Vor vierzig Jahren – Einführung einer rollstuhlgerechten Telefonzelle

Vor vierzig Jahren – Einführung einer rollstuhlgerechten Telefonzelle

Heute ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Auch der diesjährige internationale Museumstag (17. Mai) hatte Inklusion als zentrales Thema, durch Corona hat sich das Thema zu “Museen digital entdecken” verändert. Zum #DepotDienstag nimmt uns die Kustodin Lioba Nägele auf Spurensuche im Archiv und der Sammlung mit. Sie erzählt uns die Geschichte des ersten rollstuhlgerechten Telefonhäuschens, welche sie vorab schon recherchiert hatte.

 

Zugang für alle!?
Lioba Nägele

Kustodin für den Sammlungsbereich Nachrichtentechnik

Offen für alle – dafür standen sie auf Straßen und Plätzen. Telefonhäuschen sollten allen den Zugang zum Telefonnetz ermöglichen, konnten diesen Anspruch aber oft nur bedingt erfüllen. Unerreichbar waren die öffentlichen Münzfernsprecher in den Fernsprechhäuschen insbesondere für Rollstuhlfahrer*innen, denn die schmale Eingangstür und die Bodenschwelle waren für sie unüberwindbare Hindernisse.
Jubiläum
Ein neues Telefonhäuschen sollte Abhilfe schaffen und im Mai 1980, vor genau 40 Jahren, stellte die Deutsche Bundepost das erste rollstuhlgerechte Exemplar vor. Allein durch seine imposante Größe zog das neue gelbe Telefonhäuschen die Blicke auf sich.

Vorausgegangen war 1978 ein öffentlicher Wettbewerb um die Entwicklung eines für Rollstuhlfahrer*innen geeigneten Fernsprechhäuschens. Die zuständigen Stellen der Deutschen Bundespost und von Behindertenverbänden hatten Wünsche und Anforderungen formuliert, aber erst der Praxistest konnte zeigen, ob die neuen Telefonzellen die in sie gesetzten Erwartungen auch erfüllen konnten. Das Pilotprojekt mit einer Kleinserie von elf Stück begann in der zweiten Maiwoche 1980 und in elf deutschen Städten, verteilt über die verschiedenen Oberpostdirektionen, wurde je eines der 2x 2 m großen Telefonhäuschen aufgestellt.

Testphase
Um die Nutzer*innen selbst zu Wort kommen zu lassen, wurde eine Befragung mittels Postkarten eingeplant, die in allen elf Telefonhäuschen auslagen. Die Planung sah 5.000 Postkarten für jedes Häuschen vor – wie viele tatsächlich ausgefüllt und ausgewertet wurden, ist leider den überlieferten Unterlagen nicht zu entnehmen.
Nach Abschluss des zehnmonatigen Feldversuchs und einer Überarbeitung der bei den Prototypen festgestellten Schwachstellen kündigte das Fernmeldetechnische Zentralamt im Januar 1982 an, dass 600 Stück beauftragt und ab Frühjahr 1983 ausgeliefert werden sollen.

R wie Rollstuhl

Wie das Standard-Telefonhäuschen FeH 78 besteht das FeH R (das R in der Modellbezeichnung steht für Rollstuhlbenutzer*in) aus Kunststoffteilen, hat aber eine sechseckige Grundfläche von 180 x 180 cm und eine breite, von innen und außen elektrisch zu öffnende Tür. Auch die Anbringung des Münztelefons und die Halterungen für die Telefonbücher sind auf die besonderen Bedürfnisse von Rollstuhlfahrer*innen ausgerichtet.

Ob es die hohen Kosten, die mancherorts beklagte Zweckentfremdung mit entsprechenden Benutzungsspuren oder andere Unzulänglichkeiten waren – das FeH R konnte nie ganz einlösen, was es bei der Präsentation vor vierzig Jahren versprochen hatte.

 

Text: Lioba Nägele, 5. Mai 2020

 

 

Die Liebe zur Literatur in Zeiten von Corona – Teil III

Die Liebe zur Literatur in Zeiten von Corona – Teil III

Was eignet sich besser, um an den morgigen Tag der Arbeit zu erinnern als mit dem Thema „Arbeit und Digitalisierung“ einen weiteren Aspekt unserer neuen Ausstellung #neuland und drei begleitende Buchtitel unserer Museumsbibliothek vorzustellen? Im besten Fall regt uns Literatur in Zeiten sozialer Einsamkeit, Prekariat und Arbeitsplatzverlust durch Corona zum Nachdenken an: über die Bedeutung von Arbeit in unserer Gesellschaft und für uns selbst. Aber auch über unseren Grad an Digitalisierung mit all seinen Grenzen und Möglichkeiten.

Die Produktivkraft der digitalisierten Massen

Wie kann eine an Marx orientierte Analyse den aktuellen technologischen Wandel erklären? Das Buch: „Marx und die Roboter“, herausgegeben von Sabine Nuss und Florian Butollo, stellt entlang Marx‘ Vorhersage zur Vollautomatisierung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts Entwicklungen in der digitalisierten Arbeitswelt dar. Der Begriff der Produktivkraft bildet den Ausgangspunkt und sozialhistorischen Kontext, in den hier die Digitalisierung gestellt wird und analysiert aktuelle Veränderungen unserer Arbeitsweise. Dabei verbleibt die Kritik nicht in der soziotechnischen Dystopie des vom Roboter ersetzten Menschen, sondern zeigt auf, dass neue Technologien das menschliche Arbeitsvermögen noch stärker beanspruchen und deshalb eine aufwendige Neugestaltung der Arbeitsorganisation erfordern. Künstliche Intelligenz und die teils wundersamen Erwartungen, die Marktprognosen an sie stellen, werden hier aber nicht als Lösung dieser Neugestaltung gesehen, sondern als in ihrem gesellschaftlichen Nutzen eher beschränkt, sofern Wirtschaftsplanung im digitalen Zeitalter nicht nachhaltig und demokratisch gedacht wird. Die Digitalisierung als Gesicht des Gegenwartskapitalismus, reflektiert in differenzierten Aufsätzen von 16 Autor*innen als ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Debatte.

Nuss / Butollo (Hg): Marx und die Roboter. Vernetzte Produktion, Künstliche Intelligenz und lebendige Arbeit.  Berlin : Dietz Verlag. ISBN: 978-3-320-02362-

Die Gestaltbarkeit von Arbeit

Auch wenn mit seinem Erscheinungsjahr 2010 das erwähnte Morgen eigentlich unser Heute ist, ist die Frage: „Wie wollen wir leben und arbeiten?“ des Buches „Die Arbeitswelt von morgen“ nicht weniger aktuell als vor zehn Jahren. Der Sammelband, herausgegeben von Karin Kaudelka und Gerhard Kilger, beinhaltet Positionen aus sechs Talkrunden des interdisziplinären Symposiums „Constructing the future of work – wie wollen wir leben und arbeiten?“ der DASA. Als existentieller Teil unseres Lebens kreist das Thema Arbeit immer um die Frage von Freiheit und Notwendigkeit:

Ob die Entgrenzung zwischen Arbeit und Leben eine gelungene work life balance oder eine ungesunde Vermischung zweier wichtiger Bereiche menschlicher Lebenswelt ist, kann sehr verschieden beantwortet werden, aber nur von jenen, die überhaupt die Wahl haben, mobile und flexible Arbeit nutzen zu dürfen und über die technischen Voraussetzungen dafür verfügen. Ob man ungerechter Bezahlung mehr entgegen setzen kann als Frustration und Jobwechsel, hängt wesentlich mit der persönlichen sozialen Situation zusammen. Und „life long learning“ ist zuweilen einseitige Forderung statt Förderung. 

Die Beiträge des Buches behandeln Themen der Arbeitsmarktpolitik und Personalentwicklung, Grundeinkommen und soziale Ungleichheit, beleuchten sozialpsychologische Aspekte und entwerfen Visionen vom zukünftigen Arbeiten. Ihnen gemeinsam ist die Suche nach Antworten auf die Frage nach der Gestaltbarkeit von Arbeit.

Kaudelka / Kilger (Hg.): Die Arbeitswelt von morgen. Wie wollen wir leben und arbeiten?.  Bielefeld : transcript Verlag, ISBN: 978-3-8376-1423-7

Nachhaltig und ohne Angst

Gestaltungsfelder des digitalen Wandels beschreibt auch das Buch „Die Zukunft ist menschlich“ von Andera Gadeib. Wie der Titel vermuten lässt, ist das Thema Arbeit hier als eines von mehreren Themen eingebettet in eine ganzheitliche Betrachtung: Die Autorin liefert ein starkes Plädoyer, den Menschen als Subjekt in den Mittelpunkt zu stellen – auch in Zeiten des technologischen Fortschritts und umfassenden digitalen Wandels. Das Buch möchte damit eine positive Gegenthese setzen zu angstvollen Mediendebatten angesichts Künstlicher Intelligenz und der Veränderungen in der digitalen Arbeitswelt. Es richtet sich mit Beispielen aus der digitalen und analogen Welt sowohl an Menschen, die ihre allerersten Schritte im Bereich Social Media machen als auch an Arbeitgeber, die ihre Einstellung zu einem lösungsorientierten Herangehen an die Digitalisierung verbessern möchten. Nachhaltig fit für die Zukunft durch das „Manifest für einen intelligenten Umgang mit dem digitalen Wandel in unserer Gesellschaft“.

Gadeib, Andera: Die Zukunft ist menschlich. Manifest für einen intelligenten Umgang mit dem digitalen Wandel in unserer Gesellschaft. Offenbach : GABAL Verlag, ISBN: 978-3-86936-930-3

 

Mehr zu unseren Beständen im Online-Katalog

Für mehr Literatur zu Themen der aktuellen Ausstellung könnt Ihr unter dem Stichwort „Leben & Lernen“ im Online-Katalog stöbern.

Wir hoffen, Euch bald wieder im Museum und in der Bibliothek zu sehen. Bleibt gesund!

 

Autorin: Sandy Lang, 30. April 2020

Freundschaft ist für mich… Einblick in das Museumsprojekt „Smart im Museum“

Freundschaft ist für mich… Einblick in das Museumsprojekt „Smart im Museum“

In unserem Schwesterhaus in Berlin wird aktuell die Ausstellung „Like You! Freundschaft digital und analog“ gezeigt. Auch wir erleben Freundschaften in Zeiten der Corona-Pandemie auf eine ganz neue Weise: Weniger analog, mehr digital. Über die unterschiedlichsten Plattformen wie Zoom, Skype und Teams kann man sich mit seinen Freund*innen zum Quiz-Pub spielen, zur gemeinsamen Yoga Stunde oder zum Feierabend Apéro zusammenschalten. So zumindest ein Gefühl von Gemeinschaft erhalten und seine Freundschaften pflegen. Die Sehnsucht nach freundschaftlicher Nähe nimmt in der aktuellen Situation nicht ab, auch wenn wir alle nach „social distancing“ streben.

Noch vor der Corona Krise, im Herbst 2019 wurde sich auf eine ähnlich aber doch nochmals andere Art und Weise über die Verbindung von Digitalisierung und Museum im Museum für Kommunikation Gedanken gemacht. Mehr als Dreiviertel aller Kinder und Jugendliche besitzen ein Handy, jedoch spielen Museen im Lebensalltag der Heranwachsenden oft keine Rolle.

Die Aufgaben nahm sich unser Berliner Museumspädagoge Stefan Jahrling an und startete das Projekt: „Smart im Museum – Mediatisierte Beziehungen und Digitale Medien“, welches Teil des Förderprogrammes „Museum macht stark“ ist. Für den Projektleiter gibt es immer noch zu wenig Angebote, die sich auf die Aneignungsweise und die medialen Gewohnheiten von der Zielgruppe einlassen und die das Potenzial digitaler Medien für die kulturelle und museale Bildungsarbeit ausschöpft. Mit seinem Projekt wollte er zeigen, dass Museen eine Inspirationsquelle sein können, um sich als junger Mensch in der Welt zu orientieren und an Gesellschaft teilzuhaben. Anknüpfungspunkt sollte die Ausstellung „Like You! Freundschaft digital und analog“ sein. Denn Freundschaft spielt, insbesondere in diesen Lebensjahren entwicklungspsychologisch betrachtet, ein zentrales Thema und sollte so als Türöffner dienen.

Das Museum als Ort aktiver Mitgestaltung

Ziel des Projektes war es, die Ausstellung um die Perspektive der Heranwachsenden zu erweitern. Die Teilnehmer*innen sollten erfahren, dass ein Museum nicht nur ein Ort ist an dem sie Wissen vermittelt bekommen, sondern ein Ort, den sie aktiv mitgestalten können. Ganz konkret mündete das Projekt in einer “Filmfahrt”. Zehn Jugendliche aus Berlin fuhren für ein Wochenende in das Museum für Kommunikation Frankfurt. Sie wurden angeregt sich mit dem Thema Freundschaft auseinanderzusetzen. Welche Unterschiede gibt es in der analogen und digitalen Freundschaft? Inwiefern haben sich die sozialen Beziehungen verändert und wie können die Erfahrungen der Jugendlichen in der Ausstellung aufgegriffen werden? Sie führten Interviews mit Besucher*innen und tauschten sich untereinander über ihre ganz persönlichen Vorstellungen von Freundschaft aus. Herausgekommen ist eine kleine, spannende Reportage.

Die Ausstellung vor Ort und digital

Die Ausstellung „Like You! Freundschaft digital und analog“ ist leider nicht mehr im Museum für Kommunikation Frankfurt zu sehen, dafür jedoch in unserem Schwesterhaus in Berlin. Sie setzt sich mit der Frage auseinander was für jeden einzelnen von uns Freundschaft bedeutet. Wo und wie finden wir heute Freunde? Und hat sich unsere Art und Weise wie wir Freunde finden und Freundschaften pflegen durch die Digitalisierung verändert?

Wenn euch der Weg nach Berlin zu weit ist, dann könnt ihr die Ausstellung – ganz bequem vom heimischen Sofa aus, in unserem Expotizer besuchen.

Text: Caroline Dörr, 29. April 2020

Konservierung und Restaurierung im Depot – Erfahrungen aus drei Monaten Praktikum

Konservierung und Restaurierung im Depot – Erfahrungen aus drei Monaten Praktikum

In dieser Woche nutzen wir den #DepotDienstag, um uns von unserer Kollegin Jihye Kim zu verabschieden. Sie war in den vergangenen drei Monaten als Praktikantin in der Restaurierungswerkstatt Teil unseres Teams. Sie hat zum Abschluss einen kleinen Bericht über ihre Zeit beim Museum für Kommunikation Frankfurt und dem Sammlungsdepot in Heusenstamm verfasst.

 

Wissenschaftliche Praxis im Depot

Das Studium der Konservierung und Restaurierung umfasst in den zehn Semestern, die bis zum Master-Abschluss vorgesehen sind, nicht nur zahlreiche Theoriemodule wie etwa Materialkunde oder Chemie, sondern auch einen hohen Praxisanteil. Die meisten Fakultäten verlangen vor einer Bewerbung einen Nachweis über ein Vorpraktikum, das zwischen einem und zwei Jahre dauert. Während des Studiums absolvieren die Studierenden zudem noch Fachpraktika in Museen und Ateliers. Denn die Möglichkeit, das erlernte Wissen praktisch umzusetzen, ist für dieses Studium essenziell.

Auch beim Museum für Kommunikation können Studierende ihr Vor- oder Fachpraktikum im Schwerpunkt ‚Technisches Kulturgut und moderne Materialien‘ ableisten. In den letzten drei Monaten hat Jihye Kim, eine Studentin an der französischen Ecole supérieure d’art d’Avignon, ein solches Praktikum im Sammlungsdepot Heusenstamm absolviert. Die gebürtige Südkoreanerin spricht fließend Französisch und Englisch und hat zum Abschluss einen persönlichen Text verfasst, in dem sie Einblicke in ihre Tätigkeiten und Erfahrungen gewährt. Ihre Betreuerin, Julia Hammerschmied, hat den Text für uns aus dem Englischen übersetzt:

Mein dreimonatiges Praktikum im Sammlungsdepot in Heusenstamm brachte mir eine Fülle von Eindrücken. Ich bewegte mich nicht nur im großen Feld der Konservierung, sondern auch in den Bereichen der Technik und der Geschichte der technischen und industriellen Objekte.

Kommunikation bedeutet für mich, etwas von einer Person zu einer anderen weiterzugeben. Das Museum für Kommunikation in Frankfurt ist für mich ein Ort, der konstant mittels der Sammlungsobjekte mit seinen Besucher*innen kommuniziert. Dafür werden die Objekte in unterschiedlichen Zusammenhängen gezeigt, um einen vielfältigen Zugang zu ermöglichen. Dies erzeugt eine Interaktion zwischen Besucher*innen und Objekten, die nur gemeinsam funktioniert und die eine einzigartige Erfahrung ist.
Daher war es für mich eine Bereicherung, diese Objekte konservatorisch und restauratorisch zu bearbeiten. Vor allem die unterschiedlichsten Spuren des Gebrauchs und die physikalische Entwicklung der Materialien waren beeindruckend.

 

Restaurierung & Corona

Die meiste Zeit während meines Praktikums arbeitete ich eng (aber mit räumlichem Abstand) mit der Restauratorin des Museums, Julia Hammerschmied, zusammen. Sie und die anderen Kolleg*innen der Sammlungsabteilung unterstützten mich in meiner Arbeit und gaben mir Einblick in die verschiedenen Museumsabläufe. Die Corona-Pandemie machte auch vor dem Sammlungsdepot keinen Halt. Dies hatte natürlich auch Folgen für den Arbeitsalltag von meinen Kolleg*innen und mir. Während viele ins Home-Office wechselten, war es für mich und meine Betreuerin schwer möglich, von zu Hause zu restaurieren. Glücklicherweise verfügt das Depot über mehrere Werkstätten und separate Magazine, sodass wir unsere Arbeit fortsetzen konnten.

 

Ausstellungen

Während des Praktikums war ich unter anderem am Aufbau der Wechselausstellungen „Germania“ und „#neuland“ beteiligt. Neben einigen Objekten aus der Abteilung Kunstgewerbe arbeitete ich zuletzt vor allem an einer Auswahl von Radiogeräten, die für die große Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum des Rundfunks (geplante Eröffnung im September 2020 in Berlin) vorgesehen sind.

Maßnahmen der Restaurierung

Die ergriffenen Maßnahmen der Restaurierung dienten vor allem dazu, den originalen Zustand des Objekts aus der Zeit der Entstehung bzw. der Benutzung zu zeigen. Verschmutzungen der Oberfläche sowie Risse und Brüche stören die Originalität, die Historizität und die Ästhetik des Objekts. Meine restauratorisch-konservatorischen Arbeiten konzentrierten sich daher auf das Reinigen, Kleben, Ergänzen und Retuschieren. Für mich war es eine einzigartige Erfahrung in diesem Museum. Ich lernte verschiedene Techniken im Umgang mit Objekten kennen und konnte neue Impulse für meine kommende Master-Abschlussarbeit aufnehmen. (Jihye Kim)

 

Wir bedanken uns bei Jihye Kim für die Unterstützung im Depot und die gemeinsame Zeit und wünschen Ihr alles Gute für ihr weiteres Studium!

 

Text: Jihye Kim/Julia Hammerschmied, 28. April 2020

Ein unschlagbares Trio: Literatur, Schule und Museum

Ein unschlagbares Trio: Literatur, Schule und Museum

Drei Autoren, drei Schulklassen, drei Orte: das ist das Konzept hinter dem Projekt „Junges Literaturland“ von hr2-Kultur und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Schüler*innen der Jahrgangsstufe 5 bis 10 treffen auf Autor*innen, Lyriker*innen und Slamer*innen und erschließen sich auf besondere Weise Museen, Archive oder Bibliotheken.

Die Schüler*innen recherchieren, schreiben und gestalten. Die Texte werden danach zum Klingen gebracht: In Workshops mit Radiojournalistinnen lernen die Projektteilnehmer, Audioaufnahmen selbst zu machen und zu bearbeiten. Eigentlich wären wir diese Woche hier im Haus mit der Schriftstellerin Saskia Henning von Lange und einer 10. Klasse aus Weiterstadt im Auftrag genau dieses Projektes unterwegs in der Sonderausstellung „Geheimnis-ein gesellschaftliches Phänomen“. Aber auch diese Kooperation macht gerade eine kleine Corona Pause und wir können nur in unser museumspädagogisches Archiv schauen und euch zeigen wie spannend es letztes Mal war.

Wortakrobaten

Mit Sprache spielerisch umgehen und sie nutzen, um für sich selbst neue kreative Ausdrucksformen zu finden-geht das auch dann, wenn man selbst die Sprache gerade erst erlernt? Diese Herausforderung meisterten in Staffel 8 des Projektes „Junges Literaturland“ die 16 Schüler*innen einer Intensivklasse der Eichendorffschule Kelkheim sehr gut. Gemeinsam mit einem echten Profi in Sachen Wortakrobatik, dem Frankfurter Poetry Slammer Dalibor Markovic und uns ging es auf Erkundungsreise in der Dauerausstellung. Mehr dazu auch der Seite de hr.

Vom Spiel mit Sprache und Kommunikation

Sprach und Kommunikationsspiele, sowie Stimmübungen standen am ersten Workshop Tag im Mittelpunkt. Schön, endlich konnten wir mal im Museum unter der Glaskuppel stehen und laut singen… Und dabei waren wir begeistert von den insgesamt 12 Muttersprachen, die da zusammen kamen. Beim zweiten Besuch folgte dann die Textarbeit: vom Elfchen (dem Kurzgedicht aus elf Wörtern) bis hin zum Exponat Steckbrief.

 

 

alte
schöne Dinge
aufgehoben im Museum
erzählen Geschichten von damals
heute

 

Audio-Experimente

Am Ende brachten die Teilnehmenden einige Exponate zum Sprechen. Hört selbst:

Lesen im Lockdown

Wir hoffen sehr, dass es vielleicht im Herbst/Winter 2020 weitergehen kann. Bis dahin verweisen wir gerne auf das wunderbare Projekt der Kolleg*innen vom hr.

Hier haben Saskia Henning von Lange und Dalibor Marković gemeinsam mit vielen anderen Autor*innen ihr Smartphone in die Hand genommen und auf dem Balkon, am Küchentisch oder im Garten ein Kapitel aus ihrem aktuellen Buch gelesen und sich dabei aufgenommen. Entstanden sind 15-minütige Lesungen, die Lust auf mehr Literatur machen.

 

Nina Voborsky, 24. April 2020