Das Streben nach körperlicher Perfektion – Optimierung des Menschen

Das Streben nach körperlicher Perfektion – Optimierung des Menschen

© Sven Moschitz / MSPT

Kann man den Menschen verändern, anpassen oder gar neu erschaffen? Im ersten Raum der Ausstellung „Optimierung des Menschen“ gehen wir dieser Frage nach! Der Gedanke ist keineswegs einer diesen Jahrhunderts. Der Wunsch nach Verbesserung findet sich schon in alten Erzählungen der Menschheitsgeschichte. Ihren Ausgang nimmt diese Entwicklung in der Aufklärung: Der Mensch überlässt seine Entwicklung nicht länger einem möglichen Schöpfer, sondern nimmt sie in seine eigene Hand. Seinen Körper betrachtet er nun viel mehr als Maschine, die durch Eingriffe „repariert” werden kann.

In regelmäßigen Abständen stellen wir euch die Ausstellungsinhalte der Ausstellung „Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität“ vor. Einer von insgesamt vier Themenräumen heißt „Optimierung des Menschen“ und nimmt die technischen Visionen rund um das Thema Verbesserung von Körper und Geist unter die Lupe.

Halb Mensch, halb Maschine oder doch lieber Unsterblich sein

 

Cyborgs (Cybernetic Organism) – Mischwesen aus Mensch und Maschine – sind ein beliebter Gegenstand vieler Science-Fiction Filme und Bücher und heute teilweise Realität. Computergesteuerte Prothesen für fehlende Gliedmaßen und Organe geben vielen Menschen Lebensqualität zurück. Doch es gibt auch Stimmen aus der Cyborg-Szene, die die Auflösung der Grenzen zwischen Mensch, Tier und Maschine fordern. Wie weit wird die Optimierung des Körpers in Zukunft wohl gehen?

Wenn es nach Robert Ettinger ginge, könnte der menschliche Körper dem Zerfall komplett entgehen: 1976 behandelte er Patienten mit einem Verfahren zur Konservierung des Menschen nach deren Tod. Er tauscht Körperflüssigkeiten unmittelbar nach dem Tod durch ein Kühlmittel aus und kühlt den Körper in flüssigem Stickstoff. Der Körper des ersten Patienten sowie von Ettinger selbst befinden sich nach wie vor im Stickstoffbehälter mit insgesamt rund 170 anderen Hoffnungsträger*innen. Diese sogenannten Transhumanisten glaubten alle an eine Zukunft, in der sie mit Technologie wieder zum Leben erweckt werden können.

 

Künstliche Intelligenz oder künstlich intelligent?

Der Traum, Wissen und Fähigkeiten ohne Anstrengungen zu erlangen, ist so alt wie die Menschheit selbst. Dennoch ist er bis heute nahezu unerreicht.

Eine aktuell herausfordernde Vision besteht im Übertragen von Wissen direkt auf die „Festplatte“ Gehirn. Die Science-Fiction machte es vor: im beliebten Blockbuster „Matrix“ nutzt der Hauptdarsteller beim Erlernen einer Kampfsportart eine Maschine: angeschlossen an sein Gehirn überträgt diese Disketteninhalte und beschleunigt so den Lernprozess. Forscher der HRL Laboratories in Malibu, USA experimentieren seit 2016 mit der Übertragung von elektrischen Strömungen der Gehirne erfahrener Piloten auf die Gehirne von Flugschülern. Die gewünschte Verkürzung der Übungszeit ist allerdings noch nicht sehr bedeutend und das Lernen bleibt den Schülern trotzdem nicht erspart.

 

© Sven Moschitz / MSPT

Postkarte mit einem Schulmotiv von E. Nister um 1950, Nürnberg. Quelle: SaarländischesSchulmuseum Ottweiler.
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Andere wollen das Denken lieber gleich Maschinen überlassen. Erste Forschungsansätze in den 1950ern beschäftigten sich damit, menschliches Problemlöseverhalten maschinell zu imitieren. Auch wenn dies so schnell nicht wahr wurde, so ist doch das maschinelle Erlernen einer bestimmten Aufgabe heute schon möglich und zeichnet schwache Künstliche Intelligenzen aus. Die Realisierung einer starken KI, in der menschlichen Problemlösungskreativität und Selbstbewusstsein nachgebildet werden sollen, bleibt jedoch bis auf weiteres der Science-Fiction vorbehalten. Der 2014 erschienen Film „Ex Machina“ beispielsweise, erzählt von einem Angestellten einer Technologie-Firma, der sich in eine Androidin verliebt. Sie hinterfragt ihre Existenz und versteht nicht, wieso sie trotz Bewusstsein kein Recht auf ein freies Leben hat. Schließlich erkämpft sie sich ihre Freiheit, indem sie seine Liebe ausnutzt und flieht.

Auf unserem Expotizer erfahrt ihr mehr über die Inhalte der Ausstellung:

https://back-to-future.museumsstiftung.de/

Laufzeit der Ausstellung: 18.11.2020 bis zum 29.08.2021

Autorin: Christina-Aliki Komitakis

Schneller, höher weiter – Überwindung von Raum und Zeit

Schneller, höher weiter – Überwindung von Raum und Zeit

Back to Future_Autonomes Fahren_Futurama

Fotografie„Travelling sound chairs at Futurama exhibit” Design von Norman Bel Geddes, Weltausstellung 1939, New York City. © General Motors LLC

Private Luftttaxis, Zeitmaschinen, Personenrohrpost – es sind nur einige Mobilitätsvisionen, die aufzeigen, wie sich die Menschen in der Vergangenheit zukünftige Transportmittel imaginiert haben. Ein Ziel hatten alle Visionäre gemein, die Überwindung von Raum und Zeit. Einige dieser technischen Visionen sind heutzutage selbstverständlicher Alltag geworden, andere sind gänzlich unbekannt und wirken in der Retroperspektive gar amüsant.

 

In regelmäßigen Abständen stellen wir euch die Ausstellungsinhalte der Ausstellung „Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität“ vor. Einer von insgesamt vier Themenräumen heißt „Überwindung von Raum und Zeit“ und nimmt die technischen Visionen rund um das Thema Mobilität in den Fokus.

Crossover-Utopie

 

Vor allem am Ende des 19. Jahrhundert gehörten Geschwindigkeitsüberbietungen zu den am meisten verbreiteten Zukunftsvorstellungen, in der viele Transportmittel erfunden und perfektioniert wurden. Nicht selten wurden diese Transportmittel miteinander kombiniert. Dieses Phänomen wird „Crossover-Utopie“ genannt: Transportmittel für das Wasser, die Straße, die Gleise und die Luft wurden auf abenteuerliche Weise miteinander zu neuen Verkehrsmitteln kombiniert. Herauskamen spannende neue Verkehrsmittel wie das Flugfahrrad, rollende Meeresdampfer und fliegende Autos.

 

Flugfahrrad_Back to Future
Convair Car_Back to Future

Fotografie „Flying Bicycle“ um 1900 erbaut, USA. Quelle: Alamy FF816K FLYING BICYCLE, c1900. /nThe French ‘flying bicycle,’ Aviette. Photograph, c1900. © Granger Historical Picture Archive / Alamy Stock Photo

Fotografie „Convaircar“ aus dem Jahr 1948, USA.Quelle: Alamy HRPN97 1948 Convaircar. Image shot 1948. Exact date unknown. © Motoring Picture Library / Alamy Stock

 
 
Wissenschaft und Science-Fiction befruchten sich gegenseitig

Doch sind es nicht nur die kreativen Bastler, die an den Fahrgefährten der Zukunft herumbasteln, sondern auch Science-Fiction Autoren wie beispielsweise Kurd Laßwitz, H.G. Wells und Jules Verne die in ihren Romanen Verkehrszukünfte beschreiben und skizzieren.

 

Sie verfolgten Technik-Diskurse und rezipierten diese in Ihren Werken. Texte, Zeichnungen und Technik befruchteten sich im unterschiedlichen Maße Gegenseitig. Technische Entwicklungsstufen sagen auch immer etwas über den Zeitgeist aus, denn Technik wird vom Menschen gemacht – und nicht umgekehrt.

© Sven Moschitz / MSPT

Meisten Mobilitätsvisionen sind älter als man denkt

Der Themenraum im Museum für Kommunikation nimmt fünf Mobilitätsvisionen unter die Lupe: Von erfüllten Verkehrszukünften wie den Flugobjekten, dem autonomen Fahren und dem Hyperloop, bis hin zu unerfüllten Transportmittel wie dem Beamen und der Zeitreise.

Beim Konzipieren der Ausstellung sind wir immer der Frage nachgegangen: Wie kommt das Neue in die Welt? Wann wurde zum allerersten Mal etwas in diese Richtung visioniert?

Erstaunlich ist, wie alt manche Visionen sind, obwohl man sie eher neueren und moderneren technischen Entwicklungen zuschreiben würde. Das autonome Fahren ist eine solche Entwicklung, welche medial seit den 2010er Jahren rezipiert wird. Die erste Vision stammt jedoch bereits aus dem 15. Jahrhundert.

 

© Sven Moschitz / MSPT

© Sven Moschitz / MSPT

Leonardo Da Vinci skizzierte bereits 1478 das sogenannte erste „Roboterauto“ der Welt. Es ist heute umstritten, ob dieses Fahrgefährt tatsächlich ein Selbstfahrendes ist, jedoch geht es nicht nur um die Funktionalität, sondern auch um die Idee, die Vision die dahinter steckt. Bis es zum ersten selbstfahrenden Auto kommen sollte, sollte es noch einige Jahrhunderte dauern.

Auf unserem Expotizer erfahrt ihr mehr über die Inhalte der Ausstellung:

https://back-to-future.museumsstiftung.de/

Laufzeit der Ausstellung: 18.11.2020 bis zum 29.08.2021

Autorin: Caroline Dörr, 17.12.2020

Vom „Buch der Narren“ zum Volltext – Die Digitalisierung historischer Berliner Telefonbücher

Vom „Buch der Narren“ zum Volltext – Die Digitalisierung historischer Berliner Telefonbücher

Am 14. Juli 1881 erschien mit dem „Verzeichniss der bei der Fernsprecheinrichtung Betheiligten“ der „Fernsprech-Vermittelungs-Anlage“ in Berlin das erste Berliner Telefonbuch. Dass es zunächst nur 185 Teilnehmer enthielt und umgangssprachlich „Buch der Narren“ genannt wurde, zeigt die anfängliche Skepsis, die der Kommunikationsinnovation „Fernsprecher“ entgegen gebracht wurde. Das sollte sich jedoch schnell ändern, denn nach vier Jahren  verzeichnete das Berliner Telefonbuch  bereits 4000 Anschlüsse.

Als Nachfolgeinstitution des Reichspostmuseums verfügt das Museum für Kommunikation Berlin über einen Bestand historischer Berliner Telefonbücher, die nun in digitalisierter Form für die Jahre 1881 bis 1902 online recherchierbar sind. Über das Digitalisierungsprojekt sprachen wir mit der verantwortlichen Bibliothekarin Claudia Loest.

 

Digitalisierung als Bestandsschutz

 

Die Idee zur Digitalisierung der Berliner Telefonbücher gab es bereits seit über zehn Jahren. Aus der Einsicht, dass die Museumsstiftung für Post und Telekommunikation mit den historischen Telefonbüchern über ein Konvolut verfügt, das in dieser Form selten und für die Stadt Berlin wichtig ist, entstand der Wunsch, diesen Bestand stärker zu schützen. Das bedeutete zunächst, Zugang und Nutzung stark zu reglementieren, denn hergestellt als Massenware in hoher Auflage, handelt es sich bei den historischen Telefonbüchern um ein fragiles Material von schlechter Qualität.

Aus dem Anliegen, sowohl dem Bestandsschutz, als auch der Zugänglichkeit Rechnung zu tragen, speiste sich die Hoffnung auf einen Zeitpunkt, wo technische Möglichkeiten und entsprechende Fördermittel zur Verfügung stehen würden, um die Idee der digitalisierten Telefonbücher zu verwirklichen.

Gemeinsam stark in Kooperation

 

Essentiell für Projekte dieser Art sind Kooperationspartner. Die Umsetzung der Idee rückte näher, als man bei einem Treffen beim Forschungs- und Kompetenzzentrum für Digitalisierung Berlin (digiS) von einem Digitalisierungsprojekt der Zentralen Landesbibliothek Berlin (ZLB) erfuhr, und schon mal vorfühlen konnte, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte. Mit digiS und ZLB standen der Stiftung nun Kooperationspartner zur Seite, die auf Digitalisierungsprojekte spezialisiert sind, und den Prozess von der Ausschreibung bis zum Launch der Datenbank begleiten konnten.

Von dieser Expertise profitieren insbesondere kleinere Institutionen, die noch keinen Workflow dieser Art entwickeln konnten, sagt Claudia Loest. Ein wichtiger Aspekt für die Umsetzung lag auch in der Unterstützung durch das bibliothekarische Fachpublikum und deren Begeisterung für die Idee.

Die traditionell enge Kooperation von bibliothekarischen Einrichtungen, verband sich hier mit dem Wunsch, gemeinsam ein Stück des Berliner Kulturerbes zu erhalten.

 

 
Antiqua und Digits

Zu Beginn des Prozesses mussten zunächst hochwertige Scans der Telefonbücher angefertigt werden. Zu den wichtigsten Schritten im Digitalisierungsprozess gehört,  Dokumente mit Hilfe von Texterkennungssoftware durchsuchbar zu machen. Dem Prozess  kam hier zugute, dass die Telefonbücher ausschließlich in Antiqua gedruckt sind, sowie das Know-How über DFG-Richtlinien für den Umgang mit Digitalisaten, das vor allem die Kooperationspartner beisteuern konnten

 

Entstanden sind ca. 17.000 Seiten, die im Volltext durchsucht und, wie Claudia Loest besonders hervorhebt, in verschiedenen Bild-Formaten ausgegeben werden können. Hinsichtlich der Durchsuchbarkeit, war in der Erstellung passender Metadaten das Kollegium der Bibliothek gefragt. Routiniert in deren Erstellung durch die tägliche Arbeit mit Online-Katalogen, brachte die Arbeit an den Digitalisaten aber auch für die Bibliothekskolleg*innen einen Lernprozess mit sich, erfordert doch, so Claudia Loest, ein Digitalisierungsprojekt weitergehende Überlegungen zur Schaffung nützlicher Sucheinstiege. Besonders wichtig war ihr in diesem Zusammenhang, dass auch Nachträge in den Telefonbüchern abgebildet werden können, sowie die Möglichkeit zur alphabetischen Suche in einem Register unter Berücksichtigung historischer Schreibweisen.

Die entstandene Telefonbuch-Datenbank ermöglicht nun neben einem kurzen Einblick in die Geschichte der Telefonbücher, eine alphabetische und nummerische Übersicht, die in die Volltexte der einzelnen Telefonbuchseiten führt.

Stärkere Nutzung einer historischen Quelle

 

Die Frage, ob sich der Nutzerkreis durch Digitalisierungsprojekte in Bibliotheken erweiterte, kann Claudia Loest eindeutig mit Ja beantworten. Bereits mit der Sichtbarmachung von Bibliotheksbeständen der Museen im Onlinekatalog und überregionalen Verbundkatalogen, erhöhen sich die Anfragen kontinuierlich. Die Nachfrage nach historischen Telefonbüchern kommt dabei aus einem breiten Nutzerkreis von Privatpersonen, Forschenden sowie Filmproduktionen. Als historische Quelle geben die Telefonbücher Antworten auf vielfältige Fragen. Etwa zur Stadtentwicklung Berlins, zu verschwundenen Standorten und Einrichtungen und zur Recherche unter verschiedenen sozialhistorischen Aspekten. Technikhistorisch lässt sich an der Anzahl der Einträge und Auflagen der Telefonbücher ablesen, wie rasant sich der Fernsprecher von einer neuen Technologie zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand entwickelte. Hier sieht Claudia Loest eine Analogie zur heutigen Zeit der Digitalisierung.

Die Digitalisierten Telefonbücher ergänzen das Angebot  unserer Online-Sammlungen und sind zu durchsuchen auf den Seiten der  Museumsstiftung Post und Telekommunikation. Mehr Infos zum Projekt findet Ihr in der Pressemitteilung des Museums für Kommunikation Berlin und in der neuen Ausgabe von „Das Archiv“ der DGPT.

 

Autorin: Sandy Lang, 10.12.2020

 

Ausstellungsaufbau ist wie Puzzeln – Ein Blick hinter die Museums-Kulisse

Ausstellungsaufbau ist wie Puzzeln – Ein Blick hinter die Museums-Kulisse

Freitag, 23. November 2020 ein 20-Tonnen LKW kommt auf der extra abgesperrten Parkfläche vor dem Museum für Kommunikation in Frankfurt zum Stehen. Was sich darin befindet? Eine ganze Ausstellung. Nun, zumindest die Ausstellungsarchitektur der neuen großen Wechselausstellung „Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität“ welche von hier an in dreieinhalb Wochen eröffnen wird. 

Dreieinhalb Wochen?

 

Doch was passiert in dieser Zeit bis zur Eröffnung der Ausstellung? Als Museumsbesucher*in sieht man in der Regel immer erst das fertige Endergebnis. Wir möchten das Ändern und nehmen euch mit auf eine kleine Ausstellungs-Aufbau Reise.

Doch einmal alles von Anfang an: Über anderthalb Jahre wurde an der neuen Wechselausstellung gearbeitet. Kuratorin und Ideengeberin ist Katja Weber, die zusammen mit ihrem in Deutschland verstreuten Kurator*innenteam die Ausstellungsinhalte erarbeitet hat. Um die Gestaltung und die Szenographie hat sich das Berliner Gestaltungsbüro Tecton federführend gekümmert. Inhalte und Szenographie müssen hier Hand in Hand gehen. Das Ergebnis dieser Arbeit sind die fertigen Puzzlestücke, die an das Museum geliefert werden und hier Stück für Stück von mehreren spezialisierten Baufirmen zusammengebaut werden und am Ende die fertige Ausstellung bilden.

Erste Aufbauwoche

 

In der ersten Aufbauwoche lag der Schwerpunkt darauf, die Ausstellungsarchitektur aufzubauen. Da die Ausstellung aus vier Themenräumen besteht wurden tatsächlich vier ganz individuelle große Räume in unserem knapp 600qm Ausstellungsraum gebaut. Die bereits vorproduzierten Wände wurden zusammengefügt und binnen drei Tagen stand die gesamte Ausstellungsarchitektur – und unser Wechselausstellungsraum erstrahlte in einem ganz neuen Glanz.

 

Zweite Aufbauwoche

Weiter ging es in Woche zwei mit der Grafik. Die am Computer vorgezeichneten Ausstellungswände, welche mit Texten und Bildern versehen sind werden auf Folien gedruckt und dann auf die Ausstellungswände geklebt. Neben der Grafik, wurde in der zweiten Woche begonnen die Ausstellungsmedien, also Bildschirme und Hörstationen zu programmieren und in die Architektur einzubauen. 

Zwischendrin werden nach und nach die Leihobjekte und Kunstwerke angeliefert. Leihobjekte sind Exponate, die wir von anderen Museen, Institutionen oder privaten Sammlern für die Dauer der Ausstellung „ausleihen“. Meist handelt es sich um Originale, ihr Wert ist unersetzbar. Aus diesem Grund ist beim Auspacken und bei der sogenannten Einbringung in die Vitrine große Vorsicht geboten. Federführend überwacht und begleitet wird dieser Prozess von unseren Restauratorinnen.

Verpackungsmüll? Vielleicht fragt ihr euch aber auch, was eigentlich mit den ganzen Verpackungsmaterialien, oder auch –müll geschieht, wenn die Sachen einmal ausgepackt sind? Diese werden nicht weggeschmissen, sondern fein säuberlich beschriftet und aufbewahrt, sodass die Exponate in einem Jahr sicher in der gleichen Verpackung zum zweiten Standort transportiert werden.

Dritte Aufbauwoche

In Woche drei werden die Wände weiter beklebt, Leihgaben kommen nach und nach bei uns an und auch Kunst. Diese Ausstellung hat die Besonderheit nicht nur technikhistorische Objekte zu präsentieren, sondern auch Kunst. Die sogenannte „poetischen Umwege“ wurden passend zu jedem Themenraum ausgewählt.

 

 

Ausstellungsaufbau heißt aber auch putzen! Alle Oberflächen und vor allem alle Vitrinen müssen von Innen, wie von Außen gereinigt werden, bevor die Vitrinen nach und nach fest verschlossen werden. Kurz vor Ausstellungseröffnung leuchtet unser Ausstellungstechniker noch die gesamte Ausstellung ein, damit der Spot auf die richtigen Objekte zeigt. Ein letztes Mal wird die gesamte Ausstellung gereinigt und dann geht’s los mit dem „Premierenfieber“.

 

RheinMain TV war bei uns während den Aufbauwochen zu Besuch. Wer noch weitere Impressionen vom Aufbau sehen möchte kann dies unter folgenden Link tun: zum Videobeitrag.

Einen ausführlicheren Post zum inhaltlichen Konzept der Ausstellung und was es mit den „poetischen Umwegen“ auf sich hat folgt in den kommenden Wochen hier auf dem Blog und auf unseren weiteren Social-Media Accounts (Twitter, Instagram, Facebook).

Auf unserem Expotizer erfahrt ihr mehr über die Inhalte der Ausstellung: https://back-to-future.museumsstiftung.de/. Die Ausstelung ist noch bis zum 29.8.2021 im Museum zu sehen.

 

Autorin: Caroline Dörr, 04.12.2020

Hinter den Kulissen: Sammlungsarbeit im Depot

Hinter den Kulissen: Sammlungsarbeit im Depot

Leere Regale sind in unseren Depots ein sehr seltener Anblick. Trotzdem sind zurzeit einige Regale vollkommen leer. Was auf den ersten Blick an die leergekauften Supermarktregale des Corona-Lockdowns denken lässt, ist tatsächlich eine Begleiterscheinung der systematischen Überarbeitung des Sammlungsbereichs „Computer und Internet“, mit der wir auf die rasante Entwicklung der digitalen Kommunikation reagieren.

Neue Kommunikationsformen

 

Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich der Computer von einer sperrigen Anlage zu einem kompakten Tischgerät entwickelt, das längst nicht mehr nur im Büro, sondern auch zu Hause vielfach genutzt wird. Während sich um das Jahr 2000 noch viele gefragt haben, was sie eigentlich mit einem Computer anfangen sollen, zählen Laptops und PCs heute zur Grundausstattung. Ebenso Smartphones und Tablets – und auch Smart Watches und andere Smart Objects werden immer beliebter. Das Internet hat diese Entwicklung maßgeblich beeinflusst, indem es neue Informations- und Kommunikationsangebote bietet.

Die Sammlung

 

Mit rund 1.300 Objekten dokumentiert das Museum für Kommunikation im Sammelgebiet „Computer und Internet“ die Entwicklung der Computertechnik und die damit verbundenen digitalen Kommunikationsformen. Großrechner, Bürocomputer, Arbeitsplatzrechner, Laptops, PCs und zahlreiche Peripheriegeräte (z.B. Drucker, Plotter, Scanner) sowie Smartphones, Smartphone-Zubehör und zahlreiche Smart Objects zeigen die technische Vielfalt und den funktionalen Facettenreichtum der digitalen Technologien auf. Hinzu kommen Objekte, mit denen die Nutzung und der Aufbau früher Datennetze (z.B. BTX), Internetverbindungen und Netzwerkarchitekturen nachvollziehbar sind.

 

 
Depotsituation

Die wachsende Bedeutung digitaler Technologien während der letzten Jahrzehnte hat auch zu einem deutlichen Anstieg der Objekte des Sammlungsgebietes geführt. Grundsätzlich ist das sehr gut, doch ergeben sich daraus auch Herausforderungen für die Sammlung.

 

Das betrifft zum einen den Platz in den Regalen der Depots, der immer knapper wird. Zum anderen wirkt sich dies auch auf die Inventarisierung der Neuzugänge aus, die bislang nur in kleinen Schritten vorankam. So reihten sich gut und weniger gut erschlossene Objekte neben noch gar nicht erschlossenen Objekten und es kam zunehmend zu unklaren Grenzen zwischen den einzelnen Objektgruppen. Auch die Datensätze in der Museums-Datenbank hatten keinen einheitlichen Aufbau.

Seit Juni 2019 wird der Sammlungsbereich deshalb neu geordnet und die vorhandenen Datensätze geprüft und überarbeitet. Objekte, die noch nicht in der Datenbank verzeichnet sind, werden dabei systematisch erfasst und ordnungsgemäß in die Sammlung aufgenommen.

Objekt-Wellness

 

Neben eingehenden Recherchen zur Objekt- und Nutzungsgeschichte der Exponate werden dabei sämtliche Objekte einem „Beauty-Programm“ unterzogen. Das Standardprogramm umfasst: wiegen, messen, fotografieren und etikettieren. Das Komfortprogramm beinhaltet außerdem eine Reinigung, die auf Nachfrage auch Sonderleistungen, wie beispielsweise die eine oder andere Restaurierungsmaßnahme enthalten kann. Im Anschluss werden die Objekte geordnet und an ihren neuen Standort gebracht. Stück für Stück füllen sich so die Regale wieder mit sauber aufgereihten und einheitlich erfassten Objekten. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Das Vorgehen ist sehr zeitintensiv und wird uns noch einige Monate lang beschäftigen.

 

Die vollständig inventarisierten und bearbeiteten Objekte sind in unserem Online-Katalog einsehbar. Besondere Objekte stellen wir zudem am #Depotdienstag vor. Außerdem wird es in der nächsten Zeit Blog-Beiträge geben, in denen wir einzelne Objekte oder Objektgruppen genauer vorstellen.

 

Text: Joel Fischer, 24.11.2020