Back to Future: Live dabei.

Ab jetzt zählen wir nur noch wenige Stunden: heute Abend werden wir unsere neue Ausstellung „Back to Future – Technikvisionen zwischen Realität und Fiktion eröffnen, natürlich virtuell und ihr könnt online live dabei sein. Mit unserer Blog-Reihe „Live dabei“ geben wir Euch dazu einen kleinen Blick hinter die Kulissen. Wir erzählen Euch davon, wer hier so alles mitwirkt, was die Lieblingsobjekte dieser Menschen sind und wie deren Zukunftsvisionen einmal aussahen. Nachdem ihr im ersten Beitrag nun schon zwei Kollegen kennengelernt habt, die einfach immer hier im Haus und für alle da sind, geht es heute um zwei weitere Kolleginnen. Seit ein paar Wochen sind sie ständig im Museum unterwegs und irgendwie an allen Orten gleichzeitig. Warum das so ist und warum sie unserer digitalen Ausstellungseröffnung auf ganz besondere Weise entgegenfiebern, davon berichte ich heute.

Back to Future: Live dabei.

Zwischendrin war es wieder ruhiger hier im Haus, aber das ist auch schon wieder Geschichte. Das Werkeln, Bohren, Schrauben und Rufen ist erstmal dem gewichen, was uns in den nächsten Monaten akustisch begleiten wird: den Geräuschen aus den verschiedenen Videoinstallationen und Medienstationen in der Ausstellung selbst und das klingt wirklich spannend. Aber diese Woche steht alles auf Premierenfieber und Presseterminen: „Kamera?“ „An.“ „Bild?“ „Läuft.“ „Ton?“ „Läuft auch.“ Nein, diese Woche hätte ich keine Chance gehabt, auch nur 5 Minuten mit einer der beiden Kuratorinnen zu sprechen. Letzte Woche ging das noch, also beamen wir uns jetzt mal zurück in die Zukunft und hören mal, was eigentlich hinter dieser Ausstellung steckt und wer natürlich.

Zukunft selbst gestalten

Erinnert ihr euch noch an die Zukunftsvisionen meiner zwei Kollegen aus dem ersten Blog-Beitrag, Raumschiffe, Planeten, Weltraumreisen usw.? Das hat bei mir größte Fragen aufgeworfen, denn mir wollten so gar keine eigenen technischen Visionen einfallen, die ich selbst jemals gehabt hätte. Genau so geht es meiner Kollegin Katja Weber mit dem großen Unterschied, dass sie sich die letzten Jahre intensivst mit dem Thema Technikvisionen beschäftigt hat. Sie ist nämlich die Ideengeberin und Hauptkuratorin von „Back to Future“. Wieso um Himmels Willen entscheidet sie sich dann für eine solch technik-lastige Ausstellung? Die Frage klären wir gleich, aber zunächst einmal klären wir eine andere: was genau macht eigentlich eine Kuratorin und was genau hat das mit ihrem Lieblingsobjekt zu tun, dem Zettelkasten vom Soziologen Niklas Luhmann?

Museum für Kommunikation Frankfurt: Postkutsche. Foto: Wietschorke/ MSPT

Katja Weber ist selbst Soziologin und freie Kuratorin in Berlin und man muss sich ihren Arbeitsplatz vorstellen irgendwo zwischen Büchern und Monitoren und in Gruppen diskutierend. Es geht darum, eine Idee in ein räumliches Konzept zu übersetzen, sagt sie mir, und natürlich relevante Themen rauszuarbeiten. Und so sind für die Technikvisionen die vier Themenräume „Optimierung des Menschen“, „Überwindung von Raum und Zeit“, „Suche nach einer anderen Welt“ und ihr „eigener“ Themenraum „Grenzenlose Kommunikation“ entstanden.

Das alles ist ihr wieder einmal ganz wunderbar gelungen, wie ich finde. Wieder einmal deshalb, weil sie für die Dauerausstellung im Untergeschoss des Museums schon an der Entwicklung der „21 Köpfe“ mitgewirkt hat. Dies ist eine Video-Installation, in der Expert*innen über die Kommunikation der Zukunft sprechen und war auch der Auftakt für das tolle Projekt Leben und Lernen X.0. Es geht um die Entwicklungen der Zukunft und gleichzeitig um die Frage, wie unser Museum zukunftsrelevant sein kann, wie es durch Bildung und Medienpädagogik entscheidende Impulse für die vielleicht wichtigsten Fragen überhaupt setzen kann: wie entsteht Zukunft und wie wollen wir in Zukunft leben? Anfangs machte ihr die Zukunft eher Angst. Aber dieses Ohnmachtsgefühl war unnötig, sagt sie mir. „Wir können unsere Zukunft selbst gestalten.“

Eine Menge Ideen braucht es da und jede Menge Informations- und Ideenmanagement. Ich kann sofort nachvollziehen, warum sie von diesem Zettelkasten so fasziniert ist. Es gibt aber noch einen weiteren Hintergrund dazu: Katja Weber ist dem Zettelkasten nebst Erfinder im Rahmen einer Weiterbildung schon begegnet – Thema: systemische Organisationsentwicklung. Jetzt ist alles klar. Anfangs war das gar nicht so, da machte ihr die Zukunft eher Angst. Aber dieses Ohnmachtsgefühl war so unnötig, sagt sie mir. „Wir können unsere Zukunft selbst gestalten.“

​Es geht um Menschen

Zettelkasten hin oder her, bei so vielen Fäden in der Hand und das Ganze von Berlin aus kann man jede Menge unterstützender Hände, Köpfe und Herzen gut gebrauchen. Und so hat Katja Weber eine weitere Kuratorin hier vor Ort zur Seite. Caroline Dörr heißt sie und auch uns beide verbindet die gleiche erstmal nicht vorhandene technische Zukunftsvision in der Kindheit.

Caroline Dörr ist als Wissenschaftliche Volontärin von Anfang mit in die Vorbereitung eingebunden und sieht sich zum einen als Ausstellungsassistentin an der Schnittstelle zwischen externen Kurator*innenteam und Museum mit vielen organisatorischen und vor allem kommunikativen Aufgaben. Außerdem hat sie aber auch einen der vier Themenräume mit kuratiert: die Überwindung von Raum und Zeit. Hierfür hat sie sich ein Konzept überlegt und eine Erzählform, in dem Fall eine chronologische mit Ausblick in die Zukunft und die passenden Stellvertreter-Objekte ausgesucht. Und genau hier finden wir auch ihr ganz persönliches Lieblingsobjekt und man staunt.

Museum für Kommunikation Frankfurt: Postkutsche

„Das sieht so unspektakulär aus“, sagt sie mir, „aber die Geschichte dahinter ist so schön.“ Und sie erzählt davon, dass man selbstfahrenden Autos quasi das Sehen beibringen wollte. Mir kommen die letzten aktuellen Debatten um Fahrsicherheit in den Sinn und jetzt bin ich doppelt erstaunt: das Fahrzeugauge ist von 1987. Wie sagte sie so schön? „Stellvertreter-Objekte“ sind das zu der Frage, die auch schon Katja Weber angesprochen hat: wie kommt das Neue in die Welt?

Back to Future: Zitat von Wilbur Wright.

Durch solche Grafiken zum Beispiel, die den gesellschaftlichen Nährboden dafür schaffen, dass etwas Neues in die Welt kommen sollte. Und so hat Caroline Dörr für sich eine sehr schöne Antwort gefunden und ich erinnere mich an einen meiner Schlüsselmomente mit Aha-Effekt in einer unserer letzten Ausstellungen. Technik wird entwickelt aufgrund eines Bedürfnisses. Die Grenzen zwischen Mensch und Technik sind fließend. Technik entsteht von Menschen, aber vor allem für Menschen. „In der Ausstellung geht es nicht einfach um Technik. Es geht um Menschen und wir wollen empowern“, sagt sie.

Die beiden Kuratorinnen sind sich offenbar sehr einig.

Carolin Dörr und ich sind uns auch einig, denn nach längerem Überlegen kommen wir ja doch noch auf unsere Technikvisionen von früher: Da gab es zwei Filme mit Innovationspotential für uns. Das eine war bei “Mein Onkel” das vollautomatische Haus von Jacques Tati, Staubsauer, die von alleine loslegen, wo sich Kühlschränke automatisch öffnen, Roboterhände alle Zutaten bereitstellen und den Rest machen Herd und Backofen natürlich auch von alleine. Und das Zweite war Dudu, der Käfer, der je nach Not- und Lebenslage wahlweise fahren, schwimmen oder fliegen konnte.

Und was kommt nach der Eröffnung?

Hier im Blog geht es auch bald weiter mit den nächsten Zukunftsvisionen, Kindheitsträumen und einem kleinen Blick hinter die Kulissen.

 

Anne Wietschorke, 18. November 2020