Der #neuland-Expotizer

Der #neuland-Expotizer

Die Ausstellungen der Museumsstiftung werden von Webseiten begleitet – sogenannte Expotizern. Da die #neuland-Ausstellung aufgrund der Schliessung des Museums nicht physisch betreten werden kann, ist der Expotizer als digitale Repräsentation, der einzige Ort, der derzeit einen Zugang zu den Ausstellungsthemen für Besucher*innen ermöglicht.

Jeder der Expotizer ist nach den jeweiligen Bedürfnis der Ausstellung konzipiert. Sie können wie eigene Online-Ausstellungen angelegt sein, zusätzliche Medieninhalte beinhalten oder die Thematik der Ausstellung in anderer interaktiver Form aufgreifen. Die Expotizer sind zudem für Computer, Tablets und Smartphones optimiert. Die #Neuland-Ausstellung stellt in fünf Themenbereichen Fragen, wie wir als Einzelpersonen, aber auch als Gesellschaft den digitalen Wandel in unserem Alltag erleben.

Diesen Themen folgt auch der Expotizer:

  1. Ich bin, was ich bin? Identität im Internet
  2. Noch mehr Gerede! Die Kommunikationsflut
  3. Unter Druck? Selbstoptimierung als Lebensstil
  4. Vertrau mir … – Beziehung online
  5. Wissen für alle?

Glossar

Den Themen folgt ein Glossar. Dieses Glossar findet sich ebenfalls im Ausstellungsraum. Fremdworte in den Ausstellungstexten sind wie Links unterstrichen. In der Nähe finden sich runde Glossartafeln, welche die Begriffe erläutern. Das Prinzip des Hypertexts aus verlinkten Texten prägt auch den Expotizer. Auch die Fremdworte hier sind mit Glossartexten durch eine interne Verlinkung verbunden. Der Bereich des Glossars ist nicht statisch und wird während der Ausstellungszeit weiter wachsen.

Themen- und Ausstellunggseite

Neben der Themenseite mit dem Glossar gibt es eine zweite Seite mit Infos zur Ausstellung. Hier ist das Ausstellungsvideo der Sneak Preview hinterlegt, aber auch eine Bildergalerie mit Ausstellungsansichten. Ein Termin-Bereich verweist zum Kalender auf der Museumswebseite mit Veranstaltungen zum Rahmenprogramm. Während der Schliessung des Museums gibt es nur Online-Veranstaltungen. Der nächste Termin findet am 31. März statt: ein “Debatten-Dienstag online”, bei dem alle Teilnehmenden online zusammengeschaltet sind. Der Livestream der Veranstaltung wird in diesem Bereich gesendet. Die Seite endet mit einem Social Hub, in diesem sind Social Media-Posts zur Ausstellung gesammelt. Über die Navigation der Webseite lassen sich all diese einzelnen Punkte direkt ansteuern.

www.ausstellung-neuland.de

Autorin: Tine Nowak
27. März 2020

Bildtelefonie – Vorläufer der Videokonferenz

Bildtelefonie – Vorläufer der Videokonferenz

Jean-Marc Côté: “La radio à la maison”. (CC BY-SA 4.0, Foto: Françoise_Foliot, Fonds Françoise Foliot / Quelle: Wikimedia)

Momentan sind technische Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten und der Kommunikation mit Kolleginnen und Kundinnen gefragter denn je. In Zeiten schnellen Internets und vielfach genutzter Laptops und Smartphones gibt es glücklicherweise zahlreiche Angebote zur Bildtelefonie und der Schaltung von Videokonferenzen.

Doch wie sah das eigentlich früher aus?

In der Sammlung der Museumsstiftung Post und Telekomunikation haben wir eine ganze Reihe von Objekten, die die Entwicklungen von Unternehmen und der Deutschen Bundespost (später Telekom) auf diesem Gebiet zeigen. Darunter befindet sich unter anderem das Videoset 101 der Siemens AG, das auf der Hannover-Messe 1973 vorgestellt wurde. Zentral für die Bildkommunikation war das entsprechende Tischgerät, das auf dem Bild zu sehen ist. Die Formgebung und Anordnung der Anlage sollte es erlauben, bequem am (Schreib-)Tisch mit Hilfe einer Kamera, eines Bildschirms und einer Freisprecheinrichtung zu kommunizieren. Zusätzliche Funktionen des neuen Geräts beinhalteten die Möglichkeit zur Erfassung von Grafiken und Dokumenten, zum Abruf von Bildinformationen und Daten aus Datenverarbeitungsanlagen und zur Schaltung einer Bildfernsprechkonferenz.

Wenngleich die Nutzungsmöglichkeiten bereits vielversprechend klangen, rechneten die Entwicker*innen bei Siemens mit einer allgemeinen Einführung der Bildtelefonie frühestens in den 1980er Jahren. Tatsächlich dauerte es bis in die frühen 1990er Jahre bis die Telekom mit drei Bildtelefonanlagen parallel Werbung für das neue ISDN-Netz und die damit einhergehenden technischen Lösungen machte. Auf dem zweiten Bild ist das Modell „Christa R“ zu sehen, das aus einem Monitor mit beweglicher Kamera, einer Telefoneinheit und dem Herzstück, einem Videocodierer, besteht. Gemeinsam mit „Lisa C“ und “Claudia O“ sollte diese Weiterentwicklung die Kommunikation in den Büros verändern.

Wie das aussehen sollte, zeigt dieser Ausschnitt eines zeitgenössischen Werbefilms. Nicht zuletzt der hohe Preis von 38.500 DM pro Gerät verhinderte zunächst jedoch eine große Verbreitung. Erst mit dem Internet wurde die Videokommunikation im Büro und zu Hause zu einer Selbstverständlichkeit.

Derzeit wird das Sammlungsgebiet Bildtelefonie für die Freigabe in der Online-Datenbank vorbereitet, die bereits jetzt Auskunft zu tausenden Objekten unserer Sammlung gibt.

Autor: Matthias Lieb
24. März 2020

Stay at Home-Podcasttipps: #Medienkompetenz

Stay at Home-Podcasttipps: #Medienkompetenz

Frau beim Musik hören

Für viele Menschen gilt derzeit: Stay at Home – Bleibt zuhause! Räumliche Distanzierung muss aber nicht soziale Distanzierung bedeuten. Es gibt viele Medienformate, die es uns ermöglichen, uns auszutauschen, voneinander zu Lernen und Geschichten zu erzählen. “Schon jetzt gibt es Enkel, die ihren Großeltern einen Podcast aufnehmen, damit sie nicht einsam sind” erklärte Angela Merkel in ihrer Fernsehansprache zum Stand der COVID-19-Maßnahmen der Bundesregierung. Mit “Stay at Home-Podcasttipps” stellen wir regelmässig Podcasts zu Themen der Digitalisierung vor.

Medienkompetenz

Bei der Wahl der Themen orientieren wir uns zunächst an den Episoden unseres Erklärpodcasts zum Digitalen Wandel. Der Leben X.0-Podcast ist im Sommer 2020 gestartet und erklärt Schlagwörter der Digitalisierung. Zu dem jeweiligen Themenfeld existieren natürlich viele weitere Podcast-Episoden anderer Podcastproduzent*innen, mit denen man ebenso seinem Horizont erweitern kann. Wir stellen sowohl einzelne Episoden vor, als auch eine Sammlung von Podcasts – diese Woche zu Medienkompetenz, Digital Literacies und Medienbildung.

Leben X.0-Erklärpodcast zum digitalen Wandel

Der Leben X.0-Podcast ist Teil unseres Dialogprojekts “Leben & Lernen X.0”, in dem im Dialog mit der Bürgerschaft Fragen zur Zukunft der Bildung, Abeit und Demokratie verhandelt werden. Die Episode fragt: “Was ist Medienkompetenz?”. Als Gastgeberin begleitet mich Nina Voborsky (Medienpädagogin am Museum) als Co-Moderatorin. Mit einem Blick in die Wikipedia und mit drei unterschiedlichen Perspektiven auf den Begriff von Kai Hugger (Universität zu Köln), Beate Kremser (Stadt Frankfurt) und Christian Friedrich (Wikimedia Deutschland) versuchen wir uns dem Begriff der Medienkompetenz mit seinen verschiedenen Dimensionen im Gespräch zu nähern.

Kulturkapital – Ein Bildungspodcast

Während es beim Leben X.0-Podcast nur Auszüge aus dem Gespräch mit Christian Friedrich zu Hören gab, ist das ganze Gespräch im Kulturkapital-Podcast publiziert worden (ein privater Podcast, in dem ich seit 2013 – in letzter Zeit nur unregelmäßig – Episoden veröffentliche). Bei der Wikimedia ist Friedrich Teil eines Teams, das mit dem Begriff der Digital Literacies Ideen und Projekte entwickelt. Es geht u.a. um digitale Kompetenzen (“digital Literacies”), die zu einer Öffnung von Bildung in einer diversen Gesellschaft wünschenswert wären: Freies Wissen & Digital Literacies

Medially – Der Medienkompetenzpodcast

Noch vor dem Leben X.0-Podcast widmete sich im Sommer 2018 eine Podcastepisode der Frage: “Was ist Medienkompetenz”. Es ist der Auftakt des Podcasts Medially der zwei Medienpädagoginnen Kim und Natascha, die sowohl im schulischen als auch  außerschulischen Bereich tätig sind. Sie beschreiben sich als Endzwanzigerinnen, die Gesprächsführung ist plaudernd und alltagsnah. Die folgenden Episoden sind an den Lebenswelten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen orientiert. In der ersten Episode beschreiben sie ihr Verständnis von Medienkompetenz, später geht es u.a. um YouTube, Handynutzung oder Hate Speech.

Forschergeist

Auch wenn es in dieser Episode des Wisseschaftspodcasts des Deutschen Stifterverbands nicht ausschliesslich um Medienkompetenz geht, lohnt es sich in das Gespräch zwischen Moderator Tim Pritlove und Lisa Rosa einzutauchen. “Schule und Lernen in der digitalen Welt” ist das Thema und Lisa Rosa, die in der Unterrichtsentwicklung am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg arbeitet, hat jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der schulischen Medienbildung und Lehrkräfte-Ausbildung. Die Episode ist unterhaltsam, meinungsstark und lehrreich zugleich.

Mann beim Radio hören mit einen Detekorempfänger nach dem Studium der Rundfunkzeitschrift "Funk-Stunde"

Weitere Podcasts zu Medienkompetenz, Digital Literacies und Medienbildung:

Zum Preppen Eurer Podcast-Vorräte habe ich bei der Podcast-Suchmaschine FYYD eine Sammlung erstellt und zudem hier eine Linkliste mit Podcastfutter zu Edu-Podcasts zusammengetragen. Bei Fyyd kann man thematisch nach weiteren Podcasts suchen, wer genau schaut, findet dort eine detaillierte Suchfunktion, die man nach Sprache, Episodenlänge und Erscheinugszeitraum verfeinern kann.

 

Autorin: Tine Nowak
22. März 2020

 

5 Fragen zum “Pre Bell Man”

5 Fragen zum “Pre Bell Man”

Selbst wenn das Museum für Kommunikation Frankfurt geschlossen ist, es gibt zwei Dinge, die stets verfügbar sind: die historische Telefonzelle und die Skulptur des “Pre Bell Man” des Medienkünstlers Nam June Paik. Dieses Angebot wurde von den Flaneuren und Flaneusen des Museumsufers bislang reichlich genutzt. Neben den Telefonschafen im Museumsinneren gehören sie zu den meistfotografierten Motiven, die auf Instagram in Bezug auf das Museum zu finden sind.

Der “Pre Bell Man” ist ein Reiterstandbild. Das Pferd trägt aber keine historische Persönlichkeit, sondern eine roboterhafte Figur, dessen Körper aus Objekten der Technikgeschichte zusammengesetzt ist. Da nicht jede*r die Geschichte zu diesem Kunstwerk kennt, haben wir uns selbst fünf Fragen zum Pre Bell gestellt.

 

Pre Bell Man, 1990, Foto: MSPT1. Warum hat Nam June Paik in Frankfurt dieses Kunstwerk erschaffen?

Das Museum für Kommunikation Frankfurt beauftragte 1989 den international bekannten Künstler Nam June Paik mit einer Videoskulptur. Diese sollte zur Eröffnung des einstigen “Bundespostmuseums”  fertiggestellt werden. Die Figur besteht aus historischen Objekten der Sammlung der Museumsstiftung Post & Telekommunikation.

 

2. Was ist ein “Pre Bell Man”?

Die Geschichte der Menschheit wird in der westlichen Wissenschaftsgeschichte in verschiedene Entwicklungschritte unterteilt. Der heutige “Homo Sapiens” wird auch als “Cro-Magnon-Mensch” (Cro Magnon Man) bezeichnet. Ein “Pre Bell Man” wäre dann ein Mensch nach der Erfindung des Fernsprechers durch Alexander Graham Bell im Jahr 1876.

 

3. Was für Bestandteile hat der “Pre Bell Man”?

Der Kopf ist ein Volksempfänger (1930er Jahre), der Rumpf kombiniert ein Radio- und ein Fernsehgerät. Der rechte Arm ist ein Allverstärker und ein Vorschaltwiderstand. Der linke Arm besteht aus einer Test- und Prüfantenne für Richtfunk. Neonröhren lassen die Skulptur bunt leuchten. Das Pferd wurde vermutlich vom Künstler in einem Trödelladen erworben.

 

4. Warum musste der “Pre Bell Man” restauriert werden?

Die Skulptur stand lange draussen und war der Witterung ausgesetzt. Nach einer Restaurierung in 2006, wurde der “Pre Bell Man” 2012 abgebaut und im Depot eingelagert.  In Folge wurde ein Abdruck des Pferde aus Kunststoff nachgegossen. Aus baugleichen Objekten konnte die Technik ersetzt werden. Im Sommer kam der Pre Bell Man zurück vor den Eingang des Museums.

 

5. Ist die Skulptur vor dem Museum der echte “Pre Bell Man”?

Bei einer Tagung im März 2019 diskutierten Kunstexpert*innen, ob der neue “Pre Bell Man” ein Original oder eine Kopie sei. Der “Pre Bell Man” von 1990 steht im Sammlungsdepot, der von 2019 leuchtet kraftvoll am alten Platz. Am Museum sprechen wir von einer Nachschöpfung, eine Plakette am Sockel gibt über das Kunstwerk Auskunft.

 

Zur Vertiefung empfehlen wir den Expotizer zum “Der Pre Bell Man von Nam June Paik. Eine Ikone der Medienkunst!”. Expotizer sind Online-Informationsformate, die unsere Ausstellungen inhaltlich begleiten.

 

Autorin: Tine Nowak
19. März 2020

Episode 7: Was sind OER?

Episode 7: Was sind OER?


Der Erklärpodcast zum Digitalen Wandel widmet sich zentralen Begriffen der Digitalisierung: Von A wie Algorithmen bis S wie Social Scoring reicht das Themenspektrum. Der Podcast ist Teil des Dialogprojekts “Leben & Lernen X.0” am Museum für Kommunikation Frankfurt, in dem im Dialog mit der Bürgerschaft Fragen zur Zukunft der Bildung, Arbeit und Demokratie verhandelt werden.

“Was sind OER?” fragt Tine Nowak als Gastgeberin des Leben X.0-Podcasts. Als Co-Moderator ist dieses Mal Stefan Jahrling dabei, er arbeitet als Medienpädagoge am Museum für Kommunikation Berlin. Nach einem Blick in die Wikipedia entfalten drei Expert*innen den Begriff der Open Educational Resources (OER) aus unterschiedlichen Blickrichtungen: Anja Lorenz (TH Lübeck) führt grundlegend in den Begriff ein, Lawrence Lessig (Harvard Law School & Harvard University) blickt zurück, als Creative Commons gegründet wurden und Christian Friedrich (Wikimedia Deutschland) spricht über den Nutzen von OER gerade für Lernen in einer digital geprägten Welt.

Die folgenden Kapitel lassen sich im Player direkt ansteuern, wenn man im Player (oben) über “Alle Episode” das Icon ganz links anklickt, damit öffnet sich das Kapitelverzeichnis.

00:00:39 Einstieg mit Stefan Jahrling
Stefan Jahrling ist Medienpädagoge am Museum für Kommunikation Berlin. Er befasst sich da mit klassischer Museumspädagogik, allerdings mit einem medienpädagogischen Fokus: dem Einsatz von Medien in der Vermittlung, Medienkompetenzförderung, sowie Themen wie Cybermobbing oder Fake News. Museen versteht er als Orte der Bildung.

00:03:44 Podcast-Konzept
Der Podcast erläutert in jeder Episode ein Schlagwort der Digitalisierung. Die Begriffe wurden durch ein Publikumsvoting ermittelt. Immer eine* andere* Museumskollegin oder ein -kollege aus der Museumsstiftung ist als Co-Moderation dabei, zudem wird der Begriff in der Wikipedia nachgeschlagen und es gibt Erläuterungen von drei verschiedenen Expert*innen.

00:05:01 Begriffsklärung OER
Stefan Jahrling beschreibt OER als freie Bildungsmaterialien, die zur Nutzung frei gestellt wurden. Er selbst verwendet auch OER, diese sind gerade im Bereich Medien und Medienpädagogik sinnvoll, weil das Thema ständig im Wandel ist.

00:06:37 Wikipedia: Open Educational Resources
In allen Episoden wird als Ausgangspunkt des Podcasts der erste Absatz des Wikipedia-Artikels zum Thema – OpenEducational Resources – vorgelesen. In diesem Fall ist es jedoch nur ein Auszug, da der ganze Absatz etwas länger ist. In dem Absatz werden OER als freie Lern- und Lehrmaterialien mit einer offenen Lizenz beschrieben, als Anwendungsfelder werden zunächst die Fern- und Hochschulbildung benannt. Etwas überraschend erscheint der prominente Verweis auf Reputationsarbeit als Motiv der Autor*innen, da von Stefan Jahrling und Tine Nowak die Community stärker von Aktivismus und dem Sharing-Gedanken geprägt erlebt wird. Die Wikipedia ist ein weitverbreitetes Beispiel für die Verwendung von Creative Commons Lizenzen, und kann durch dieses Lizenzmodell selbst als offene Bildungsresource genutzt werden.

00:11:08 Anja Lorenz
Anja Lorenz ist Online-Redakteurin und MOOC-Makerin am Institut für Lerndienstleistungen der Technischen Hochschule Lübeck. Dort finden sich u.a. auch Onlinekurse zu OER statt (z.B. #COER16). Zudem ist sie die eine Hälfte des BildAltEntf-Podcasts. Sie erläutert, dass OER-Bildungsmaterialien verschieden sind: das können Arbeitsblätter, Videos oder ganze Kurse sein. Das O steht für Open also offen, das heißt zumeist kostenlos und frei zugänglich. Der englische Begriff der Open Educational Resources hat sich auch in Deutschland durchgesetzt, er ist durch den internationalen Diskurs geprägt worden. Eingeführt wurde der Begriff OER 2002 in einem Abschlussbericht der UNESCO, in dem stand, dass Bildungsmaterialien im Idealfall offen und frei und für alle nutzbar sein sollten. Diese OER können in allen Bildungsbereichen eingesetzt werden, sowohl in der informellen Bildung als auch in den Schulen oder Hochschulen. Anja Lorenz würde zum Start von OER drei Dinge vorschlagen: 1) den MOOC zum OER-Fachexpert*innen #OERexp, der im März 2020 neu startet. 2) Die Webseite der OER Infostelle: https://open-educational-resources.de. 3) Und zuletzt eines der OER Camps, die nächsten finden im Februar und März 2020 in Berlin und Bonn statt. Als weitere Quellen und Orte von OER ergänzt Stefan Jahrling z.B. das Medienpädagogok-Praxis Blog und die Medienpädagogik-Praxis Camps.

00:31:12 Lawrence Lessig
Lawrence Lessig gehört zum Gründungs-Team der Creative Commons-Lizenzen. Er Professor für Rechtswissenschaften (Harvard Law School und Harvard University). Er berichtet von den Anfängen der Creative Commons (CC). In den frühen Jahren, so um Jahr 2002/03 erlebte er das Web als von “Urheberrechts-Kriegen” geprägt, mit polarisierenden Positionen von Urheberrechts-Extremist*innen und Urheberrechts-Anarchist*innen. Die Creative Commons-Lizenzen brachten eine Alternative ins Spiel. Die Innovation in der Arbeit an den Lizenzen selbst beschreibt Lessig als vergleichweise langweilig, wenn man die Möglichkeiten in der Anwendung betrachtet. Die Wissenschafts- und Bildungs-Communities testeten die neuen Lizenzen in aufregenderen Bereichen aus. Der Einsatz von CC-Materialien veränderte das Lehr-/Lern-Setting. Lehrmaterialien selbst zu erstellen und verändern zu können hat die Art zu Lehren geprägt. Die CC-Lizenzen waren nicht die ersten freien Lizenzen: die Free Software Foundation und Open-Source-Bewegung war hier schon vorab aktiv. Doch diese Lizenzen eignen sich besser für Software und weniger gut für kulturelle Erzeugnisse. Die Herausforderung bestand darin, so Lessig, ein Umfeld zu fördern, dass die Menschen dazu ermutigte, Dinge zu tun, die niemand zuvor geplant hatte. Diese Innvationsfreiheit sei ein Grundpfeiler des freien Internets, die er durch geschlossene Plattformen wie z.B. Facebook bedroht sieht. Das freie Internet sei wichtig für die Freiheit der Bildung.
Disclaimer: Das Gespräch mit Lessig fand am 12.9. in der Wikimedia statt. Wir empfehlen den zur Netzpolitik-Tagung aufgenommenen Netzpolitik-Podcast zu hören, in dem sich Lessig u.a. zu einem am 14.9. in der New York Times veröffentlichten Interview äußert. Die im Podcast thematisierten Äußerungen Lessigs zum MIT und den von dort angenommenen Epstein-Spenden werden bis heute kritisch diskutiert. Beim Podcastgespräch war dieser Diskurs uns selbst nicht präsent gewesen, sie blieb somit nicht wissentlich unerwähnt.

00:55:57 Christian Friedrich
Christian Friedrich ist Referent für Bildung und Wissenschaft bei der Wikimedia in Deutschland, außerdem ist er freiberuflich im Bereich Bildung & „Open Educational Resources“ tätig. Er ist zudem Podcast-Gastgeber und Teil des „Feierabendbier Open Education“-Podcasts. Er beschreibt OER als eines der Kernthemen für Wikimedia Deutschland und OER als freie Bildungsmaterialien sind somit Teil seiner Arbeit. Dabei ist für ihn der Aspekt der Öffnung von Bildung immens wichtig. Martin Weller (Open University) spricht von der Wikipedia als eine der ersten Open Education Resources. Das Problem, dass dem allem eigentlich zugrunde liegt ist jedoch das Urheberrecht, das nicht mehr zeitgemäß ist, gerade wenn es um Bildungsmaterialien geht. OER seien nicht Selbstzweck, sondern derzeit notwendige Krücken. Nicht überall ist das Urheberrecht der Hauptmotor für offene Bildungsmaerialien. In einer globalen Perspektiven kommen Faktoren wie Ungleichheit hinzu, für die OER einer der Lösungswege sein kann. Er fragt sich mit Blick auf das deutsche Bildungssystem, warum so wenig Bildungsmaterialien öffentlich finanziert werden. Es gäbe ein Ungleichgewicht in Hinblick auf kommerzielle Anbieter, was gar nicht bedeutet solle, dass Bildung umsonst sein müsse oder nichts kosten dürfe, nur die Kosten müssten anders verteilt werden. Und man müsse generell öffentlich über eine Haltung zu digitaler Bildung und Lernen digital nachdenken.

01:17:14 Resümee
Stefan Jahrling resümmiert, dass Bildungsarbeit und Bildungspolitik hier stärker gefordert sein sollten: in Bildung müsse stärker investiert werden. Creative Commons und freie Bildungsmaterialien sieht er als Riesenchance, um Bildung voranzubringen. Auch wenn OER für ihn persönlich kein neues Thema sind, hat ihn im Verlauf der Episode der Gedanke beschäftigt, dass es bei seiner eigenen Arbeit im Museum großes Potential gibt, in Richtung offener Bildungsmaterialen zu arbeiten. Wichtig scheint ihm auch – gerade aus den Reihen der Museen – dass man politisch forden müsse, dass Bildungsarbeit kostet und verweist dabei auf ein Zitat von Derek Bok (Havard University):  “If you think education is expensive, try ignorance”.

01:20:40 Abschied
Wir verweisen bei der Gelegenheit gleich noch auf die nächste Episode zu: Was ist Arbeit 4.0?

01:21:25 Extra track: Lawrence Lessig and OER (in english)
The interview with Lawrence Lessig took place on 12th of September at Wikimedia Germany: Lawrence Lessig is part of the founding team of Creative Commons Licenses. He is Professor of Law (Harvard Law School and Harvard University). He reports on the beginnings of the Creative Commons movement. In the early years, around 2002/03, he experienced the Web as being marked by “copyright wars”, with polarizing positions of copyright extremists and copyright anarchists. The Creative Commons licenses brought an alternative into play. Lessig describes the innovation in the work on the licenses themselves as comparatively boring when one considers the possibilities in application. The scientific and educational communities tested the new licenses in more exciting ways. The use of CC materials changed the teaching and earning setting. Being able to create and modify educational materials yourself has shaped the way teaching is done. The CC licenses were not the first free licenses: the Free Software Foundation and Open Source movement had been active in this area before. But these licenses are more suitable for software and less suitable for cultural products. The challenge, according to Lessig, was to foster an environment that encouraged people to do things that no one had ever planned for. This freedom of innovation is a cornerstone of the free Internet, which he sees threatened by closed platforms and ‘walled gardens’ such as Facebook. The free internet is important for the freedom of education.
Disclaimer: We recommend in this context listening to the Net Politics Podcast (NPP 184) recorded at the Netzpolitik Conference in Berlin, in which Lessig comments on his Medium article and an interview published in the New York Times on 14th of September. Lessig’s comments on MIT and the Epstein donations accepted by MIT are still being critically discussed.

Gibt es zu der Episode noch offene Fragen oder Ergänzungen? Dann schreibt uns per Mail oder Twitter (@mfk_frankfurt mit Hashtag #LebenX0). Wenn die Episode oder der Podcast Euch gefallen hat, dann könnt Ihr uns mit einer Bewertung oder Rezension bei iTunes eine Freude machen.

Ein Podcast des Museums für Kommunikation Frankfurt (Museumsstiftung Post und Telekommunikation).

Gäste: Anja Lorenz, Lawrence Lessig und Christian Friedrich
Co-Moderator: Stefan Jahrling
Redaktion/Produktion: Tine Nowak
Sprecher Lessig: Marc Rodriguez
Lizenz: CC-BY SA 4.0
Intro-Musik: “F” by Initials DC (mit freundlicher Genehmigung).
Remix mit Tonfragmenten aus der Sammlung der MSPT durch Uvo Pauls.

Autorin: Tine Nowak