„Hier Amt, was beliebt?“ – Die Telefonistin. Ein historischer Frauenberuf bei der Post

„Hier Amt, was beliebt?“ – Die Telefonistin. Ein historischer Frauenberuf bei der Post

„Hier Amt, was beliebt?“ – so wurden Gesprächsteilnehmer über viele Jahrzehnte begrüßt, wenn sie einen Telefonanruf tätigen wollten. Bevor sich zuerst die automatisierte und später die digitale Vermittlung fest etablierte, stellten nämlich die sogenannten Fräuleins vom Amt Telefonverbindungen per Hand her. Jeder Telefonanruf begann mit der Kontaktierung des zuständigen Postamts und einer kurzen Kommunikation mit der zuständigen Vermittlungs- oder Fernmeldebeamtin, die dann durch Steckverbindungen das Gespräch mit dem gewünschten Teilnehmer herstellte. Dem Beruf wird rückblickend oft ein emanzipatorisches Moment zugeschrieben – denn er gilt als einer der ersten, der es ledigen Frauen ermöglichte, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften, ohne dabei ihren Ruf zu schädigen. Dabei sollte aber nicht in Vergessenheit geraten, dass die Arbeitsbedingungen oft schwierig und die Bezahlung verhältnismäßig niedrig war. Am heutigen „Tag der Arbeit“ wollen wir euch einen historischen Frauenberuf bei der Post mit all seinen Facetten ein wenig näher vorstellen. Schaut euch dazu gerne auch unsere zugehörige digitale Ausstellung an!

 

Das Telefon gehört zu den technischen Errungenschaften des vergangenen Jahrhunderts, die unseren heutigen Alltag am meisten prägen. Es ist selbstverständlich, zum Smartphone zu greifen und Kollegen, Freunde oder Familie direkt zu erreichen.

Zu Beginn der Telefongeschichte sah das aber noch ganz anders aus. Die Telefone waren massive Tischapparate ohne Wählscheiben oder Tastenfelder, dafür aber versehen mit einer Kurbel. Betätigte man diese Kurbel, entstand ein elektrischer Impuls, der über Leitungen in das nächst gelegene Postamt gelangte. Dort löste er ein kleines nummeriertes Metallplättchen am Vermittlungs- oder Klappenschrank. Dieses Plättchen fiel herunter und signalisierte, dass der zugeordnete Teilnehmer ein Gespräch führen wollte. Ab den 1890er Jahren beschäftigt die deutsche Post vermehrt unverheiratete junge Frauen, um die Klappenschränke zu bedienen – zunächst versuchsweise als Hilfsarbeiterinnen für den Fernsprechdienst, später als verbeamtete Telefonistinnen. Zu Beginn der Telefongeschichte sah das aber noch ganz anders aus. Die Telefone waren massive Tischapparate ohne Wählscheiben oder Tastenfelder, dafür aber versehen mit einer Kurbel. Betätigte man diese Kurbel, entstand ein elektrischer Impuls, der über Leitungen in das nächst gelegene Postamt gelangte. Dort löste er ein kleines nummeriertes Metallplättchen am Vermittlungs- oder Klappenschrank. Dieses Plättchen fiel herunter und signalisierte, dass der zugeordnete Teilnehmer ein Gespräch führen wollte.

Ab den 1890er Jahren beschäftigt die deutsche Post vermehrt unverheiratete junge Frauen, um die Klappenschränke zu bedienen – zunächst versuchsweise als Hilfsarbeiterinnen für den Fernsprechdienst, später als verbeamtete Telefonistinnen. Nachdem die Telefonistin durch das Klappensignal über den Gesprächswunsch eines Teilnehmers informiert worden war, meldete sie sich kurz und knapp, um zu erfragen, mit wem der Teilnehmer am anderen Ende der Leitung zu sprechen wünschte. Im Anschluss wurde ein Verbindungskabel zwischen den entsprechenden beiden Anschlüssen eingestöpselt und so das Gespräch hergestellt. Die Gebühren wurden per Minuten berechnet und dem Anrufer in Rechnung gestellt. Besagte Rechnungen waren zu Beginn der Telefongeschichte astronomisch – Telefonieren war ein moderner Luxus, den sich nur wenige und dann meist auch nur zu geschäftlichen Zwecken leisten konnten.

Immer gleiche Bewegungs- und Sprachabläufe

Nach und nach erhöhte sich jedoch die Zahl der Anschlüsse und damit wuchs der Bedarf für gutgeschultes Vermittlungspersonal insbesondere in den Großstädten rapide. Die vermehrte Einstellung von Frauen in diesem Berufsbereich wurde von der Post damit begründet, dass die als “typisch weiblich” geltenden Eigenschaften – Geduld und Empathie – perfekt zu den Anforderungen des hektischen Vermittlungsdienstes passten. Tatsächlich hing diese Entwicklung aber eher mit den niedrigeren Löhnen für weibliche Angestellte zusammen. 

Der Arbeitsalltag einer Telefonistin war geprägt durch immer gleiche Bewegungs- und Sprachabläufe. Dadurch entstand eine Monotonie, die sowohl körperlich als auch psychisch stark beanspruchte. Dennoch mussten die Frauen permanent konzentriert sein, denn sie wurden von Aufsichten kontrolliert. Wiederholte Fehler in der Vermittlung führten zu Lohnkürzungen. 

Berufsbild im Wandel

Zudem gab es strenge Dienstauflagen, die sich bis ins Privatleben erstreckten. Eine Telefonistin mussten jederzeit einen einwandfreien Leumund vorweisen können und für die Dauer ihres Dienstes ledig bleiben. Den Stand der Ehefrau hielt man für unvereinbar mit den hohen Anforderungen des Vermittlungsdienstes. Wer dennoch heiraten wollte, musste den Dienst quittieren und verlor bis 1923 auch sämtliche Pensionsansprüche. 

Trotz des fordernden Arbeitsalltags war der Beruf der Telefonistin sehr begehrt. Er galt als modern und ermöglichte es ledigen Frauen, sich eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit zu erarbeiten ohne dabei ihren gesellschaftlichen Ruf aufs Spiel zu setzen. Die „Fräuleins vom Amt“ wurden in Schlagern besungen und in der Literatur verewigt – denn die körperlosen und kompetenten Frauenstimmen am anderen Ende der Leitung bot viel Platz für Phantasie der Anrufer.

Mit der Zeit und der Weiterentwicklung der Telefontechnologie veränderte sich auch das Berufsbild der Fernmeldebeamtinnen. In der BRD waren 1966 bereits alle Ortsnetze automatisiert, Ferngespräche mussten allerdings viel länger händisch vermittelt werden. Manche von euch erinnern sich sicher noch an das gespannte Warten und die horrenden Vermittlungsgebühren, wenn man im Ausland lebende Verwandte oder Freunde anrufen wollte. 5 Minuten die verzerrte Stimme des Anderen zu hören, kostete so viel wie ein Abendessen in einem guten Restaurant. 

All das erscheint heute – in Zeiten von Smartphones und Flatrates – unendlich weit weg. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb umweht den Beruf der Telefonistin wieder ein gewisser nostalgischer Zauber, den sich Autor*innen und Drehbuchschreiber*innen für die Entwicklung emanzipatorischer Geschichten zu Nutze machen. Die spanische Serie „Las Chicas del Cable“, die über den US-amerikanischen Streamingdienst Netflix ausgestrahlt wird, lässt die Ästhetik von Klappenschränken und Wählscheiben-Telefonen im Madrid der 1920er und 1930er Jahre wieder lebendig werden.

Text: Anjuli Spieker, 1. Mai 2020
Freundschaft ist für mich… Einblick in das Museumsprojekt „Smart im Museum“

Freundschaft ist für mich… Einblick in das Museumsprojekt „Smart im Museum“

In unserem Schwesterhaus in Berlin wird aktuell die Ausstellung „Like You! Freundschaft digital und analog“ gezeigt. Auch wir erleben Freundschaften in Zeiten der Corona-Pandemie auf eine ganz neue Weise: Weniger analog, mehr digital. Über die unterschiedlichsten Plattformen wie Zoom, Skype und Teams kann man sich mit seinen Freund*innen zum Quiz-Pub spielen, zur gemeinsamen Yoga Stunde oder zum Feierabend Apéro zusammenschalten. So zumindest ein Gefühl von Gemeinschaft erhalten und seine Freundschaften pflegen. Die Sehnsucht nach freundschaftlicher Nähe nimmt in der aktuellen Situation nicht ab, auch wenn wir alle nach „social distancing“ streben.

Noch vor der Corona Krise, im Herbst 2019 wurde sich auf eine ähnlich aber doch nochmals andere Art und Weise über die Verbindung von Digitalisierung und Museum im Museum für Kommunikation Gedanken gemacht. Mehr als Dreiviertel aller Kinder und Jugendliche besitzen ein Handy, jedoch spielen Museen im Lebensalltag der Heranwachsenden oft keine Rolle.

Die Aufgaben nahm sich unser Berliner Museumspädagoge Stefan Jahrling an und startete das Projekt: „Smart im Museum – Mediatisierte Beziehungen und Digitale Medien“, welches Teil des Förderprogrammes „Museum macht stark“ ist. Für den Projektleiter gibt es immer noch zu wenig Angebote, die sich auf die Aneignungsweise und die medialen Gewohnheiten von der Zielgruppe einlassen und die das Potenzial digitaler Medien für die kulturelle und museale Bildungsarbeit ausschöpft. Mit seinem Projekt wollte er zeigen, dass Museen eine Inspirationsquelle sein können, um sich als junger Mensch in der Welt zu orientieren und an Gesellschaft teilzuhaben. Anknüpfungspunkt sollte die Ausstellung „Like You! Freundschaft digital und analog“ sein. Denn Freundschaft spielt, insbesondere in diesen Lebensjahren entwicklungspsychologisch betrachtet, ein zentrales Thema und sollte so als Türöffner dienen.

Das Museum als Ort aktiver Mitgestaltung

Ziel des Projektes war es, die Ausstellung um die Perspektive der Heranwachsenden zu erweitern. Die Teilnehmer*innen sollten erfahren, dass ein Museum nicht nur ein Ort ist an dem sie Wissen vermittelt bekommen, sondern ein Ort, den sie aktiv mitgestalten können. Ganz konkret mündete das Projekt in einer “Filmfahrt”. Zehn Jugendliche aus Berlin fuhren für ein Wochenende in das Museum für Kommunikation Frankfurt. Sie wurden angeregt sich mit dem Thema Freundschaft auseinanderzusetzen. Welche Unterschiede gibt es in der analogen und digitalen Freundschaft? Inwiefern haben sich die sozialen Beziehungen verändert und wie können die Erfahrungen der Jugendlichen in der Ausstellung aufgegriffen werden? Sie führten Interviews mit Besucher*innen und tauschten sich untereinander über ihre ganz persönlichen Vorstellungen von Freundschaft aus. Herausgekommen ist eine kleine, spannende Reportage.

Die Ausstellung vor Ort und digital

Die Ausstellung „Like You! Freundschaft digital und analog“ ist leider nicht mehr im Museum für Kommunikation Frankfurt zu sehen, dafür jedoch in unserem Schwesterhaus in Berlin. Sie setzt sich mit der Frage auseinander was für jeden einzelnen von uns Freundschaft bedeutet. Wo und wie finden wir heute Freunde? Und hat sich unsere Art und Weise wie wir Freunde finden und Freundschaften pflegen durch die Digitalisierung verändert?

Wenn euch der Weg nach Berlin zu weit ist, dann könnt ihr die Ausstellung – ganz bequem vom heimischen Sofa aus, in unserem Expotizer besuchen.

Text: Caroline Dörr, 29. April 2020

Die Stille nach dem Knattern – neuer Auftrieb für die Elektromobilität?

Die Stille nach dem Knattern – neuer Auftrieb für die Elektromobilität?

Virologen sprechen davon, dass es sich bei Covid-19 um eine sogenannte „stille Pandemie“ handele – das Virus breitet sich rasend schnell, doch unbemerkt aus. Auch Städter*innen erleben jetzt in den Ballungszentren eine neue Stille: Der Verkehrslärm geht zurück, die Straßen sind unbelebt, Flugzeuge fliegen kaum … Jetzt, da wir uns an diese neue Stille gewöhnt haben, läge es dann nicht nahe, dass die Automobilbranche die Elektromobilität – die für eine Fortbewegung ohne Knattern steht – weiter vorantreibt und noch intensiver in diese Zukunftstechnologie investiert? Joel Fischer hat sich in Vorbereitung auf unsere Ausstellung „elektro ± mobil“ (21. März 2019 bis 13. Oktober 2019) intensiv mit den Vorzügen und Nachteilen der neuen Technologie beschäftigt. Er beantwortet uns hier im Blog, ob die wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen durch Corona neuen Schwung in die (wie sich zeigen wird: alte) Debatte um Elektromobilität bringen wird. 
  • Glaubst Du, dass die neue Stille, die wir jetzt erleben die Elektromobilität weiter beflügeln wird?
Joel Fischer: Ja, es wäre schön, wenn sich die Stille fortsetzen würde. Da die Leute aber schon in den Startlöchern sind und vielfach über den verlorenen Sommerurlaub und verschobene Reisen klagen, wird sich nach dem Lockdown wahrscheinlich erstmal nichts verändern. Und: Die Flugzeuge werden so schnell nicht leiser werden. Auch das Verkehrsaufkommen kann durch den Umstieg auf Elektrofahrzeuge nicht reduziert werden.
Einfach die Antriebstechnik auszutauschen, reduziert nicht die Menge an Autos auf den Straßen und in den Innenstädten. Ich glaube nicht, dass die momentane Stille ein Argument für die Zukunft der Elektromobilität sein wird.
Joel Fischer

Rückblickend wird sie eher als ein “angenehmes Erlebnis” empfunden werden. So war es auch mit den autofreien Sonntagen. Das fanden die Menschen auch toll. Als die Einschränkungen aber aufgehoben wurden, waren alle froh, dass sie wieder mobil waren und die Straßen waren wieder voll. Ich sehe eher in den nun vielerorts verbesserten Schadstoffmesswerten einen Impuls, der möglicherweise zu einem Umdenken führen könnte. Doch auch hier stellt sich das Problem, dass wir derzeit in einer Sondersituation sind. Nach der Krise wird die Industrie wieder produzieren und der Verkehr wieder zunehmen – und dann ist alles beim Alten.
  • Gab es damals, als die Post elektrisch-angetriebene Fahrzeuge entwickelte, auch Überlegungen, wie sich die neue geräuscharme Fortbewegungsart auf unser Zusammenleben in Stadt und Land auswirken würde? 
Joel Fischer: Die frühen Elektroautos der Post waren gar nicht so leise, wie wir heute denken. In den 1920er-Jahren wurden die E-Autos der Post mit Ketten angetrieben. Das war zwar nicht so laut wie ein Benziner, doch es knatterte ziemlich. Später, in en 1950er-Jahren, waren sie dann etwas leiser, aber auch nicht geräuschlos. Die Fahrzeuge klangen, bzw. summten damals wie heute die S-Bahnen. Überlegungen zum Verkehrslärm gab es nachweislich Ende der 1950er-Jahre, als die Post aufhörte Elektroautos herzustellen, weil ein neues Steuergesetz kam, das den Unterhalt wesentlich verteuerte. Damals nannten Expert*innen unter anderem die Luftverschmutzung und den Lärm in den Städten als Grund, weshalb die Elektroautos weniger besteuert werden sollten. Der Bundestag ignorierte aber die Einwände. Zuvor galt das Elektroauto zwar als leises (Stadt-)Fahrzeug, aber anfänglich – in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts – ging es eher um den Benzin-Gestank, der bei den Elektroautos wegviel. Der Lärm der Motoren war damals auch ein Argument, aber umfangreiche Überlegungen zu den Auswirkungen auf das Zusammenleben in der Stadt sind mir nicht bekannt.
  • Könntest Du eine Zukunftsprognose treffen, wie Deutschlands Schlüsselbranche, die Automobilindustrie, auf die Einschneidungen reagieren wird? Werden wir einen Boom der Elektromobilität erleben, jetzt, da auch der Ölpreis immer volatiler wird?
Joel Fischer: Ich glaube, dass niedrige Ölpreise eher gegen die Elektromobilität sprechen, weil dann das Autofahren mit Benziner billiger ist. Vor den Corona-Einschneidungen hat die Automobil-Branche ja bereits begonnen in die Elektromobilität zu investieren. Ich glaube, dass dieser Kurs auch nach dem Lockdown weitergeführt werden wird – ungeachtet der Ölpreise. Am Ende geht es ja um die Rohstoffknappheit und die Abhängigkeit vom (schwankenden) Ölpreis. Und der wird nach der Krise sicherlich wieder steigen. Von einem postpandemischen Boom gehe ich deshalb nicht aus. Die Entwicklung wird aber, denke ich, unbeirrt weitergeführt werden.
  • Wie stark bringen globale Verwerfungen (wie etwa die Ausbreitung des Virus) neue Technologien hervor? Welche Entwicklungssprünge in der Elektromobilität konntest Du beobachten, die getrieben waren von politischen und gesamtgesellschaftlichen Veränderungen? 
Katastrophen und Seuchen sind immer in gewisser Weise eine Zäsur, die auch technologische Entwicklungen beeinflussen. Im zweiten Weltkrieg beispielsweise erinnerte man sich an das Elektroauto, weil es nicht auf Öltransporte aus dem Ausland angewiesen war. Ebenso in der Ölkrise Anfang der 1970er-Jahre.
Joel Fischer

Nach dem Krieg und als das Öl wieder da war, verlor sich das aber wieder. Ein direkter Zusammenhang für die Gesamtentwicklung durch “globale Verwerfungen” kann deshalb für die Elektromobilität nicht bestätigt werden. Ich glaube, dass die Corona-Pandemie eher in anderen technologischen Bereichen eine nachhaltige Auswirkung haben könnte. Der Lockdown forciert das mobile Arbeiten, das Homeoffice und damit die Digitalisierung. Auch privat spielen Kommunikationsmedien eine größere Rolle. Ich glaube, dass es eher in diesen Bereichen einen Zulauf geben wird. Insbesondere im Bereich des Homeoffice haben viele die Vorteile erkannt und bemerkt, dass das gar nicht so schlecht ist. Auch Skype-Gespräche oder Plattformen wie Zoom oder Jitsi finden Zulauf und werden sicherlich auch nach der Krise stärker genutzt. Gesamtgesellschaftliche Veränderungen wird es im Bereich der Technologie aber höchstwahrscheinlich nicht geben. Aber man weiß ja nie. Ich bin gespannt, was kommen wird. 

Übrigens: Der Wagen La Jamais Contente (frz: Die nie Zufriedene), der auf dem Titelbild dieses Beitrags zu sehen ist, war ein elektrisch betriebener Geschwindigkeitsrekordwagen, der als erstes Straßenfahrzeug eine Geschwindigkeit von mehr als 100 km/h erreichte.

Interview: Regina Hock, 25. April 2020
Zum Welttag des Buches

Zum Welttag des Buches

Seit seiner Einführung durch die UNESCO im Jahre 1995, feiern wir weltweit jedes Jahr am 23. April mit dem UNESCO-Welttag des Buches, das Lesen, die Bücher und die Rechte von Autoren. Wir möchten aus diesem Anlass heute die tollen Museumsbibliotheken in Frankfurt vorstellen, die ihre jeweiligen Museen literarisch unterstützen und die Frankfurter Bibliothekslandschaft mit ihrem diversen und spezifischen Bestand bereichern.

Vielfalt und Gemeinsamkeit

So vielfältig sich die Frankfurter Museumslandschaft gestaltet, so spezifisch und divers sind auch die Bestände der Museumsbibliotheken, über die viele der Museen verfügen. Die Bibliotheken und Archive nehmen hier Aufgaben der literarischen Versorgung der Museumsmitarbeiter*innen wahr, begleiten die Ausstellungen durch passende Bestände und bewahren das Kulturgut ihrer Einrichtungen. Da sie zumeist auch öffentlich zugänglich sind, bereichern sie das bibliothekarische Angebot der Region mit spezifischen, teilweise einzigartigen Medienbeständen, die interessierte Besucher*innen nach kurzer Anmeldung nutzen können.

Die verschiedenen Fachgebiete und Spezialsammlungen sind komplex und spannend. So werden historisch-kulturelle Themen vertreten durch die Bibliotheken und Archive des Historischen Museums, des Archäologischen Museums, des Instituts für Stadtgeschichte, des Frankfurter Goethehauses, des Jüdischen Museums und der Bibliothek des Museums für Weltkulturen. Und während sich das Museum für Kommunikation besonders dem kommunikationsgeschichtlichen Aspekt der Historie zuwendet, beherbergt das Archiv Frau und Musik u.a. das umfangreichste internationale Komponistinnen-Archiv weltweit.

Für die Themen Kunst, Architektur, Gestaltung und Design stellen die Bibliotheken und Archive eine besondere Bandbreite an Beständen bereit, so in jenen des Deutschen Architekturmuseums, der Kunstsammlung der DZ Bank, der Kunstbibliothek und Städelschule, des Museums für Angewandte Kunst, des Museums für Moderne Kunst und des Rats für Formgebung.

Bibliotheken und Archive des Deutschen Filminstituts und der Kinothek Asta Nielsen bieten Medien zum Thema Filmgeschichte, und mit dem Klingspor-Museum und der HFG werden die gemeinsamen Literaturbestände ergänzt durch zwei Institutionen aus Offenbach.

Um diese Vielfalt auf einen Blick sichtbar zu machen und zur besseren gemeinsamen Vernetzung, haben die Frankfurter Museumsbibliotheken bereits 1997 mit Unterstützung des Frankfurter Kulturamtes begonnen, ihre Bestände digital zu katalogisieren. Seit 2001 in einem gemeinsamen Webkatalog, seit 2014 zusätzlich im Verbund SWB vertreten, kann in den Beständen von derzeitig 19 Museumsbibliotheken gleichzeitig recherchiert werden.

Suchen und Finden

Einen Überblick zu den Wissensgebieten, die von einzelnen oder mehreren der Frankfurter Museumsbibliotheken gesammelt, erfasst und zur Verfügung gestellt werden, finden sich in einer praktischen Themenübersicht auf der Webseite des Verbundes der Frankfurter Museumsbibliotheken (VFMB), zusammen mit Portraits und Kontaktdaten der einzelnen Einrichtungen.

Wir wünschen viel Spaß beim virtuellen Entdecken der Frankfurter Museumsbibliotheken und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen mit unseren Besucher*innen.

 

Sandy Lang, 23. April 2020

Guess what! Töne im Museum

Guess what! Töne im Museum

Für Coding da Vinci Rhein-Main hatte die Museumsstiftung Post & Telekommunikation (MSPT) ein Set von Tonaufnahmen zu Verfügung gestellt, insbesondere zu Ruftönen aus der Telefonsammlung. In der Reihe “Guess what! Töne im Museum” stellen wir immer einen Ton aus dem Datenset im Form eines Quiz vor. Die Daten liegen auch für andere verfügbar auf der Webseite von Coding da Vinci bereit.

 

Telefonsammlung

Für Coding da Vinci Rhein-Main hatte die Museumsstiftung Post & Telekommunikation (MSPT) ein Set von Tonaufnahmen zu Verfügung gestellt, darunter auch Ruftöne aus der Telefonsammlung. Die Sammlung von Telefonapparaten hat ihren Ursprung am Anfang des 19. Jahrhunderts im Berliner Reichspostmuseum. Fernsprecher ‒ wie sie damals hießen ‒ bilden bis heute eine zentrale Objektgruppe der Sammlung der MSPT, zu der die Museen für Kommunikation Berlin, Frankfurt und Nürnberg sowie das Archiv für Philatelie in Bonn gehören. Die Telefone sind Teil der Fernmeldesammlung, die dem Standort Frankfurt zugeordnet ist.

Die Fernsprecher stehen im Regelfall stumm im Schrank in den Sammlungsräumen, ausgewählte Stücke werden in der Dauerausstellung präsentiert. Für Wechselausstellungen und für frühere Audioguides wurden hin und wieder Tonaufnahmen von noch funktionsfähigen Telefonapparaten aus der Sammlung erstellt, sodass exemplarisch Ruftöne, das Geräusch der Kurbelbewegung bei ganz frühen Apparaten, das Zurückschnurren der Wählscheiben und das Anschlagen der Tasten vorhanden sind.

 

Welcher Apparat klingelt da?

Zu welchen Telefon gehört dieser Klingelton?

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Lösung

Fernsprechapparat alpha Ferro quick

DDR, 1990

Tasten statt der traditionellen Wählscheibe waren das sichtbare Zeichen für den Einzug der Elektronik in die Apparatetechnik. Schnell und einfach per Tastendruck – eben „quick“ – konnten nun Funktionen wie Wahlwiederholung und Nummernspeicher genutzt werden – ohne externe Zusatzgeräte.

Der MP3-Datensatz gibt nur einen kleinen Auszug aus der Sammlung von Telefonapparaten wider, die sich zum Teil durch den 2001 gedruckten Katalog „Telefone 1863-2000“ und durch Recherchen in der Online-Objektdatenbank weiter erschließen lässt.

 

Tine Nowak, 20. April 2020

Der Weltamateurfunktag – Die Rolle des Funkens heute

Der Weltamateurfunktag – Die Rolle des Funkens heute

Heute findet – wie jedes Jahr am 18.4. – der Weltamateurfunktag der International Amateur Radio Union statt, da diese heute vor genau 95 Jahren in Paris gegründet wurde. Auch auf dem Dach des Museums für Kommunikation in Frankfurt befindet sich eine Amateurfunkstation. Diese bieten normalerweise reichlich Möglichkeiten zum Erkunden und Besichtigen von historischen Geräten – und manchmal sogar die Möglichkeit, beim Funken dabei zu sein. Da dies aufgrund der aktuellen Situation vorerst nicht möglich ist, bringen wir Euch das Funken auf eine andere Weise näher: Anlässlich des Jubiläums habe ich Karl-Heinz Wolf, Mitglied des Deutschen Amateur-Radio-Clubs (DARC), ein paar Fragen gestellt.

Funken als Hobby

Die Funktechnologie entstand Ende des 19. Jahrhunderts und schon in den frühen 1900er Jahren gab es eine Funkpflicht für Schiffe. Durch den zunehmenden Datenverkehr erfolgte dann die Unterteilung in den offiziellen und den privaten bzw. den Amateurfunk, der erstmals auch Experimentalstationen ermöglichte.

Heute zählt der DARC etwa 33.000 Mitglieder, die das Hobby in ihrer Freizeit betreiben. Kommunikation mit Schwellenländern ohne Internet und die Förderung des technisch-wissenschaftlichen Nachwuchses sind nur einige der Ziele, welche die Amateurfunker verfolgen.

Im Gespräch mit Karl-Heinz Wolf, Mitglied des DARC

Man kennt Funkverbindungen ja bereits durch den Seefunk oder den Flugfunk. Der „Amateurfunk“ ist jedoch nicht weniger wichtig. Was würden Sie sagen, macht seine besondere Rolle aus?

Der Amateurfunkdienst ist genauso ein Dienst wie der Seefunk, Polizeifunk, Flugfunk und so weiter. Man braucht dafür eine offizielle Zulassung der Telekommunikationsbehörde. Der große Unterschied ist, dass alle anderen genannten Dienste kommerziell sind. Dabei bezahlt man Gebühren, wie in etwa bei dem Handyvertrag, und hat Anspruch auf eine gewisse Funkqualität und Verfügbarkeit. Die Gebühren des Amateurfunkdienstes sind weitaus geringer und wir haben die Möglichkeit, auch selbstgebaute Geräte in Betrieb zu nehmen.

Mit dem kleinen Sender der Funkstation auf dem Dach des Museums kann man zum Beispiel durch ganz Europa, mit den richtigen Bedingungen sogar durch die ganze Welt, funken. Jedoch sind diese Verbindungen, im Gegensatz zu den kommerziellen Diensten, nicht garantiert. Deshalb sagen wir „Amateurfunk“: Nicht, weil wir amateurtechnische Geräte verwenden, sondern weil man eben nicht für eine bestimmte Dienstleistung bezahlt. Aus diesem Grund senden wir auch kein „SOS“, „panic“ oder „mayday“.

Trotzdem ist es doch richtig, dass der Amateurfunk für Notfall- oder Katastrophenhilfe eingesetzt wird, oder?

Das ist richtig. Das Thema Not-Funk ist dafür gedacht, wenn Kommunikationsnetze ausfallen. Das heißt jedoch nicht, dass wir diese Kommunikation übernehmen, sondern vielmehr unterstützen. Die eingesetzten Hilfskräfte bei Katastrophen haben meist keine Zeit, minimale Nachrichten von Menschen an Angehörige zu übermitteln. Wir können dann mit jemandem auf der Welt Kontakt aufnehmen, der in der Lage ist, diese Nachricht an den jeweiligen Empfänger weiterzuleiten. Da gibt es dann mehrere Möglichkeiten. Entweder Analogfunk oder Digitalfunk, die Bandbreite ist wirklich unendlich groß.

Viele dieser Arten von Funk kann im Museum für Kommunikation besichtigen. Könnten Sie einmal grob die Unterschiede und Anwendungsgebiete von Morse, Sprech-, Bild- und Satelitenfunk skizzieren?

Morse ist eine der ersten Digitalfunkarten. Der sog. „Morsecode“ besteht aus drei Informationselementen, welche das komplette Alphabet abdecken. Eingesetzt wird das, um mit geringen Leistungen möglichst weit kommunizieren zu können. Damit kann ich mithilfe von Abkürzungen, auch ohne lokale Sprachkenntnisse, international Nachrichten übertragen.

Bei Sprechfunk ist es ganz klar. Dazu gehört auch die Telefonie. Dazu braucht man aber eine gewisse Bandbreite und es ist erheblich mehr Leistung notwendig. Der Satelitenfunk hingegen hat von Haus aus schon Radioqualität, funktioniert jedoch dementsprechend nur regional.

Dann gibt es natürlich noch eine Übertragung, die nennt sich „hamnet“. Das steht für „highspeed amateur multimedia network“. Das ist ein wireless LAN, welches wir auch gerne im Museum zeigen. Dabei geht durch das Multimedia Netzwerk eigentlich alles: von Sprache bis hin zu Video und dem klassischen Internet.

Man merkt, das Hobby des Amateurfunks ist ein wahnsinnig weites Spektrum. Eigentlich ist die Technik dabei nur das Mittel zum Zwecke der Völkerverständigung. Das Kennenlernen von Kulturen und anderen Menschen steht dabei im Vordergrund. Ich kenne keinen Funkamateur, der sich nur in seinem Kämmerchen vergräbt und nicht offen zu Menschen spricht. Wir sind unabhängig von allen Nationalitäten, Geschlecht, politischen Gedanken, religiösen Sichtweisen oder körperlicher Unversehrtheit. Außerdem darf bei Funken jeder mithören und den Unterhaltungen folgen – auch ohne Lizenz.

Wir leben einer Welt, die durch das Internet und die Digitalisierung geprägt ist. Dieses Thema beleuchtet auch unsere neue Ausstellung #neuland. Warum ist es trotzdem noch so wichtig, dass der Nachwuchs des Amateurfunks gefördert wird?

Wir beim Amateurfunk haben zwangsläufig eine Öffentlichkeit, weil wir keine verschlüsselten Verbindungen wie beim Mobilfunk besitzen. Diese Öffentlichkeit zwingt uns dazu, und das ist auch vernünftig aus meiner Sicht, völlig offen zu kommunizieren, höflich zu bleiben und sofort das Gegenüber zu respektieren. Überträgt man das auf das alltägliche Leben, so lebt man automatisch völlig vorurteilsfrei und miteinander. Offene und direkte Kommunikation – das ist für mich der Schlüssel zu einem vernünftigen Zusammenleben.

Die Förderung des Nachwuchses ist also vor allem wegen der Weitergabe dieser Werte wichtig. Zur Förderung machen wir viele Kurse, bei denen man die Lizenz zum Funken erwerben kann und mit der Technik vertraut wird. Das ist immer spannend für Jugendliche. Mit der Lizenz kann man selbstständig tätig sein und mit den über 2,5 Mio. Funkamateure weltweit kommunizieren. Dabei geht es vielmehr um die Community als um die Technologie. Wir haben heutzutage so viele unterschiedliche Kanäle, da muss man aufpassen, dass man sich nicht verzettelt.

Auch im Museum machen wir zur Nachwuchsförderung u.a. den „Kids Day“. Dort können nicht nur Kinder, sondern auch jung gebliebene Erwachsene unter Aufsicht auch ohne Lizenz selbst funken. Wir sind immer gerne bereit, das Funken zu erläutern. Wir haben auch ein paar kleine Mobilfunkgeräte da, die jeder mal ausprobieren kann. Das sind prinzipiell diese Walkie-Talkies, die man in Kaufhäusern erwerben kann. Das ist auch eine ganz vernünftige Geschichte, wenn man unter naheliegenden Freunden kommunizieren möchte, ohne das Telefon zu blockieren. Dafür braucht man nämlich nicht zwingend so eine riesige Funkstation, wie wir sie im Museum haben.

In Zeiten von Corona und „Social Distancing“ bekommt Kontaktpflege eine neue Bedeutung. Was macht sich konkret in der aktuellen Situation in Ihrem Umfeld bemerkbar?

Mir ist vor allem auf unseren Funkbändern aufgefallen, dass wesentlich mehr los ist als sonst. Das liegt aber nicht daran, dass wir das Thema Corona überstrapazieren, sondern vielmehr, weil die Menschen nun eher zuhause sind. Bedingt dadurch, dass sie nicht zur Arbeit gehen können und / oder dürfen, nutzen sie ihr Hobby Funk. Es gibt eine ganze Menge mehr an menschlicher Nähe. Einfach sich mit Worten austauschen zu können – auch wenn jemand mithört – ist eine gravierende Menge an Kommunikation, die man leisten kann. Dass wir diesen Kanal jetzt mehr nutzen, geraden in Zeiten wie diesen, ist für mich selbstverständlich. Das ist auch vernünftig so.

Das führt uns nun fast schon zum Ende. Die Türen des Museums sind momentan für physische Besucher geschlossen und auch die Lange Nacht der Museen fällt aus, wo Sie ja auch präsent gewesen wären. Haben Sie Alternativen, wie Interessenten sich weiterhin über das Funken informieren können?

Da gibt es mehrere Wege über das Internet. Da wäre zum Beispiel die Möglichkeit über Google Arts & Culture, die einen virtuellen Rundgang durch das Museum und die Funkstation ermöglicht.

Über unsere Facebook-Seite kann man sich informieren, was gerade so bei uns passiert. Dann gibt es noch unsere Ausbildungsseite mit Informationen zu den Lehrgängen in den Herbstferien. Selbst wenn Versammlungen bis dahin noch untersagt sein sollten, führen wir diese digital via Videokonferenz durch.

Das klingt sehr vielversprechend. Ich danke Ihnen für das Gespräch und die vielen, aufschlussreichen Informationen. Bleiben Sie gesund.

Funken – früher und heute

Man merkt: die Möglichkeiten und die Vielseitigkeit des Amateurfunks sind nahezu unbegrenzt. Mit der zunehmenden Vernetzung durch Internet und Digitalisierung, werden diese Arten von Verbindung immer leichter zugänglich und rücken das Funken hingegen immer mehr in den Hintergrund. In einem gesellschaftlichen Wandel zu physischer Distanz und psychischer Nähe, wird jedoch auch diese Tätigkeit wieder vermehrt praktiziert und geschätzt. Vielleicht entdeckt ja der ein oder andere während der Zeit zuhause ebenfalls ein neues Hobby: den Amateurfunk.

DL 0 DPM – Die Amateurfunkstation im Museum für Kommunikation in Frankfurt im Web und bei Facebook.

Autorin: Regina Lang 18. April 2020