Episode 2: Das eigene Projekt

Episode 2: Das eigene Projekt

VoloMuPo – Volontariat, Museum, Podcast

 

Das wissenschaftliche Volontariat ist so etwas wie die “Ausbildung” zum Museumsmenschen. Innerhalb von zwei Jahren erhält man Einblicke in alle Bereiche der Museumsarbeit. Vom Sammeln und Bewahren hin zur Museumspädagogik und Verwaltung. Doch wie sieht das genau aus? Was gibt es alles zu tun und welche möglichen Herausforderungen können einen erwarten? Diesen Fragen geht der VoloMuPo nach. Ein Podcast zum Informieren, Vernetzen und Austauschen für Volontär*innen, Interessierte und alle, die mal einen Blick hinter die Kulissen der Museumslandschaft schauen wollen.

Du absolvierst zurzeit dein wissenschaftliches Volontariat und möchtest gerne im VoloMuPo über deine Erfahrungen austauschen? Dann melde dich hier!

 

 

In der zweiten Episode des VoloMuPo dreht sich alles um Projekte, die man während des Volontariats eigenverantwortlich durchführen darf. Denn was nützen Einblicke in die verschiedenen Bereiche der Museumsarbeit, wenn man sie nicht in der Praxis umsetzt. Planung, Organisation und jede Menge Gehirnschmalz sind nötig, um am Ende stolz auf ein Ergebnis schauen zu können.

Heute mit dabei sind Clara Blomeyer aus dem Badischen Landesmuseum in Karlsruhe und André Burmann aus dem LWL-Museum für Archäologie in Herne. Freut euch auf Gespräche zu kurzfristigen Änderungen bei Veranstaltungen und Ausstellungen, neue Gehversuche, den wohl schönsten Arbeitsplatz in Karlsruhe im offiziell ambitioniertesten Museumspodcast-Projekt rund um das wissenschaftliche Volontariat.

Lasst uns darüber mal reden…

 

00:00:45 – Begrüßung
Willkommen bei der zweiten Episode des VoloMuPo! Viele Volontär*innen aus dem ganzen Bundesgebiet haben sich gemeldet und wollen über ihre Erfahrungen aus dem Volontariat berichten. Somit können wir direkt zur zweiten Episode zwei Gäste begrüßen.

00:01:30 – Heute zu Gast
Heute vernetzt sich Nürnberg mit Karlsruhe und Herne. Clara Blomeyer aus dem Badischen Landesmuseum und André Burmann aus dem LWL-Museum für Archäologie melden sich zum Erfahrungsaustausch über eigene Projekte im Volontariat.

00:06:53 – Das heutige Thema
Ziel des Volontariats ist es nicht nur in allen Bereichen der Museumsarbeit Erfahrungen zu sammeln, sondern diese auch aktiv einzusetzen. Hierzu zählen die Organisation von Veranstaltungen oder das Kuratieren von Ausstellungen – oder auch die Produktion eines Podcasts. Heute geben wir einen Einblick in unsere Projekte und die Arbeit, die dahinter steckt.

00:08:05 – Clara Blomeyer (Badisches Landesmuseum Karlsruhe)
Claras Volontariat ist im Landesmuseum dem Referat Kulturvermittlung angegliedert. Dadurch ist sie z.B. immer auch bei Sonderausstellungen und Vermittlungsangeboten eingebunden. Vor allem ist ihr Volontariat mit der Kuratierung einer Sonderausstellung verknüpft. Im Februar 2020 wurde dann die Ausstellung HumANimal – Das Tier und Wir eröffnet, die sich mit der kulturgeschichtlichen Beziehung zwischen Mensch und Tier auseinandersetzt.

00:12:00 – André Burmann (LWL-Museum für Archäologie Herne)
André ist Hausvolontär im LWL-Museum für Archäologie, d.h. er ist keinem festen Bereich zugeordnet und greift demnach überall helfend unter die Arme. Sein Fokus liegt momentan auf der Überarbeitung der Dauerausstellung in Herne. André stellt aber ein anderes Projekt vor: Einen Livestream zum Tag der Befreiung (8./9. Mai). Recht kurzfristig musste eine analoge Veranstaltung dazu, ins Digitale verlagert werden.

00:17:45 – Und dann kam Corona // Digitale Projekte
Das Jahr 2020 wird sicherlich niemand so schnell vergessen. Gerade im Kulturbereich hat der Satz „Und dann kam Corona“ vieles durcheinander geworfen. Viele Veranstaltungen mussten ihren Weg in den digitalen Raum finden. Wir stellen uns die Frage, wie es in einer Zeit nach Corona aussehen? Welche digitalen Formate werden weitergeführt und wie viele Formate werden noch genutzt, wenn Ausstellungshäuser, Theater und Konzerte wieder analog begehbar sein werden.

00:25:55 – Digitale Führungen
Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln machen zurzeit klassische Führungen durch Ausstellungen unmöglich. Während die Museen geschlossen sind, bleibt der analoge Zugang verständlicherweise komplett aus. Aber selbst Führungen können digitalisiert werden, wie André am Beispiel eines Angebots des LWL-Museums für Archäologie erklärt.

00:31:00 – Live-Gaming aus dem Museum für Kommunikation
Von Oktober 2020 bis April 2021 zeigt das Museum für Kommunikation Nürnberg die Wechselausstellung #neuland – Ich, wir und die Digitalisierung. Die Ausstellung wurde vom Museum für Kommunikation Frankfurt in Kooperation mit der Nemetschek-Stiftung kuratiert und widmet sich ganz dem Thema der Digitalisierung. Wie digital eine Digitalisierungs-Ausstellung sein kann, musste sie direkt bei der Eröffnung im März in Frankfurt unter Beweis stellen. In Nürnberg wurde mit Voraussicht bereits ein breites digitales Rahmenprogramm geplant, darunter eine Live-Gaming-Reihe, die Videospiele nicht nur ins Museum holen möchte, sondern auch in die Köpfe von Nicht-Gamer*innen.

00:47:42 – HumANimal // Ausstellung und Podcast
Die Sonderausstellung HumANimal war noch nicht lange eröffnet, bis sie aufgrund des Lockdowns im Frühjahr wieder geschlossen werden musste, damit sie aber trotzdem zugänglich bleiben konnte, wurde sie auf verschiedene Weisen ins Digitale geholt. Objektvorstellungen sowie einen Podcast.

00:57:20 – Podcasts aus dem Museum
Braucht ein Museum einen Podcast? Wir sagen: Ja! Worin liegen die Vorteile, wen erreicht man wie kann einen Museumspodcast füllen? Wir appellieren äußerst subtil dafür, dass Museen vielmehr auf Podcasts setzen, vielleicht sogar als Volontariatsprojekt.

01:10:30 – Letzer Werbeblock // Verabschiedung
HumANimal ist noch bis zum 25. April 2021 in Karlsruhe zu sehen. Danach soll sie auf Wanderschaft gehen. Das Badische Landesmuseum – und vor allem Clara – freut sich auf Anfragen. Der Livestream aus dem LWL-Museum für Archäologie ist auf YouTube zu finden und kann sehr gerne nachgeschaut werden. Lasst gerne einen Like bei allen Social Media-Kanälen da und freut euch auf die nächsten Episoden des VoloMuPo.

 

Zu Gast: Clara Blomeyer (Badisches Landesmuseum Karlsruhe), André Burmann (LWL-Museum für Archäologie Herne)
Redaktion/Moderation:
 Christian Bihn
Intro- und Outro-Musik: “Hau ab!” von der CD: „Bruders große Reise“, mit freundlicher Genehmigung von Stephan Völker (www.stephan-voelker.de)

Ein Projekt der Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Autor: Christian Bihn, 15.12.2020

Episode 1: Museum in der Pandemie

Episode 1: Museum in der Pandemie

VoloMuPo – Volontariat, Museum, Podcast

 

Das wissenschaftliche Volontariat ist so etwas wie die “Ausbildung” zum Museumsmenschen. Innerhalb von zwei Jahren erhält man Einblicke in alle Bereiche der Museumsarbeit. Vom Sammeln und Bewahren hin zur Museumspädagogik und Verwaltung. Doch wie sieht das genau aus? Was gibt es alles zu tun und welche möglichen Herausforderungen können einen erwarten? Diesen Fragen geht der VoloMuPo nach. Ein Podcast zum Informieren, Vernetzen und Austauschen für Volontär*innen, Interessierte und alle, die mal einen Blick hinter die Kulissen der Museumslandschaft schauen wollen.

Du absolvierst zurzeit dein wissenschaftliches Volontariat und möchtest gerne im VoloMuPo über deine Erfahrungen austauschen? Dann melde dich hier!

 

 

Es ist der 15. April: Der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg Peter Tschentscher nimmt bei einer Pressekonferenz nach einer Sitzung der Bund-Länder-Konferenz zur Corona-Pandemie das Wort „Museum“ in den Mund. Jedoch stehen diese inhaltlich erst bei der nächsten Zusammenkunft am 29. April auf der Agenda. Zu diesem Zeitpunkt haben die Ausstellungshäuser in Deutschland bereits seit knapp einem Monat ihre Türen geschlossen. Mögliche Wiederöffnungen schieben sich immer weiter in den Mai.

Eine ungewohnte Situation für alle, besonders aber für all die wissenschaftlichen Volontärinnen und Volontäre in den Museen. Volontariat? Dabei handelt es sich um die „Ausbildung“ zum Museumsmenschen – Ausbildung in großen Anführungszeichen. Frisch von der Uni, folgen in der Regel zwei Jahre in einem Museum oder Ausstellungshaus, in denen sämtliche Arbeitsbereiche durchgangen werden sollen. Wie aber nun, wenn die ganze Welt fest im Griff der Corona-Pandemie liegt und selbst Museen aus dem Home-Office verwaltet werden müssen?

Lasst uns darüber mal reden…

 

00:00:45 – Begrüßung
Willkommen beim VoloMuPo, dem Podcast der wissenschaftlichen Volontär*innen der Museumsstiftung Post und Telekommunikation. Hier wollen wir über unsere Erfahrungen und Erlebnisse berichten, die wir in jeweils zwei Jahren gemacht haben und werden. Ein Podcast für alle Volontär*innen, die die es werden wollen und alle Interessierten.

00:02:10 – Was ist die MSPT?
Wofür steht eigentlich MSPT und was haben die drei Museen für Kommunikation damit zu tun? Eine kurze Vorstellung der Museumsstiftung und ihrer Arbeit.

00:05:15 – Kurzvorstellungen
Zum Anfang stellen wir uns einmal kurz vor. Sechs Volontär*innen an drei Standorten, die zukünftig immer wieder hier erscheinen werden.

00:09:00 – Matthias Lieb (Frankfurt/Heusenstamm)
Seit Februar 2020 wissenschaftlicher Volontär am Standort Frankfurt. Matthias ist zurzeit im Sammlungsdepot in Heusenstamm. Dort sichtet und inventarisiert er Objekte zum Thema Bildtelefonie. Das weitflächige Sammlungsdepot machte einen schnellen Einstieg nach dem Lockdown wieder möglich.

00:15:20 – Marcel Flach (Berlin)
Seit Februar 2020 wissenschaftlicher Volontär am Standort Berlin. Marcel ist zurzeit im Berliner Sammlungsdepot in der Ringbahnstraße. Er erzählt über seine ersten Einsätze bei der Sichtung von Kriegsgefangenenpost und noch nicht erschlossener Konvolute.

00:20:40 – Dijon Menchén (Berlin)
Seit Februar 2019 wissenschaftlicher Volontär am Standort Berlin. Dijon ist der „Alte Hase“ unter den MSPT-Volontär*innen. Er erzählt von seinem Ausstellungsprojekt und seinem Verhältnis zum Homeoffice während des Lockdowns.

00:29:20 – Caroline Dörr (Frankfurt)
Seit Mai 2019 wissenschaftliche Volontärin am Standort Frankfurt. Caroline erzählt über ihren Start in der Frankfurter Sammlung und ihre Arbeit an der Wechselausstellung Back to Future, unteranderem mit Zukunftsvisionen der Mobilität.

00:37:50 – Christian Bihn (Nürnberg)
Seit Januar 2020 wissenschaftlicher Volontär am Standort Nürnberg. Christian hält in Nürnberg die Fahne für die Volontär*innen hoch. Er erzählt von Personalwechsel in der Direktion kurz vor dem Lockdown und wie man eine Ausstellungen wieder Corona-fit macht.

00:49:30 – Johanna Geßner (Berlin)
Seit März 2020 wissenschaftliche Volontärin am Standort Berlin. Johanna war nur wenige Wochen im Berliner Museum, bevor sie mit dem gesamten Team ins Homeoffice geschickt wurde. Sie erzählt davon, wie es ist, ein Volontariat z starten, ohne Strukturen oder Kolleg*innen wirklich kennengelernt zu haben.

00:54:14 – Sonderausstellungen in Corona-Zeiten
Irgendwie läuft der normale Museumsbetrieb auch in Zeiten einer Pandemie weiter. Dazu gehören auch die Planung und die Eröffnung von Sonderausstellungen. Doch wie schafft man es, all das mit Kontaktsperren, Hygienekonzepten und Mindestpersonenzahlen zu realisieren?

01:00:15 – Führungen durch das Depot Heusenstamm
Die Objekte, die in Museen zu sehen sind, machen in der Regel nur einen ganz kleinen Teil der Sammlung aus, auf die ein Museum zurückgreifen kann. In den Depots schlummern so manche Schätze – manche sogar bis heute unentdeckt – und warten nur auf ihren großen Auftritt. Eine Möglichkeit dafür, sind Führungen durch diese Depots, die auch bald wieder in Heusenstamm möglich sind

01:01:45 – Die neue Normalität im Museum
Seit Mai 2020 haben die Museen in Deutschland zu großen Teilen wieder geöffnet und so langsam spielt sich ein Normalbetrieb ein, nur eben anders. Wie geht man mit der neuen Situation um, sowohl vor als auch hinter den Kulissen. Abstandsregeln, Maskenpflicht und Hygienebestimmungen sind nun alltäglich.

01:10:00 – Veranstaltungen während der Pandemie
Viele Großveranstaltungen mussten wegen der Pandemie abgesagt werden und viele werden sicherlich noch folgen. Wie wird man sich also in den kommenden Monaten begegnen?

 

Moderation: Christian Bihn
Co-Moderation: Caroline Dörr, Marcel Flach, Johanna Geßner, Matthias Lieb, Dijon Menchén
Redaktion/Produktion: Christian Bihn
Intro- und Outro-Musik: “Hau ab!” von der CD: „Bruders große Reise“, mit freundlicher Genehmigung von Stephan Völker (www.stephan-voelker.de)

Ein Projekt der Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Autor: Christian Bihn, 8.12.2020

VoloMuPo – Volontariat, Museum, Podcast

VoloMuPo – Volontariat, Museum, Podcast

 

Das wissenschaftliche Volontariat ist so etwas wie die “Ausbildung” zum Museumsmenschen. Innerhalb von zwei Jahren erhält man Einblicke in alle Bereiche der Museumsarbeit. Vom Sammeln und Bewahren hin zur Museumspädagogik und Verwaltung. Doch wie sieht das genau aus? Was gibt es alles zu tun und welche möglichen Herausforderungen können einen erwarten? Diesen Fragen geht der VoloMuPo nach. Ein Podcast zum Informieren, Vernetzen und Austauschen für Volontär*innen, Interessierte und alle, die mal einen Blick hinter die Kulissen der Museumslandschaft schauen wollen.

 

Episoden

Ein Projekt der Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Autor: Christian Bihn, 8.12.2020

Fantastische Erfindungen – oder nichts als Fantasie?

Fantastische Erfindungen – oder nichts als Fantasie?

„April, April!“ heißt es heute, am Tag der Scherze, an dem Witzbolde traditionsgemäß andere hereinlegen. Auch wir versuchen heute unser Glück: Seit jeher träumen Visionär*innen von Zeitmaschinen, Universalübersetzern oder fliegenden Autos. Dabei findet man oft Entwürfe für die Technologien unserer Gegenwart in längst vergangenen Tagen. Am 1. Oktober 2020 eröffnen wir die Ausstellung „Back to Future – Technikvisionen zwischen Science-Fiction und Realität“. Die Ausstellung nimmt mit auf eine Zeitreise in die Zukunft von gestern und erklärt die Ursprünge von fantastischen Ideen. Wie spiegeln sich Hoffnungen darin wider und wie projizieren wir unsere Sehnsüchte in die eigene Zukunft? Apropos Hoffnungen und Sehnsüchte: Wir stellen Euch drei Objekte aus unserer Sammlung und die Idee dahinter vor, doch nicht alle hat es tatsächlich gegeben. Welche skurrilen Erfindungen sind Realität gewesen und welche haben wir uns ausgedacht? Ob wir es geschafft haben, Euch hinters Licht zu führen, erfahrt Ihr am Ende des Beitrags.

1. Sprachübertragung durch Licht

Und das lange vor der Erfindung der Glasfaser und auch noch drahtlos! 1880 wusste man noch nicht, dass man Tonsignale auf elektromagnetische Wellen modulieren kann, um sie in den Raum abzustrahlen. Bis zur Entwicklung eines Rundfunks sollte es immerhin noch 40 Jahre dauern. Man wusste auch noch nichts von Halbleitern und der photoelektrische Effekt von Selen, die Änderung der Leitfähigkeit mit der Helligkeit, kursierte als Kuriosum gerade in der Gelehrtenwelt. Und wie so oft kam die Anwendung vor dem Verständnis: Ein Hohlspiegel ist mit einer Membran verbunden, die durch Sprache zum Schwingen angeregt wird. In seinem Brennpunkt befindet sich eine Lichtquelle, im Brennpunkt eines zweiten Hohlspiegels eine Selenzelle als Wandler und fertig ist das drahtlose Richtfunk-Telefon, das das Sprachsignal über eine beachtliche Strecke von mehreren dutzend Metern transportiert.

Die Selenzelle wandelt die durch die Vibration des Hohlspiegels veränderte Lichtintensität in elektrischen Strom unterschiedlicher Stärke, der dann über einen Lautsprecher wieder in Schall umgewandelt wird. Als Lichtquelle konnte einfach Sonnenlicht dienen, das über ein Linsensystem gebündelt wird, oder wie an diesem Objekt, die Flamme eines Gasbrenners. Hier geht’s zur Auflösung.

2. Die magnetische Stempeluhr

 

Aus unserem Leben hier ist sie nicht mehr wegzudenken, ihre Verwendung in den Fabriken revolutionierte die Arbeit: Die Stempel- oder Stechuhr. Heute piepsen wir mit einem Chip ein und aus und fragen unser Stundenkonto ab, die Zeiten werden automatisch an unsere Personalabteilung übermittelt. Früher warf man einen Chip in sich drehende Fächer oder stempelte seine Anwesenheitskarte. Wie in Das Archiv 01/2020 schon beschrieben, war die Post oft Vorreiter in der Automatisierung, so auch auf dem Gebiet der Zeiterfassung. In den 1920er Jahren wurde in kleineren Postämtern ein System getestet, das ähnlich wie die heutige Diebstahlsicherung mittels RFID-Tag funktionierte: jeder Beamte trug einen unterschiedlich großen Magneten mit sich und passierte beim Betreten des Amtes eine Tür, die mit großen Antennen besetzt war.

Dort induzierte der im elektrischen Feld bewegte Magnet einen Stromimpuls, der durch einen Röhrenverstärker verstärkt wurde und in einer mechanischen Uhr einen Stift auslenkte, der auf einem laufenden Papierstreifen einen Zacken zeichnete. Die Magneten, die die Beamten mit sich trugen, waren unterschiedlich groß, so dass der Stromimpuls unterschiedlich stark und der Zacken somit auch unterschiedlich lang war. Daran konnte man erkennen, wer wann das Postamt betreten oder verlassen hatte. Hier geht’s zur Auflösung.

3. Das Antlitz des Geliebten live

In der heutigen Zeit, ganz besonders bei #wirbleibenzuhause und #socialdistancing, ist Videotelefonie unsere Verbindung nach außen, unser Ersatz für Sozialkontakte, unser Mittel gegen Einsamkeit oder auch, um im Unternehmen den Betrieb aufrechtzuhalten. Vorletzten Dienstag haben wir Euch ja schon unsere Sammlung zu diesem Gebiet vorgestellt, aber eine ganz besondere Erfindung der Reichspost haben wir unterschlagen. Bereits 1929, als das Fernsehen noch in seinen mechanischen Kinderschuhen steckte und Bilder mittels einer Spirallochscheibe abgetastet wurden, dachten findige Köpfe darüber nach, wie man dieses Medium nutzen konnte, um seinen Lieben näher zu sein. Schließlich war die Idee zur Spirallochscheibe dem Studenten Paul Nipkow an Weihnachten gekommen, als er einsam und alleine in seiner Bude hockte, weil er sich die Heimfahrt nicht leisten konnte.

Ähnlich einer Telefonzelle wurde eine Sprechverbindung aufgebaut und zusätzlich ein Bild mechanisch abgetastet und im Zwischenfilmverfahren entwickelt, erneut abgetastet und übertragen. Das Gleiche geschah mit dem Gesprächspartner, so dass dessen Bild, ebenfalls mittels Spirallochscheibe mechanisch projeziert, auf einer Mattscheibe in bequemer Blickhöhe erschien. Zur Übertragung des Signals wurden extra leistungsstarke Kabel zwischen den wichtigsten Städten des Reichs verlegt. Zur Olympiade 1936 erfreute sich das Kuriosum großer Beliebtheit. Hier geht’s zur Auflösung.

 

AUFLÖSUNG

 

 

1. Sprachübertragung durch Licht

Die erste Vision klingt ihrer Zeit sehr weit voraus und dementsprechend weit hergeholt. Jedoch existierte das Photophon tatsächlich und wurde 1880 von Alexander Graham Bell und Sumner Tainter patentiert. Unser Objekt ist ein Prinzipnachbau zu Vorführungszwecken aus dem Jahr 1906.

 

 

2. Die magnetische Stempeluhr

Auch die magnetische Stempeluhr klingt plausibel, hat sie doch Einzug in unseren Alltag gefunden und ist weit verbreitet. Aber obwohl die Post oft Spitzentechnologie mit entwickelt hat, ist dieses geniale System nur unserer Fantasie entsprungen. Das Bild zeigt das Zeitansagegerät “Sprechende Uhr” mit eingebautem Schallband von 1911. Mehr darüber findet Ihr in unserer Onlinedatenbank unter der Inventarnummer 4.2011.1486.

 

 

3. Das Antlitz des Geliebten live

Den Erfolg der sehenden Telefonzelle kann man sich ebenfalls vorstellen.Diese so genannte Gegenseh- und Sprechzelle gab es auch tatsächlich in der vorgestellten Form, allerdings war das eher lichtschwache Bild mit nur 90 Zeilen noch nicht so der Renner. Das Originalobjekt befindet sich im Deutschen Museum, im Erbe der Reichspost finden sich allerdings reichlich Bilder und Beschreibungen. Unter dem Stichwart Gegenseh- und Sprechzelle findet Ihr einige Bilder in der Onlinedatenbank.

 

Haben wir es geschafft, Euch hinters Licht zu führen?

Text: Tina Kubot und Regina Lang, 1. April 2020

#HomeOfficeGLAM-Challenge

#HomeOfficeGLAM-Challenge

Jeden Dienstag posten wir unter dem Hashtag #DepotDienstag Objekte aus unserer Sammlung. Heute am #DepotDienstag beteiligen wir uns auch an der sogenannten #HomeOfficeGLAM-Challenge. GLAM ist ein englisches Akronym, das für Galleries, Libraries, Archives und Museums steht und als Sammelbegriff Institutionen umfasst, die sich mit dem Sammeln, Bewahren und Erschließen von Kulturgütern beschäftigen. Bei der #HomeOfficeGLAM-Challenge sollen Objekte und Bilder gezeigt werden, die einen (humorvollen) Bezug zum Phänomen des Zu-Hause-Arbeitens herstellen. Wir zeigen Euch technische Hilfsmittel aus der Vergangenheit und Gegenwart aus unserer Sammlung, die die (Schreib-) Arbeit zu Hause erleichtern sollten.


Federhalter für Damen aus dem frühen 20. Jahrhundert

Den Anfang macht dieser stilsichere Federhalter für Damen aus Silber, der mit einer abgeschrägten Stahlfeder für ein elegantes Schriftbild sorgte. Die Verzierungen im angesagten Jugendstil des frühen 20. Jahrhunderts mit Andeutungen von Blüten, Blättern und Zweigen ermöglichten bei aller Tristesse in den eigenen vier Wänden die nötige Verbindung zur Natur.

Mechanisches Schreiben: Mit der Germania No.5

 

Wem tintenverschmierte Hände auf Dauer zu lästig wurden, griff alsbald zur mechanischen Schreibmaschine, etwa der Germania No.5. Diese war ein Lizenzprodukt der Schreibmaschinenfabrik W. Elschner, Berlin, das auf dem Design eines amerikanischen Herstellers beruhte. Bereits um 1900 hatte sich das QWERTZ-Format der Tastenbelegung durchgesetzt. Wie es zu gerade dieser Anordnung der Buchstaben kam, erfahrt ihr hier:

 

QWERTZ – Woher kommt unsere Tastaturbelegung?

von CONSTANTIN GOLDANN / SWR

Wenn auch die Arbeit mit der Schreibmaschine einiges erleichterte, so blieb die Benutzung doch umständlich. Zum Prüfen des geschriebenen Textes musste im Falle der Germania der sogenannte Wagen (fehlt bei unserem Modell) hochgeklappt werden. Auch Tippfehler verziehen die Geräte nicht. Da hieß es bei wichtigen Dokumenten wohl oder übel, nochmal neu anzufangen.

Der Osborne Executive-Rechner für mobiles Arbeiten von zu Hause

 

Da war es schon eine große Erleichterung, wenn man die Eingabe noch einmal am Bildschirm überprüfen konnte – auch wenn dieser, wie im Falle des Osborne Executive, nicht viel größer war als ein heutiges Smartphone-Display. Zur Markteinführung im Jahr 1983 war dies jedoch eine deutliche Verbesserung. Mit handlichen 13kg und ausgestattet mit moderner Software zur Text- und Datenverarbeitung war der Executive die ideale Wahl für ein bequemes mobiles Arbeiten von zu Hause.


Der Osborne Executive in Aktion


Spielerisches Lernen mit dem MagiPen-Laptop

 

Für anspruchsvollere HomeOffice-Expert*innen ist das freilich nur die absolut nötigste Grundausstattung. Sie greifen auf entsprechende High-End-Geräte, wie den MagiPen-Laptop von VTech zurück und erfreuen sich an der einfachen Bedienbarkeit über die Tastatur oder den Bildschirmstift. Schreibfehler werden hier direkt erkannt und korrigiert. Design und Software sind optimal auf die Nutzer*innen zugeschnitten und ermöglichen ein lebenslanges spielerisches Lernen beim mobilen Arbeiten von zu Hause.

 


Wofür steht GLAM?

GLAM ist ein englisches Akronym, das für Galleries, Libraries, Archives und Museums steht und als Sammelbegriff Institutionen umfasst, die sich mit dem Sammeln, Bewahren und Erschließen von Kulturgütern beschäftigen. Bei der HomeOffice-Challenge sollen Objekte und Bilder gezeigt werden, die einen (humorvollen) Bezug zum Phänomen des Zu-Hause-Arbeitens herstellen.

 

Besucht auch unsere Sammlungsdatenbank! Hier findet Ihr noch viele weitere spannende Objekte, die von zu Hause aus erforscht werden können.


Text: Matthias Lieb, 31. März 2020