Im Gespräch: McLuhans Bücher

Im Gespräch: McLuhans Bücher

Marshall McLuhans Bücher, Ausstellung Feedback 5, Foto: Foto: ©Stefanie Kösling / MSPT

Am Freitag, den 15. Januar wird uns Andrew McLuhan in einer Online-Session einen Einblick in seine Forschungsarbeit zum literarischen Vermächtnis seines Großvaters Marshall McLuhan geben und diese mit aktuellen Theorien und Gedanken anreichern. Baruch Gottlieb, Kurator der Ausstellung #feedback5: Global Warning! – Marshall McLuhan and the arts wird das Gespräch moderieren. An Andrew McLuhan können ganz im Sinne des Formats Q & A (Questions & Answers/ Fragen & Antworten) Fragen aus dem Chat weitergereicht werden. Vorab haben wir drei Fragen an Baruch Gottlieb gesandt, um Andrew McLuhans Arbeit, die Arbeitsbibliothek und die Aktivitäten des McLuhan Instituts etwas besser kennenzulernen.

 

Was ist das The McLuhan Institute und welche Aufgabe hat Andrew McLuhan dabei?

Baruch Gottlieb: Andrew founded and directs the McLuhan Institute in order to support those who are interested in the work of Marshall (his grandfather) and Eric (his father, and important collaborator of Marshall) McLuhan. One of the first tasks of the Institute was preparing a large selection of Marshall McLuhan’s personal library for preservation as part of the UNESCO Memory of the World Register. Link: http://www.unesco.org/new/en/communication-and-information/memory-of-the-world/register/full-list-of-registered-heritage/registered-heritage-page-5/marshall-mcluhan-the-archives-of-the-future/

Deutscher Text

Andrew gründete und leitet das McLuhan Institut, um diejenigen zu unterstützen, die sich für das Werk von Marshall (seinem Großvater) und Eric (seinem Vater und wichtigen Mitarbeiter von Marshall) McLuhan interessieren. Eine der ersten Aufgaben des Instituts war es, eine große Auswahl der persönlichen Bibliothek von Marshall McLuhan als Teil des UNESCO Memory of the World Register vorzubereiten.

Wie sieht Marshall McLuhan’s working library aus, wie kann man sich diese vorstellen?

Baruch Gottlieb: I will attach a picture for this. Of course, as an academic he had a small working library at his office and a larger library at home in Wynchwood Park Toronto.  When he died many books were brought by his son Eric to Prince Edward County outside of Toronto into his library which he called the “Scriptorium” installed in a large barn-like structure.  Andrew McLuhan and the McLuhan Institute is mostly based out of the Scriptorium. There is full information on the collection which is now at the Fisher library of the University of Toronto, including a finding aid and some images etc: https://fisher.library.utoronto.ca/mcluhan-library.

Deutscher Text

Ich werde dazu ein Bild anhängen. Als Akademiker hatte er eine kleine Arbeitsbibliothek in seinem Büro und eine größere Bibliothek zu Hause im Wynchwood Park Toronto. Als er starb, wurden viele Bücher von seinem Sohn Eric nach Prince Edward County außerhalb von Toronto in seine Bibliothek gebracht, die er “Scriptorium” nannte und die in einem großen scheunenartigen Gebäude untergebracht war. Andrew McLuhan und das McLuhan Institute haben ihren Hauptsitz im Scriptorium. Es gibt ausführliche Informationen über die Sammlung, die sich jetzt in der Fisher Library der University of Toronto befindet, einschließlich eines Findbuchs und einiger Bilder etc.

Das McLuhan Institute hat einen YouTube Kanal, wie wird dieser bespielt?

Baruch Gottlieb: As Andrew goes through his father Eric’s library, he does periodic live videos from inside the scriptorium (see attached image) examining what he has found there. The channel also hosts a number of videos featuring Marshall and Eric McLuhan in action.

https://www.youtube.com/c/TheMcLuhanInstitute

Deutscher Text

Während Andrew die Bibliothek seines Vaters Eric durchforstet, macht er in regelmäßigen Abständen Live-Videos aus dem Inneren des Skriptoriums (siehe beigefügtes Bild) und untersucht, was er dort gefunden hat. Der Kanal enthält auch eine Reihe von Videos, die Marshal und Eric McLuhan in Aktion zeigen.

 

Zur Veranstaltung: Q&A Marshall McLuhan‘s Books

Der Livestream findet am Freitag, den 15. Januar 2021 von 18 bis 19.15 Uhr statt – via https://www.youtube.com/user/mfkfrankfurt

 

Im Rahmen von #FEEDBACK 5 – Global Warning! : Marshall McLuhan and the Arts, kuratiert von Baruch Gottlieb und von der Kanadischen Botschaft in Deutschland und West Den Haag gefördert und unterstützt, ist ein Ausblick auf das Gastland Kanada zur Frankfurter Buchmesse 2021.

 

Text: Baruch Gottlieb, Tine Nowak

Stay at Home-Empfehlungen: Homo Deus

Stay at Home-Empfehlungen: Homo Deus

Auch das Museumsteam tummelt sich auf verschiedenen Webseiten, recherchiert in Literatur & sammelt Tipps, wie wir unseren Horizont in #stayathome-Zeiten erweitern können. Einige Ratschläge sind aus unserem Leben & Lernen X.0-Newsletter entnommen, der Euch regelmäßig über die neuesten Entwicklungen im Projekt informiert. Klickt mal über Euren digitalen Tellerrand hinaus! 

 

Anjuli Spieker ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum für Kommunikation Frankfurt. Hier ist ihre Empfehlung für #stayathome:

 

In der aktuellen Situation verbringen die viele Menschen mehr Zeit zu Hause und widmen sich Aktivitäten, für die im Alltag sonst wenig Raum bleibt. Kochen, gärtnern, Podcast hören – oder richtig gute Bücher lesen! Besonders bereichernd wird das Leseerlebnis, wenn die ausgewählte Lektüre sowohl klug und informativ, als auch unterhaltsam geschrieben ist. Diese Mischung beherrscht der Universal Historiker Yuval Noah Harari exzellent – bereits bei seinem ersten Welterfolgswerk „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ hatte ich Mühe, das angefangene Buch beiseite zu legen. Mit Homo Deus legte Harari 2017 die hochgelobte Betrachtung eines neuen Kapitels Menschheitsgeschichte nach.

Yuval Noah Harari: Homo Deus

Yuval Noah Harari promovierte 2002 an der Oxford University und lehrt Geschichte an der Hebrew University in Jerusalem mit einem Schwerpunkt auf Weltgeschichte. “Homo Deus” wurde 2017 von der Zeitschrift Bild der Wissenschaft zum Wissensbuch des Jahres gekürt und erhielt außerdem im selben Jahr den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis.

Scharfsinnig, wortgewaltig und gleichzeitig unterhaltsam – so entwirft er eine sowohl erhellende als auch erschreckende Vision des Morgen. Er beschreibt, wie der Mensch in einem Akt wachsender Selbstermächtigung zum Homo Deus – zum gottgleichen Geschöpf – avanciert und das neue Glaubenssystem des Data-ismus die bislang gesetzten humanistischen Größen Individualismus, Seele und freier Wille ablöst. Die Lektüre ist dank Hararis unverwechselbarem Schreibstil erneut kurzweilig und zugleich hochinformativ.

Wem gehören unsere Daten?

Beim Elevator Pitch zu “Homo Deus” von Yuval Noah Harari anlässlich der Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2017 spricht Harari davon, dass Hungersnot, Krieg und Seuchen mittlerweile von den Menschen kontrolliert werden könnten. Andere Gefahren seien für die Gesellschaften bedrohlicher, wenn man in die Zukunft blickt. Die Überwindung des Todes mit uns als gottähnlichen Menschen könnte das nächste Ziel sein. Jetzt im Frühjahr 2020 wird deutlich, diese alten Plagen sind längst nicht Geschichte, die Szenarien aus “Homo Deus” mit der Frage, wem gehören die Daten der Menschen, wirken aber umso dringlicher fort.

Die Welt nach dem Coronavirus

Yuval Noah Hararis Analysen zu Vergangenheit und Zukunft der Menschheitsgeschichte sind präzise und machen Lust zum Weiterdenken. Deshalb ist auch seine im März 2020 in der Financial Times erschienene Analyse der ganz aktuellen Gegenwart unbedingt lesenswert.

Zitiert sei an dieser Stelle abschließend eine Passage (in deutscher Übersetzung) aus dem Beitrag, die mich persönlich besonders berührt hat, da sie deutlich macht, wie wichtig es ist, wie wir uns während der Corono-Pandemie verhalten:

In dieser Zeit der Krise stehen wir vor zwei besonders wichtigen Entscheidungen. Die erste ist zwischen totalitärer Überwachung und der Stärkung der Bürger. Die zweite ist zwischen nationalistischer Isolation und globaler Solidarität. (…)

Wenn wir zwischen Alternativen wählen, sollten wir uns nicht nur fragen, wie wir die unmittelbare Bedrohung überwinden können, sondern auch, welche Art von Welt wir bewohnen werden, wenn der Sturm vorüber ist. Ja, der Sturm wird vorübergehen, die Menschheit wird überleben, die meisten von uns werden noch am Leben sein – aber wir werden eine andere Welt bewohnen!

Yuval Noah Harari

“Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen” ist bei C.H. Beck erschienen.

 

Anjuli Spieker, 10. April 2020

Stay at Home-Empfehlungen: Homo Deus

Stay at Home-Empfehlungen: Hito Steyerl

Auch das Museumsteam tummelt sich derzeit auf verschiedenen Websites, entdeckt “Unentdecktes” im Netz und gibt Tipps, wie wir unseren Horizont in #stayathome-Zeiten erweitern können. Einige Ratschläge sind aus unserem Leben & Lernen X.0-Newsletter entnommen, der Euch regelmäßig über die neuesten Entwicklungen im Projekt informiert. Klickt mal über Euren digitalen Tellerrand hinaus! 

 

 

Regina Hock ist Pressereferentin am Museum für Kommunikation Frankfurt. Hier ist ihre Empfehlung für #stayathome:

 

Einige Internetphänomene, die ich jetzt zu Corona-Zeiten beobachte, lassen mich wahrlich staunen: Habt Ihr z.B. schon diese wundersamen Tarntechniken entdeckt, die Eltern entwickelt haben, denen zu Hause mit den Kindern die Decke auf den Kopf fällt? Vielleicht haben sie dabei auch einfach die fünf Lektionen von Hito Steyerl beherzigt, die ich Euch hier vorstellen möchte.

Wie wäre es eigentlich in unserer digitalen Welt einfach zu verschwinden? Keine digitalen Spuren zu hinterlassen und einfach unsichtbar zu werden? Eine mögliche Methode (aufgepasst Augenzwinkern!): Wir schrumpfen auf die Größe eines Pixels und entschlüpfen dadurch der allgegenwärtigen Überwachung. Oder aber wir tragen Tarnfarbe auf und legen der Bilderkennung im öffentlichen Raum das Handwerk. Verschwinden leichtgemacht, das erklärt Hito Steyerl in ihrem Werk HOW NOT TO BE SEEN: A F**king Didactic Educational .MOV File von 2013.

 

WIE MAN NICHT GESEHEN WIRD

Hito Steyer stellt fünf (zum Teil schreiend komische) Lektionen vor, um der digitalen Erfassung zu entkommen:

  • Lesson I: How to make something visible for a camera.
  • Lesson II: How not to be visible in plain sight.
  • Lesson III: How to become invisible by becoming a picture.
  • Lesson IV: How to become invisible by disappearing.
  • Lesson V: How to become invisible by merging in a world made of pictures.

 

SICHTBAR SEIN KANN TÖDLICH SEIN

Mehr Informationen zu Hito Steyerl und ihrem Kunstwerk How Not to Be Seen: A Fucking Didactic Educational .MOV File gibt es bei MoMALearning oder auf der Seite der Tate Modern.

Die Situation, mit der die meisten Menschen konfrontiert sind, ist, dass sie für bestimmte Arten der Überwachung ständig sichtbar sind. Das ist bedauerlich, denke ich. Denn die Menschen möchten vielleicht dieser ständigen Überwachung entgehen. (…)

Die ursprüngliche Idee stammt aus einem Monty Python’s Flying Circus Sketch von 1970. Er heißt auch: “How Not to Be Seen”. Damit ist mein Film eine Art Hommage an diesen Sketch. Ich gebe den Zuschauer*innen eine Art Bedienungsanleitung für das Verschwinden an die Hand.

Hito Steyerl

Quelle: Tate Shots

Hito Steyerl lehrt als Professorin für Experimentalfilm und Video an der Universität der Künste in Berlin. Ihre Arbeiten präsentierte sie auf zahlreichen internationalen Ausstellungen, u.a. bei der documenta und den Skulptur Projekten Münster sowie auf der Biennale in Venedig.

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen bereitet gerade eine große Überblicksausstellung von Hito Steyerl vor, die ab Juni auch im Centre Pompidou Paris gezeigt werden soll – sofern die Schau wegen Corona nicht verschoben wird. Bis dahin könnt Ihr einige dieser Tarntechniken vielleicht schonmal selbst testen.

 

Regina Hock, 6. April 2020