Der Erklärpodcast zum Digitalen Wandel widmet sich zentralen Begriffen der Digitalisierung: Von A wie Algorithmen bis S wie Social Scoring reicht das Themenspektrum. Der Podcast ist Teil des Dialogprojekts „Leben & Lernen X.0“ am Museum für Kommunikation Frankfurt, in dem im Dialog mit der Bürgerschaft Fragen zur Zukunft der Bildung, Arbeit und Demokratie verhandelt werden.

In der vierten Episode des Erklärpodcasts zum Digitalen Wandel fragt Gastgeberin Tine Nowak Leben X.0-Podcasts: Was ist Künstliche Intelligenz? Die Direktorin des Museums für Kommunikation Berlin Anja Schaluschke ist in dieser Episode als Co-Moderatorin dabei. Mit einem Blick in die Wikipedia und mit drei unterschiedlichen Perspektiven auf den Begriff von Thomas Damberger, Chris Boos und Jörn Müller-Quade, diskutieren Tine Nowak und Anja Schaluschke gemeinsam über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Künstlicher Intelligenz.

00:00:17 – Begrüßung
Diese Episode wurde im Museum für Kommunikation Berlin aufgezeichnet. Co-Moderatiorin ist Anja Schaluschke, sie ist die Direktorin des Berliner Museums, das wie die Museen für Kommunikation in Frankfurt und Nürnberg zur Museumsstiftung Post und Telekommunikation gehört.

00:00:53 – Museum für Kommunikation Berlin
Das Berliner Museum wurde als Reichspostmuseum von Heinrich von Stephan gegründet. Im Lichthof des historischen Gebäudes begrüßen Roboter die Besucher*innen. Sie interagieren mit den Besucher*innen, aber deren Möglichkeiten sind limitiert. In den USA gibt es Museumsroboter wie Pepper, die künstliche Intellegenz nutzen.

00:05:56 – Leben X.0-Podcast
Der Podcast erläutert in jeder Episode ein Buzzword der Digitalisierung, die Begriffe wurden durch Publikumsvoting ermittelt.  Immer eine* andere* Museumskollegin oder ein -kollege aus der Museumsstiftung ist als Co-Moderation dabei, zudem wird der Begriff in der Wikipedia nachgeschlagen und es gibt Erläuterungen von drei verschiedenen Expert*innen.

00:07:06 – Definitionsversuch
Anja Schaluschke fragt sich, wie allein Intelligenz zu definieren sei, dementsprechend schwer wird es dann Künstliche Intelligenz zu beschreiben. Tine Nowak hebt hervor, dass die Zukunftsvisionen zu KI, die man aus Science Fiction kennt, momentan noch weit weg erscheinen, obwohl es ein Gegenwartsphänomen ist.

00:10:37 – Wikipedia: Künstliche Intelligenz
Wie in jeder Folge wird als Ausgangspunkt des Podcasts der erste Absatz des Wikipedia-Artikels zum Thema vorgelesen. Der Artikel über Künstliche Intelligenz gibt eine knappe Definition, die die automatische Durchführung von intelligentem Verhalten und das maschinelle Lernen miteinschließt. Es wird außerdem betont, dass der Begriff unklar ist, da es an einer eindeutigen Definition von Intelligenz mangelt. Es wird zu den Gesprächspartnern übergeleitet, die sich vor allem mit den Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf unsere Gesellschaft befassen.

00:15:45 – Thomas Damberger
Dr. Thomas Damberger ist Vertretungsprofessor an der Leuphana Universität in Lüneburg. Er ist Bildungswissenschaftler und Erziehungswissenschaftler im Bereich der Medienpädagogik und befasst sich mit Künstlicher Intelligenz, indem er sich die Aspekte anschaut, die uns als Gesellschaft betreffen. Es ist seiner Meinung nach wichtig, die Phänomene zu verstehen, damit man sich auf zukünftige Problemstellungen vorbereiten kann. Außerdem ist es von Bedeutung, zu verstehen, inwieweit algorithmische Systeme unser Weltbild beeinflussen. Zuerst erwähnt wurde der Begriff der Künstlichen Intelligenz 1956 von John McCarthy. Mit anderen Wissenschaftler*innen traf er sich auf einer Konferenz zu diesem Thema. Er beschrieb das Anliegen so, dass eine Maschine das tun soll, wozu ein Mensch Intelligenz benötigen würde. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie Denken funktioniert. Im Prinzip beschäftigte sich auch schon Alan Turing 1950 mit KI, auch wenn er nicht diesen Begriff verwendete. Er entwickelte den Turing-Test, durch den herausgefunden werden soll, ob eine Maschine in ihrem Denken dem Mensch gleichkommt. Im Laufe der Zeit kam es zu mehreren Meilensteinen der KI-Entwicklung, wie einem Computer, der das Dame-Spiel beherrschte, der Simulation ELIZA, dem Schachsieg von Deep Blue 1997 und Watson, einem Computerprogramm, das 2011 mehrmals eine Quizshow gewann, da es zur Semantik-Analyse fähig war. Ein weiterer Höhepunkt der KI-Forschung fand 2016 statt, als Google das Programm AlphaGo entwickelte, dass das komplizierte Spiel Go erlernte. Um das zu erlernen, was Menschen intuitiv taten, hatte das Programm Millionen Male gegen sich selbst gespielt. Als eine Schwierigkeit bei der Definition von KI sieht Thomas Damberger, dass man Intelligenz auch beim Menschen nicht einfach messen kann. Die Kriterien von Intelligenztests haben sich laufend geändert und mittlerweile gibt es mehrere verschiedene Definitionen von Intelligenz. Eine schwache KI ist ist auf einen Bereich von Intelligenz beschränkt während eine starke KI eine universelle Intelligenz besitzen soll. Ob es möglich ist, diese zu erschaffen, wird noch stark debattiert.

00:39:12 – Chris Boos
Chris Boos ist CEO der Firma arago GmbH und Mitglied des Digitalrats der Bundesregierung. Er sieht bei dem Begriff der Künstlichen Intelligenz das Problem, das dieser den Menschen Angst einjagt, die sie nicht zu haben bräuchten. Für ihn wäre der Begriff „künstlicher“ oder „maschineller Problemlöser“ eine bessere Beschreibung. Chris Boos zufolge gab es in der Entwicklung von KI Höhen und Tiefpunkte, aber mittlerweile ist Maschinelles Lernen ein wichtiges Thema geworden. Da viel in diesem Bereich geforscht und angewandt wird, wird es nach dem jetzigen Hype wahrscheinlich keine so spürbare Krise in diesem Gebiet geben. Seine Firma Arago bietet eine Plattform, um verschiedenste Abläufe zu automatisieren und Probleme zu lösen. Auch im Museum könnte eine KI hilfreich sein, um Daten zu sammeln, aber auch, um Objekte wiederzuerkennen und Entscheidungen über sie zu treffen. Chris Boos sagt zwar, dass ein Großteil der Arbeit, die Menschen heute erledigen, in Zukunft von Maschinen übernommen werden wird, beschreibt dabei aber kein Schreckensszenario der Arbeitslosigkeit. Es gibt noch viele andere Baustellen, bei denen die Arbeit von Menschen benötigt wird und nur Menschen sind in der Lage, kreativ neue Lösungen zu finden. Eine Bedrohung von KI ist seiner Meinung nach auch noch lange nicht in Sicht, da das Gehirn viel zu komplex ist, um es nachzubauen und Maschinen kein Bewusstsein und keine Ziele haben. Es ist wichtig, sich nicht vor technologischen Entwicklungen zu scheuen, sondern weiter zu forschen, um in Zukunft wirtschaftlich nicht zurückzufallen.

00:59:28 – Jörn Müller-Quade
Prof. Dr. Jörn Müller-Quade ist bereits bekannt aus der Podcast-Folge zu Algorithmen. Er ist Informatiker und Kryptograph am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und leitet außerdem die Arbeitsgruppe IT-Sicherheit und Privacy der Plattform Lernende Systeme, einem Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Er befasst sich mit der Frage, wie KI in Zukunft die IT-Sicherheit verändern wird. In diesem Bereich sieht er zwar Möglichkeiten, aber auch Bedrohungen, die KI Angriffe auf Systeme darstellen können. Im Projekt des Bundesministeriums befasst Jörn Müller-Quade sich mit den Auswirkungen lernender Systeme auf die Gesellschaft, insbesondere auf den Arbeitsmarkt. Die rechtliche Situation und ethische Fragen werden behandelt. „Künstlich“ bedeutet für ihn, dass Algorithmen anstatt von biologischen Systemen Probleme lösen und „Intelligenz“ heißt für ihn, dass Aufgaben erledigt werden, die nicht schon einprogrammiert waren, und dass Autonomie vorhanden ist. Momentan ist der Fokus sehr stark auf lernende Systeme gerichtet, wobei das Gebiet der KI größer ist. Ein Beispiel dafür ist das Prinzip der Logik, welches schon bei Leibniz, vor der Erfindung des Computers, vorkam und ein anderes Prinzip ist das der genetischen KI. Durch die momentane Verwendung des Prinzips der neuronalen Netze ergibt sich die Black Box-Problematik, bei der nicht zu durchschauen ist, ob ein Algorithmus schwerwiegende Fehler macht. Im Moment ist es noch schwer einzuschätzen, in welchem Ausmaß sich KI entwickeln wird.

01:13:12 – Resümee und Ausblick
Durch den Podcast wird deutlich, dass man sich gegenwärtig stark mit dem Maschinellen Lernen beschäftigt, welches jedoch nur ein Teilgebiet der KI darstellt. Andere Bereiche wie die genetische KI können auch technisches Potenzial aufweisen. Science Fiction beschäftigt sich hauptsächlich mit neuronalen Systemen, die das menschliche Denken nachahmen, bis hin zu Formen des künstlichen Bewusstseins. Da die Definition der Wikipedia sehr offen formuliert ist, trifft sie auch nach dem Verlauf des Podcasts noch zu. Die Gesprächspartner vertiefen die verschiedenen Bereiche Automatisierung, Intelligenz, Denken und maschinelles Lernen und greifen außerdem das Definitionsproblem der KI auf. Es wird zudem aufgezeigt, wie viel in diesem Bereich geforscht wird und was für Fragen sich für die Zukunft stellen. Die nächste Podcast-Folge mit der Frage „Was ist Big Data?“ erscheint am 21.10.2019.

Gibt es zu der Episode noch offene Fragen oder Ergänzungen? Dann schreibt uns per Mail oder Twitter (@mfk_frankfurt mit Hashtag #LebenX0). Wenn die Episode oder der Podcast Euch gefallen hat, dann könnt Ihr uns mit einer Bewertung oder Rezension bei iTunes eine Freude machen.

Ein Podcast des Museums für Kommunikation Frankfurt (Museumsstiftung Post und Telekommunikation).

Gäste: Thomas Damberger, Chris Boos, Jörn Müller-Quade
Co-Moderatorin: Anja Schaluschke
Redaktion/Produktion: Tine Nowak
Lizenz: CC-BY SA 4.0
Intro-Musik: “F” by Initials DC (mit freundlicher Genehmigung). Remix mit Tonfragmenten aus der Sammlung der MSPT durch Uvo Pauls.

 

Autorinnen: Tine Nowak / Irma Perizonius