aufbewahrt waren, sorgsam in Aktenrollwagen und Rollcontainern verpackt, in das Depot transportiert und dort in Magazinräumlichkeiten wieder ausgepackt. Umgekehrt wurden Bibliotheksbestände aus dem Depot in Heusenstamm in unsere Museumsbibliothek an den  Schaumainkai gebracht.

Schwerpunkte
 

Foto: Stefanie Kösling

Die historischen Zeugnisse stammen aus der Zeit von ca. 1650 bis 1990 und der umfangreiche Bestand besteht im Wesentlichen aus: Akten, Formblattsammlungen und Formularen, Verordnungen und Verfügungen, Teilnachlässen, Postgeschichtlichen Aufzeichnungen und Chroniken, historischen Zeitungen und Zeitschriften, Themen- und Materialsammlungen sowie technischen Unterlagen. 

Neben gedruckten Materialien handelt es sich auch vielfach um handschriftliche Aufzeichnungen, Korrespondenzen oder Manuskripte.

Zu den Highlights zählen sicherlich ein Konvolut von „Titanic“-Telegrammen. Es beinhaltet 160 Original-Telegramme der „Titanic“ und den handgeschriebenen Bericht des Funkers Harold Bride vom 27. April 1912 – einzigartige, authentische Zeugnisse der Unglücksfahrt.

 

Neuordnung und Erschließung

Foto: Stefanie Kösling

Nun steht eine umfassende Neuordnung des historischen Archivs an: dazu gehört auch die fachgerechte Lagerung in säurefreien Archivkartons und das Entmetallisieren – so nennt man das Entfernen von Büroklammern.

Wie in Archiven üblich ist der Bestand zum Teil in Findmitteln zugänglich. Zudem werden nach und nach Konvolute digitalisiert und inventarisiert, um sie in der Online-Sammlung zugänglich zu machen.

 

DAS ARCHIV. Magazin für Kommunikationsgeschichte
 

 

Archivalien dienen häufig als Quellen für Artikel, die im Magazin für Kommunikationsgeschichte DAS ARCHIV erscheinen. So präsentiert die aktuelle Ausgabe einen Artikel von Margret Baumann, der auf ihren Recherchen zu einem kleinen Konvolut des historischen Archivs über den „Rundfunkpionier” Hans Bredow beruht.

Der thematische Schwerpunkt des Heftes kreist um 100 Jahre Radio. In Texten von Florian Schütz, Dr. Tina Kubot, Tobias Hoffmann, Kiron Patka und Anne-Sophie Gutsche u.a. werden wichtige Aspekte des elektronischen Massenmediums Radio beleuchtet. Außerdem liefert das Heft einen Ausblick auf die Ausstellung “ON AIR. 100 Jahre Radio” die seit Oktober im Museum für Kommunikation Berlin zu sehen ist. In einem Interview mit Margret Baumann sprechen Sandy Lang und Anne-Marie Bernhard über ihre Archiv- und Bibliotheksarbeit.

 

Autorin: Anne-Marie Bernhard, 30. Oktober 2020

Architektur: Dialog zwischen alt und neu

Architektur: Dialog zwischen alt und neu

Abb. 1 Deutsches Postmuseum. Foto: MSPT

Das Museumsufer am Beispiel des Museums für Kommunikation von Günther Behnisch und des ehemaligen Bundespostmuseums in der Villa de Neufville (hier in einer der 1990er Jahre). Die heutige bauliche Ansicht des Museumsufers besticht durch eine Mischung aus historisierenden Villenkomplexen des 19. Jahrhunderts, funktioneller Nachkriegsarchitektur und (post)modernen Erweiterungen. Gerade dieser Ensemble Charakter macht das Museumsufer aus städtebaulicher und architektonischer Sicht unglaublich spannend und lädt zu einer architektonischen Zeitreise ein. Topografisch im Zentrum  zwischen dem Museum Giersch und dem Museum für Angewandte Kunst liegt das Museum für Kommunikation mit einer gelungen Ergänzung von Alt und Neu.

 

Transparenter Museumsbau

Neu ist der Museumsbau von Günther Behnisch (Eröffnung 1990) mittlerweile nicht mehr, aber die Architektursprache zeugt immer noch von einer beeindruckenden Aktualität. So ist er als ein Ort der “Grand Tour der Moderne gelistet”, ein Projekt, welches “bedeutende und zugängliche Gebäude, die zwischen 1900 und 2000 erbaut wurden, zu einem Streifzug durch 100 Jahre Architekturgeschichte” verbindet.

Doch zurück zum Anfang.

 

Die Villa: Vom Wohnhaus zum Museum

Der heutige Sitz der Verwaltung des Museums für Kommunikation befindet sich in der Villa de Neufville. Ab 1891 nach Entwürfen von Franz von Hoven in historisierenden Formen für den Bankier Otto de Neufville (die Villa Andreae, 1891, in Königstein ist das für die Region bekannteste Gebäude der Familie) erbaut, fungierte sie lange Zeit als Wohnsitz der Familie. In den 1950er Jahren waren die Mieter der Suhrkamp Verlag sowie das niederländische Generalkonsulat. Ab 1955 bezog die Post das Gebäude und 1958 wurde das damalige Bundespostmuseum eröffnet um die Sammlungen des ersten Postmuseums der Welt (Berlin, Reichspostamt, unter Heinrich von Stephan dem damaligen Generalpostdirektor 1872 gegründet; heutiger Sitz unseres Schwesterhauses) im Rhein-Main-Gebiet zu präsentieren. Die Umbenennung in Deutsches Postmuseum erfolgte 1986 im Rahmen des Neubaus sowie 1995 im Zuge der Privatisierung der Deutschen Post und der DeutschenTelekom in Museum für Kommunikation.

 

Die Villa: Eine kleine Stilgeschichte

Die dreigeschossige Villa, neben der Liebig-Villa zu den typischen Bauten der wilhelminischen Gründerzeit gehörend, präsentierte sich bis zu ihrer teilweisen Zerstörung mit einer reich gegliederten Fassade aus Sandsteinquadern und einer opulent gestalteten Dachlandschaft mit Kaminen und Ziergiebeln (Abb.1 und 2). Nach Kriegsschäden (Abb. 3) wurde die Villa in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Der hervorspringende Risalit blieb bestehen aber ohne die Neo-Renaissance Elemente wie Balkone und sonstige Zierelemente (Abb. 4). Im Rahmen des Neubaus des Museums in den 1980er Jahren wurde die Villa im Kontext des modernen Museumsbaus (beides durch das Büro Behnisch & Partner) renoviert und auf die Bedürfnisse einer Museumsverwaltung angepasst.

 

Abb. 7 Museum für Kommunikation Frankfurt, Gartenasicht, Foto: MSPT/ Thomas Gessner
 
Neubau und Villa: Eine gelungene Verbindung

Der preisgekrönte Entwurf der Architekten Behnisch & Partner wurde in den 1980er Jahren umgesetzt und 1990 feierlich eröffnet. Der moderne Stahlskelettbau mit Materialien wie Glas, Beton und den damals größten je verbauten Aluminiumplatten betont den Kontrast (Abb. 5)  zur sandsteinverkleideten Villa und bietet gleichzeitig eine Fülle an ästhetischen Gemeinsamkeiten im Detail, die zu intensivem Dialog zwischen den beiden Gebäuden führen.

Genau dieser Dialog ist bezeichnend für die Bebauung des Museumsufers. Historisierende Villen neben spannender Nachkriegsarchitektur erweitert um in der Tradition der Moderne stehende Bauten prägen den Charakter des Museumsufers und lassen eine architekturgeschichtliche Reise der letzten knapp 150 Jahre zu.

Ein Beitrag zum Tag der Architektur 2020. Bei interesse an geführten Rundgängen zur Museumsarchitektur bitte Nachfragen unter 069/6060-321 oder buchungen-mkf (at) mspt.de. Dabei richten wir uns an die dann behördlich geltenden Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen.

 

Text: Fabian Lenczewski, 27. Mai 2020