Architektur: Dialog zwischen alt und neu

Architektur: Dialog zwischen alt und neu

Abb. 1 Deutsches Postmuseum. Foto: MSPT

Das Museumsufer am Beispiel des Museums für Kommunikation von Günther Behnisch und des ehemaligen Bundespostmuseums in der Villa de Neufville (hier in einer der 1990er Jahre). Die heutige bauliche Ansicht des Museumsufers besticht durch eine Mischung aus historisierenden Villenkomplexen des 19. Jahrhunderts, funktioneller Nachkriegsarchitektur und (post)modernen Erweiterungen. Gerade dieser Ensemble Charakter macht das Museumsufer aus städtebaulicher und architektonischer Sicht unglaublich spannend und lädt zu einer architektonischen Zeitreise ein. Topografisch im Zentrum  zwischen dem Museum Giersch und dem Museum für Angewandte Kunst liegt das Museum für Kommunikation mit einer gelungen Ergänzung von Alt und Neu.

 

Transparenter Museumsbau

Neu ist der Museumsbau von Günther Behnisch (Eröffnung 1990) mittlerweile nicht mehr, aber die Architektursprache zeugt immer noch von einer beeindruckenden Aktualität. So ist er als ein Ort der “Grand Tour der Moderne gelistet”, ein Projekt, welches “bedeutende und zugängliche Gebäude, die zwischen 1900 und 2000 erbaut wurden, zu einem Streifzug durch 100 Jahre Architekturgeschichte” verbindet.

Doch zurück zum Anfang.

 

Die Villa: Vom Wohnhaus zum Museum

Der heutige Sitz der Verwaltung des Museums für Kommunikation befindet sich in der Villa de Neufville. Ab 1891 nach Entwürfen von Franz von Hoven in historisierenden Formen für den Bankier Otto de Neufville (die Villa Andreae, 1891, in Königstein ist das für die Region bekannteste Gebäude der Familie) erbaut, fungierte sie lange Zeit als Wohnsitz der Familie. In den 1950er Jahren waren die Mieter der Suhrkamp Verlag sowie das niederländische Generalkonsulat. Ab 1955 bezog die Post das Gebäude und 1958 wurde das damalige Bundespostmuseum eröffnet um die Sammlungen des ersten Postmuseums der Welt (Berlin, Reichspostamt, unter Heinrich von Stephan dem damaligen Generalpostdirektor 1872 gegründet; heutiger Sitz unseres Schwesterhauses) im Rhein-Main-Gebiet zu präsentieren. Die Umbenennung in Deutsches Postmuseum erfolgte 1986 im Rahmen des Neubaus sowie 1995 im Zuge der Privatisierung der Deutschen Post und der DeutschenTelekom in Museum für Kommunikation.

 

Die Villa: Eine kleine Stilgeschichte

Die dreigeschossige Villa, neben der Liebig-Villa zu den typischen Bauten der wilhelminischen Gründerzeit gehörend, präsentierte sich bis zu ihrer teilweisen Zerstörung mit einer reich gegliederten Fassade aus Sandsteinquadern und einer opulent gestalteten Dachlandschaft mit Kaminen und Ziergiebeln (Abb.1 und 2). Nach Kriegsschäden (Abb. 3) wurde die Villa in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Der hervorspringende Risalit blieb bestehen aber ohne die Neo-Renaissance Elemente wie Balkone und sonstige Zierelemente (Abb. 4). Im Rahmen des Neubaus des Museums in den 1980er Jahren wurde die Villa im Kontext des modernen Museumsbaus (beides durch das Büro Behnisch & Partner) renoviert und auf die Bedürfnisse einer Museumsverwaltung angepasst.

 

Abb. 7 Museum für Kommunikation Frankfurt, Gartenasicht, Foto: MSPT/ Thomas Gessner
 
Neubau und Villa: Eine gelungene Verbindung

Der preisgekrönte Entwurf der Architekten Behnisch & Partner wurde in den 1980er Jahren umgesetzt und 1990 feierlich eröffnet. Der moderne Stahlskelettbau mit Materialien wie Glas, Beton und den damals größten je verbauten Aluminiumplatten betont den Kontrast (Abb. 5)  zur sandsteinverkleideten Villa und bietet gleichzeitig eine Fülle an ästhetischen Gemeinsamkeiten im Detail, die zu intensivem Dialog zwischen den beiden Gebäuden führen.

Genau dieser Dialog ist bezeichnend für die Bebauung des Museumsufers. Historisierende Villen neben spannender Nachkriegsarchitektur erweitert um in der Tradition der Moderne stehende Bauten prägen den Charakter des Museumsufers und lassen eine architekturgeschichtliche Reise der letzten knapp 150 Jahre zu.

Ein Beitrag zum Tag der Architektur 2020. Bei interesse an geführten Rundgängen zur Museumsarchitektur bitte Nachfragen unter 069/6060-321 oder buchungen-mkf (at) mspt.de. Dabei richten wir uns an die dann behördlich geltenden Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen.

 

Text: Fabian Lenczewski, 27. Mai 2020

Neuzugänge für die Sammlung

Neuzugänge für die Sammlung

Die Kustodin Dr. Tina Kubot beschreibt für uns beispielhaft den Weg der letzten Neuzugänge in das Depot in Heusenstamm und gibt Einblicke in die Überlegungen zum Konzept hinter der Sammlung. Nicht zuletzt sorgen auch etwas Glück und der Zufall für angenehme Überraschungen.

 

Wie gelangen eigentlich die Objekte in die Sammlung?
Dr. Tina Kubot

Kustodin für den Sammlungsbereich Mediengeschichte

Trotz Corona steht die Welt nicht vollkommen still, auch wenn es manchmal den Anschein erweckte. Die Zeit läuft weiter, und so rückte auch der Termin zur besenreinen Übergabe des letzten großen Evonik-Standortes in Frankfurt am Main näher. Der Standort, der vorher ein großes Rechenzentrum beherbergte, war schon länger aufgegeben, die IT sollte auf das große Firmengelände nach Hanau umziehen.

Was hat das mit der Sammlung zu tun?

 

Dieses Rechenzentrum pflegte eine Sammlung, für die am neuen Standort der Platz fehlte. Historische Objekte werden in heutigen Firmenstrukturen kaum noch aufbewahrt oder gesammelt, da der vorhandene Platz in der Regel anderweitig benötigt wird und die Lagerung auch Kosten verursacht. So ist es vor allem dem Engagement Einzelner zu verdanken, wenn diese Schätze nicht direkt entsorgt, sondern zuvor noch dem Museum angeboten werden. Auch in diesem Fall haben wir die Neuzugänge einer solchen Initiative zu verdanken und wurden angefragt, ob wir Interesse an Lochkartenmaschinen hätten. Entsprechende Geräte, insbesondere aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, waren bisher in der Sammlung unterrepräsentiert, weshalb wir uns darüber freuten, die Objekte übernehmen zu können.

Wir sind zwar keine dezidierte Computersammlung, wie zum Beispiel die Kollegen vom Heinz-Nixdorf-Forum, aber die Informationstechnik ist gerade in der heutigen Zeit aus unserem Kommunikationsverhalten nicht mehr wegzudenken. Außerdem waren unsere stiftungstragenden Unternehmen Post und Telekom in den Anfängen der Digitalisierung die Netzbetreiber und -entwickler. Um den Weg dorthin sinnvoll nachzeichnen zu können, ergänzen wir die Sammlung um einzelne aussagekräftige Objekte zu Computergeschichte, auch wenn sie nicht zum Kernsammelbereich gehören.

Schöne Überraschung

 

Nun war der Endzeitpunkt der Räumung gekommen: Montag, der 18. Mai. Der Anruf kam am Donnerstag spätnachmittags. Da gab es keinen anderen Weg mehr, die Objekte mussten dort weg und in unser Depot, sonst wären sie verloren. Also einen LKW besorgt und unter allen Sicherheitsvorkehrungen nur mit der Mindestbesatzung auf den Weg gemacht.

Und wie es so oft ist, wenn man dann vor Ort steht: „Wir hätten da auch noch… möchten Sie nicht mal schauen?“ Klar, schauen wollen wir meistens. An dieser Stelle war noch ein kompletter Raum mit einer Großrechenanlage zur Datenverarbeitung anzuschauen.

Der Erhaltungszustand war ausgezeichnet, die Anlage war vollständig, die Provenienz, also Herkunft des Objektes, bekannt.

 

Ob das Objekt, das die Ausmaße einer größeren Einbauküche hat, die Sammlung ergänzt, konnte so schnell nicht festgestellt werden, so dass wir es vorsichtshalber auch ins Depot überführten. Es handelte sich nun insgesamt um zwei LKW-Ladungen voll Rechentechnik, deren summierte Rechenleistung noch deutlich unter der eines heutigen Smartphones liegt.

Was kommt in die Sammlung?

Im Depot angekommen, konnten wir uns in Ruhe der Identifizierung und Recherche widmen. Wir bekamen also:

Einen Lochkartensortierer der Rheinmetall-Lochkarten-Maschinen-GmbH, im Einsatz bei der Degussa. Die Plakette mit dem Firmennamen liefert uns gleich die Datierung, denn diese GmbH wurde 1928 gegründet und im gleichen Jahr von IBM aufgekauft.

Eine Maschine zur automatisierten Datenverarbeitung Powers LK1 von 1939/1940, die die auf Lochkarten erfassten Buchungen addieren, saldieren und die Salden auf eine Papierrolle gedruckt ausgeben kann. Auch diese Maschine war bei der Degussa im Einsatz, die 2007 in die Evonik eingegliedert wurde

Ein Magnetkonten-Buchungssystem Philips P354, das spezielle, schnellheftergroße Karten mit einem Magnetstreifen verarbeitet hat, um Kontierungsvorgänge durchzuführen. Auf diesen Karten waren neben dem Magnetstreifen die Daten in Klartext gedruckt, so dass der Bediener direkt sehen konnte, was auf dem Datenträger ist.

Dazu kommen Zusatzgeräte zur Verarbeitung der Daten, Sortierung von Karten und Speicherung der erzeugten Daten auf Loch- oder Magnetband oder sogar schon auf einer Festplatte. Diese hatte allerdings noch 30 cm Durchmesser und wog über 5 Kilogramm.

Auf der Kernspeichermatrix, dem Äquivalent zum heutigen RAM-Speicher, mit 8 bit/mm Speicherdichte konnte die Zentraleinheit 1000 Wörter zur Verarbeitung zwischenspeichern. Ein Aufkleber an der Zentraleinheit zeigt uns, dass das Gerät am 13.04.1973 für die Chemische Fabrik Grünau produziert wurde. Die Chemische Fabrik Grünau wurde in Berlin gegründet, die Gesellschaft 1949 nach Frankfurt am Main und 1961 nach Illertissen in Bayern verlegt. Die Degussa hielt seit 1921 eine Aktienmehrheit an der chemischen Fabrik.

Willkommen in der Sammlung!

Im nächsten Arbeitsschritt werden die Objekte inventarisiert und gereinigt, bevor sie an ihren endgültigen Standort im Magazin umziehen.

 

Text: Tina Kubot
3. Juni 2020
 

Das Museum für Alle

Das Museum für Alle

Der heutige Diversity-Tag erinnert an das Zusammenleben in Vielfalt. Die Öffnung der Museen für alle Menschen ist kein neuer Gedanke. Schon 1979 veröffentlichte Hilmar Hoffman, der “geistige Vater” des Frankfurter Museumsufers das Buch “Kultur für Alle”.

Kultur für Alle

Den 2018 verstorbenen Sozialdemokraten Hoffmann beschäftigte Zeit seines Lebens u.a. das von ihm propagierte Konzept Kultur für alle. Damit ist die Teilhabe an, von und mit Kultur für alle Menschen und vor allem deren ästhetische Erziehung im Sinne Schillers gemeint. Hoffmann engagierte sich, alle Menschen gleichberechtigt und demokratisch an Kultur teilhaben lassen zu können. Doch was kann das bedeuten? Eine für alle zugängliche Kultur muss u.a. finanziell erschwinglich sein, – Stichwort Eintrittspreis – aber auch verständlich für möglichst viele Menschen.

In seinen Briefen zur ästhetischen Erziehung des Menschen begründete bereits Friedrich Schiller, dass es nicht genüge, den Menschen mit einem tabellarischen Verstand und mit mechanischen Fertigkeiten auszurüsten, sondern dass auch musische und ästhetische Bildung früh zu vermitteln sind.

Hilmar Hoffmann im Interview (Kultur für alle – quo vadis?, 2018)

Einfache Sprache

Das Museum für Kommunikation möchte ebenfalls möglichst vielen Menschen den Museumsgenuss ermöglichen. Dazu gehört neben günstigen Eintritts- und Führungsgebühren natürlich auch die Aufarbeitung der Inhalte des Hauses für alle. Auch für die, die gerade erst Deutsch lernen, oder für die, die Lese- oder Verständnisschwierigkeiten haben. Dazu entwickeln wir momentan im Team ein Führungsskript in vereinfachter/leichter Sprache.

Das könnte so aussehen:

Herzlich willkommen!
Sie befinden sich in einem Museum.
In einem Museum werden verschiedene Dinge gezeigt.
Wir sind im Museum für Kommunikation.
Kommunikation ist ein schwieriges Wort.

Kommunikation bedeutet:
Informationen werden ausgetauscht.
Das kann so funktionieren:
Jemand redet.
Jemand schreibt.
Jemand malt ein Bild.
Jemand lacht.
Das alles gibt eine Information weiter.

Wir kommunizieren in diesem Moment.
Ich rede mit Ihnen.
Also kommuniziere ich.
Ich bin der Absender einer Information.
Sie hören mir zu.
Sie sind die Empfänger einer Information.

Man kann unterschiedlich kommunizieren.
Fällt Ihnen etwas ein?

Das Museum zeigt die Geschichte der Kommunikation.
Wir schauen uns heute das Museum an.
Das dauert etwa 40 Minuten.
Wir werden viele Dinge sehen.
Sie alle haben etwas mit Kommunikation zu tun.
Kommunikation ist ein großes Thema.
Sie werden sich manchmal fragen:
Was hat das mit Kommunikation zu tun?
Das werden wir gemeinsam herausfinden.

So wie sich Gesellschaften verändern, verändert sich im Laufe der Zeit Sprache. Mit der Form der Sprache kann man Menschen in Gespräche einladen, aber auch ausschliessen.

 
Inklusion

Der Begriff der Inklusion war zu Hoffmanns Zeiten noch nicht so verbreitet wie heute. Wir verstehen natürlich viel mehr darunter, als nur die leichte oder einfache Sprache. Wir wollen möglichst viele Menschen in allen Bereichen inkludieren. Dafür gibt es für unterschiedliche Zielgruppen die verschiedensten Möglichkeiten. Eine davon ist eine leicht verständliche Kommunikation.

Hoffman und seine Mitstreiter*innen haben den Weg angefangen, den wir alle weitergehen sollten. Zwischenzeitlich hatte Frankfurt unter Hilmar Hoffmann den größten Kulturetat einer europäischen Kommune und setzte damit ganz bewusst auf die Förderung und den Ausbau vielfältiger kultureller Einrichtungen und Veranstaltungen – von der Stadtteilbibliothek über das Theater bis hin zum Museum. So entstanden in seiner Amtszeit (1970-1990) nicht nur 15 neue Museen in Frankfurt, sondern er gilt auch als wichtiger Initiator für das Museumsufer.

Diese Erfolge sind die Basis für unser heutiges Arbeiten und diese Basis gilt es ständig auszubauen und weiterzuentwickeln.

 
Kulturelle Teilhabe

Eine zentrale Aufgabe von Kulturinstitutionen liegt heute auch darin, das Bewusstsein für die eigene kulturelle Identität zu stärken und  Diskussionen darüber anzuregen. Die Angebote dazu für alle Besucher*innen ständig zu erweitern und zu optimieren ist eine der vielen spannenden Herausforderungen der Abteilung Bildung und Vermittlung. Dieser stellen wir uns mit Freude und Begeisterung – zufriedene Gesichter und der Erkenntnisgewinn der Teilnehmer*innen sind unser Lohn.

Na, neugierig geworden? – Dann kommt  vorbei! Seit dem 12. Mai haben wir wieder geöffnet. Momentan ist durch die Gesetzgebung nur der Einzelbesuch möglich. Auf die hoffentlich bald startenden weiteren Angebote freuen wir uns sehr. Wenn Du Dich fragst: Wie barrierearm ist ein Besuch für mich? Seit dieser Woche kann man die Informationen zur Barrierefreiheit bei Reisen für Alle nachschlagen. Wir bauen die Angebote weiter aus, wie den Rundgang in einfacher Sprache, an dem wir gerade arbeiten.

Denn Sprache ist ein elementarer Teil der Kommunikation mit den Gruppen. Verschiedene Sprachen, unterschiedliche Bedeutungssysteme wie Piktogramme oder auch das Experimentieren mit Schrift und Sprache können, dürfen und sollen bei uns Thema sein.

Text: Fabian Lenczewski, 26. Mai 2020

Allein mit den Telefonschafen

Allein mit den Telefonschafen

Ein Kurzinterview mit unseren beiden neuen Empfangsmitarbeiter*innen

Unsere beiden neuen Empfangsmitarbeiter*innen haben vor sechs Wochen höchst motiviert ihren ersten Arbeitstag angetreten und dann kam leider alles anders als gedacht. Der Lockdown bedeutete für die beiden Einarbeitung unter erschwerten und ungewöhnlichen Bedingungen. In einem kurzen Interview erzählen sie euch, auf was sie sich – gemeinsam mit unseren Telefonschafen – am meisten freuen. Die beiden Kolleg*innen sind übrigens auch unsere #heroesMW in der Museumsweek, die diese Woche startet. 

Nina Voborsky: Ihr habt die Stelle als Empfangsmitarbeiter*in im Besucherservice während des Corona Lockdowns angetreten. Wie fühlt sich das nach all den Wochen ohne Publikumsverkehr an, wenn am 12. Mai endlich die Türen öffnen?

Anne: „Endlich ist ein gutes Stichwort: Wir freuen uns schon sehr auf die Museumsgäste. Und für mich persönlich war es schon sehr komisch, in den letzten Wochen im leeren Museum zu stehen. Ich habe ja schon ein paar Jahre hier im Team Bildung und Vermittlung mitgearbeitet, also viele Führungen und Workshops gehalten und kenne das Haus daher voller Schulklassen, Gruppen, Familien – voller Leben eben. Wirklich schön, dass es jetzt endlich wieder losgeht.

„Ja, endlich kommt Leben in die Bude! Die Telefonschafe gegenüber vom Empfang langweilen sich auch schon.“ ergänzt der Kollege.

NV: Habt ihr Bedenken wegen der Corona-Situation?

Anne: „Überhaupt nicht. Das Museum ist doch super vorbereitet. Da mache ich mir gar keine Sorgen.“

Konny: „Hier gelten ja genauso die Hygieneregeln, die wir alle ja schon seit Wochen befolgen. Zusätzlich haben wir zum Schutz für uns und unsere Gäste eine neue Wegeführung eingerichtet und begrenzen natürlich den Einlass. Die Abstandsregeln gelten selbstverständlich auch hier.“

NV: Welche unserer Ausstellungen und welches Angebot findet ihr besonders?

 Anne: „Ganz ehrlich? Alles. Angefangen von den toll erzählten Mediengeschichten in der Dauerausstellung – ich finde die Insel-Lösung einfach großartig – über die Verlängerung der spannenden Geheimnis-Ausstellung und natürlich #neuland, was ja jetzt doppelt und dreifach passt, wo wir das WWW in den letzten Monaten alle irgendwie neu entdeckt und genutzt haben. Aber natürlich sind auch die Vermittlungsangebote alle sehr besonders. Ich hoffe sehr, sehr, dass sie alle bald wieder stattfinden können. Ich glaube, diese Angebote werden aktuell mehr gebraucht denn je.”

„Und wenn man möchte, kann man vorher anrufen und sich für die Sonderausstellungen ein Ticket mit einer bestimmten Einlasszeit reservieren, dann muss man nicht warten und kann den Tag besser planen. Aber man kann natürlich auch einfach so vorbeikommen.“

Empfangskollege Konny

NV: Was meint ihr, worauf werden die Besucher*innen am meisten reagieren?

Anne: „Wahrscheinlich auf die #neuland-Ausstellung, weil sie A neu ist, B noch nicht wirklich eröffnet und B das aktuelle Thema Digitalisierung aufgreift.“

Konny: „Generell auf mal wieder etwas Abwechslung – wir haben ja hier auch ein sehr angenehmes Gebäude mit viel Platz und reizvoller Architektur.“

NV: Was würdet ihr einem sehr ängstlichen Besucher sagen, der ob der Situation etwas unsicher ist?

Anne: „Herzlich Willkommen, wir freuen uns, dass Sie da sind. Sie kennen das ja alles von Aldi und Lidl: Wir achten hier sehr auf Ihre Sicherheit, Abstand, Masken usw., wir haben außerdem Desinfektionsmittel für Sie, unsere Stationen laufen kontaktarm – zum Beispiel in Dauerschleife, unsere Bildschirme werden nur mit einem speziellen Stift benutzt. Und Sie finden auch überall nette Mitarbeiter*innen, die Sie ansprechen können. Wenn Sie sonst keine Fragen haben, wünsche ich Ihnen jetzt viel Spaß im Museum.“

Ungefähr so, allerdings glaube ich, die Leute sind alle sehr entspannt und freuen sich einfach, dass sie wieder rauskommen, etwas unternehmen und erleben können.

Konny lächelt: „Und mit etwas Glück gibt es auch bald wieder einen Kaffee im Museumscafé…“

Wiedereröffnung

Am Dienstag, 12. Mai 2020 öffnet das Museum für Kommunikation Frankfurt wieder für alle Besucher*innen. Dafür hat die Museumsstiftung mit ihren Schwesterhäusern in Berlin und Nürnberg ein Maßnahmenkonzept für die Wiederaufnahme des Museumsbetriebes erarbeitet.

Wir möchten euch ein entspanntes und sicheres Museumserlebnis in unserem großzügigen Museumsneubau von Günther Behnisch ermöglichen und freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen. Die wichtigsten Fragen zu eurem Museumsbesuch beantworten wir euch in unseren FAQs

 

Interview: Nina Voborsky, 11. Mai 2020

Zur Zusammenarbeit von Schule und Museum

Zur Zusammenarbeit von Schule und Museum

Auch in der aktuellen Situation denkt, entwickelt und diskutiert die Abteilung Bildung und Vermittlung schon bestehende oder neue Kooperationsmöglichkeiten mit Schulen. Doch warum ist das eigentlich so wichtig?

Die große Gemeinsamkeit von Schulen und Museen ist der Bildungsauftrag. Der Nutzen von außerschulischen Bildungsangeboten bekommt seit Jahren einen immer höheren Stellenwert zugeschrieben. Und das zu recht! Seit 2012 besteht das Kooperationsprojekt mit der Integrierten Gesamtschule (IGS) Nordend in Frankfurt. Eine Gruppe von Schüler*innen besucht das Museum für Kommunikation über das gesamte Schuljahr hinweg und erarbeitet Videoprojekte gemeinsam mit der Kunst- und Medienpädagogin Jutta Mertens und ihrem Lehrer Necmettin Atasoy

“Das Besondere an dem Projekt ist, dass die Schülerinnen und Schüler tatsächlich selbstständig agieren müssen. D.h. sie müssen Ideen entwickeln, handeln, in dem sie ihr Material organisieren und aktiv auf Menschen zugehen können. Zu guter Letzt müssen sie ihr gefilmtes Material schneiden. Dies erfordert ein hohes Maß an Teamfähigkeit, Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit. Die Jugendlichen haben aber auch unglaublich viele Gestaltungsfreiheiten. Diese Art von ‘Freiheit’ – in der Schule gibt es Lehrpläne/Bildungsstandards – kennen sie aus ihrem schulischen Alltag eher seltener.”

Necmettin Atasoy, seit 10 Jahren Lehrer an der IGS-Nordend, seit 2012 betreut er das Projekt

Kreativ und offen für Neues

Seit acht Jahren ist jeden Donnerstagvormittag eine jährlich wechselnde Gruppe bei uns im Seminarraum zu Gast. Jutta Mertens begleitet das Kooperationsprojekt seit Beginn: „Zu verschiedenen Themen – rund um Kommunikation – erarbeiten die Jugendlichen ihre eigenen Filme – vom ersten Essay übers Drehbuch bis hin zu Schnitt. Es erfordert Kreativität, Offenheit, Kooperationsbereitschaft und technisches Know How.” 

Das museumspädagogische Team konnte in den letzten Jahren ganz unterschiedliche Gruppen, Prozesse und Ergebnisse begleiten: Von sehr freien und expressiven Momenten über dokumentarisch emotionale bis hin zu Filmen, die es als Exponat in unsere Sonderausstellungen geschafft haben, war alles dabei.

 

“Wir als Pädagogen haben natürlich unsere Erfahrungen der Vorjahre mitgebracht und weiterentwickelt. Verändert haben sich auch die technischen Voraussetzungen. Zu Beginn haben wir mit großen Kameras des Offenen Kanals gearbeitet. Inzwischen bevorzugen wir I-Pads.”

Jutta Mertens, Kunst- und Medienpädagogin, seit 2012 betreut sie das Projekt

Wie wird das neue Schuljahr geplant? Jutta Mertens beschreibt ihr methodisches Vorgehen: “Zunächst müssen wir natürlich wissen, was es im Museum in einem Schuljahr zu sehen gibt. Die Themen, die wir filmisch bearbeiten sind inspiriert von aktuellen Wechselausstellungen oder auch der aktualisierten Sammlung.

Die Gruppe wird in Teams eingeteilt, die zunächst gemeinsam Ideen entwickeln aus denen später Storyboard und Drehbuch entstehen. Kreative Freiheit wird bei uns groß geschrieben – vom Spielfilm über Interviews bis hin zum Dokumentar- oder Experimentalfilm ist alles möglich.”

Wildes Denken

Nicht nur das inhaltliche „über den Tellerrand schauen“, sondern auch die soft skills werden durch das Projekt gefördert. Das Museum ist ein Raum für wildes und kreatives Denken in dem Fehler erlaubt sind. „Das macht ein Museum so unglaublich wertvoll in Kombination mit dem schulischen Bildungsalltag“, resümiert Necmettin Atasoy. Und dem schließen wir uns an!

Wir freuen uns auf den Abschluss des Projektes Ende Juni und viele weitere, die folgen werden.

Aber jetzt erstmal viel Spaß bei den folgenden Filmen zum Thema Zeit. Wunderbar passend zur aktuellen Situation, in der für viele Menschen die Zeit, deren Beschleunigung und Entschleunigung eine ganz neue Bedeutung bekommen. 

Videoprojekte zum Thema Zeit

Kooperation IGS-Nordend und Museum für Kommunikation

Schüler*innen der Integrierten Gesamtschule Nordend Frankfurt besuchen einen Video-Workshop über das gesamte Schuljahr hinweg im Museum für Kommunikation Frankfurt. Das Projekt regt die Schüler*innen zur Auseinandersetzung mit dem Thema Kommunikation und Video an, ermöglichte ihnen das Kennenlernen des Museums als außerschulischen Lernort und förderte ihre Medien- und Sozialkompetenz.

Text: Fabian Lenczewski, 7. Mai 2020