Kuriose Neuigkeiten

Kuriose Neuigkeiten

Ende April haben wir bereits auf die Vorbereitungen zur Ausstellung „Kuriose Kommunikation – Ungewöhnliche Objekte und Geschichten aus der Sammlung“ aufmerksam gemacht. Damals berichteten wir vom Besuch des Depots in Berlin, wo wir in Abstimmung mit unseren Kolleg*innen vor Ort die Objektauswahl getroffen haben. Mittlerweile sind einige Wochen vergangen und die Planungen nehmen immer konkretere Formen an. Einige der Exponate sind bereits bei uns eingetroffen und warten hier auf ihre Einbringung in die Vitrinen und Rahmen.

 

Vielfalt der Objekte
In der Ausstellung zeigen wir die ganze Bandbreite kurioser Objekte aus der Sammlung in sechs verschiedenen Themenbereichen. Neben Alltagsgegenständen, wie etwa einem Fernseher, finden sich ganz besondere Unikate, wie das “Wash and Phone”. Dabei handelt es sich um eine künstlerische Kreation, bei der Teile einer Badewannenmischbatterie zu einem funktionsfähigen Telefon zusammengesetzt sind.
Einige der präsentierten Stücke sind denkbar klein und doch bisweilen von hohem Wert oder Seltenheit. Dazu zählt unter anderem eine Auswahl von Briefmarken, die sich durch eine besondere Wahl der Materialien auszeichnet. Statt aus Papier bestehen diese Postwertzeichen aus Holz, Leder oder Gummi! Das größte Objekt der Ausstellung wird „Roberto“ sein. Bei ihm handelt es sich um einen überlebensgroßen Blechmann, der in den 1950er Jahren als Werberoboter durch die Innenstädte stapfte.

 

To Do´s und Vorbereitungen
Bereits diese wenigen Beispiele verdeutlichen die Vielseitigkeit der Exponate, die ab dem 30. September im Museum zu sehen sein werden.

Bis dahin gibt es aber auch noch jede Menge zu tun: Die Ausstellungsstücke werden von den Restauratorinnen derzeit begutachtet und für die Präsentation vorbereitet. Parallel planen wir mit einem Grafiker die Anordnung der Vitrinen und Rahmen und die Gestaltung des Raumes. Auch wenn viele der Objekte bereits durch ihre Gestaltung auffallen, sind es doch besonders die Geschichten dahinter, die wir Euch erzählen möchten. Dafür erstellen wir Texte und Informationstafeln und üben uns dabei in der Kunst, kurz und knapp und zugleich verständlich zu schreiben. Um auf die Ausstellung aufmerksam zu machen, bereiten wir zugleich Informationen für die Presse vor. Zur Begleitung der Objektschau soll es neben Führungen auch interessante Veranstaltungen rund um das Thema Sammeln geben. Seid gespannt!

 

Text: Matthias Lieb, 01. Juli 2021

 

Episode 8: Über Museen schreiben

Episode 8: Über Museen schreiben

VoloMuPo – Volontariat, Museum, Podcast

 

Das wissenschaftliche Volontariat ist so etwas wie die “Ausbildung” zum Museumsmenschen. Innerhalb von zwei Jahren erhält man Einblicke in alle Bereiche der Museumsarbeit. Vom Sammeln und Bewahren hin zur Museumspädagogik und Verwaltung. Doch wie sieht das genau aus? Was gibt es alles zu tun und welche möglichen Herausforderungen können einen erwarten? Diesen Fragen geht der VoloMuPo nach. Ein Podcast zum Informieren, Vernetzen und Austauschen für Volontär*innen, Interessierte und alle, die mal einen Blick hinter die Kulissen der Museumslandschaft schauen wollen.

Du absolvierst zurzeit dein wissenschaftliches Volontariat und möchtest gerne im VoloMuPo über deine Erfahrungen austauschen? Dann melde dich hier!

 

 

Eines der größten Aufgabengebiete im Museum ist mit Sicherheit die Öffentlichkeitsarbeit – im Grunde alles, was nach außen strahlt. Und wenn man sich diese mal etwas genauer anschaut, stellt man schnell fest, dass es dabei um mehr geht als nur Pressemitteilungen und Newsletter. Was zählt alles dazu? Wie hat sich Öffentlichkeitsarbeit verändert und was könnte man noch alles ändern?

Lasst uns darüber mal reden…

 

00:00:45 – Begrüßung

In der letzten Episode waren meine Kolleg:innen aus dem Museum für Kommunikation Berlin zu Gast, d.h. heute begrüße ich wieder Gäste an anderen Häusern. Heute mit dabei sind Anne und Karo und wir unterhalten uns über das Aufgabengebiet der musealen Öffentlichkeitsarbeit.

00:01:40 – Das heutige Thema

Was ist eigentlich Öffentlichkeitsarbeit? Dahinter verbergen sich diverse Aufgaben, die den Zweck verfolgen das Museum nach außen zu präsentieren. Wie genau das aussehen kann, wollen wir heute besprechen.

00:02:25 – Anne Lulu Fetscher (Franckesche Stiftungen Halle/Saale)

Anne ist wissenschaftliche Volontärin bei den Franckeschen Stiftungen in Halle/Saale, dort ist sie vor alle im Bereich des Archivs anzutreffen. Außerdem ist Anne Sprecherin im AK Volontariat Mitteldeutschland.

00:03:20 – Karoline Seck (Ludwiggalerie Schloss Oberhausen)

Karo war bis vor kurzem wissenschaftliche Volontärin in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, wo sie hauptsächlich in der Öffentlichkeits- und Pressearbeit eingesetzt war. Nach vorherigen Stationen im Presse- und Fernsehbereich, hat es sie letztlich in die Museumswelt verschlagen.

00:05:20 – Zwei Fragen an meine Gäste

Franckesche Stiftungen und Ludwiggalerie. Was hat man darunter zu verstehen. Anne erläutert uns, was sich hinter den Stiftungen verbirgt und Karo berichtet uns, dass mit Galerie nicht immer nur Kunstausstellungen gemeint sein müssen. Und ganz nebenbei freue ich mich über den Begriff Pädagogium.

00:12:00 – Was ist Öffentlichkeitsarbeit?

Nun aber zum Thema: Wir lösen den Begriff der Öffentlichkeitsarbeit ein wenig auf. Was fällt alles unter diesen Begriff und welche Arbeiten sind damit verbunden? Und wie definieren manche Häuser diesen Begriff?

00:24:20 – Es menschelt im Museum

Wer arbeitet eigentlich im Museum? Diese Frage stellen sich sicherlich einige und auch so manches Museum hat schon den Versuch unternommen, die Frage zu beantworten. Doch wie soll man das angehen und wie möchte man sich präsentieren? Eine Aufgabe vor der viele Häuser stehen, vor allem dann, wenn es um die Kommunikation mit den Besucher*innen in den sozialen Medien geht. Wie will man mit den Leuten reden und wie viel will man preisgeben? Für uns jedoch steht fest: Es ist kein Makel zu zeigen, dass es hinter den Museumspforten auch menschelt.

00:41:00 – Die Sache mit der Digitalisierung

Museen sind manchmal etwas träge, wenn es um das Thema Digitalisierung geht. Dabei kommen verschiedene Faktoren ins Spiel: zu wenig Arbeitskraft, fehlende Arbeitskraft und manchmal auch das fehlende Wissen über digitale Strategien. So können sich manche Projekte dann doch ein wenig ziehen. Jedoch Anreiz genug, dass Volontär*innen hierbei frischen Wind mit in die Häuser holen.

00:48:45 – Websites

Es gilt die Faustregel: ein Museumsbesuch beginnt bei der Website. Diese sollte neben den Grunddaten wie Adresse, Öffnungszeiten und Preise, auch erste Einblicke in das Museum geben. Was wird ausgestellt? Gibt es momentan eine Wechselausstellung? Umso wichtiger ist eine übersichtliche und moderne Internetpräsenz, die auch gepflegt werden muss, damit nach Jahren sich keine Datenleichen anhäufen. Aber auch das Thema Barrierefreiheit beginnt bei der Website, ein Thema, das in einer Episode noch näher behandelt werden soll.

01:02:45 – Experimentelles // Wünsche

Challenges, Memes, TikTok? Es gibt unzählige Wege, wie man öffentlich auftreten könnte und damit verbunden auch immer die Frage: Möchte man diese Wege auch gehen? Museen sind da immer ein wenig zurückhaltend und es braucht viel Überzeugungskraft auch einmal experimentelle Wege einzuschlagen. Vielleicht wünschen sich das auch Anne und Karo.

01:18:20 – Letzter Werbeblock // Verabschiedung

Und so schnell kann dann auch eine Stunde vorbei sein. Zeit also für den letzten Werbeblock. Museumsbesuche sind glücklicherweise wieder möglich, also lohnen sich auch Besuche bei den Franckeschen Stiftungen und der Ludwiggalerie. In Halle z.B. ist aktuell eine Ausstellung zu Heilkräutern zu sehen, die bei ihrer Präsentation auch einige neue Wege einschlägt. In Oberhausen ist zurzeit eine Ausstellung rund um den Schuh in der Kunstgeschichte zu entdecken. In beiden Fällen lohnt sich der Besuch. Ich bedanke mich bei Anne und Karo für das tolle Gespräch und freue mich schon auf die nächste Episode, in der wir einen Blick in die Sammlungen der Museen werfen.

 

Zu Gast: Anne Lulu Fetscher (Franckesche Stiftungen Halle/Saale), Karoline Seck (Ludwiggalerie Schloss Oberhausen)
Redaktion/Moderation:
 Christian Bihn
Intro- und Outro-Musik: “Hau ab!” von der CD: „Bruders große Reise“, mit freundlicher Genehmigung von Stephan Völker (www.stephan-voelker.de)

Ein Projekt der Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Autor: Christian Bihn, 10.06.2021

„Smartphone.25 – Erzähl mal!“ – Eine Smartstory aus dem Alltag

„Smartphone.25 – Erzähl mal!“ – Eine Smartstory aus dem Alltag

Frauen Technik Icons

Die vollständige Gerätereihe.

Das Smartphone ist zu einem Begleiter in allen Lebenslagen geworden. Informationen können über unterschiedliche Suchmaschinen zu jeder Zeit aufgerufen werden, über Messenger-Dienste wird miteinander kommuniziert, die Lieblingsmusik ist nur eine App entfernt und wenn die Bahn Verspätung hat, wird dir auch dies über das Smartphone mitgeteilt. Das „intelligente Mobiltelefon“ ist längst Teil unseres Lebens und aus diesem auch schwer wieder wegzudenken. Anlässlich des 25. Geburtstags des Smartphones am 15. August starten wir schon jetzt das Projekt „Smartphone.25 – Erzähl mal!“.

Smartphone.25 – Erzähl mal

1996 kam der Nokia 9000 Communicator als erstes Handy mit mobilem Internetzugang auf den Markt und prägte von da an nicht nur die Industrie der Mobiltelefone nachhaltig, sondern leitete Veränderungen im Nutzungs- und Kommunikationsverhalten der Menschen in die Wege. Für das Projekt „Smartphone.25 – Erzähl mal!“ interessieren wir, die Museumsstiftung Post und Telekommunikation, uns für eure Smartphone-Erlebnisse. Eure persönliche Smartstory könnt ihr uns gemeinsam mit euren Gerätereihen bestehend aus mehreren eurer alten Handys und Smartphones zukommen lassen. Nähere Informationen findet ihr auf unserem Sammlungsaufruf. Wir freuen uns über jede einzelne Geschichte, die ihr uns zu erzählen habt!

Der Nokia 9000 Communicator von 1996.
Foto: Bert Bostelmann

Die kleinen Geschichten

Ich bin Katharina, zurzeit Masterstudentin der Erziehungswissenschaften und absolviere im Zuge meines Studiums noch bis Ende Juli mein Praktikum im Museum für Kommunikation in Frankfurt. Als Assistentin des Projekts „Smartphone.25 – Erzähl mal!“ bin ich wesentlich an dessen Konzeption beteiligt und gelte als Ansprechpartnerin für diejenigen, die sich entscheiden, uns ihre Gerätereihen und Smartstorys zukommen zu lassen.

Zugegeben: als ich über meine eigene Smartphone-Geschichte nachdachte, erschienen mir meine Smartphoneerlebnisse zunächst nicht der Rede wert. Erst nach und nach begriff ich, dass es die vermeintlich kleinen Geschichten sind, denen rückblickend mehr Bedeutung zukommt, als ich zunächst vermutet hätte.

Das erste Mobiltelefon

Unser erstes Mobiltelefon: Nokia 2110i, Typenbezeichnung Nokia NHE-4NX

Als der Nokia 9000 Communicator 1996 auf den Markt kam, hatte ich noch keinerlei Vorstellung davon, welch großen Stellenwert Smartphones in meinem Leben einmal haben werden. Lange Zeit wurde ich mit dem Begriff des „Smartphones“ nicht konfrontiert. Das erste Mobiltelefon meiner Familie war 1999 ein schwarzes Nokia 2110i und wurde klassisch für Telefonate von unterwegs genutzt. Erst als im Jahr 2007 Apple-Chef Steve Jobs das erste iPhone präsentierte, wurde der Begriff „Smartphone“ auch in meinem Freundes- und Familienkreis präsent. Das kleine, handliche Gerät mit Multi-Touch-Bildschirm überzeugte damit, viel mehr zu können als nur telefonieren oder SMS schreiben. Internetzugang, die Vernetzung mit WLAN und Bluetooth und die Wiedergabemöglichkeiten unterschiedlicher Medien vereinte sich nun in nur einem Gerät, das zudem auch noch schick aussah. Kein Wunder, dass dies teilweise zu langen Schlangen vor den Verkaufsgeschäften und zu einer „iPhone-Euphorie“ in meinem Freundeskreis führte. 

Die ersten Smartphones

Im Jahr 2009 kam ich zu meinem ersten Smartphone Samsung GT-S5230. Ich genoss es, damit auf dem Weg zur Schule Musik hören zu können oder SMS schreiben zu können. Erstaunlicherweise spielte für mich die Internetfunktion zunächst keine große Rolle, denn das mobile „Surfen“ war stets mit Kosten verbunden. Mit Besitz des ersten Smartphones änderte sich rückblickend auch mein Kommunikationsverhalten entscheidend. Immer seltener griff ich nach dem Festnetztelefon, um meine Freunde anzurufen, sondern ich entschied mich dazu, kurze Textnachrichten zu verfassen. Das Smartphone bedeutete für mich Freiheit und Flexibilität, führte gleichzeitig jedoch auch das erste Mal zu einem Gefühl ständiger Erreichbarkeit. Dieses Gefühl setzte verstärkt ein als ich später immer häufiger auf Messenger-Dienste zurückgriff, um zu kommunizieren. Auf meinem Samsung Galaxy Fame GT-S6810P installierte ich das erste Mal WhatsApp und den Facebook-Messenger. Lange Zeit verzichtete ich auf derartige Messenger-Dienste. Besonders wichtige Nachrichten erhielt ich weiterhin per SMS oder ich griff auf anderweitige immobile Chatmöglichkeiten zurück. Über ICQ, später über Facebook konnte sich auch hier ausgetauscht werden.

Von links: Samsung GT-S5230 von 2009, Samsung Galaxy Fame GT-S6810P von 2013, Samsung Galaxy Trend Lite (GT-S7390) von 2014

Beginn des Studiums

Das Huawei P10 von 2017 begleitet mich bis heute

Mit Beginn des Studiums erschloss sich mir jedoch immer mehr die Verwendung von Messenger-Diensten und anderweitigen Apps auf dem Smartphone. In den Einführungsveranstaltungen der Studiengänge kamen Studierende zusammen, die sich alle zunächst fremd waren. Nette Gespräche entstanden, erste Kontakte wurden geknüpft. Dass diese Kontakte jedoch auch in der Zukunft weiterhin Bestand hatten, hing ganz essenziell mit dem Smartphone zusammen. In Whatsapp- und Signalgruppen wurden Fragen zu Studieninhalten gestellt, über Instagram, Facebook und Twitter fand ebenfalls eine Vernetzung statt. Bei mir war der Beginn der Studienzeit unweigerlich mit dem Kauf eines neuen Smartphones mit mehr Speicherplatz verbunden. Das Huawei P10 begleitet mich bis heute. Mit der Zeit erkannte ich, wie Smartphones Menschen miteinander verbinden und zueinander bringen können. Smartphone bedeutet Nähe trotz Distanz. Insbesondere in der heutigen Zeit des social distancing ist derartige Nähe ungemein wichtig geworden, denn lassen wir dieses Gedankenexperiment einmal zu: Wie hätte die Corona-Pandemie ohne Smartphones ausgesehen?

Autorin: Katharina Kohl

Vom Telegramm zu Telegram – Kurznachrichtendienste im Wandel der Zeit

Vom Telegramm zu Telegram – Kurznachrichtendienste im Wandel der Zeit

Fernmeldeamt Telegrammannahme

Gibt man heutzutage den Suchbegriff „Telegramm“ in die Google-Suchleiste ein, erscheinen sofort Treffer über den Messenger-Dienst „Telegram“ – der bekannten App mit dem weißen Papierflieger-Symbol auf blauen Untergrund. Doch Moment mal – gab es nicht in „grauen Vorzeiten“ einen anderen Kurznachrichtendienst? – Genau!

Das Telegramm gerät in Vergessenheit. Die Technik entwickelt sich sehr schnell weiter, die Digitalisierung schreitet voran und es gibt einfachere und schnellere Wege, Nachrichten zu versenden. Längst wurde auch die SMS durch die Online-Kurznachrichtendienste Telegram, WhatsApp, Signal oder Threema abgelöst. Pionier all dieser Dienste war das Telegramm- der erste Kurznachrichtendienst der Geschichte.

Die Evolution der schnellen Nachrichtenübermittlung

 

Am 24. Mai feiert das Telegramm Geburtstag. Vor 177 Jahren, im Jahr 1844, versendet Samuel Morse in den USA die erste Kurznachricht von Washington nach Baltimore über den von ihm entwickelten Morseapparat. Seine Nachricht, ein Bibelzitat, lautete „What hath God wrought?“ – also „Was hat Gott bewirkt?“. So einiges! War doch nun der erste Kurznachrichtendienst erfunden.

Samuel Morse revolutionierte die Kommunikation. Nicht nur erfand er den Morseapparat und damit das Telegramm, er entwickelte mit dem Morse-Alphabet einen Code, der lange Zeit zur Übermittlung von kurzen Nachrichten genutzt wurde. Sein Apparat sendete durch das Drücken der Taste Impulse, die auf Papier übertragen wurden.

Zunächst hießen die übermittelten Nachrichten noch nicht „Telegramm“. Der Begriff wurde erst im Jahr 1852 von dem Amerikaner E.P. Smith erfunden. Die Deutsche Reichspost nutzte noch bis 1878 den Begriff „Depesche“.

Der Weg der kurzen Nachricht

Im 19. und 20. Jahrhundert wurde das Telegramm überwiegend zur Übermittlung von dringenden Nachrichten genutzt. Telefone waren zunächst kaum verbreitet und die Lieferzeit eines Standard-Briefes dauerte mehrere Tage.

In den 1920er Jahren wurde zur Übermittlung der Telegramme der Morseapparat durch den Fernschreiber ersetzt und die kurzen Nachrichten auch als Fernschreiben bezeichnet. Der Vorteil bestand darin, dass die Nachricht nach dem Empfang, im Unterschied zum Morseapparat, sofort als Text gelesen werden konnten.

Aufgegeben wurden Telegramme im Postamt, Telegrafenamt oder via Telefon. Die zu übermittelnde Nachricht wurde diktiert und mit dem Telegrafen übermittelt. Verwendet wurde eine abgekürzte Sprache, Telegrammstil genannt, denn der Preis eines Telegrammes richtete sich nach der Anzahl der Zeichen. Für regelmäßige Telegramm-Empfänger lohnte es sich eine verkürzte Adresse zu beantragen – „Drahtwort“ genannt. Denn auch die Adresse zählte in die Zeichenanzahl der Nachricht.

Der spätere Fernschreiber codierte und übermittelte die Nachricht über elektrische Impulse an die am Empfänger nächst gelegene Telegrafenstation, wo diese auf einen Papierstreifen gedruckt wurde. Die Zustellung des Telegramms erfolgte per Bote innerhalb von zwei Stunden bzw. nachts innerhalb von vier Stunden nach Aufgabe nach Nachricht.

Telegramm- und Eilzustellerin der Deutschen Bundepost in Dienstkleidung mit Zustelltasche bei der Haustürzustellung eines Einschrteibbriefes
Telegram(me) im 21. Jahrhundert

 

Während im Jahr 1978 in Deutschland noch 13 Millionen Telegramme versendet wurden, war dieses Kommunikationsmittel gegen Ende des 20. Jahrhunderts größtenteils von Fax und E-Mail abgelöst. Verschwunden ist das Telegramm dennoch nicht. Auch heute können bei der Post Telegramme aufgeben werden – etwa für besondere Anlässe, für die eine große Auswahl an Schmuckblättern  erhältlich ist. Wie früher sind die Zeichen auch heute begrenzt, denn der Preis richtet sich noch immer nach ihrer Anzahl. Die Aufgabe eines Telegramms ist innerhalb Deutschlands über das Telefon oder Internet möglich. Die Zustellung erfolgt, anders als früher, meist erst am nächsten Werktag.

Nun übernehmen die Online-Nachrichtendienste Telegram und Co. die Übermittlung der meisten Kurznachrichten. Allein im Jahr 2017 wurden 70 Milliarden Nachrichten über den Onlinedienst Telegram versendet. Der Namensvetter und die anderen Messenger-Dienste sind im 21. Jahrhundert nicht mehr wegzudenken: die Übermittlung von schriftlichen Nachrichten ist so schnell und einfach wie nie zuvor. 

Fest steht: in der Geschichte der Kommunikation bis hin zur der Entwicklung unserer heutigen Kurznachrichtendienste war das Telegramm ein wichtiger Meilenstein!

 

Zahlreiche Bilder des Morseapparates, des Fernschreibers und historischer Telegramme findet Ihr in der Digitalen Objektdatenbank der Museumsstiftung Post und Telekommunikation. Viel Spaß beim Stöbern!

Autorin: Xenia Gärtner, 24.05.2021

 

 

 

Episode 7.5: ON AIR. 100 Jahre Radio

Episode 7.5: ON AIR. 100 Jahre Radio

VoloMuPo – Volontariat, Museum, Podcast

 

Das wissenschaftliche Volontariat ist so etwas wie die “Ausbildung” zum Museumsmenschen. Innerhalb von zwei Jahren erhält man Einblicke in alle Bereiche der Museumsarbeit. Vom Sammeln und Bewahren hin zur Museumspädagogik und Verwaltung. Doch wie sieht das genau aus? Was gibt es alles zu tun und welche möglichen Herausforderungen können einen erwarten? Diesen Fragen geht der VoloMuPo nach. Ein Podcast zum Informieren, Vernetzen und Austauschen für Volontär*innen, Interessierte und alle, die mal einen Blick hinter die Kulissen der Museumslandschaft schauen wollen.

Du absolvierst zurzeit dein wissenschaftliches Volontariat und möchtest gerne im VoloMuPo über deine Erfahrungen austauschen? Dann melde dich hier!

 

 

Kurz vor Heiligabend im Jahr 1920 sendeten Reichspostmitarbeiter vom Sender Königs Wusterhausen die erste öffentliche Radiosendung in Deutschland aus. Damit legten sie den Grundstein für nunmehr 100 Jahre Radiogeschichte. Zum Jubiläum 2020 eröffnete das Museum für Kommunikation Berlin eine Wechselausstellung, die sich der bewegten Geschichte annimmt. Wie ist die Ausstellung entstanden und wie hat man sein eigenes Hörverhalten bei der Entstehung neu entdeckt?

Lasst uns darüber mal reden…

 

00:00:45 – Begrüßung

Willkommen bei der 7,5. Episode des VoloMuPo und damit zur zweiten Episode, in der ich mir Kolleg*innen aus der Museumsstiftung Post und Telekommunikation in den Podcast hole. Beim letzten Mal war Frankfurt vertreten, also steht heute Berlin auf der Gästeliste.

00:01:20 – Heute zu Gast

Heute dabei sind Johanna, Anne und Florian, die gemeinsam die Wechselausstellung ON AIR. 100 Jahre Radio kuratiert haben bzw. daran beteiligt waren.

00:02:15 – Johanna Geßner (Museum für Kommunikation Berlin)

Johanna kennt ihr aus der ersten Episode. Sie hat im März 2020 ihr wissenschaftliches Volontariat im Berliner Haus begonnen und stieg dabei in die Planung von ON AIR mit ein. Mittlerweile hat sie ihren Arbeitsplatz vom Museum in der Leipziger Straße in das Sammlungsdepot in Berlin-Tempelhof verlegt und wirkt dort an den Vorbereitungen für das 125-jährige Jubiläum der Sammlung des Reichspostmuseums im kommenden Jahr mit.

00:03:00 – Anne-Sophie Gutsche (Museum für Kommunikation Berlin)

Anne ist, wenn man so will, Johannas Vorgängerin als Volontärin in Berlin. Nach dem Ende ihres wissenschaftlichen Volontariats, arbeitet sie nun als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Berliner Haus und unterstützt dabei Florian als Co-Kuratorin der Wechselausstellung ON AIR.

00:03:40 – Florian Schütz (Museum für Kommunikation Berlin)

Florian ist schon lange in der Museumsstiftung dabei. Sein Volontariat absolvierte 2014-2016 ebenfalls im Berliner Haus. Seit 2016 kuratiert er als wissenschaftlicher Mitarbeiter Wechselausstellungen. Aktuell in der Planung ist eine Ausstellung zur Streit- und Debattenkultur.

00:06:45 – Das heutige Thema

Wir werfen einen Blick auf die Wechselausstellung ON AIR, die im Oktober 2020 eröffnet wurde. ON AIR blickt zurück 100 Jahre Radiogeschichte in Deutschland und nimmt dabei die erste öffentliche Rundfunkübertragung 1920 zum Anlass. Wie lief die Planung trotz erschwerter Pandemiebedingungen und welche Kniffe, Highlights und Ausblicke bietet die Ausstellung?

00:16:40 – Expertisen

Grundwissen zum Thema Rundfunk liegen bei fast allen vor. Es gibt einen Sender, der elektromagnetische Wellen aussenden, die von einem Empfänger wieder in Töne umgewandelt werden. Spätesten ab dem Punkt, an dem man mehr in die Materie einsteigen muss, gelangt man auch mal an seine Grenzen des Verständnisses: Röhren, Trägerwelle, Frequenzbereiche usw. werden in einem Geschichtsstudium eher selten thematisiert. Hier greift die Expertise von außen aber auch von innerhalb der Museumsstiftung.

00:21:00 – Zielgruppen // Planung

Wechselausstellungen sollen immer eine breite Zielgruppe ansprechen und demnach auch ihre Themen verständlich vermitteln können. So sollen sie für Themeneinsteiger*innen, aber auch Expert*innen interessant sein. Das nicht alles behandelt werden kann, liegt in der räumlichen Begrenzung einer jeden Ausstellungsfläche. Eine Ausstellung zu produzieren bedeutet also auch immer Reduktion.

00:30:00 – Wohin geht’s mit dem Radio?

Ohne Frage hat das Radio unser Hörverhalten geprägt und prägt es auch noch weiter. Man vertraut den Nachrichten im Radio. Es läuft nebenbei, bei der Arbeit oder Autofahren. Und selbst Audioinhalte wie Hörspiele und Podcasts haben ihre Ursprünge beim Radio. Es wird also nicht allzu bald verschwinden. Stellt sich also die Frage, wie es weitergehen könnte. Werden Radiosendungen womöglich bald als 360° Audio ausgespielt?

00:42:00 – Social Media-Kampagne

Begleitend zur Ausstellungsplanung wurden mehrere Social Media-Kampagnen zur Beteiligung der Besucher*innen veranstaltet. 100 Tweets zur Radiogeschichte oder der Sammlungsaufruf zu persönlichen Radiogeschichten mit passendem Bild vorm Rundfunkempfänger. Fazit: Die Beteiligung war riesig und machte nochmals deutlich, wie allgegenwärtig das Radio auch noch 100 Jahre nach der ersten Rundfunksendung in Deutschland ist.

00:45:45 – Radiorundgang durch die Radioausstellung

ON AIR ereilte leider recht schnell nach der Eröffnung dasselbe Schicksal wie viele andere Ausstellungen. Ab November waren die Museumstüren vorerst geschlossen. Mit der kurzzeitigen Öffnung im Frühjahr 2021 konnten noch einige Besucher*innen die Ausstellung sehen, aber mit der erneuten Schließung bleibt der verdiente Ansturm auf die Ausstellung vorerst aus. Warum also nicht eine Audioführung durch die Ausstellung unternehmen und das in angebrachter Radiomanier.

01:18:00 – Fazit // Verabschiedung

Ein großes Dankeschön an Johanna, Anne und Florian fürs Dabeisein und die Einblicke in die Entstehung der Ausstellung ON AIR, die noch bis zum 24. Oktober 2021 in Berlin gezeigt wird, hoffentlich bald auch wieder mit Besucher*innen.

 

Zu Gast: Johanna Geßner, Anne-Sophie Gutsche, Florian Schütz (Museum für Kommunikation Berlin)
Redaktion/Moderation:
 Christian Bihn
Intro- und Outro-Musik: “Hau ab!” von der CD: „Bruders große Reise“, mit freundlicher Genehmigung von Stephan Völker (www.stephan-voelker.de)

Ein Projekt der Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Autor: Christian Bihn, 21.05.2021