Heldinnenhafte Erfindungen – Literaturtipps zum Frauentag

Heldinnenhafte Erfindungen – Literaturtipps zum Frauentag

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Unsere Ausstellung Back to Future erzählt von technischen Visionen der Vergangenheit, die oftmals zu Innovationen der Gegenwart wurden. Erfindungsgeschichte ist häufig nicht nur die Geschichte von einzelnen Genies, sondern von Umständen, Kollaborationen und Konflikten verschiedener Ideen. Erst in den letzten Jahren wird dabei auch verstärkt auf die Rolle jener Frauen hingewiesen, die an Innovationsprozessen wesentlich beteiligt waren und deren Erfindungen die Basis unserer heutigen Technik bilden. Viele von ihnen arbeiteten dabei inmitten von Zeitgenossen, deren Visionen zwar die Besiedlung von Mond und Meeresboden als möglich ansahen, kaum aber eine Zukunft mit gleichen Rechten für Frauen. Umso heldinnenhafter ihr Beitrag, dem wir am heutigen Frauentag mit nur einigen der mittlerweile zahlreichen Literaturtipps gedenken wollen.

Mütter der Erfindungen

Ein guter Start in das weite Feld weiblicher Erfindungen, ist das Buch Geniale Frauen von Deborah Jaffé. Sie stellt bekannte Erfinderinnen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert vor, und widmet jedes Kapitel einem Gebiet von Gegenständen, an denen Frauen Patente anmeldeten. So zum Thema Körper und Haushalt, Erfindungen für Kinder, Wissenschaft und Medizin. Das Kapitel Transportwesen, Reisen und Technik erzählt von Frauen, die die Unabhängigkeit der neuen technischen Innovationen nicht nur sehr zu schätzen wussten, sondern auch aktiv mitgestalteten. So Sarah Guppys Verfahren zur Sicherung von Hängebrücken, Eva Balfours Befestigung für Eisenbahnschwellen und Patente für Transportmittel von Frances Young und Mabel van Vechten. Telegrafie, Schreibmaschine und Fahrrad erschlossen Frauen neue Betätigungsfelder und Freiheiten. Sarah Buckwell arbeitete an einem Chiffriersystem, das vielseitig verwendbar war, ähnlich wie Martha Coston, die ein Patent ihres Mannes weiterentwickelte, das später von der Marine genutzt wurde. Gerade das Fahrrad inspirierte viele Erfinderinnen zu Ideen, dieses neue Freiheitsvehikel noch zu verbessern, zum Beispiel durch Lavinia Laxton. Die Visionärin Clara Louise Wells beschäftigte sich gleich mit mehreren Ideen und entwarf Projekte zur Wasseraufbereitung und kreative Ideen zum Transport der Zukunft. Das Buch enthält zahlreiche technische Entwürfe und verzeichnet die Erfindungen in einem Anhang über die von Frauen eingereichten Patente.

Jaffé, Deborah: Geniale Frauen. Berühmte Erfinderinnen von Melitta Bentz bis Marie Curie.  München : Piper. ISBN: 978-3-492-25018-4

 

“Not ist die Mutter der Erfindungen” sagt ein englisches Sprichwort. Dies mag so sein, unterschlägt aber die Tatsache, dass Erfinder auch wirkliche Mütter sein können.”

Queen of Science

Von einer Pionierin der Computertechnik handelt das Buch Ada Lovelace. Sie schrieb 1843 das weltweit erste Programm für eine informationsverarbeitende Maschine. Herausgegeben von Sybille Krämer, erzählt das Buch ihre kurze Lebensgeschichte und enthält Beiträge verschiedener Autor*innen zur Frage, welchen Anteil Frauen bis heute an der digitalen Welt haben. In der Auseinandersetzung mit Adas Stilisierung als Ikone und „Queen of Science“, enthält das Buch Kapitel über Frauen, Gender und Digitalisierung, gibt einen Ausblick auf ihre Nachfolgerinnen und aktuelle Tendenzen zum Thema Geschlecht und Informatik, Gender in Naturwissenschaften und Gestaltung von Softwaretechnik durch Frauen.

Krämer, Sybille (Hg.): Ada Lovelace. Die Pionierin der Computertechnik und ihre Nachfolgerinnen. Paderborn : Fink, ISBN: 978-3-7705-5986-2

 

“I believe myself to possess a most singular combination of qualities exactly fitted to make me pre-eminently a discoverer of the hidden realities of nature.”

Menschliche Computer im Schatten

Keine Apollo-Missionen ohne die sogenannten „menschlichen Computer“. Mathematikerinnen, die während der rassistischen Segregation in den USA, im Rechenzentrum des Westflügels der späteren NASA angestellt waren. Im Kernschatten des Mondes von Margot Lee Shetterly erinnert an einige der Wissenschaftlerinnen, die die Grundvoraussetzungen für die ersten Raummissionen schufen, während sie sich zugleich in einer männerdominierten Behörde durchsetzen mussten und den Bedingungen der Rassentrennung unterworfen wurden. Unter ihnen Dorothy McFadden Hoover, Dorothy Vaughan und Mary Jackson, deren Forschungsberichte zu Grundlagen für die zukünftige Arbeit mit mechanischen Rechenmaschinen wurden und Katherine Johnson, die mit bahnbrechenden mathematischen Operationen die Umlaufbahn für die erste bemannte Raumfahrt berechnete.

Ihre wesentliche Teilhabe an der Raumfahrtgeschichte blieb lange Zeit nicht erwähnt. Das Buch versucht, das Leben und die Arbeit der Mathematikerinnen wieder in Erinnerung zu rufen und wurde unter dem Titel „Hidden Figures“ verfilmt.

Shetterly, Margot Lee: Im Kernschatten des Mondes. Die unbekannten Heldinnen der NASA.  New York : HarperCollins, ISBN: 978-3-95967-403-4

 

„Was mir für sie vorschwebte, war die große mitreißende Story, die sie verdient haben, vergleichbar mit der, die man mit den Brüdern Wright und den Astronauten, mit Alexander Hamilton und Martin Luther King Jr. verbindet.“ 

Mrs. Bluetooth

Was macht man eigentlich so als mysteriöse Hollywood-Diva, die ihrer Zeit voraus ist, neben dem Produzieren skandalöser Filmgeschichte? Genau, die Grundlagen der heutigen Mobilfunktechnik erfinden. Und einen Torpedo gegen Nazis. Zumindest ist das die spektakuläre Geschichte von Hedy Lamarr, die in letzter Zeit eine Reihe von Publikationen inspirierte. Darunter das Buch Hedy Darling von Jochen Förster, das auf Gesprächen mit ihrem Sohn beruht.

Gemeinsam mit ihrem Freund George Antheil entwickelte sie eine Methode zur Fernsteuerung von Torpedos, aus dem Bereich der Frequenzsprung-Technik, die 1942 patentiert wurde. Damals ein Mittel der geheimen militärischen Kommunikation, ist es die Basis heutiger kabelloser Verbindungen und GPS.

Förster / Loder: Hedy Darling. Hollenstedt : Ankerherz Verlag, ISBN: 978-3-94013-825-5

 

 

„Filme haben zu einer bestimmten Zeit einen bestimmten Platz. Aber Technologie ist für immer.“ 

 

Das programmierende Geschlecht

Janet Abbate schreibt in ihrer Einleitung, dass viele Leute überrascht sind, zu entdecken, welche Rolle Frauen in der Geschichte der Computertechnik spielen. Ihr Buch Recoding Gender, das seit den 90er Jahren mehrfach neu verlegt wurde, ist einerseits ein Streifzug durch die Geschichte des Programmierens und dokumentiert gleichzeitig, wie und welche Frauen, Einfluss auf jede der einzelnen Dekaden vom 2. Weltkrieg bis ins 21. Jahrhundert hatten. Sie untersucht, was die Zahlen von Frauen in diesem Berufsfeld seit den 80er Jahren rückläufig macht und bindet damit die Geschichte der Computertechnik an die aktuelle Genderforschung.

Abbate, Janet: Recoding Gender. Women’s changing participation in computing.  Cambridge : MIT Press, ISBN: 978-0-262-53453-6

 

„It really amazed me that men were programmers, because I thought it was women’s work!“

 

Mehr spannende Bücher zum Thema findet Ihr im Online-Katalog

Wir eröffnen Museum und Bibliothek am 12.03.2021 und freuen uns, Euch zu sehen!

 

Autorin: Sandy Lang, 08. März 2021

Filmtipps für Zuhause! – Die Science-Fiction Klassiker von Andrei Tarkovsky

Filmtipps für Zuhause! – Die Science-Fiction Klassiker von Andrei Tarkovsky

Back to Future_Autonomes Fahren_Futurama

#stayathome und #bleibtgesund sind auch 2021 wichtige Ansagen, um die Ausbreitung der Covid-19-Pandemie einzudämmen. Leider geht damit auch die Schließung von Museen, Kinos und anderen kulturellen Einrichtungen einher und man findet sich daher viel öfter auf der heimischen Couch wieder, als es vor den Zeiten der Pandemie womöglich der Fall war.

Um die Zeit bis zur Wiedereröffnung zu verkürzen heute hier an dieser Stelle Filmtipps für euer Zuhause!

Im November letzten Jahres wurde unsere neue Sonderausstellung „Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität“ eröffnet, leider nur im virtuellen Museum via Livestream. Den kuratierten Rundgang durch die Ausstellung könnt ihr bei Youtube weiterhin ansehen.

Die Ausstellung, die sich mit den Zukunftsvisionen kreativer Vordenker*innen beschäftigt lädt ebenso dazu ein, dem Thema Science-Fiction auch zuhause nachzuspüren, daher hier zwei absolute Filmklassiker des russischen Regisseurs Andrei Tarkovsky, die auf Youtube von der russischen Filmgesellschaft Mosfilm auf deren Youtube-Kanal frei zugänglich gemacht wurden: Solaris (1972) und Stalker (1978/79). Zeitlose Visionen! Philosophische Betrachtungen! Großartiges Kino!

ACHTUNG Hinweis: Die von MOSFILM frei zugänglich gemachten Filme werden nicht abgespielt, wenn diese eingebettet sind. Drückt auf “Play”und danach “Auf Youtube ansehen”

SOLARIS
(UdSSR, Regie: Andrei Tarkovsky, 1972, FSK 12)

Ein Psychologe wird zum Planeten Solaris geschickt, um unerklärlichen Vorkommnissen auf der dortigen Forschungsstation nachzuspüren. Die Konfrontation mit einer absolut fremden Lebensform (der gesamte Planet spiegelt als kollektives Bewußtsein die Erinnerungen, Ängste und Wünsche der Raumfahrer zurück) wird für die Besatzung des Raumschiffs zur metaphysischen Reise in die Innenwelt ihrer eigenen Kultur. Nach dem Science-Fiction-Roman von Stanislaw Lem erzählt Andrej Tarkowskij eine philosophische Fabel, die um die abendländischen Ideen von Tod, Liebe und Auferstehung kreist. Ein brillant inszenierter, äußerst reicher und vielschichtiger Film, der, im Gewand einer technischen Utopie, die Hybris traditionellen Fortschrittsglaubens in Frage stellt. 

(Quelle: Lexikon des internationalen Films: https://www.filmdienst.de/film/details/40086/solaris-1972)

STALKER
(UdSSR, Regie: Andrei Tarkovsky, 1978/79)

Unter der Führung des “Stalkers”, eines Pfadfinders und Ortskundigen, der am Rande der Welt in einer vom Verfall gezeichneten Industrielandschaft lebt, begeben sich ein Wissenschaftler und ein Schriftsteller in die mysteriöse “Zone”, wo es angeblich einen Ort geben soll, an dem die geheimsten Wünsche in Erfüllung gehen. Die Expedition wird zur Reise in die Innenwelt der Protagonisten und zum Panorama einer gottverlassenen europäischen Zivilisation. Ähnlich wie in “Solaris” benutzt Tarkowskij eine Science-Fiction-Vorlage als Hintergrund für mystisch-philosophische Reflexionen und überwältigende Bildvisionen, mit denen er die Grenzen des herkömmlichen Erzählkinos poetisch überschreitet. Die eigenwillige Ästhetik seiner Filmsprache, die sich jedem oberflächlichen Realismus verweigerte, nötigte Tarkowskij 1982 zur Emigration aus der Sowjetunion. Er starb am 29.12.1986 in Paris. Sein letzter Film war “Das Opfer”.

(Quelle: Lexikon des internationalen Films: https://www.filmdienst.de/film/details/45171/stalker)

 

Autor: Daniel Voigt 05.02.2021

Wir leben im globalen Dorf – Dank grenzenloser Kommunikation weltweit vernetzt!

Wir leben im globalen Dorf – Dank grenzenloser Kommunikation weltweit vernetzt!

Back to Future_Autonomes Fahren_Futurama

Sammelbildchen “Zukunftsfantasien” aus dem “Echte Wagner Album Nr.3” von 1930

 

Menschen sollten miteinander kommunizieren können – überall und jederzeit. Dieser Wunsch findet 2020 mehr Unterstützer denn je, treibt doch die Corona-Pandemie dazu an, kontaktlose Kommunikation auszubauen und zu fördern. Doch wie sah der Wunsch nach grenzenloser Kommunikation in der Vergangenheit aus? Dieser Frage gehen wir im zweiten Raum der Ausstellung Back to Future nach!

In regelmäßigen Abständen stellen wir euch die Ausstellungsinhalte der Ausstellung „Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität“ vor. Einer von insgesamt vier Themenräumen heißt „Grenzenlose Kommunikation“ und nimmt die technischen Visionen rund um das Thema kontaktlose Kommunikation unter die Lupe.

„Zieh dir was Hübsches an, wir rufen Oma an!“

 

Wie können wir uns sehen, obwohl wir räumlich voneinander getrennt sind? Inspiriert von der Erfindung des Telefons entwerfen Zeichner schon Ende des 19. Jahrhunderts Bildtelefone wie das „Telephonoscope“. Ihre Ideen verbreiten sie zunächst als Satire und Falschmeldungen über angebliche Erfindungen in Zeitungen und Zukunftsromanen.

Erste Formen des Bildtelefons kommen Ende der 1920er Jahre auf und werden weiterentwickelt. Hohe Kosten sowie Mängel bei der Bildübertragung verhindern aber die Verbreitung. Erst durch die Internettelefonie Anfang des 21. Jahrhunderts verbessert sich die Qualität und das Telefonieren mit Video wird bezahlbar. Ihre wahre Bedeutung scheint die Videotelefonie jedoch erst durch die soziale Distanzerfahrung während der Corona-Krise seit 2020 zu erleben. Egal ob Meeting, Schulunterricht oder Familienfeier – die Videotelefonie erleichtert so einiges!

Ausstellung Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität - Suche nach einer anderen Welt - Ausstellungsansicht

 

Fotografie eines Telefongesprächs in einer Fernsprechkabine der Deutschen Reichspost um 1936. © MSPT

Immer und überall erreichbar – Fluch oder Segen?

Heute verlässt fast niemand mehr das Haus, ohne sein Handy mitzunehmen. Noch vor 20 Jahren hätte diese Entwicklung kaum jemand für möglich gehalten.

Vom ersten Patent bis zum beliebten Massenmedium benötigt das Mobiltelefon rund ein Jahrhundert: Nathan Stubblefield ist um 1900 von der drahtlosen Telegrafie inspiriert und experimentiert mit mobilen Möglichkeiten zur Übertragung von Sprache – jedoch noch auf sehr kurzen Entfernungen.

Manche Zeitgenossen sagen das damals Unglaubliche voraus: Es wird in der Zukunft möglich sein, seine Freunde anzurufen, ohne zu wissen, wo sie sich gerade befinden. Kritische Schriftsteller und Illustratoren warnen zeitgleich in Zeitungsartikeln vor der Gefahr der Erschöpfung durch die ständige Erreichbarkeit des mobilen Telefons. Diese Schattenseiten sind besonders durch die Verbreitung des Smartphones aktuell geworden und beschäftigen Kritiker weltweit. Wie weit wird unsere Erreichbarkeit wohl in Zukunft gehen?

Versuchsprojekt BIGFON um 1980. © MSPT

Adieu, Sprachkurs!

Weltweit gibt es 6.500 Sprachen und weitaus mehr Dialekte. Es ist ein alter Menschheitstraum, sich über Grenzen hinweg verständigen zu können, ohne mühevoll neue Sprachen zu erlernen. Deshalb erfinden kluge Köpfe ab dem 16. Jahrhundert Universalsprachen und Science-Fiction-Autoren erzählen von technischen Simultanübersetzern.

Die Tage des analogen Wörterbuchs sind seit den 1990er Jahren gezählt. Online-Übersetzungsdienste verbessern sich durch die Weiterentwicklung von Computern, Internet, neuronalen Netzen und Maschinellem Lernen zusehends.

Obwohl wir dem Traum der simultanen Übersetzung nie näher waren, ist eine Verständigung ohne Sprachbarrieren noch weit entfernt. Einen Sprachkurs zu besuchen lohnt sich also nach wie vor!

 

Auf unserem Expotizer erfahrt ihr mehr über die Inhalte der Ausstellung: https://back-to-future.museumsstiftung.de/

Laufzeit der Ausstellung: 18.11.2020 bis zum 29.08

 

Autorin: Christina Komitakis 13.01.2021

„Das Sonnensystem wird unser Kindergarten“- Suche nach einer anderen Welt

„Das Sonnensystem wird unser Kindergarten“- Suche nach einer anderen Welt

Back to Future_Autonomes Fahren_Futurama

Postkarte aus dem Jahr 1910. Sammlung Museumsstiftung Post und Telekommunikation. © MSPT

„Es stimmt, die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber der Mensch kann nicht ewig in der Wiege bleiben. Das Sonnensystem wird unser Kindergarten.“ Es sind solche Zitate und Visionen, wie die vom russischen Visionären Ziolkowski, die die Menschen von neuen Welten träumen lassen.

In regelmäßigen Abständen stellen wir euch die Ausstellungsinhalte der Ausstellung „Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität“ vor. Im Themenbereich „Suche nach fernen Welten“ bewegen wir uns von der Erde weg und tauchen hinab in die Tiefe der Weltmeere, verlassen die Erde gen fremder Planeten und versinken in fremde Welten.

Denn seit Jahrhunderten erträumen sich die Menschen neue Welten. Als Christoph Kolumbus vor rund 500 Jahren Amerika in den europäischen Blick rückt, verleiht er dem visionären Denken neuen Schub. Für die Menschen eröffnen sich plötzlich neue Erfahrungshorizonte. Dazu zählen neben den neuen Kontinenten auch die Meere und die Himmelsgestirne. 

Der Wunsch nach einem neuen Lebensort vereint meist das Hinstreben nach einer neuen Gesellschaftsform. Bis heute ist der Traum von einer besseren Gesellschaft in einem neuen Raum ungebrochen.

Hinauf zu den Planeten: Siedeln auf fernen Planeten

 

Gibt es noch eine andere Welt da draußen? Als Nikolaus Kopernikus im 15. Jahrhundert entdeckt, dass die Erde ein Planet unter vielen und nicht der Mittelpunkt des Universums ist, verändert sich das Weltbild. 

Die Suche nach außerirdischen Welten beginnt und mit ihr die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft. Dichter wie Wissenschaftler suchen nach Möglichkeiten, zu anderen Himmelskörpern zu reisen. Cyrano de Bergerac beschreibt 1657 zum ersten Mal einen Raketenflug in seinem Roman „Reise zum Mond“. Es soll aber noch 270 Jahre dauern, bis Hermann Oberth mit der ersten Flüssigkeitsrakete Mirak die Grundlage für den ersten Mondflug bereitet.

Seit den 1970er Jahren treibt auch die Sorge um die Zerstörung der Erde die Frage an, ob wir zukünftig einen neuen Heimatplaneten brauchen.

Ausstellung Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität - Suche nach einer anderen Welt - Ausstellungsansicht

 

© Sven Moschitz / MSPT

 
 
Hinab in die Tiefe: Unterwasserzivilisation

 

Die Erdoberfläche besteht zu rund 70 Prozent aus Ozeanen und Seen. Doch lange Zeit bleibt das Leben unter Wasser dem menschlichen Entdeckergeist verborgen.

Mit den zunehmenden technischen Möglichkeiten zum Ende des 19. Jahrhunderts beginnt die planmäßige Auslotung und Vermessung der Tiefen. Tauchanzüge und Unterseeboote ermöglichen längere Aufenthalte unter der Wasseroberfläche. Experimente mit Behausungen unter Wasser ab 1960 zeigen, dass Erdenbewohner*innen mit Hilfe der Technik auch außerhalb ihrer natürlichen Umgebung überleben können.

 

 

Zeichnung „Artist’s cutaway view of Tektite II habitat“ (künstlerische Darstellung des Tektite II Habitats.)
© NOAA Central Library Historical Fisheries Collection

Voyage to InnerSpace-National Undersea Research Program (NURP) Collection-Undersea Technologies-Submersibles.
© OAR/National Undersea Research Program (NURP),see copyright info on photolib.noaa.gov

Eintauchen in eine andere Welt: Totale Immersion

Aus Motiven wie Neugier, Langeweile oder Entspannung suchen Menschen seit jeher das Gefühl, in andere Welten versinken zu können. Kreative Autor*innen und Filmemacher*innen führen uns deshalb in vielfältige Imaginationsräume und lassen uns die eigene Lebenswelt für einen Moment vergessen.

Es ist der ständige Wunsch nach einem intensiveren Immersionserleben, der in der Geschichte zur steten Weiterentwicklung vielgestaltiger Medien führt. Sie reichen von einfachen Schattenspielen der frühen chinesischen Volkskunst und Live-Rollenspielen bis hin zu dreidimensionalen Inszenierungen und aufwändigen Virtual-Reality Installationen. Manche ermöglichen sogar Interaktionen in der virtuellen Welt.

Alle haben sie die zeitlich begrenzte Flucht aus dem eigenen Leben gemeinsam. Sie funktionieren so als Spielplatz fantastischer Ideen, die vereinzelt auch Eingang in den Alltag finden.

 

Fotografie des ersten Head Mounted Display von 1968, USA. Quelle: Ivan Sutherland, Bob Ross und Quintin Foster

Auf unserem Expotizer erfahrt ihr mehr über die Inhalte der Ausstellung: https://back-to-future.museumsstiftung.de/ (Laufzeit bis zum 29.08.2021).

 

Autorin: Caroline Dörr, 28.12.2020

Das Streben nach körperlicher Perfektion – Optimierung des Menschen

Das Streben nach körperlicher Perfektion – Optimierung des Menschen

© Sven Moschitz / MSPT

Kann man den Menschen verändern, anpassen oder gar neu erschaffen? Im ersten Raum der Ausstellung „Optimierung des Menschen“ gehen wir dieser Frage nach! Der Gedanke ist keineswegs einer diesen Jahrhunderts. Der Wunsch nach Verbesserung findet sich schon in alten Erzählungen der Menschheitsgeschichte. Ihren Ausgang nimmt diese Entwicklung in der Aufklärung: Der Mensch überlässt seine Entwicklung nicht länger einem möglichen Schöpfer, sondern nimmt sie in seine eigene Hand. Seinen Körper betrachtet er nun viel mehr als Maschine, die durch Eingriffe „repariert” werden kann.

In regelmäßigen Abständen stellen wir euch die Ausstellungsinhalte der Ausstellung „Back to Future. Technikvisionen zwischen Fiktion und Realität“ vor. Einer von insgesamt vier Themenräumen heißt „Optimierung des Menschen“ und nimmt die technischen Visionen rund um das Thema Verbesserung von Körper und Geist unter die Lupe.

Halb Mensch, halb Maschine oder doch lieber Unsterblich sein

 

Cyborgs (Cybernetic Organism) – Mischwesen aus Mensch und Maschine – sind ein beliebter Gegenstand vieler Science-Fiction Filme und Bücher und heute teilweise Realität. Computergesteuerte Prothesen für fehlende Gliedmaßen und Organe geben vielen Menschen Lebensqualität zurück. Doch es gibt auch Stimmen aus der Cyborg-Szene, die die Auflösung der Grenzen zwischen Mensch, Tier und Maschine fordern. Wie weit wird die Optimierung des Körpers in Zukunft wohl gehen?

Wenn es nach Robert Ettinger ginge, könnte der menschliche Körper dem Zerfall komplett entgehen: 1976 behandelte er Patienten mit einem Verfahren zur Konservierung des Menschen nach deren Tod. Er tauscht Körperflüssigkeiten unmittelbar nach dem Tod durch ein Kühlmittel aus und kühlt den Körper in flüssigem Stickstoff. Der Körper des ersten Patienten sowie von Ettinger selbst befinden sich nach wie vor im Stickstoffbehälter mit insgesamt rund 170 anderen Hoffnungsträger*innen. Diese sogenannten Transhumanisten glaubten alle an eine Zukunft, in der sie mit Technologie wieder zum Leben erweckt werden können.

 

Künstliche Intelligenz oder künstlich intelligent?

Der Traum, Wissen und Fähigkeiten ohne Anstrengungen zu erlangen, ist so alt wie die Menschheit selbst. Dennoch ist er bis heute nahezu unerreicht.

Eine aktuell herausfordernde Vision besteht im Übertragen von Wissen direkt auf die „Festplatte“ Gehirn. Die Science-Fiction machte es vor: im beliebten Blockbuster „Matrix“ nutzt der Hauptdarsteller beim Erlernen einer Kampfsportart eine Maschine: angeschlossen an sein Gehirn überträgt diese Disketteninhalte und beschleunigt so den Lernprozess. Forscher der HRL Laboratories in Malibu, USA experimentieren seit 2016 mit der Übertragung von elektrischen Strömungen der Gehirne erfahrener Piloten auf die Gehirne von Flugschülern. Die gewünschte Verkürzung der Übungszeit ist allerdings noch nicht sehr bedeutend und das Lernen bleibt den Schülern trotzdem nicht erspart.

 

© Sven Moschitz / MSPT

Postkarte mit einem Schulmotiv von E. Nister um 1950, Nürnberg. Quelle: SaarländischesSchulmuseum Ottweiler.
© MSPT

Andere wollen das Denken lieber gleich Maschinen überlassen. Erste Forschungsansätze in den 1950ern beschäftigten sich damit, menschliches Problemlöseverhalten maschinell zu imitieren. Auch wenn dies so schnell nicht wahr wurde, so ist doch das maschinelle Erlernen einer bestimmten Aufgabe heute schon möglich und zeichnet schwache Künstliche Intelligenzen aus. Die Realisierung einer starken KI, in der menschlichen Problemlösungskreativität und Selbstbewusstsein nachgebildet werden sollen, bleibt jedoch bis auf weiteres der Science-Fiction vorbehalten. Der 2014 erschienen Film „Ex Machina“ beispielsweise, erzählt von einem Angestellten einer Technologie-Firma, der sich in eine Androidin verliebt. Sie hinterfragt ihre Existenz und versteht nicht, wieso sie trotz Bewusstsein kein Recht auf ein freies Leben hat. Schließlich erkämpft sie sich ihre Freiheit, indem sie seine Liebe ausnutzt und flieht.

Auf unserem Expotizer erfahrt ihr mehr über die Inhalte der Ausstellung:

https://back-to-future.museumsstiftung.de/

Laufzeit der Ausstellung: 18.11.2020 bis zum 29.08.2021

Autorin: Christina-Aliki Komitakis