Konservierung und Restaurierung im Depot – Erfahrungen aus drei Monaten Praktikum

Konservierung und Restaurierung im Depot – Erfahrungen aus drei Monaten Praktikum

In dieser Woche nutzen wir den #DepotDienstag, um uns von unserer Kollegin Jihye Kim zu verabschieden. Sie war in den vergangenen drei Monaten als Praktikantin in der Restaurierungswerkstatt Teil unseres Teams. Sie hat zum Abschluss einen kleinen Bericht über ihre Zeit beim Museum für Kommunikation Frankfurt und dem Sammlungsdepot in Heusenstamm verfasst.

 

Wissenschaftliche Praxis im Depot

Das Studium der Konservierung und Restaurierung umfasst in den zehn Semestern, die bis zum Master-Abschluss vorgesehen sind, nicht nur zahlreiche Theoriemodule wie etwa Materialkunde oder Chemie, sondern auch einen hohen Praxisanteil. Die meisten Fakultäten verlangen vor einer Bewerbung einen Nachweis über ein Vorpraktikum, das zwischen einem und zwei Jahre dauert. Während des Studiums absolvieren die Studierenden zudem noch Fachpraktika in Museen und Ateliers. Denn die Möglichkeit, das erlernte Wissen praktisch umzusetzen, ist für dieses Studium essenziell.

Auch beim Museum für Kommunikation können Studierende ihr Vor- oder Fachpraktikum im Schwerpunkt ‚Technisches Kulturgut und moderne Materialien‘ ableisten. In den letzten drei Monaten hat Jihye Kim, eine Studentin an der französischen Ecole supérieure d’art d’Avignon, ein solches Praktikum im Sammlungsdepot Heusenstamm absolviert. Die gebürtige Südkoreanerin spricht fließend Französisch und Englisch und hat zum Abschluss einen persönlichen Text verfasst, in dem sie Einblicke in ihre Tätigkeiten und Erfahrungen gewährt. Ihre Betreuerin, Julia Hammerschmied, hat den Text für uns aus dem Englischen übersetzt:

Mein dreimonatiges Praktikum im Sammlungsdepot in Heusenstamm brachte mir eine Fülle von Eindrücken. Ich bewegte mich nicht nur im großen Feld der Konservierung, sondern auch in den Bereichen der Technik und der Geschichte der technischen und industriellen Objekte.

Kommunikation bedeutet für mich, etwas von einer Person zu einer anderen weiterzugeben. Das Museum für Kommunikation in Frankfurt ist für mich ein Ort, der konstant mittels der Sammlungsobjekte mit seinen Besucher*innen kommuniziert. Dafür werden die Objekte in unterschiedlichen Zusammenhängen gezeigt, um einen vielfältigen Zugang zu ermöglichen. Dies erzeugt eine Interaktion zwischen Besucher*innen und Objekten, die nur gemeinsam funktioniert und die eine einzigartige Erfahrung ist.
Daher war es für mich eine Bereicherung, diese Objekte konservatorisch und restauratorisch zu bearbeiten. Vor allem die unterschiedlichsten Spuren des Gebrauchs und die physikalische Entwicklung der Materialien waren beeindruckend.

 

Restaurierung & Corona

Die meiste Zeit während meines Praktikums arbeitete ich eng (aber mit räumlichem Abstand) mit der Restauratorin des Museums, Julia Hammerschmied, zusammen. Sie und die anderen Kolleg*innen der Sammlungsabteilung unterstützten mich in meiner Arbeit und gaben mir Einblick in die verschiedenen Museumsabläufe. Die Corona-Pandemie machte auch vor dem Sammlungsdepot keinen Halt. Dies hatte natürlich auch Folgen für den Arbeitsalltag von meinen Kolleg*innen und mir. Während viele ins Home-Office wechselten, war es für mich und meine Betreuerin schwer möglich, von zu Hause zu restaurieren. Glücklicherweise verfügt das Depot über mehrere Werkstätten und separate Magazine, sodass wir unsere Arbeit fortsetzen konnten.

 

Ausstellungen

Während des Praktikums war ich unter anderem am Aufbau der Wechselausstellungen „Germania“ und „#neuland“ beteiligt. Neben einigen Objekten aus der Abteilung Kunstgewerbe arbeitete ich zuletzt vor allem an einer Auswahl von Radiogeräten, die für die große Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum des Rundfunks (geplante Eröffnung im September 2020 in Berlin) vorgesehen sind.

Maßnahmen der Restaurierung

Die ergriffenen Maßnahmen der Restaurierung dienten vor allem dazu, den originalen Zustand des Objekts aus der Zeit der Entstehung bzw. der Benutzung zu zeigen. Verschmutzungen der Oberfläche sowie Risse und Brüche stören die Originalität, die Historizität und die Ästhetik des Objekts. Meine restauratorisch-konservatorischen Arbeiten konzentrierten sich daher auf das Reinigen, Kleben, Ergänzen und Retuschieren. Für mich war es eine einzigartige Erfahrung in diesem Museum. Ich lernte verschiedene Techniken im Umgang mit Objekten kennen und konnte neue Impulse für meine kommende Master-Abschlussarbeit aufnehmen. (Jihye Kim)

 

Wir bedanken uns bei Jihye Kim für die Unterstützung im Depot und die gemeinsame Zeit und wünschen Ihr alles Gute für ihr weiteres Studium!

 

Text: Jihye Kim/Julia Hammerschmied, 28. April 2020

Ein unschlagbares Trio: Literatur, Schule und Museum

Ein unschlagbares Trio: Literatur, Schule und Museum

Drei Autoren, drei Schulklassen, drei Orte: das ist das Konzept hinter dem Projekt „Junges Literaturland“ von hr2-Kultur und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Schüler*innen der Jahrgangsstufe 5 bis 10 treffen auf Autor*innen, Lyriker*innen und Slamer*innen und erschließen sich auf besondere Weise Museen, Archive oder Bibliotheken.

Die Schüler*innen recherchieren, schreiben und gestalten. Die Texte werden danach zum Klingen gebracht: In Workshops mit Radiojournalistinnen lernen die Projektteilnehmer, Audioaufnahmen selbst zu machen und zu bearbeiten. Eigentlich wären wir diese Woche hier im Haus mit der Schriftstellerin Saskia Henning von Lange und einer 10. Klasse aus Weiterstadt im Auftrag genau dieses Projektes unterwegs in der Sonderausstellung „Geheimnis-ein gesellschaftliches Phänomen“. Aber auch diese Kooperation macht gerade eine kleine Corona Pause und wir können nur in unser museumspädagogisches Archiv schauen und euch zeigen wie spannend es letztes Mal war.

Wortakrobaten

Mit Sprache spielerisch umgehen und sie nutzen, um für sich selbst neue kreative Ausdrucksformen zu finden-geht das auch dann, wenn man selbst die Sprache gerade erst erlernt? Diese Herausforderung meisterten in Staffel 8 des Projektes „Junges Literaturland“ die 16 Schüler*innen einer Intensivklasse der Eichendorffschule Kelkheim sehr gut. Gemeinsam mit einem echten Profi in Sachen Wortakrobatik, dem Frankfurter Poetry Slammer Dalibor Markovic und uns ging es auf Erkundungsreise in der Dauerausstellung. Mehr dazu auch der Seite de hr.

Vom Spiel mit Sprache und Kommunikation

Sprach und Kommunikationsspiele, sowie Stimmübungen standen am ersten Workshop Tag im Mittelpunkt. Schön, endlich konnten wir mal im Museum unter der Glaskuppel stehen und laut singen… Und dabei waren wir begeistert von den insgesamt 12 Muttersprachen, die da zusammen kamen. Beim zweiten Besuch folgte dann die Textarbeit: vom Elfchen (dem Kurzgedicht aus elf Wörtern) bis hin zum Exponat Steckbrief.

 

 

alte
schöne Dinge
aufgehoben im Museum
erzählen Geschichten von damals
heute

 

Audio-Experimente

Am Ende brachten die Teilnehmenden einige Exponate zum Sprechen. Hört selbst:

Lesen im Lockdown

Wir hoffen sehr, dass es vielleicht im Herbst/Winter 2020 weitergehen kann. Bis dahin verweisen wir gerne auf das wunderbare Projekt der Kolleg*innen vom hr.

Hier haben Saskia Henning von Lange und Dalibor Marković gemeinsam mit vielen anderen Autor*innen ihr Smartphone in die Hand genommen und auf dem Balkon, am Küchentisch oder im Garten ein Kapitel aus ihrem aktuellen Buch gelesen und sich dabei aufgenommen. Entstanden sind 15-minütige Lesungen, die Lust auf mehr Literatur machen.

 

Nina Voborsky, 24. April 2020

Mit Actionbound Geheimnisse erkunden

Mit Actionbound Geheimnisse erkunden

Beim Rundgang die Texte lesen, mit dem Audio-Guide am Ohr einer schönen Erzählstimme lauschen oder bei einer Führung auch mal fragen können – Möglichkeiten, eine Ausstellung zu erkunden gibt es viele. So macht jede Besucherin, jeder Besucher, gleich welchen Alters ganz persönliche Ausstellungserfahrungen. Das Museums-Team achtet auf ein ausgewogenes und abwechslungsreiches Angebot. Das beginnt beim Kuratieren mit der Präsentation der Objekte, über die Planung und Konzeption von interaktiven Angeboten und endet beim Vermittlungsprogramm, mit dem Ausstellungsinhalte vertieft werden. Wer gerne spielt, hat die Möglichkeit mit Actionbound durch die Ausstellung zu gehen. 

Was ist Actionbound? 

Museumsbesucher*innen mit Smartphone können die kostenlose App Actionbound auf ihrem Gerät installieren und los geht’s. Am Eingang zur Ausstellung „Das Geheimnis – Ein gesellschaftliches Phänomen“ wird der QR-Code eingelesen und sogleich öffnet sich die App. Nach dem „Herzlich Willkommen“ und der Einstimmung auf das Thema mit Bildern folgt ein Quiz: Will ich alle Geheimnisse kennen? Klar, ich bin neugierig und möchte alles wissen. Andererseits werden Geheimnisse am Geburtstag zur Überraschung, das ist schöner als das Geheimnis zu lüften. Ganz wie in der analogen Ausstellung werde ich zum Wohnzimmer geführt und darf mich setzen. Im nächsten Schritt muss ich mich entscheiden, ob ich Nachrichten auf einem fremden Smartphone lese, das vor mir liegt. Es ist wichtig die Geheimnisse anderer zu wahren.

Vom Wohnzimmer ins Kinderzimmer

Weiter geht es zu Alexa und ich muss entscheiden, was ich der smarten Home-Assistentin ihr alles mitteile und was besser verborgen bleibt und vor ihr geheim gehalten werden sollte. Mein Lieblingsessen kann ich ihr getrost mitteilen, in nicht allzu ferner Zukunft wird die Technik soweit sein, dass sie es mir telefonisch bestellen kann. Bankverbindungen und Passwörter sind nichts für Alexa, die mit dem Internet verbunden auch gehackt werden kann. So schlendere ich durch die Ausstellung und tippe in meinem Smartphone munter Antworten ein. Im Kinderzimmer, zu dem ich mich auch im Ausstellungsraum begebe, stimme ich ab und entschlüssele anschließend mit der Ceasar-Scheibe an der Wand einen Code. Nachdem ich ihn eingegeben habe, kann ich weiterspielen und noch mehr Codes knacken oder ich tippe weiter und nehme an einer Umfrage zur Datensicherheit in den Sozialen Medien teil.

So hüpfe ich von Aufgabe zu Aufgabe, von Angebot zu Angebot, hinterlasse eine Sprachnachricht, nehme ein kurzes Videostatement auf und merke gar nicht, wie die Zeit vergeht.

Corinna Engel

Mal bin ich in der Ausstellung aktiv und schreibe geheime Botschaften, die ich in das Ohr meines Bruders flüstern würde, mal teste ich mein Wissen im Smartphone und ordne die Buchstaben des Alphabets nach Häufigkeit.

Analog und digital

Am Ende war ich mehr als eine Stunde unterwegs und habe die Ausstellung von einer ganz neuen Seite kennengelernt. Dafür Danke ich Muna Mawassii. Sie hat im Team der Museumspädagogen das Konzept für das Serious Game entwickelt und mit dem Bound-Creator umgesetzt. Am schönsten ist der Rundgang mit Actionbound, wenn analog und digital sich ergänzen und im Ausstellungsraum gespielt wird. In Ausnahmezeiten wie diesen durch Corona, ist der Actionbound zur Geheimnis-Ausstellung auch zu Hause Spaß. Die Spiellevel sind mit Bildern aus der Ausstellung kombiniert. Wenn es, wie bei den Flüsterohren nicht möglich ist, aktiv zu sein, machen sie Lust auf den analogen Besuch im Museum, der hoffentlich schon ab dem 4. Mai wieder möglich ist. Wir haben die Ausstellungsdauer verlängert bis zum 7. Juni, damit noch viele analoge Besuche stattfinden können.

Aktuelle Informationen zur Wiederöffnung, zu Einlassbeschränkungen und Hygienevorgaben veröffentlichen wir in unserem Newsletter und auf der Webseite.

Text: Corinna Engel, 22. April 2020

#DepotDienstag: Frühjahrsputz im Depot

#DepotDienstag: Frühjahrsputz im Depot

Auch wenn derzeit nicht absehbar ist, wann das Depot wieder für Besucher*innen geöffnet sein wird und wir wieder Führungen anbieten können, ist es diese Woche Zeit für einen kleinen Frühjahrsputz. Mit dem nötigen Abstand zwischen den Kolleg*innen widmen wir uns den Fahrzeugen und befreien diese vom leider immer fallenden Staub. Immerhin warten rund 175 Kutschen, Schlitten, Busse, Lastkraftwagen, Transporter, Personenwagen, Roller und Motorräder der Post, des Fernmeldedienstes oder der Rundfunk- und Fernsehübertragung darauf, aus dem Winterschlaf erweckt zu werden. Bei der Menge an Sammlungsstücken fällt es den Restauratorinnen und ihren Helfer*innenn nicht schwer, sich in der Halle zu verteilen.

Fahrzeugsammlung

Die Post ist seit jeher eng mit dem Verkehrs- und Transportwesen verknüpft, denn ohne Transportmittel keine Postbeförderung. Die Sammlung von Verkehrsmitteln ist daher auch eine der ältesten Teilsammlungen der Stiftung. Sie umfasst zahlreiche Originalfahrzeuge mit ihrem Zubehör, ergänzt durch extra gefertigte, detaillierte Modelle.

Gelbe Post

Zu den ältesten Fahrzeugen zählt ein so genannter Räderschlitten aus dem Jahre 1890. Hier konnten bei einsetzendem Schneefall die Räder abgenommen werden – die Postkutsche wurde in weniger als zehn Minuten zum Postschlitten. Die bis in das Jahr 1924 zurückreichende Sammlung an Elektrofahrzeugen der Post wird durch die neuesten Zugänge ergänzt: Zwei Streestscooter (Prototyp und Vorserienfahrzeug) wurden im Jahr 2018 für unsere Ausstellung zur Geschichte der Elektromobilität gestiftet. Natürlich sind auch die gelben Postbusse vertreten, einer sogar im regelmäßigen Einsatz. Denn neben der Beförderung von Brief-und Paketsendungen war die Personenbeförderung früher eine der wesentlichen Aufgaben der Post. Dies galt vor Erfindung der Eisenbahn für die Postkutschen wie auch später im Regionalverkehr für die Kraftpostbusse. Für den schnellen Transport von Sendungen und Telegrammen wurde auch gern auf zweirädrige Gefährte zurückgegriffen. Dazu zählen etwa Roller und Motorräder, aber auch Fahrräder in den verschiedensten Ausführungen.

Graue Post

Aber nicht nur bei der Brief- und Paketbeförderung musste die Post mobil sein: Rund 20 Fahrzeuge gehörten zur so genannten “Grauen Post”, dem Fernmeldedienst. Sie kamen bei Bau und Unterhalt der Leitungen und Fernmeldeanlagen zum Einsatz. Ein besonderes Kapitel ist der Fernmeldenotdient: Fahrbare Richtfunkmasten und Vermittlungsstellen sollten im Kriegs- und Katastrophenfall die Infrastruktur aufrechterhalten. Nach der Wiedervereinigung kamen die Fahrzeuge des Fernmeldenotdienstes auch zur Deckung des Kommunikationsbedarfs zwischen Ost und West, zum Einsatz und halfen, die Lücken im Kommunikationsnetz der ehemaligen DDR so lange provisorisch zu schließen, bis eine neue Infrastruktur aufgebaut war. Viele Fahrzeuge des Notdienstes in unserer Sammlung haben ganz niedrige Kilometerstände und legten innerhalb von Jahrzehnten nur wenige Tausend Kilometer zurück. Heute kommen die Fahrzeuge des Disaster Recovery Management der privatisierten Telekom neben Katastrophenfällen vor allem dann zum Einsatz, wenn im Rahmen von Großveranstaltungen ein erhöhter Bedarf an Kommunikationsverbindungen besteht.

Blaue Post

Rund zehn Übertragungs- und Reportagewagen für Rundfunk und Fernsehen runden die Sammlung ab. Die Mehrzahl von ihnen gehörte zur so genannten „Blauen Post“ der ehemaligen DDR, wo die Post anders als in Westdeutschland auch die Technik in den Rundfunk- und Fernsehstudios bereitstellte und betrieb. Das älteste Fahrzeug stammt aus dem Jahre 1954, der neuste von 1994. Hier ist auch das zweitschwerste Exponat der Sammlung zu finden, ein DDR-Fernsehübertragungswagen auf Basis eines Mercedes Typ 2224 mit knapp 10 Meter Länge und 9 Tonnen Gewicht, ausgestattet mit westdeutscher Fernsehtechnik von Bosch. Die rollenden Studios sorgten dafür, dass Außenaufnahmen von besonders spannenden Orten live ins Wohnzimmer übertragen werden konnten.

 

Im Sammlungsdepot

Unter guten Depotbedingungen befinden sich all diese Fahrzeuge in der Sammlung in Heusenstamm. Dort werden sie konservatorisch betreut, um sie auch für nachfolgende Generationen zu bewahren. Bevor die Fahrzeuge ins Depot wandern, werden sie überholt und für eine längere Lagerung vorbereitet: Dazu zählt unter anderem das Ablassen der Flüssigkeiten (Öl, Treibstoff, Kühlflüssigkeit, Waschwasser etc.) und der Ausbau der Batterien. Geschlossene Depoträume sorgen dann für ein konstantes und für die Fahrzeuge günstiges Raumlklima. So sind die Objekte vor Korrosion geschützt. Auch Luftschadstoffe, Schädlinge und Pollen können so weit wie möglich abgehalten werden. Der anfallende Staub ist entsprechend gering und eine Reinigung wie diese ist daher nur im Abstand von einigen Jahren nötig.

Sammlungsbesuch (online)

Schon wegen ihrer Größe kann nur ein kleiner Teil dieser Fahrzeuge in den Dauerausstellungen der Museen für Kommunikation gezeigt werden. Daher bieten wir regelmäßig (derzeit leider ausgesetzte) Führungen an, bei denen fachkundige Kolleg*innen auch diesen Teil der Sammlung zugänglich machen. Unabhängig von der derzeitigen Schließung der Museen und Depots können viele der Fahrzeuge in unserer digitalen Datenbank angesehen und bewundert werden.

 

Tina Kubot/ Matthias Lieb, 21. April 2020

#DepotDienstag: wirbleibenzuhause

#DepotDienstag: wirbleibenzuhause

Mehr Inhalte für mehr Geld: Die Idee des Bezahlfernsehens kam in den USA schon in den 1950er-Jahren auf. Nach Deutschland kam es mit dem Teleclub 1986, der ab 1991 premiere und heute Sky heißt. Waren es am Anfang vor allem Sportereignisse, wie Boxen in den USA und Fußball hierzulande, kann man heute fast alles dazukaufen.

Mit dem Fernsehen kommt die Fernsehkritik

Wir müssen im Moment zu Hause bleiben. Viele von uns greifen da gerne auch zur Fernbedieung und sorgen damit für etwas Abwechslung. Doch längst nicht alles, was da über die Kanäle läuft, findet unseren Zuspruch. Das war auch früher nicht anders. Mit dem Fernsehen kam auch die Fernsehkritik. So ließ der damalige Bundestagspräsident Hermann Ehlers 1953 den Intendaten des NWDR Adolf Grimme in einem Telegramm wissen:

“Sah eben Fernsehprogramm. Bedauere, dass Technik uns kein Mittel gibt, darauf zu schießen”.

Wo sonst als im Mutterland des Fernsehens, den USA, kam entsprechend schon in den 1950er-Jahren die Idee auf, ‘bessere’ Inhalte gegen eine Gebühr anzubieten. Das Zenith Phonevision-System war einer der ersten Pay-TV-Testläufe und begann 1951 in den Vereinigten Staaten. Das verschlüsselt gesendete Signal wurde mit einem über die Telefonleitung übertragenen Signal decodiert. Eine allgemeine Betriebserlaubnis wurde allerdings nicht erteilt. Nachfolgende Projekte konnten sich aber durchaus am Markt etablieren.

Vom Schweizer Teleclub zu premiere und Sky

In Deutschland kam als erstes Angebot 1986 der Schweizer Teleclub auf den Markt, allerdings nur lokal in Hannover. Aus diesem Angebot entwickelte sich premiere, das 1991 den Betrieb aufnahm und heute Sky heißt.

Mit der Einführung des digitalen Fernsehens DVB wurde die technische Umsetzung einfacher und das Angebot reichhaltiger. 1996 kam das von der Kirch-Gruppe gegründete und auf Spartenprogramm spezialisierte DF1 dazu, das über die so genannte d-box empfangen wurde. Eine Smartcard lieferte die Daten zur Entschlüsselung. Durch den zunehmenden Ausbau des Breitband-Internets war es den Kabelnetzbetreibern ab Mitte der 2000er Jahre möglich, Bezahlfernsehen im Rahmen ihrer Kabelanschluss-Pakete anzubieten. Ebenfalls zu dieser Zeit setzte ein Boom bei so genannten Video-on-demand oder Streamingdiensten wie netflix oder maxdome ein.

Waren zu Beginn des Bezahlfernsehens Sportübertragungen, in den USA besonders Boxkämpfe, hierzulande Fußball, sehr gefragt, kann man heute ein breites Angebot an Inhalten von Sport über eigens produzierte Serien bis hin zu Spartensendungen erwerben oder auch gegen eine Extragebühr die frei verfügbaren Inhalte des Privatfernsehen in HD-Qualität ansehen.

Autorin: Tina Kubot 
14. April 2020

“Frohe Ostern” und andere Grusskarten

“Frohe Ostern” und andere Grusskarten

Ostergrüße mit der Post zu verschicken dürfte in diesem Jahr eine gefragte Variante sein, lieben Freundinnen und der Familie ein paar nette Zeilen zukommen zu lassen. Wenn ein persönlicher Besuch schon nicht möglich ist, so sollen doch zumindest die passenden Motive zu den Feiertagen Freude bereiten. Trotz aller gestalterischer Unterschiede waren auch vor mehr als 100 Jahren bereits Ostereier, Osterhasen und Osterküken die erste Wahl, wie unsere kleine Auswahl an Postkarten aus den Jahren 1902 und 1908 zeigt. Unsere Kolleginnen vom Museum für Kommunikation Nürnberg haben für Euch die Hintergründe dieser Oster-Motive recherchiert.

Postkartengrüße

Offenbar sind einige Motive, besonders solche zu Feiertagen, zeitlos und kehren in abgewandelter Form wieder. Dies haben auch die Kuratoren der Ausstellung „Mehr als Worte – 150 Jahre Postkartengrüße“ festgestellt. Mehr dazu im Text “Kultur, Politik und Grüße aus der Fremde” (PDF) von Veit Didczuneit, Thomas Jabs, Dijon Menchén (DAS ARCHIV, 2/2019). Für die Ausstellung, die bis Anfang Februar im Museum für Kommunikation in Berlin zu sehen war, haben sie sich durch die reichhaltige Sammlung von rund 200.000 Exemplaren gearbeitet und die Geschichte der Postkarte recherchiert und aufbereitet. Der Expotizer zur Ausstellung zeigt die Wandlungen, die dieses Medium durchlaufen hat und wie vielfältig die Anlässe waren, zu denen in der Vergangenheit Postkarten versandt wurden.

 

 

Für Dijon Menchén, Wissenschaftlicher Volontär am Berliner Haus und einer der Kuratoren der Ausstellung, sind es gerade diese Wandlungen und damit auch Neuerfindungen des Mediums, die die Geschiche der Postkarte so faszinierend machen. Dabei betont er die besondere Perspektive, die mit Hilfe der Postkarten ermöglicht würde. Sie gebe den ‚einfachen‘ Menschen eine Stimme, mache Einzelschicksale erlebbar und verschaffe so ganz neue Blick auf große, historische Ereignisse, die man sonst nur aus den Geschichtsbüchern kenne.

Nachdem das Team gemeinsam die Themengebiete der Ausstellung erarbeitet hatte, wartete eine besonders große Herausforderung auf sie. So galt es, aus der umfangreichen Sammlung, die rund 200.000 Postkarten umfasst, eine Auswahl von 500 Exemplaren für die Ausstellung zu treffen. Dieser Prozess dauerte letztlich mehrere Monate und ähnelte im Ablauf den ‚Castings‘ und ‚Recalls‘ einer Fernsehshow, wie Menchen berichtet.

Die ausgewählten Exemplare eigneten sich aus Sicht des Kuratoren besonders gut, um die Geschichte eines Landes oder einer Region über einen bestimmten Zeitraum auf verschiedenen Ebenen nachzuerzählen. Etwa über die Darstellungen auf den Postkarten, die Einblicke in das damalige Leben, wichtige Ereignisse oder in die Gestaltung- und Technik der jeweiligen Zeit geben würden.

Die geschriebenen Nachrichten erzählten zusätzlich von persönlichen Schicksalen und Geschichten, ob glücklich oder traurig, so Dijon Menchén. Wie der Kurator betont, liege im Expotizer wie auch in der Ausstellung der Fokus auf den Darstellungen und Inhalten der Postkarten, wobei der zeithistorische Kontext dabei eine wichtige Rolle spiele. Das Angebot ermöglicht es nun, die Ausstellung, auch unabhängig von einem physischen Besuch, digital erlebbar zu machen. Wir wünschen Euch viel Spaß dabei!

Oster-Postkarten

Unsere drei Osterpostkarten und viele weitere Objekte unserer Sammlung findet Ihr auch in der Online-Datenbank, in der Ihr nach Lust und Laune stöbern könnt.

Tolle Vorlagen zum Ausmalen findet Ihr zudem hier: https://www.mfk-nuernberg.de/frohe-ostern/

 

Autor: Matthias Lieb
24. März 2020