Jede Woche stellen wir euch ein Phänomen aus unserer Dauerausstellung mit Blick auf die Gegenwart vor. Heute das Phänomen Kontrolle. Daten sind zum wichtigsten Rohstoff des 21. Jahrhunderts geworden. Jede*r erzeugt durch scheinbar alltägliche Klicks Datenströme. Dabei hinterlassen wir Informationen darüber, was wir mögen, wen wir kennen und wer wir eigentlich sind. Die Summe aller Daten wird “Big Data” genannt. Um seine persönlichen Informationen und Nachrichten geheim zu halten, rückt die Wissenschaft die Verschlüsselung – die Kryptografie – immer wieder in den Mittelpunkt der breiten öffentlichen Debatte.
Beim Weg zur Arbeit navigieren wir mobil, beim Kauf von Lebensmitteln nutzen wir die Kundenkarte – zwischendrin verteilen wir bei Facebook und Co. noch ein paar Likes und bei einem spannend klingenden Newsletter setzen wir noch geschwind einen Haken – so hinterlassen wir unsichtbare jedoch kostbare Spuren.
Streng geheim!
Das Phänomen seine Nachrichten geheim zu halten ist nicht neu. Bereits seit der Antike wollen Menschen ihre Informationen vertraulich teilen. Julius Cäsar verwendet 50 v. Chr. für seine Briefe noch eine einfache Buchstabenverschiebung. Ab dem 15. Jahrhundert werden sogenannte Chiffrierverfahren immer raffinierter. Ab dem 19. Jahrhundert ändert sich dies, denn Telegramme und Postkarten können auch von Dritten gelesen werden. Korrespondenzen, die nicht für die Augen von Fremden gedacht sind, können von nun an chiffriert werden.
100 Quadrilliarden Kombinationsmöglichkeiten
Im ersten Weltkrieg verschlüsselt das deutsche Militär noch per Hand, sodass der Gegner die meisten Korrespondenzen mitlesen kann. Aus diesem Grund nutzt die Wehrmacht ab 1930 die Chiffriermaschine „Enigma“ (auf deutsch „Rätsel“) – welche 100 Quadrilliarden verschiedene Kombinationsmöglichkeiten hat und scheinbar nicht entschlüsselbar ist. Scheinbar – denn was die Deutschen nicht ahnen ist, dass bereits 1932 die polnischen Kryptologen die Arbeitsweise der Enigma nachvollziehen. So können die Alliierten 80.000 Funksprüche pro Monat entschlüsseln. Mit diesem Wissen entscheiden sie den Zweiten Weltkrieg für sich.
Mediengeschichte|n neu erzählt!
Die legendäre Enigma.
Mediengeschichte|n neu erzählt!
Der Spion im Wohnzimmer.
Mediengeschichte|n neu erzählt!
Zugehört, abgehört!
Mediengeschichte|n neu erzählt!
Big Brother is watching you!
Boykott und Protest
Ein zeitgenössischeres Beispiel für den Kampf um die eigenen Daten ereignet sich in den 1980er-Jahren in Deutschland. Das statistische Bundesamt will 1987 eine Volkszählung durchführen. Ziel soll die Feststellung von veränderten Infrastrukturen und sozialem Gefüge sein, um diese gegebenenfalls anzupassen. Innerhalb wenigen Wochen bilden sich hunderte Bürgerinitiativen, die zum Protest und Boykott der Volkszählung aufrufen. Zentraler Kritikpunkt ist, dass die darin enthaltenen Fragen Rückschlüsse auf die Identität der Befragten zulassen. Somit verstößt die Erhebung gegen den Datenschutz – und folglich auch gegen das Grundgesetz. Die Angst der Akteur*innen vor dem „gläsernen Bürger*in“ und einem „Überwachungsstaat“ ist groß. Der Protest hat Erfolg. Die Befragung wird neu konzipiert, um die Anonymität der Bürger*innen besser zu gewährleisten.
Wir sind Daten!
Da sich unser Leben mehr und mehr ins Digitale verschiebt, brauchen wir nicht nur im Analogen Regulierungen und Kontrollen, die unsere persönlichen Informationen schützen. Immer bedeutsamer werden aus diesem Grund technologische Sicherheitsvorkehrungen, wie die Anonymisierung – denn eins ist gewiss: Wir sind Daten!
Die Requisiten sind oft einfach und alltäglich. Die Wirkung groß und effektvoll. So finden sich in den vergangenen Wochen in den sozialen Medien eine ganze Reihe von Bildern, die in der häuslichen Quarantäne entstanden sind und auf denen Kunstwerke nachgestellt wurden. Oft werden Props aus der Quarantäne, also etwa Klopapier, dabei als Requisite verwendet. Während die Museen geschlossen haben, öffnen die Kunst-Begeisterten ihre Wohnzimmer und Küchen und lassen diese zu einem kreativen Ort werden. Auf dem Instagram-Account von Tussen Kunst & Quarantaine (zwischen Kunst und Quarantäne) sind viele dieser Bilder versammelt
Zum #DepotDienstag greifen die Kolleg*innen aus der Sammlung dieses Internet-Phänomen auf und zeigen sich ebenfalls erfinderisch. Solange auch das Museumsdepot für öffentliche Führungen geschlossen bleibt und die Kunstsammlung nicht der Öffentlichkeit präsentiert werden kann, geben wir auf diesem Wege kleine Einblicke. Wir haben drei Motive aus unserer Kunstsammlung nachgestellt.
Kunst und Quarantäne
Hier stellen wir das Gemälde “Geldbriefträger” des Malers Herrmann Franz Leonhard Karow (1840 – 1899) nach. Entstanden ist es 1895 in Königsberg/Ostpreußen und zeigt eine Szene, bei der eine junge Frau den Briefträger der Kaiserlichen Reichspost an der geöffneten Tür trifft und er ihr einen Brief überreicht. In der Umsetzung haben wir ein paar Änderungen eingebaut, beispielsweise trägt der Postmann eine andere Uniform. Erkennt Ihr den Unterschied?
Auf diesem Bild wird „La Lettera“ von Wainer Vaccari inszeniert. Der 1949 in Modena geborene Wainer Vaccari begann als Autodidakt mit der Malerei, die von Picabia und Marcel Duchamp angeregt wurde. 1975 veränderte sich seine Malerei zum Figurativen, angeregt durch die Arbeiten der „Neuen Sachlichkeit“ und der „Pittura Metafisica“. Aber auch in der Bildwelt des Surrealismus fand er Anregungsmaterial für seine eigene Bildsprache.
Hier wird das Gemälde “Die frohe Nachricht” von Josef Rudolf Witzel (1867 – 1924) nachgestellt. Der in Frankfurt geborene Witzel war Schüler am Städelschen Kunstinstitut bei Eduard von Steinle und Kaspar Ritter. Ab 1890 war er als Maler, Zeichner und Grafiker in München tätig. Witzel entwickelte sich zu einem der bekanntesten Vertreter des deutschen Jugendstils. Bekannt ist vor allem sein Plakat für die Münchner Illustrierte Wochenschrift „Jugend“, die der ganzen Stilrichtung ihren Namen gab. Er fertigte auch zahlreiche Plakate für “Deutsche Kunst und Dekoration”.
Woher kommt das Phänomen Kunst-Selfies?
Die Idee, Kunstwerke selbst nachzustellen, ist nicht neu. Ab dem späten 18. Jahrhundert entwickelte sich unter dem Titel „Tableau vivant“ (lebendes Bild) ein Spiel als Zeitvertrieb. Dabei wurden prominente Gemälde oder Statuen nachgestellt. Und auch schon vor der Corona-Pandemie haben weltweit Kunst-Begeisterte ihre Lieblingsbilder selbst inszeniert. In der häuslichen Quarantäne tauchen als Requisite jedoch besonders oft Klopapier, Mehl oder Nudeln auf. Einen Überblick über die Entstehung und Ausprägung dieses Phänomens in der gegenwärtigen Kunstrezeption haben unserer Kolleg*innen von mus.er.me.ku auf ihrem Blog zusammengetragen.
Kunstsammlung der Museumsstiftung für Post- und Telekommunikation
Die Kunstsammlung geht auf das Reichspostmuseum zurück, das die postgeschichtliche Sammlung durch Gemälde, Grafiken und andere bildliche Darstellungen ergänzte. Heute umfasst die Kunstsammlung 300 Gemälde vom 17. Jahrhundert bis hin zu aktuellen Positionen der Gegenwartskunst sowie 50 Skulpturen, Objekte und Multiples. 5.000 Plakate dokumentieren die gesamte Plakatwerbung der Post und ihrer Nachfolger. Auf 30.000 grafischen Blättern finden sich Illustrationen aus der Post- und Telekommunikationsgeschichte sowie künstlerische Grafik des 20. und 21. Jahrhunderts zum Thema Kommunikation.
Auch an diesen Samstag beleuchten wir ein Phänomen unserer Dauerausstellung mit Blick auf die Gegenwart. Heute ist es das Phänomen Beschleunigung: „Höher, schneller, weiter“: Die Idee, in immer kürzerer Zeit immer größere Distanzen zu überbrücken und immer höhere Ziele zu erreichen treibt Menschen seit vielen Jahrhunderten an. Man könnte sogar sagen: Sie ist der Motor des Fortschritts – zumindest in Bezug auf Technik, Kommunikationsentwicklung und Wissenschaft. Denn häufig bringt es wirtschaftliche oder machtpolitische Vorteile mit sich, eine Botschaft möglichst schnell übermittelt oder eine Erkenntnis vor allen anderen gewonnen zu haben.
Beschleunigung? Ausgebremst!
Die zentrale Gleichung scheint zu lauten: „Beschleunigung = Effizienz = höchst möglicher Gewinn“. Die meisten von uns sind mit dieser Mentalität aufgewachsen und haben sie verinnerlicht. Was bedeutet es nun – sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf individueller Ebene – wenn Beschleunigung, die Grundlage der Gleichung, von einem Augenblick auf den anderen durch eine globale Krise wie die Corona-Pandemie wortwörtlich ausgebremst wird?
Boten
Unser Alltag ist geprägt von Stress und Zeitdruck. Wir wollen in der vorhandenen Zeit mehr erleben, mehr leisten, mehr fühlen. Diese Verdichtung beschleunigt uns weiter. Digitalisierung und Mobilität tragen dazu bei und prägen die Geschichte der Kommunikation. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts löste das elektrische Licht den Rhythmus von Tag und Nacht auf. Fortschritt war der Begriff der Stunde. Arbeitsteilung und Wachstumsstreben beschleunigen seitdem stetig Produktion, Transport und Kommunikation. Ökonomisch betrachtet ist Zeit Geld. Zeit ist zum knappsten Rohstoff der Welt geworden – wie gehen wir mit dieser Entwicklung um?
Am Anfang war der Läufer. Wichtige Botschaften wurden mündlich oder von Hand zu Hand übermittelt, die zwischen Sender und Empfänger liegende Distanz „auf Schusters Rappen“ überbrückt. Wenn die Distanz groß war, ermüdete der Bote irgendwann und die Übermittlung der Nachricht musste solange warten, bis er sich körperlich erholt hatte. Da Zeit in bestimmten Situationen aber schon immer ein kostbares Gut war, etablierte sich bald das System des Staffellaufs: Ein frischer Läufer wartete an einem zuvor festgelegten Treffpunkt, übernahm die Nachricht und übermittelte sie seinerseits am Endpunkt seiner Etappe an einen weiteren Boten.
Postreiter
Dieses System wurde später auch von berittenen Boten übernommen: Die sogenannten „Postreiter“ waren zunächst in Herbergen stationiert, übernahmen verschlossene und versiegelte Briefpakete und transportierten sie von dort zu einer benachbarten Station. Die ersten Aufzeichnungen zu diesem System finden sich in den sogenannten Memminger Chroniken aus dem Jahr 1490. Aus der gleichen Schrift geht auch hervor, dass ein berittener Bote zur damaligen Zeit auf einer Straße etwa doppelt so schnell voran kam wie ein Läufer.
Ordinari-Post
Nach 1550 etablierte sich die Ordinari-Post: Nachrichten wurden „en gros“ zu festgelegten Zeiten und auf festgelegten Strecken transportiert, jedermann konnte dieses Transportsystem nutzen. Die Postboten – ob zu Pferd oder später auf dem Kutschbock – setzen sich dabei einem recht hohen Risiko aus: Überfälle waren an der Tagesordnung. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurden die Boten übrigens auch als „Postillions“ bezeichnet.
Elektrische Post
Noch schneller als mit der Post ließen sich Nachrichten über weite Strecken mittels Telegrafie übermitteln. Es gibt unterschiedliche Telegrafie-Techniken: Allen gemeinsam ist, dass Nachrichten auf eine bestimmte Art codiert, die entsprechenden Codes anschließend von Sender zu Empfänger übermittelt und dort zurück in die ursprüngliche Nachricht „übersetzt“ werden. Zentrale Voraussetzung dafür war neben der Übermittlungstechnik natürlich die geteilte Kenntnis des Codierungssystems.
Die ersten Modelle der „optische Telegrafie“ etablierte sich in Europa im 17. Jahrhundert, erfolgreich wurden sie allerdings erst im 18. Jahrhundert durch Verfeinerung und Systematisierung. Der Franzose Claude Chappes entwickelte beispielsweise eine Technik, bei der eine Nachricht mittels schwenkbarer Signalarme über 20 Stationen in nur 2 Minuten übermittelt werden konnte. Im 19. Jahrhundert wurde die optische Telegrafie dann durch die elektrische bzw. Funkentelegrafie abgelöst.
Höher, schneller, weiter – Zeit als kostbare Ressource
Auf ihrer Grundlage und mittels riesiger Unterseekabel wurde 1858 sogar erstmals eine transatlantische Telegrafenverbindung möglich. Nachrichten konnten nun in Minuten von Europa nach Amerika übermittelt werden und brauchten nicht mehr wie bisher mehrere Wochen um ihre Empfänger zu erreichen.
Einen weiteren Sprung in der Geschichte menschlicher Kommunikation bildete die Etablierung des Telefons Ende des 19. Jahrhunderts. Die Möglichkeit, gesprochene Sprache in elektrische Signale zu transferieren und eine mündliche Nachricht via Kabel praktisch ohne Zeitverlust an einen Empfänger zu übermitteln, stellte eine ungeheure technische Entwicklungsleistung dar und veränderte die Welt nachhaltig. Geographische Distanzen spielten in vielen Zusammenhänge eine viel geringere Rolle als früher – die Welt rückte enger zusammen.
Heute, in Zeiten der kommerziellen Nutzung des Internets, kann man sich in Europa kaum noch vorstellen, was es bedeutet, wochenlang auf eine Nachricht oder ein Produkt warten zu müssen. Wir sind es gewohnt, Dinge des täglichen Bedarfs, Unterhaltungsmöglichkeiten und Gesprächspartner*innen SOFORT zur Verfügung zu haben. Die Corona-Krise bedeutet vor diesem Hintergrund in vieler Hinsicht eine existentielle Erfahrung. Sie zwingt uns – im übertragenen Sinne – mitten auf der Überholspur zu einer Vollbremsung. Jetzt wird einem der Wert von Sicherheitsgurten bewusst, die man mit dem Fuß auf dem Gaspedal oft kaum wahrnimmt. Das Zuhause, in das man sich zurückziehen kann. Die Gewissheit, dass die Grundversorgung gesichert ist. Und die Möglichkeit zum Telefon zu greifen, um einfach mal seine Lieben anzurufen. Ganz ohne Eile.
Die Bibliotheken und Archive der Museumsstiftung unterstützen die Museumsstiftung mit einem umfangreichen historischen und aktuellen Literaturbestand zu den einzelnen Sammelschwerpunkten der vier Standorte. Unter dem Motto #closedbutopen sind Bibliothek und Archiv trotz Schließung für Euch da und bieten online eine Reihe digitaler Hilfsmittel zur Recherche an, die wir an dieser Stelle vorstellen möchten.
Das Literaturangebot der Museumsstiftung
Wer sich für Literatur zum Thema Kommunikation in Post-, Technik- und Mediengeschichte interessiert, ist in den Bibliotheken der Museumsstiftung genau richtig. Während die Museumsbibliothek in Berlin ihren Schwerpunkt auf die Postgeschichte und Philatelie legt, verzeichnet die Museumsbibliothek in Frankfurt Literatur zur Geschichte von Rundfunk und Telekommunikation, Brief- und Schriftkultur und historische Reiseberichte. Alle Standorte betreuen einen umfangreichen Bestand an historischen Zeitschriften und Unterlagen zum Postwesen und sind gemeinsam die wichtigsten Spezialbibliotheken zum Thema Post- und Kommunikationsgeschichte.
Für einen Überblick über die Literaturbestände der gesamten Stiftung, eignet sich am besten die Recherche über unseren gemeinsamen Onlinekatalog. Hier finden sich Medien der Museumsbibliothek in Frankfurt, die Bestände der Museumsbibliotheken in Berlin und des Archivs für Philatelie in Bonn. Die Frankfurter Bestände sind darüber hinaus auch im Verbundkatalog SWB und in der Zeitschriftendatenbank (ZDB) nachgewiesen.
Für die gezielte Suche nach Archivalien können online Findbüchern und Repertorien eingesehen werden, die wir digitalisiert auf den Sammlungsseiten zur Recherche bereitstellen.
Die Nutzung unserer Bestände
Findet man beim Stöbern in den Onlinekatalogen Literatur, die man einsehen will, kann man die Kolleg*innen von Bibliothek und Archiv kontaktieren, um einen Besuchstermin zu vereinbaren. Da dies nicht nur in Zeiten von COVID-19, sondern manchmal auch aufgrund räumlicher Distanz nicht möglich ist, bieten wir auf unseren Seiten ein Rechercheformular an, das man für spezifische Literaturanfragen nutzen kann. Die Anfrage kann sich auf Bücher und Archivalien aller Standorte beziehen und wird nach Eingang von den Kolleg*innen bearbeitet, die für den jeweiligen Sammelschwerpunkt zuständig sind und gerne weiterhelfen. Auch Scanaufträge können über das Rechercheformular übermittelt werden.
Weitere digitale Angebote
Einen Überblick zu unseren Recherchetools und weitere Datenbanken finden sich auch auf den Seiten der Sammlung. Hier kann man digitalisierte Briefe lesen und eine Auswahl unserer Exponate schon mal virtuell besuchen bis wir uns hoffentlich bald wiedersehen.
Jeden Dienstag posten wir unter dem Hashtag #DepotDienstag Objekte aus unserer Sammlung. Heute am #DepotDienstag beteiligen wir uns auch an der sogenannten #HomeOfficeGLAM-Challenge. GLAM ist ein englisches Akronym, das für Galleries, Libraries, Archives und Museums steht und als Sammelbegriff Institutionen umfasst, die sich mit dem Sammeln, Bewahren und Erschließen von Kulturgütern beschäftigen. Bei der #HomeOfficeGLAM-Challenge sollen Objekte und Bilder gezeigt werden, die einen (humorvollen) Bezug zum Phänomen des Zu-Hause-Arbeitens herstellen. Wir zeigen Euch technische Hilfsmittel aus der Vergangenheit und Gegenwart aus unserer Sammlung, die die (Schreib-) Arbeit zu Hause erleichtern sollten.
Federhalter für Damen aus dem frühen 20. Jahrhundert
Den Anfang macht dieser stilsichere Federhalter für Damen aus Silber, der mit einer abgeschrägten Stahlfeder für ein elegantes Schriftbild sorgte. Die Verzierungen im angesagten Jugendstil des frühen 20. Jahrhunderts mit Andeutungen von Blüten, Blättern und Zweigen ermöglichten bei aller Tristesse in den eigenen vier Wänden die nötige Verbindung zur Natur.
Mechanisches Schreiben: Mit der Germania No.5
Wem tintenverschmierte Hände auf Dauer zu lästig wurden, griff alsbald zur mechanischen Schreibmaschine, etwa der Germania No.5. Diese war ein Lizenzprodukt der Schreibmaschinenfabrik W. Elschner, Berlin, das auf dem Design eines amerikanischen Herstellers beruhte. Bereits um 1900 hatte sich das QWERTZ-Format der Tastenbelegung durchgesetzt. Wie es zu gerade dieser Anordnung der Buchstaben kam, erfahrt ihr hier:
QWERTZ – Woher kommt unsere Tastaturbelegung?
von CONSTANTIN GOLDANN / SWR
Wenn auch die Arbeit mit der Schreibmaschine einiges erleichterte, so blieb die Benutzung doch umständlich. Zum Prüfen des geschriebenen Textes musste im Falle der Germania der sogenannte Wagen (fehlt bei unserem Modell) hochgeklappt werden. Auch Tippfehler verziehen die Geräte nicht. Da hieß es bei wichtigen Dokumenten wohl oder übel, nochmal neu anzufangen.
Der Osborne Executive-Rechner für mobiles Arbeiten von zu Hause
Da war es schon eine große Erleichterung, wenn man die Eingabe noch einmal am Bildschirm überprüfen konnte – auch wenn dieser, wie im Falle des Osborne Executive, nicht viel größer war als ein heutiges Smartphone-Display. Zur Markteinführung im Jahr 1983 war dies jedoch eine deutliche Verbesserung. Mit handlichen 13kg und ausgestattet mit moderner Software zur Text- und Datenverarbeitung war der Executive die ideale Wahl für ein bequemes mobiles Arbeiten von zu Hause.
Der Osborne Executive in Aktion
Spielerisches Lernen mit dem MagiPen-Laptop
Für anspruchsvollere HomeOffice-Expert*innen ist das freilich nur die absolut nötigste Grundausstattung. Sie greifen auf entsprechende High-End-Geräte, wie den MagiPen-Laptop von VTech zurück und erfreuen sich an der einfachen Bedienbarkeit über die Tastatur oder den Bildschirmstift. Schreibfehler werden hier direkt erkannt und korrigiert. Design und Software sind optimal auf die Nutzer*innen zugeschnitten und ermöglichen ein lebenslanges spielerisches Lernen beim mobilen Arbeiten von zu Hause.
Wofür steht GLAM?
GLAM ist ein englisches Akronym, das für Galleries, Libraries, Archives und Museums steht und als Sammelbegriff Institutionen umfasst, die sich mit dem Sammeln, Bewahren und Erschließen von Kulturgütern beschäftigen. Bei der HomeOffice-Challenge sollen Objekte und Bilder gezeigt werden, die einen (humorvollen) Bezug zum Phänomen des Zu-Hause-Arbeitens herstellen.
Besucht auch unsere Sammlungsdatenbank! Hier findet Ihr noch viele weitere spannende Objekte, die von zu Hause aus erforscht werden können.
Ein bisschen klingt es wie aus dem Universum der unbeugsamen Gallier, der Band könnte heißen „Asterix bei den Medien“, und der kleine Textophon wäre so ein pfiffiges kleines Kerlchen wie Pepe aus dem Band „Asterix bei den Spaniern“. Plappernd ohne Punkt und Komma, seine Eltern Drahtton und Telegraphon mit permanenten Fragen fordernd: „Wann reisen wir nach Paris zur Weltausstellung?“, „Wie lange dauert es noch, bis mit Drahttongeräten Aufzeichnungen von einer halben Stunde gemacht werden können“ oder auch „Werde ich mal berühmt, weil ich der Urahne des ersten iPods bin?“
Die Online-Ausstellung „Von Drahtton über das Textaphon zum Tonband“ zeichnet eine Entwicklungslinie von 1898 bis 2001 nach. Das erste Gerät, das zur elektromagnetischen Aufzeichnung von Schall diente, besaß noch die Ausmaße eines modernen Standkühlschranks. Später wurden die Aufnahmedauer länger, die Tonqualität besser und die Geräte immer kleiner, bis zu den Mitnahmegeräten Ghettoblaster und schließlich dem iPod.
Aufzeichnung von Schall auf Draht
In Zeiten von Corona bilden die Online-Ausstellungen im virtuellen Museum eine Alternative zum analogen Museumsbesuch. Ich habe den Leiter der Sammlung und Kurator der Ausstellung Frank Gnegel gefragt, was die Präsentation auszeichnet und wie sie kuratiert wurde. Den Impuls setzte unser Kooperationspartner Google Arts & Culture, der alle teilnehmenden Museen einlud, Ausstellungen zum Thema „Inventions and Discoveries/Erfindungen und Entdeckungen“ zu entwickeln.
Die Aufzeichnung von Schall auf Draht mit Hilfe des Elektromagnetismus ist solch eine bahnbrechende Erfindung gewesen. Sie geht auf den Ingenieur Valdemar Poulsen zurück, der 1898 das Telegraphon für die Kopenhagener Telefongesellschaft erfand. Es wurde 1900 auf der Weltausstellung in Paris vorgeführt und wurde zur Sensation. Sogar der österreichische Kaiser Franz Joseph I. sprach in ein Telegraphon. Das Tondokument ist von großer Seltenheit und in der Online-Ausstellung zu hören.
Schritt für Schritt vom Drahtton über das Textophon zum Tonband
Die Google Arts & Culture-Ausstellung bietet eine gute Gelegenheit, die Entwicklung von Aufnahme- und Abspielgeräten mit magnetischen Speichermedien Schritt für Schritt zu zeigen. Insgesamt sind es 17 Geräte aus der Sammlung der Museumsstiftung Post und Telekommunikation in Heusenstamm, die dafür ausgewählt wurden. So viel physischen Raum hat das Museum in seiner Dauerausstellung „Mediengeschichte/n neu erzählt“ nicht zur Verfügung, um die Geschichte eines Mediums zu veranschaulichen. Und es wäre schade, wenn diese besonders wertvollen Objekte aus der Sammlung gar nicht oder nur sehr selten in Sonderausstellungen gezeigt werden könnten. Als Online-Präsentation sind sie digital immer präsent.
Boom der Aufnahmegeräte
Speichermedien mit Magnetaufnahmeverfahren gibt es noch heute. So sind die Streifen auf Kreditkarten und Festplatten in großen Servern Poulsens Erfindung zu verdanken. Ab 1927 ersetzte das „Tonband“ – ein Papierstreifen, auf dem gehärteter Stahlstaub mit Lack fixiert wird – den Drahtton. Dies ebnete den Weg zur Massenproduktion. 1935 wurde das Ton-Band von der BASF aus Kunststoff hergestellt, Aufnahmen in Studioqualität waren damit möglich. Wie so häufig wurden die Geräte im Krieg eingesetzt, um daraus strategische Vorteile zu erzielen. Die Wehrmacht nutzte Tonschreiber zur Aufzeichnung von Telefongesprächen und des feindlichen Funkverkehrs.
Nachdem Tonbandgeräte in den Nachkriegsjahren zunächst sehr teuer waren, boomten erschwingliche Aufnahmegeräte wie die der Firma Grundig in 1960er Jahren. Ich erinnere mich noch, wie ich als Kinder vor laufendem Tonbandgerät von meinem Vater interviewt wurde und Alltagsgeschehen für Oma und Opa erzählen sollte: „Was gab es denn heute zum Mittagessen?“, „Wer hat denn alles mitgegessen?“ „Hat das geschmeckt?“ Erzählt von ihrer dreijährigen Mutter, könnten meine Kinder solche Aufzeichnungen heute vielleicht wegen der Sprachqualität und der Wortwahl unterhaltsam finden.
Wie die Geräte in die Sammlung kamen?
Die ersten Apparate haben Entwicklerfirmen wie Mix & Genest, Telephon- und Telegraphenwerke Aktiengesellschaft noch selbst an das 1872 von Heinrich von Stephan gegründete Reichspostmuseum gesandt. Im 20. Jahrhundert erwarben die Museumsmitarbeiter regelmäßig Objekte, die neu auf den Markt kamen für die Sammlung. Und nach der Gründung der Museumsstiftung 1995 wurde nach Sammlungskonzepten gearbeitet und es wurde gezielt nach Objekten gesucht um die Entwicklung lückenlos dokumentieren zu können.
Online Präsentation von fragilem Sammlungsgut
Aktuell kann die Ausstellung „Germania. Mythos und Marke“ wegen der Corona-Schließung nicht im Museum besucht werden. Wir planen eine Verlängerung über den letzten Zeigetag, den 31. Mai, hinaus, weil sich sehr viele Interessierte an uns gewandt und gefragt haben, ob sie die originalen Entwurfszeichnungen für die berühmte Germania-Marke noch sehen können. Da die Marken aktuell nur spärlichem Licht ausgesetzt sind, ist dies aus konservatorischer Sicht vertretbar. Ebenfalls in Arbeit ist aber auch die Online-Präsentation bei Google Arts & Culture. Denn mit der Gestaltung der Marke als Propagandainstrument zur Kommunikation eines geeinten Deutschland im Zeichen der Germania, stellt auch sie eine bemerkenswerte Erfindung dar. Zuvor war auf Briefmarken bis auf wenige Ausnahmen der Geldwert für den Versand des Briefs abgedruckt. Mit der Gestaltung der Germania gerät eine durchdachte künstlerische Komposition en miniature auf dem kleinen Papier in den Blick von Millionen Empfängern. Wir informieren darüber, wenn die Ausstellung online ist. Bis dahin heißt es zuversichtlich und gesund bleiben!
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